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Osteopathie

05:24

Auf den Punkt gebracht

Osteopathie ist eine Behandlungsform, bei der mit den Händen untersucht und behandelt wird, etwa an Gelenken, Muskeln und Bindegewebe. Sie geht auf den US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still im späten 19. Jahrhundert zurück. In Österreich ist Osteopathie kein eigener gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf, und die Bezeichnung „Osteopath:in“ ist nicht geschützt.

Was ist Osteopathie?

Osteopathie stützt sich auf Berührung mit den Händen, um Beschwerden zu erkennen und zu behandeln. Nach ihren Grundsätzen bildet der Mensch eine zusammenhängende Einheit, und Bau und Funktion des Körpers hängen eng zusammen. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass eine Störung an einer Stelle Beschwerden an einer ganz anderen Stelle auslösen kann. Behandelt wird deshalb manchmal auch abseits der Region, die schmerzt.

Woher kommt die Osteopathie?

Begründet hat die Osteopathie Andrew Taylor Still (1828–1917), ein amerikanischer Arzt und Chirurg, im späten 19. Jahrhundert. Von ihm stammt auch der Name. Einer seiner Schüler brachte die Methode Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa.

Heute wird Osteopathie weltweit sehr unterschiedlich ausgeübt. In den USA ist die osteopathische Medizin ein vollwertiger ärztlicher Beruf. In anderen Ländern ist Osteopathie ein eigener Gesundheitsberuf oder gar nicht gesetzlich geregelt.

Wie wird behandelt?

Im deutschsprachigen Raum unterscheidet man häufig drei Bereiche: den Bewegungsapparat (parietale Osteopathie), die inneren Organe (viszerale Osteopathie) sowie Schädel, Wirbelkanal und Kreuzbein (kraniosakrale Osteopathie). In der Praxis gehen diese Bereiche ineinander über.

Bei strukturellen Techniken werden Gelenke der Wirbelsäule und der Gliedmaßen mobilisiert oder manipuliert, also mit einem kurzen, schnellen Impuls bewegt. Myofasziale Techniken arbeiten an den Faszien, dem Bindegewebe um die Muskeln. Bei der viszeralen Osteopathie wird an den inneren Organen gearbeitet, bei kranialen Techniken mit sanften Handgriffen am Schädel. Daraus hat sich auch die Cranio-Sacral-Therapie entwickelt.

Was sagt die Forschung?

Die Bewertungen fallen unterschiedlich aus. Ein Bericht des österreichischen HTA-Instituts AIHTA kam 2022 zum Schluss, dass Osteopathie Nacken- und Kreuzschmerzen kurz- bis mittelfristig verbessern kann. Bei Schulter- und Fußschmerzen gab es Hinweise auf eine mögliche Besserung, bei Knieschmerzen, Osteoporose und Fibromyalgie blieb die Wirkung unklar. Die Studien hatten allerdings ein unklares bis hohes Risiko für verzerrte Ergebnisse.

Der deutsche IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertete Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen 2026 erneut mit „unklar“. Zwar gebe es einzelne Hinweise auf weniger Beschwerden bei chronischen Kreuzschmerzen, ihre Aussagekraft sei aber sehr gering. Ein Nutzen sei daher nicht nachweisbar. Für Beschwerden von Kindern, für Kopfschmerzen und für das Reizdarmsyndrom sind die Belege laut einer Übersichtsarbeit von 2022 begrenzt und nicht eindeutig.

Ist Osteopathie sicher?

In den Studien traten kaum unerwünschte Wirkungen auf, und schwere Zwischenfälle wurden nicht berichtet. Vereinzelt beschrieben Behandelte Schmerzen, Frösteln, Müdigkeit, Schwindel oder starke Gefühlsreaktionen wie Weinen. Viele Studien haben Nebenwirkungen allerdings nur unzureichend erfasst.

Für schnelle Handgriffe an der Wirbelsäule gelten laut Physio Austria dieselben Sorgfaltsregeln wie in der Chiropraktik. Vor allem Drehbewegungen an der oberen Halswirbelsäule können die Gefäße gefährden. Dazu gehören deshalb eine gründliche Abklärung von Gegenanzeigen und die Aufklärung über Risiken.

Wer bietet Osteopathie in Österreich an?

In Österreich ist die Osteopathie gesetzlich nicht geregelt, und die Bezeichnung „Osteopath:in“ ist ungeschützt. Sie darf daher auch von Personen mit sehr unterschiedlicher Ausbildung verwendet werden. Ausgeübt wird Osteopathie vor allem von Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen mit umfangreicher osteopathischer Zusatzausbildung. Ärzt:innen dürfen sie uneingeschränkt anwenden, Physiotherapeut:innen im Rahmen ihres Berufsgesetzes, in der Regel nach ärztlicher Anordnung. Manipulationen an der Wirbelsäule sind nach Auffassung des Gesundheitsministeriums Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen vorbehalten.

Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Wer Osteopathie ohne Gesundheitsberuf anbietet, darf deshalb keine Krankheiten behandeln. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Osteopathie in der Regel nicht, manche Privatversicherungen zahlen dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (8)