Psychodynamische Psychotherapie ist ein Sammelbegriff für Psychotherapien, die aus der Psychoanalyse hervorgegangen sind. Sie gehen davon aus, dass unbewusste Kräfte und frühere Erfahrungen das heutige Erleben und die Beziehungen eines Menschen mitprägen. Im Gespräch werden wiederkehrende Muster erkannt und bearbeitet, auch in der Beziehung zur Psychotherapeut:in.
Was ist psychodynamische Psychotherapie?
Psychodynamische Psychotherapien stehen in der Tradition der Psychoanalyse oder haben sich aus ihr entwickelt. Sie verstehen Menschen so, dass sie auch auf unbewusste Kräfte wie Beweggründe und Triebe reagieren. Wichtig ist ihnen, Unbewusstes zu verstehen und ihm eine Bedeutung zu geben, und sie richten den Blick auf Entwicklung und Veränderung.
Die einzelnen Formen unterscheiden sich, haben aber einen gemeinsamen Kern. Sie achten darauf, wie jemand immer wieder mit sich selbst und mit anderen umgeht und wie Gefühle ausgedrückt werden. Dazu kommen die Erkundung von Abwehrmustern und das Gespräch über frühere Erfahrungen, die bis heute nachwirken.
Woher kommt die psychodynamische Psychotherapie?
Ihre Wurzeln liegen in der Psychoanalyse, die der Wiener Neurologe Sigmund Freud begründete. Daneben entstanden weniger intensive Behandlungsformen. Für psychoanalytisch begründete Verfahren insgesamt wird heute der Oberbegriff „psychodynamisch“ verwendet. Die deutsche Leitlinie zur Depression verwendet dafür die Bezeichnung „Psychoanalytisch begründete (oder: psychodynamische) Verfahren“.
In Österreich heißt eine der vier gesetzlich festgelegten Ausrichtungen der Psychotherapie „Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie“. Ihre Schwerpunkte sind laut Sozialministerium das Unbewusste sowie Übertragung und Gegenübertragung. Ging es früher vor allem darum, Unbewusstes bewusst zu machen, soll Patient:innen heute die eigene Persönlichkeitsstruktur zugänglich werden.
Wie läuft eine psychodynamische Psychotherapie ab?
Gearbeitet wird vor allem im Gespräch. Psychotherapeut:innen bewegen sich dabei zwischen deutenden und stützenden Angeboten. Deutungen sollen helfen, wiederkehrende Konflikte zu erkennen, die die eigenen Probleme aufrechterhalten. Stützende Interventionen sollen Fähigkeiten stärken, die einem Menschen gerade nicht zur Verfügung stehen. Was überwiegt, richtet sich nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patient:in.
Eine wichtige Rolle spielt die therapeutische Beziehung. Frühere Erfahrungen sollen durch neue Beziehungserfahrungen mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten korrigiert werden. Behandelt wird einzeln oder in der Gruppe. Kurze Formen umfassen nach der Abgrenzung eines Cochrane-Reviews höchstens 40 Stunden, lange Therapien dauern in der Praxis oft 50 Sitzungen und mehr.
Psychodynamisch, psychoanalytisch, tiefenpsychologisch – was ist der Unterschied?
Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht ganz dasselbe. Die Psychoanalyse ist die ursprüngliche und intensivste Form, eine klassische Analyse findet vier- bis fünfmal pro Woche im Liegen statt. Tiefenpsychologie bezeichnet die Lehre von seelischen Regungen, die unbewusst im Fühlen und Handeln wirken, und umfasst mehrere Schulen. „Psychodynamisch“ dient als Oberbegriff für die daraus abgeleiteten Behandlungen. Den Ausdruck „dynamische Psychotherapie“ verwendet die Forschungsliteratur weitgehend gleichbedeutend.
Wer bietet psychodynamische Psychotherapie in Österreich an?
Psychodynamisch arbeiten Psychotherapeut:innen, die in einer Methode dieser Ausrichtung ausgebildet und in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Die Liste führt dafür zwölf Methoden, darunter die Psychoanalyse, die Individualpsychologie, die Katathym Imaginative Psychotherapie und die Dynamische Gruppenpsychotherapie. Die Ausrichtung dürfen Berufsangehörige in Klammer an ihre Berufsbezeichnung anfügen. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Psychodynamische Verfahren sind weniger mit randomisierten Studien untersucht als die Verhaltenstherapie, hält die deutsche Leitlinie zur Depression fest. Eine Übersichtsarbeit von 2015 fand Hinweise auf Wirksamkeit bei Depression, manchen Angststörungen und körperlichen Beschwerden mit seelischem Hintergrund. Für posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen und Psychosen fand sie wenig Belege. Anderen aktiven Behandlungen war die psychodynamische Therapie in Vergleichen selten überlegen.
Eine Übersichtsarbeit von 2023, überwiegend von Forscher:innen aus der psychodynamischen Therapie verfasst, kam zum Schluss, dass sie bei Depression, Angst-, Persönlichkeits- und körperbezogenen Störungen vermutlich ähnlich wirksam ist wie andere Therapien. Ob eine Methode im Einzelfall passt, lässt sich laut Sozialministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.