Klinische Psychologie ist ein Anwendungsfach der Psychologie und in Österreich ein eigener Gesundheitsberuf. Klinische Psycholog:innen befassen sich vor allem mit psychischen Störungen, mit körperlichen Erkrankungen, bei denen die Psyche eine wesentliche Rolle spielt, und mit seelischen Krisen. Ausüben darf den Beruf nur, wer die gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung abgeschlossen hat und in die Berufsliste eingetragen ist.
Was ist Klinische Psychologie?
Klinische Psychologie ist der Bereich der Psychologie, der sich mit psychischen Störungen und seelischen Belastungen beschäftigt. Dazu zählen laut Gesundheitsportal auch Extremsituationen für die Psyche, die Folgen akuter und chronischer Belastungen sowie Krisen in der Entwicklung. Klinische Psycholog:innen arbeiten mit Menschen aller Altersgruppen, mit Einzelpersonen ebenso wie mit Paaren, Familien und Gruppen.
Während die Psychologie als Wissenschaft Erleben und Verhalten ganz allgemein erforscht, ist die Klinische Psychologie in Österreich zugleich ein gesetzlich geregelter Beruf. Das Psychologengesetz 2013 legt fest, was zu diesem Beruf gehört, wie die Ausbildung aussieht und wer die Berufsbezeichnung führen darf.
Woher kommt der Begriff?
Der Begriff geht auf den US-amerikanischen Psychologen Lightner Witmer zurück. Im März 1896 begann er an der University of Pennsylvania mit einer „psychologischen Klinik“. Dort untersuchte und förderte er Kinder mit Schwierigkeiten in der Schule.
Das Wort „klinisch“ habe er aus der Medizin entlehnt, schrieb Witmer 1907, weil es eine Methode bezeichne und keinen Ort. Klinische Psychologie sei trotzdem keine medizinische Psychologie.
Was machen Klinische Psycholog:innen?
Die Aufgaben Klinischer Psycholog:innen reichen von der Untersuchung über Beratung und Begleitung in Krisen bis zur Behandlung. Das Psychologengesetz behält ihnen die klinisch-psychologische Diagnostik und die darauf aufbauenden Befunde und Gutachten vor. Ebenso dürfen nur sie berufsmäßig klinisch-psychologisch behandeln, beraten, in Krisen begleiten und Maßnahmen evaluieren. Wie das im Einzelnen abläuft, erklären die Begriffe Klinisch-psychologische Diagnostik und Klinisch-psychologische Behandlung.
Typische Anlässe sind laut Gesundheitsportal etwa die Verarbeitung körperlicher Erkrankungen, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen, Abhängigkeitserkrankungen oder Entwicklungsstörungen bei Kindern. Klinische Psycholog:innen arbeiten unter anderem in Krankenhäusern, Ambulatorien, Rehabilitationszentren, Beratungsstellen und in freier Praxis.
Was unterscheidet sie von Psychotherapie und Psychiatrie?
Bei psychischen Erkrankungen überschneiden sich die drei Bereiche, sie beruhen aber auf verschiedenen Ausbildungen und Gesetzen. Die klinisch-psychologische Behandlung ist laut Gesundheitsportal eigenständig und von der psychotherapeutischen Behandlung abzugrenzen. Psychotherapie ist ein eigener Beruf mit eigenem Gesetz, und das Psychologengesetz lässt deren Befugnisse ausdrücklich unberührt. Die Psychiatrie ist dagegen ein Fach der Medizin, in dem Ärzt:innen eine Facharztausbildung absolvieren.
Von der Gesundheitspsychologie unterscheidet sich die Klinische Psychologie durch ihren Schwerpunkt. Gesundheitspsycholog:innen fördern Gesundheit und beugen vor, eine klinisch-psychologische Krankenbehandlung gehört nicht zu ihren Aufgaben.
Wie wird man Klinische Psychologin oder Klinischer Psychologe?
Am Anfang steht ein abgeschlossenes Psychologiestudium mit 300 ECTS, also Bachelor und Master. Darauf folgt eine postgraduelle Ausbildung im Ausmaß von 2.500 Stunden, die innerhalb von fünf Jahren abzuschließen ist. Sie verbindet mindestens 340 Einheiten Theorie mit mindestens 2.098 Stunden klinisch-psychologischer Tätigkeit unter Anleitung, und zwar in einem Arbeitsverhältnis. Begleitend sind mindestens 120 Einheiten Fallsupervision und 76 Einheiten Selbsterfahrung vorgeschrieben.
Danach folgt die Eintragung in die Liste der Klinischen Psychologinnen und Klinischen Psychologen, die das Gesundheitsministerium führt. Innerhalb von jeweils fünf Jahren sind mindestens 150 Fortbildungseinheiten nachzuweisen. Freiwillig können Spezialisierungen dazukommen, etwa in Gerontopsychologie, Klinischer Neuropsychologie oder Notfallpsychologie. Bis zu vier davon dürfen in Klammer an die Berufsbezeichnung angefügt werden.
Woran erkennt man Klinische Psycholog:innen?
Die Berufsbezeichnung „Klinische Psychologin“ oder „Klinischer Psychologe“ dürfen nur Personen führen, die in der Berufsliste eingetragen sind. Name, Berufsbezeichnung und Berufssitz der Eingetragenen sind im Internet öffentlich zugänglich. Wer Klinische Psychologie ohne Berechtigung berufsmäßig ausübt, begeht eine Verwaltungsübertretung, die mit Geldstrafe bedroht ist.
Die Berufsbezeichnung gab es in Österreich schon nach dem Psychologengesetz 1990. Seit 1. Juli 2014 gilt im Wesentlichen das heutige Psychologengesetz 2013.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.