Was ist Taping?
Taping bezeichnet das Bekleben der Haut mit selbstklebenden Bändern, um einen Körperteil zu stützen oder Beschwerden zu beeinflussen. Dabei lassen sich zwei Arten unterscheiden. Klassische Tapes werden zum Beispiel um das Sprunggelenk gelegt, um es von außen zu stützen und einem Umknicken vorzubeugen. Sie erfüllen damit eine ähnliche Aufgabe wie eine Schiene oder Bandage.
Kinesio-Tapes, auch K-Tapes genannt, sind dagegen dünner und dehnbarer als die Tapes, die sonst in Sport und Physiotherapie üblich sind. Sie bestehen meist aus Baumwolle, enthalten keine Wirkstoffe und lassen die beklebten Muskeln und Gelenke beweglich.
Woher kommt das Kinesio-Taping?
Entwickelt hat die Methode der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase in den 1970er-Jahren. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden die auffälligen bunten Bänder durch die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Damals wurden die Tapes kostenlos an Sportler:innen aus vielen Ländern verteilt und waren in den Fernsehübertragungen weltweit zu sehen.
Wie wird getapt?
Beim Kinesio-Taping werden die Tapes gespannt auf die Haut geklebt, meist entlang der darunter liegenden Muskeln. Wie und wo sie angelegt werden, ist nicht einheitlich, in Studien zu Rückenschmerzen klebten sie zum Beispiel teils sternförmig. In den Studien zu Rückenschmerzen blieben sie zwei bis 14 Tage auf der Haut.
Hinter der Methode stehen mehrere Annahmen. Die Tapes sollen die Haut leicht anheben, den Druck auf Rezeptoren in der Haut verringern und die Durchblutung sowie den Lymphfluss verbessern. Dadurch sollen sie Muskeln und Gelenke unterstützen und Schmerzen lindern. Die vorliegenden Studien stützen diese Annahmen bisher nicht.
Was sagt die Forschung?
Für Kinesio-Tapes ist ein Nutzen kaum belegt. Eine Übersichtsarbeit von 2014 mit zwölf Studien zu Schulter-, Knie-, Nacken- und Rückenschmerzen fand, dass Kinesio-Tapes nicht besser wirkten als Schein-Tapes oder andere Behandlungen. Wo kleine Vorteile auftraten, waren sie vermutlich zu gering, um spürbar zu sein.
Ähnlich fallen spätere Auswertungen aus. Bei chronischen Kreuzschmerzen linderten Kinesio-Tapes die Schmerzen laut dem Faktencheck Medizin Transparent wahrscheinlich nicht stärker als Schein-Tapes. Die deutsche Leitlinie zu Kreuzschmerzen riet in ihren Patienteninformationen von 2017 und 2018 bei akuten und bei anhaltenden Beschwerden davon ab, sie wird derzeit überarbeitet. Bei Erkrankungen der Rotatorenmanschette in der Schulter brachte Kinesio-Taping laut einer Cochrane-Übersicht von 2021 wenig oder keinen Nutzen. Bei einem Lymphödem am Arm nach Brustkrebs verringerten die Tapes das Armvolumen in einer Übersichtsarbeit von 2023 nicht deutlich.
Beim Sprunggelenk unterscheiden sich die Tapes. Für Kinesio-Tapes gibt es laut dem österreichischen Gesundheitsportal keine nachgewiesene vorbeugende Wirkung gegen Knöchelverstauchungen. Ob Klebe-Tapes nach einer Verstauchung die Heilung verbessern, ist unklar. Eine ältere Übersichtsarbeit von 2010 fand jedoch, dass klassische Tapes und Schienen bei Sportler:innen nach einem früheren Umknicken erneute Verstauchungen deutlich seltener machten.
Gibt es Nebenwirkungen?
Mögliche Nebenwirkungen sind wenig erforscht, weil viele Studien sie nur am Rande erfasst haben. In einer Auswertung zu Rückenschmerzen berichteten zwei von elf Studien von leichten allergischen Hautreaktionen. Auch die Cochrane-Übersicht zur Schulter fand dazu nur spärliche und unsichere Daten.