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Chiropraktik

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Auf den Punkt gebracht

Chiropraktik ist eine manuelle Behandlungsmethode, die vor allem an der Wirbelsäule ansetzt. Kern sind rasche, gezielte Handgriffe an Gelenken, sogenannte Manipulationen. In Österreich dürfen chiropraktische Behandlungen nur Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen durchführen.

Was ist Chiropraktik?

Chiropraktik ist eine manuelle, körperorientierte Therapie, die sich vor allem mit der Wirbelsäule befasst. Nach ihrer Grundidee hängt die Gesundheit eng mit dem Zusammenspiel von Wirbelsäule und Nervensystem zusammen. Wichtigste Methode ist die Manipulation der Wirbelsäule, im Alltag oft „Einrenken“ genannt. Daneben können Wärme- und Kälteanwendungen, Massagen, Bewegungsübungen oder Ratschläge für einen rückenfreundlicheren Arbeitsplatz dazugehören.

Unter einer Manipulation versteht der Berufsverband Physio Austria eine Bewegung mit kurzem Hebel, kleinem Ausschlag und wenig Kraft. Sie wird mit einem schnellen Impuls auf ein Gelenk ausgeführt, an der Wirbelsäule ebenso wie an Armen und Beinen.

Woher kommt die Chiropraktik?

Als Begründer gilt der aus Kanada stammende Daniel David Palmer, der in Davenport im US-Bundesstaat Iowa zuvor als magnetischer Heiler gearbeitet hatte. Er nannte später den 18. September 1895 als Tag seiner ersten chiropraktischen Behandlung, das genaue Datum ist allerdings nicht gesichert. Palmer suchte die Ursache von Krankheiten in verschobenen Wirbeln, die auf Nerven drücken sollten.

Diese Vorstellung prägt die Chiropraktik bis heute unterschiedlich stark. Manche Chiropraktiker:innen wollen durch das Korrigieren vermeintlicher Wirbelverschiebungen eine Lebensenergie wieder zum Fließen bringen. Andere lehnen diese Sicht ab, manche von ihnen beschränken sich auf Beschwerden des Bewegungsapparats.

Was sagt die Forschung?

Am besten untersucht ist Chiropraktik bei Schmerzen im unteren Rücken. Studien zeigen dort eine kurzfristige Linderung, eine Behandlung über drei Monate hinaus bringt möglicherweise keinen zusätzlichen Nutzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt in ihrer Leitlinie von 2023 die Manipulation der Wirbelsäule als eine Maßnahme, die Erwachsenen mit chronischen Kreuzschmerzen angeboten werden kann. Die Sicherheit der zugrunde liegenden Studienergebnisse stuft sie allerdings als sehr gering ein und empfiehlt, mehrere Maßnahmen zu einem auf die Person abgestimmten Behandlungspaket zu bündeln.

Bei Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen, kann die Behandlung manchmal helfen, der Nutzen hält aber nicht lange an. Für Krankheiten, die nicht direkt mit dem Bewegungsapparat zusammenhängen, etwa Asthma, Koliken oder Mittelohrentzündungen bei Kindern, gibt es keine Belege für eine Wirkung.

Welche Risiken gibt es?

Nach einer Manipulation können vorübergehend Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Erschöpfung auftreten, die meist innerhalb von 24 Stunden abklingen. Schwere Komplikationen sind selten. Dazu zählen Schäden an Nerven oder an den Arterien im Nacken.

Die amerikanische Herz- und Schlaganfallgesellschaft (AHA) hat 2014 den Zusammenhang mit Einrissen in der Wand von Halsarterien untersucht. Solche Einrisse sind eine wichtige Ursache von Schlaganfällen bei jüngeren Menschen. Die meisten Bevölkerungsstudien fanden bei jungen Menschen einen statistischen Zusammenhang zwischen Manipulationen der Halswirbelsäule und solchen Schlaganfällen. Unklar ist, ob der Handgriff den Einriss auslöst oder ob ein bereits bestehender Einriss unerkannt blieb. Nackenschmerzen und einseitige Kopfschmerzen können nämlich selbst Anzeichen eines solchen Einrisses sein, Behandelnde sollen das vor einer Manipulation bedenken. Die AHA rät deshalb, vor einer Manipulation der Halswirbelsäule über diesen Zusammenhang aufzuklären.

Bei Osteoporose, bei Nervenschäden mit Taubheit oder Kraftverlust in Armen oder Beinen, nach Wirbelsäulenoperationen, nach einem Schlaganfall und bei Gefäßerkrankungen ist von einer Manipulation der Wirbelsäule abzuraten.

Wer darf Chiropraktik in Österreich ausüben?

Chiropraktische Tätigkeiten sind in Österreich Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen vorbehalten. Das hat das Gesundheitsministerium 2015 festgehalten. Andere Berufe, etwa Heilmasseur:innen, dürfen solche Behandlungen nicht durchführen, Verstöße können strafbar sein. „Chiropraktiker:in“ ist in Österreich keine offizielle Berufsbezeichnung, ein eigenes Berufsgesetz gibt es nicht.

Bei Ärzt:innen gehören die Handgriffe zur manuellen Medizin, bei Physiotherapeut:innen zur manuellen Therapie. Für Manipulationen braucht es laut Physio Austria eine eigene Weiterbildung, und Patient:innen sind vorher über Risiken aufzuklären.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)