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Wer hilft bei psychischen Problemen?

25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026)
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Lesedauer: 14 min
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Du schläfst schlecht, grübelst viel und merkst, dass es so nicht weitergeht. Nur: Wen rufst du an? Psychotherapie, Klinische Psychologie, Psychiatrie, Lebensberatung, Coaching: Die Namen klingen ähnlich, die Berufe sind es nicht. Hier erfährst du, wer in Österreich was darf und welche Anlaufstelle zu deiner Lage passt. Du liest außerdem, wie du Titel prüfst, was die Krankenkasse übernimmt und wo du in einer Krise sofort Hilfe bekommst.

Psychologin, Psychotherapeut, Psychiaterin: Wer macht was?

Bei psychischen Beschwerden helfen in Österreich vor allem drei Gesundheitsberufe: Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Sie dürfen psychische Störungen feststellen und behandeln, aber mit unterschiedlichen Mitteln. Daneben gibt es Berufe, die beraten und begleiten, aber keine Krankheiten behandeln. Der Überblick:

  • Hausärztin oder Hausarzt: oft die erste Ansprechstelle bei psychischen Beschwerden. Sie oder er untersucht, schließt körperliche Ursachen aus und überweist bei Bedarf weiter.
  • Fachärztin oder Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin: Ärzt:innen mit Facharztausbildung für Vorbeugung, Diagnose und Behandlung psychischer Krankheiten. Wie alle Ärzt:innen dürfen sie Medikamente verschreiben.
  • Psychotherapeutin oder Psychotherapeut: behandelt psychische Störungen mit Krankheitswert mit wissenschaftlichen Methoden in einer therapeutischen Beziehung. Medikamente verschreiben gehört nicht dazu.
  • Klinische Psychologin oder Klinischer Psychologe: hat Psychologie studiert und eine Zusatzausbildung gemacht. Nur sie dürfen klinisch-psychologische Diagnostik machen und daraus Befunde und Gutachten erstellen. Sie behandeln auch, zum Beispiel bei Depressionen, Ängsten oder Essstörungen.
  • Gesundheitspsychologin oder Gesundheitspsychologe: fördert Gesundheit und hilft beim Vorbeugen, etwa bei Stress oder ungünstigem Gesundheitsverhalten. Sie unterstützen auch beim Umgang mit einer Erkrankung. Klinisch-psychologische Krankenbehandlung und Psychotherapie gehören laut Gesundheitsportal nicht zu ihren Aufgaben.
  • Lebens- und Sozialberater:in: berät bei Fragen zu Beziehung, Familie, Beruf oder Persönlichkeit. Das ist ein Gewerbe, kein Gesundheitsberuf.
  • Coach: begleitet meist bei beruflichen Fragen und Entscheidungen. Die Bezeichnung ist nicht geschützt, selbstständiges Coaching ist ein Gewerbe.

Als Faustregel: Wenn du krank sein könntest, brauchst du einen Gesundheitsberuf. Wenn es um Fragen und Entscheidungen im Leben geht und du sonst gut zurechtkommst, kann auch Beratung oder Coaching passen. Im Zweifel beginnst du bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.

Akute Krise: Hier bekommst du sofort Hilfe

In einer akuten Krise musst du nicht auf einen Termin warten. Diese Nummern sind rund um die Uhr erreichbar:

  • Telefonseelsorge 142: täglich rund um die Uhr, per Telefon, E-Mail und Chat.
  • Rat auf Draht 147: für Kinder und Jugendliche, anonym und rund um die Uhr.
  • Rettung 144: im Notfall. Bei akuter Gefahr für die Sicherheit auch die Polizei unter 133.

Eine psychiatrische Notlage ist etwas anderes als eine psychosoziale Krise. Liegt eine akute psychische oder körperliche Erkrankung dahinter, braucht es laut Gesundheitsportal rasch medizinische Hilfe. Ruf dann die Rettung.

Viele Bundesländer haben eigene Krisendienste. In Wien ist zum Beispiel der Sozialpsychiatrische Notdienst unter 01 31330 rund um die Uhr erreichbar. In der Steiermark gibt es das Krisentelefon PsyNot unter 0800 44 99 33. Die Liste aller Bundesländer findest du auf gesundheit.gv.at unter „Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr“. Auch psychiatrische Ambulanzen in Spitälern sind Anlaufstellen.

Hast du Gedanken an Suizid oder machst du dir um jemanden Sorgen, ruf noch heute die 142 an. Das Österreichische Suizidpräventionsportal des Sozialministeriums bietet zusätzlich Erste-Hilfe-Tipps und Hilfsangebote je Bundesland.

Frau sitzt am Abend auf dem Sofa und telefoniert

Wohin zuerst? So findest du die passende Anlaufstelle

Welche Stelle passt, hängt davon ab, wie stark dich die Beschwerden einschränken und ob eine Krankheit dahinterstecken könnte. Diese Bedingungen helfen beim Entscheiden:

  • Du weißt nicht, was mit dir los ist: Geh zuerst zu deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Seelische Beschwerden können auch körperliche Ursachen haben. Für eine Psychotherapie auf Kassenkosten braucht es deshalb eine ärztliche Untersuchung, bei der ÖGK spätestens vor der zweiten Sitzung. Auch die telefonische Gesundheitsberatung 1450 hilft rund um die Uhr bei der Frage, wohin du dich wenden kannst. Sie stellt aber keine Diagnosen.
  • Ängste, gedrückte Stimmung, Zwänge oder Schlaflosigkeit belasten dich seit Längerem: Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung kommen infrage. Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kann Psychotherapie sinnvoll sein, wenn Beschwerden mehrere Wochen anhalten und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
  • Du überlegst Medikamente, oder deine Beschwerden sind sehr stark oder akut: Dann sind Ärzt:innen zuständig, bei psychischen Erkrankungen vor allem Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Eine Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung kann dazukommen, die Berufe arbeiten dann zusammen. Bei einer akuten Notlage gilt der Krisenabschnitt oben.
  • Du brauchst eine psychologische Abklärung, etwa für eine Diagnose oder ein Gutachten: Die klinisch-psychologische Diagnostik ist Klinischen Psycholog:innen vorbehalten.
  • Du willst gesünder leben, Stress vorbeugen oder mit einer Erkrankung besser zurechtkommen: Gesundheitspsycholog:innen arbeiten genau daran.
  • Dich beschäftigt eine Frage zu Beziehung, Familie oder Beruf, und du kommst sonst gut zurecht: Lebens- und Sozialberatung oder Coaching können passen. Krank darfst du dafür aber nicht sein, sonst müssen Berater:innen dich an einen Gesundheitsberuf verweisen.

Wer genau hilft, musst du vorher nicht wissen. Ein Beispiel dafür, wie ein erster Schritt aussehen kann:

Mit Jonglieren gegen die Leseangst · 4:37 Min.Günther Lainer erzählt, wie er seine Angst vor dem Vorlesen lange verheimlichte, bis er sie aussprach und sich mit professioneller Begleitung Schritt für Schritt herantastete.

Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Laut Gesundheitsportal dürfen sie ihre Patient:innen bei Bedarf bis zum Alter von 25 Jahren weiter betreuen, bis die Erwachsenenpsychiatrie übernimmt.

Psychologe oder Psychotherapeut: Wo liegt der Unterschied?

Psycholog:innen haben Psychologie studiert, Psychotherapeut:innen haben eine eigene, gesetzlich geregelte Psychotherapieausbildung. Beide Wege können zur Behandlung psychischer Störungen führen, sie beruhen aber auf verschiedenen Gesetzen: Psycholog:innen auf dem Psychologengesetz 2013, Psychotherapeut:innen auf dem Psychotherapiegesetz 2024.

Psychologe vs Psychotherapeut · 1:18 Min.Kurz gesagt: Welche Ausbildung Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen durchlaufen.

Psychologin ist nicht gleich Klinische Psychologin

„Psychologin“ oder „Psychologe“ darf sich nennen, wer ein Psychologiestudium mit mindestens 300 ECTS abgeschlossen hat, also Bachelor und Master, oder ein älteres Diplom- oder Doktoratsstudium der Psychologie. Das Studium allein berechtigt aber noch nicht dazu, Kranke zu behandeln. Dafür braucht es eine Ausbildung nach dem Studium und die Eintragung in eine Berufsliste des Sozialministeriums (es ist auch für Gesundheit zuständig).

Das Psychologengesetz kennt zwei solche Berufe:

  • Klinische Psychologie: Die Ausbildung nach dem Studium umfasst 2.500 Stunden Theorie und Praxis. Klinische Psycholog:innen untersuchen, beraten, begleiten in Krisen und behandeln. Die klinisch-psychologische Behandlung ist eine eigenständige Behandlung und von der Psychotherapie abzugrenzen.
  • Gesundheitspsychologie: Die Ausbildung umfasst 1.940 Stunden. Gesundheitspsycholog:innen fördern Gesundheit, beugen vor und unterstützen bei der Bewältigung von Erkrankungen und in der Rehabilitation. Klinisch-psychologische Krankenbehandlung und Psychotherapie gehören laut Gesundheitsportal nicht zu ihren Aufgaben.

Wann Klinische Psychologie hilft, zählt das Gesundheitsportal auf. Es nennt zum Beispiel die Verarbeitung einer körperlichen Erkrankung, starke Belastungen und Trauer. Behandelt werden auch Depressionen, Angst-, Zwangs- und Essstörungen.

Gesundheitspsychologie vs Klinische Psychologie · 0:56 Min.Kurz gesagt: Wie sich Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie ergänzen.

Psychotherapie: eigener Beruf mit eigenem Gesetz

Psychotherapie ist laut Psychotherapiegesetz 2024 die geplante Anwendung wissenschaftlicher Methoden in einer therapeutischen Beziehung. Ziel ist, Störungen mit Krankheitswert vorzubeugen, sie festzustellen, zu lindern und zu heilen. Psychotherapeut:innen dürfen solche Störungen diagnostizieren. Bei Bedarf überweisen sie zur ärztlichen oder klinisch-psychologischen Diagnostik und Behandlung.

Die Ausbildung wurde mit dem Gesetz 2024 neu geordnet. Bis 2035 gibt es zwei Wege. Der bisherige führt über Propädeutikum und Fachspezifikum, der neue über Bachelor, Master und eine praktische Phase nach dem Studium. Beide berechtigen zur Eintragung in die Berufsliste. Wann Psychotherapie hilft und welche Methoden es gibt, erklärt das Glossar unter Psychotherapie.

Für dich heißt das: Bei vielen psychischen Erkrankungen kommen Psychotherapie und Klinische Psychologie beide infrage. Wichtiger als der Titel ist, dass die Person in der passenden Berufsliste steht und du dich bei ihr gut aufgehoben fühlst.

Ärztliche Hilfe: Wann Hausärztin und Psychiater gefragt sind

Ärzt:innen sind die einzigen, die bei psychischen Erkrankungen Medikamente verschreiben dürfen. Zum ärztlichen Beruf gehört laut Ärztegesetz die Untersuchung auf körperliche und psychische Krankheiten, ihre Behandlung und die Verordnung von Heilmitteln. Psychotherapie umfasst die Verschreibung von Arzneimitteln ausdrücklich nicht.

Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann laut Gesundheitsportal die erste Ansprechstelle sein und überweist bei Bedarf weiter. Manche Allgemeinmediziner:innen haben Zusatzdiplome der Ärztekammer, etwa in Psychosozialer, Psychosomatischer oder Psychotherapeutischer Medizin. Danach kannst du in der Arztsuche der Ärztekammer filtern, ebenso nach Fachrichtung.

Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sind auf psychische Krankheiten spezialisiert. Weil sich die Ausbildungsordnungen geändert haben, tragen manche noch ältere Titel wie „Facharzt für Psychiatrie“ oder „Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie“. Wie Medikamente wirken und worauf du bei der Einnahme achten solltest, liest du im Magazinartikel „Psychopharmaka einnehmen: Was du wissen solltest“.

Was macht ein Psychiater? · 1:36 Min.Kurz gesagt: Was im Erstgespräch bei Psychiater:innen passiert und welche Untersuchungen dazukommen können.

Zusätzlich gibt es in allen Bundesländern psychosoziale Dienste und Einrichtungen. Sie sind laut Gesundheitsportal wichtig für die Versorgung bei psychischen Erkrankungen. Frag bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt nach, welche Stelle in deiner Region zuständig ist.

Lebensberatung und Coaching helfen bei Fragen, nicht bei Krankheiten

Lebens- und Sozialberatung und Coaching unterstützen Menschen, die mit einer Frage im Leben nicht allein weiterkommen. Psychische Krankheiten behandeln sie nicht. Coaching sowie Lebens- und Sozialberatung zählen laut Gesundheitsportal nicht zu den Gesundheitsberufen.

Lebens- und Sozialberatung

Die Lebens- und Sozialberatung ist in Österreich ein reglementiertes Gewerbe nach der Gewerbeordnung. Sie umfasst die Beratung und Betreuung von Menschen, etwa bei Persönlichkeits-, Ehe- und Familien-, Erziehungs-, Berufs- und sexuellen Problemen. Psychologische Beratung gehört dazu, die Psychotherapie ist ausdrücklich ausgenommen. Wer den Befähigungsnachweis in vollem Umfang erbringt, darf sich „Diplom-Lebensberater:in“ nennen.

Die Standes- und Ausübungsregeln ziehen eine klare Grenze. Liegt eine Krankheit vor oder gibt es Anzeichen dafür, müssen Lebens- und Sozialberater:innen nachweislich empfehlen, einen passenden Gesundheitsberuf aufzusuchen. Eine Beratung trotz Krankheit fortzusetzen, gilt als standeswidrig. Außerdem müssen sie dir Auskunft über die voraussichtliche Dauer und die Art der Beratung und das Honorar pro Stunde geben. Frag danach, bevor du beginnst.

Lebensberater vs Psychotherapeut · 1:10 Min.Kurz gesagt: Wo die Lebensberatung endet und die Psychotherapie beginnt.

Mehr über Inhalte und Ausbildung erklären die Glossarbegriffe Lebens- und Sozialberatung und Psychosoziale Beratung.

Coaching

Coaching begleitet laut Arbeitsmarktservice (AMS) Einzelpersonen, Gruppen oder Teams, meist bei beruflichen Entscheidungen und Herausforderungen. Die Bezeichnung „Coach“ ist in Österreich nicht geschützt, jede Person darf sich so nennen. Wer selbstständig coacht, braucht aber eine Gewerbeberechtigung, je nach Ausrichtung für Unternehmensberatung oder Lebens- und Sozialberatung. Ausbildungen sind laut AMS in Inhalt, Dauer und Kosten nicht einheitlich.

Die Wirtschaftskammer Wien beschreibt die Grenzen deutlich. Im Coaching werden keine Diagnosen gestellt und keine Behandlungen durchgeführt. Laufende Behandlungen sollen nicht unterbrochen oder abgebrochen werden. Psychische Erkrankungen lassen ein sinnvolles Coaching oft nicht zu, im schlimmsten Fall kann es den Heilungsprozess stören. Vermutet ein Coach eine Erkrankung, soll er eine Abklärung bei einem Gesundheitsberuf empfehlen.

Für dich heißt das: Nimmst du Medikamente oder bist du in Behandlung, sag das deinem Coach oder deiner Beraterin. Brich eine Therapie nicht zugunsten eines Coachings ab.

Zwei Menschen im Gespräch an einem Holztisch in einem hellen Raum

Was das Gesetz regelt: Diagnose, Medikamente, Titel

Wer in Österreich psychische Krankheiten feststellen und behandeln darf, regeln mehrere Gesetze. Für dich als Patient:in sind diese Punkte wichtig:

  • Ärztegesetz 1998: Untersuchung und Behandlung körperlicher und psychischer Krankheiten und die Verordnung von Heilmitteln gehören zum ärztlichen Beruf. Anderen Personen ist die Ausübung des ärztlichen Berufes verboten.
  • Psychotherapiegesetz 2024: Die berufsmäßige Psychotherapie ist Psychotherapeut:innen vorbehalten. Selbstständig arbeiten darf nur, wer in der Berufsliste steht. Medikamente verschreiben gehört nicht zur Psychotherapie.
  • Psychologengesetz 2013: Klinisch-psychologische Diagnostik, Befunde und Gutachten sind Klinischen Psycholog:innen vorbehalten, ebenso die berufsmäßige klinisch-psychologische Behandlung. Die Befugnisse von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen berührt das Gesetz nicht.
  • Gewerbeordnung: Lebens- und Sozialberatung ist ein reglementiertes Gewerbe, die Psychotherapie ist davon ausgenommen. Coaching fällt je nach Inhalt unter dieses Gewerbe oder unter Unternehmensberatung.

Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Bei psychischen Störungen gehören Diagnostik und Behandlung nach dem Psychotherapiegesetz 2024 und dem Psychologengesetz 2013 auch zum Berufsbild von Psychotherapeut:innen und Klinischen Psycholog:innen.

So prüfst du, ob jemand berechtigt ist

Die Berufsbezeichnungen „Psychotherapeutin“ und „Psychotherapeut“, „Klinische Psychologin“ und „Klinischer Psychologe“ sowie „Gesundheitspsychologin“ und „Gesundheitspsychologe“ sind gesetzlich geschützt. Auch Bezeichnungen, die eine solche Berechtigung nur vortäuschen, sind verboten. Wer die geschützte Bezeichnung „Psychologin“ oder „Psychologe“ unbefugt führt, begeht eine Verwaltungsübertretung.

Ob jemand eingetragen ist, kannst du in wenigen Minuten online nachsehen:

  • Psychotherapie: Berufsliste unter psychotherapie.ehealth.gv.at
  • Klinische Psychologie: Liste unter klinischepsychologie.ehealth.gv.at
  • Gesundheitspsychologie: Liste unter gesundheitspsychologie.ehealth.gv.at
  • Ärzt:innen: Ärzteliste in der Arztsuche der Österreichischen Ärztekammer

Alle Listen sind auf der Seite „Berufe A bis Z, Berufslisten und Gesundheitsberuferegister“ des Sozialministeriums verlinkt. Für Lebens- und Sozialberatung und Coaching gibt es keine solche Gesundheitsberufsliste, dort zählt die Gewerbeberechtigung. Ob jemand eine hat, siehst du kostenlos im Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) unter gisa.gv.at, oder du fragst direkt nach.

In der Berufsliste Psychotherapie stehen auch Psychotherapeut:innen in Fachausbildung unter Lehrsupervision. Sie dürfen behandeln, aber nur unter Anleitung, Aufsicht und Lehrsupervision. Ihre Bezeichnung muss das zeigen, etwa „Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision“. Kläre vorher mit deiner Krankenkasse, ob sie dafür einen Zuschuss zahlt.

Welche Therapierichtung passt zu dir?

Eine Richtung, die für alle am besten ist, gibt es nicht. Welches Verfahren infrage kommt, hängt laut IQWiG von der Erkrankung ab, aber auch von deinen Vorlieben und Zielen.

Das Psychotherapiegesetz 2024 ordnet alle anerkannten Methoden vier Ausrichtungen zu:


Psychotherapeut:innen dürfen ihre Ausrichtung in Klammern hinter die Berufsbezeichnung setzen, auf Wunsch auch die Methode. Was die einzelnen Richtungen ausmacht, erklären die Glossarbegriffe wie Verhaltenstherapie oder Humanistische Psychotherapie.

Mindestens so viel Aufmerksamkeit verdient die Beziehung. Ein vertrauensvolles Verhältnis zur Therapeutin oder zum Therapeuten ist laut IQWiG notwendig, damit Psychotherapie hilft, und nicht alle finden auf Anhieb die passende Person. Eine große Auswertung von 295 Studien mit über 30.000 Patient:innen fand einen stabilen Zusammenhang zwischen einer guten Arbeitsbeziehung und dem Behandlungserfolg (Flückiger u. a. 2018). Er zeigte sich über verschiedene Therapierichtungen hinweg. Ob die Beziehung den Erfolg verursacht, kann eine solche Auswertung allein nicht beweisen.

Welche Therapierichtung ist für mich am besten geeignet? · 1:41 Min.Kurz gesagt: Ein Psychotherapeut schildert aus seiner Erfahrung, warum ihm die persönliche Passung wichtiger erscheint als die Richtung.

Nutze deshalb das Erstgespräch. Vor Beginn müssen Psychotherapeut:innen dich unter anderem über ihr Vorgehen, Dauer und Häufigkeit der Sitzungen und den Preis aufklären. Achte darauf, ob du offen reden kannst und dich ernst genommen fühlst. Passt es nicht, such dir eine andere Therapeutin oder einen anderen Therapeuten. Welche Fragen sich im Erstgespräch lohnen, steht im Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.

Notizbuch mit Stift auf einem Fensterbrett neben einer Pflanze

Was kostet die Hilfe, und was zahlt die Kasse?

Ob die Krankenkasse zahlt, hängt vor allem davon ab, ob eine Krankheit vorliegt und wer behandelt. Die genauen Beträge legen die Kassen selbst fest und ändern sie, frag deshalb vor dem Start bei deiner Kasse nach.

  • Ärztliche Behandlung: Für den Arztbesuch und verordnete Medikamente gelten die üblichen Regeln deiner Krankenversicherung.
  • Psychotherapie: Du kannst ohne ärztliche Überweisung direkt hingehen. Für Kassenleistungen braucht es in der Regel eine psychische Störung mit Krankheitswert und eine ärztliche Bestätigung. Es gibt Kassenplätze bei Vertragspartner:innen oder einen Kostenzuschuss, wenn du frei wählst und zuerst selbst zahlst. Die ÖGK verlangt vor der zweiten Sitzung eine ärztliche Untersuchung und ab der elften Sitzung eine Bewilligung.
  • Klinisch-psychologische Behandlung: Seit 2026 ermöglicht die ÖGK sie als Sachleistung, also auf Kassenkosten. Die bundesweite Servicestelle psyhelp organisiert das, Telefon 0800 10 02 03. Bei frei gewählten Klinischen Psycholog:innen ist bei Vorliegen der Voraussetzungen eine teilweise Kostenrückerstattung möglich. Auch hier muss laut Gesetz spätestens vor der zweiten Behandlung eine ärztliche Untersuchung stattfinden.
  • Klinisch-psychologische Diagnostik: Für die Kostenübernahme brauchst du in der Regel eine ärztliche oder psychotherapeutische Überweisung.
  • Gesundheitspsychologie: In der freien Praxis zahlst du in der Regel selbst. Bei Spitals-, Reha- und Kuraufenthalten ist sie abgedeckt.
  • Lebens- und Sozialberatung, Coaching: zahlst du selbst. Laut Gesundheitsportal übernimmt die Kasse reine Beratung und Persönlichkeitsentwicklung nicht, die ÖGK nennt als Beispiel Beratungen bei Schul-, Familien- und Berufsproblemen.

Im Spital und bei bewilligter Reha oder Kur sind psychotherapeutische und klinisch-psychologische Leistungen in der Regel abgedeckt. Manche öffentlich finanzierte Beratungsstellen bieten Hilfe kostenlos oder günstig an.

Für junge Menschen bis zum vollendeten 21. Lebensjahr gibt es das Programm „Gesund aus der Krise“. Es bietet eine begrenzte Zahl kostenfreier Behandlungseinheiten bei Klinischen Psycholog:innen, Gesundheitspsycholog:innen, Psychotherapeut:innen oder Musiktherapeut:innen. Ab 14 Jahren ist die Anmeldung auch ohne die Eltern möglich. Das Programm wird jeweils für eine Projektphase finanziert. Wie viele Einheiten es gerade gibt und wie lange, steht auf gesundausderkrise.at.

Wie du Schritt für Schritt zu einem Kassenplatz oder Zuschuss für Psychotherapie kommst, erklärt der Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“. Hast du nach einem schweren Erlebnis Beschwerden, hilft dir zusätzlich „PTBS: Wann Hilfe nötig ist und wo du sie findest“.

Was jetzt tun?

  • In einer akuten Krise ruf die Telefonseelsorge unter 142 an, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147, im Notfall die Rettung unter 144.
  • Bist du unsicher, was dir fehlt, vereinbare einen Termin bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Für eine erste Orientierung rund um die Uhr gibt es die Gesundheitsberatung 1450.
  • Prüf vor dem ersten Termin, ob die Person in der Berufsliste Psychotherapie, Klinische Psychologie oder Gesundheitspsychologie des Sozialministeriums steht.
  • Für eine klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten melde dich bei der Servicestelle psyhelp unter 0800 10 02 03, für einen Psychotherapie-Kassenplatz bei deiner Krankenkasse (bei der ÖGK über die Liste der Vertragspartner:innen und Clearingstellen).
  • Frag deine Krankenkasse vor dem Start nach Zuschuss, Unterlagen und Bewilligung, und heb alle Honorarnoten auf.
  • Schreib dir für das Erstgespräch deine wichtigsten Beschwerden und Fragen zu Vorgehen, Dauer und Kosten auf.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Quellen