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Neuropsychologie

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Auf den Punkt gebracht

Neuropsychologie ist das Teilgebiet der Psychologie, das den Zusammenhang zwischen Vorgängen im Gehirn und psychischen Leistungen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Sprache untersucht. Die klinische Neuropsychologie befasst sich mit den Folgen von Hirnschädigungen, etwa nach einem Schlaganfall, und hilft, sie festzustellen und zu behandeln. In Österreich ist die Klinische Neuropsychologie eine Spezialisierung von Klinischen Psycholog:innen.

Was ist Neuropsychologie?

Die Neuropsychologie fragt, wie das Nervensystem und psychische Vorgänge zusammenhängen. Das Wörterbuch DWDS beschreibt sie als Forschungsgebiet, das sich mit den organischen Prozessen im Nervensystem und deren Zusammenhang mit psychischen Prozessen beschäftigt. Gemeinsam mit der Biologischen Psychologie untersucht sie, wie psychische und körperliche Vorgänge zusammenwirken.

Im Gesundheitswesen begegnet man vor allem der klinischen Neuropsychologie. Sie beschäftigt sich laut Gesundheitsportal mit den Auswirkungen von Schädigungen des Gehirns auf die geistigen Funktionen. Gemeint sind Leistungen wie Sprache, abstraktes Denken, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Handlungsplanung und Wahrnehmung.

Woher kommt die Neuropsychologie?

Ein früher Meilenstein stammt aus dem Jahr 1861. Damals beschrieb der französische Chirurg Paul Broca zwei Patienten, die nach einer Verletzung in der hinteren unteren Stirnwindung nicht mehr sprechen konnten. Dieser Zusammenhang zwischen einer Hirnregion und einer Fähigkeit wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher späterer Studien. Moderne Bildgebung der erhaltenen Gehirne zeigte allerdings, dass die Schäden tiefer reichten, als Broca sie beschrieben hatte.

Wie läuft eine neuropsychologische Untersuchung ab?

Am Anfang steht ein Erstgespräch, in dem neben Tests auch die Lebenssituation und die Stimmung zur Sprache kommen. Mit standardisierten Verfahren wie Computertests, Papier-Bleistift-Tests und Fragebögen werden sowohl Einschränkungen als auch erhaltene geistige Leistungen erfasst. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den Therapieplan.

Bei Verdacht auf eine Demenz gehören neuropsychologische Tests zur genauen Diagnose. Sie prüfen unter anderem Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, komplexere Aufgaben zu bewältigen. Auch begleitende emotionale Störungen wie eine Depression werden dabei erfasst.

Wobei hilft neuropsychologische Therapie?

Ein typisches Einsatzfeld ist die Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Viele Betroffene haben nicht nur Bewegungsstörungen, sondern auch Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration oder mit der Verständigung. Ziel der neuropsychologischen Rehabilitation ist, solche Einschränkungen zu verringern. Welche Trainingsmethoden gewählt werden, richtet sich nach dem Schweregrad und der Belastbarkeit. Für Aufmerksamkeits- und Gedächtnistraining kommen häufig computergestützte Verfahren zum Einsatz.

Bei depressiver Verstimmung oder anderen seelischen Belastungen können Fachärzt:innen für Psychiatrie oder Psychotherapeut:innen hinzugezogen werden. In der Schlaganfall-Rehabilitation arbeiten außerdem verschiedene Berufsgruppen zusammen, etwa aus Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

Was sagt die Forschung?

Die Studienlage zur kognitiven Rehabilitation nach Schlaganfall ist begrenzt. Eine Cochrane-Übersicht mit 13 Studien fand, dass Teilnehmende direkt nach dem Gedächtnistraining über weniger Gedächtnisprobleme im Alltag berichteten. Ein dauerhafter Nutzen und Verbesserungen bei Alltagstätigkeiten, Stimmung oder Lebensqualität waren nicht belegt.

Bei Aufmerksamkeitsproblemen zeigte eine weitere Cochrane-Übersicht mit sechs Studien nur kurz nach dem Training bessere Ergebnisse bei Aufgaben mit geteilter Aufmerksamkeit. Die Qualität der Studien reichte in beiden Übersichten von sehr niedrig bis moderat.

Wer bietet Neuropsychologie in Österreich an?

Neuropsychologische Diagnostik und Behandlung im Gesundheitswesen übernehmen vor allem Klinische Psycholog:innen. Sie können sich freiwillig in Klinischer Neuropsychologie spezialisieren. Laut Psychologengesetz darf ein solcher Hinweis in Klammer zur Berufsbezeichnung kommen, wenn mehrjährige Berufserfahrung im Schwerpunkt und eine Weiterbildung von mindestens 120 Einheiten nachgewiesen sind.

Bei einem stationären Rehabilitationsaufenthalt sind neuropsychologische Maßnahmen laut Gesundheitsportal in den Kosten enthalten. Über Leistungen in freier Praxis geben die behandelnden Klinischen Psycholog:innen und die eigene Krankenkasse Auskunft.

Wo liegen die Grenzen?

Neuropsychologische Tests sind ein Baustein der Abklärung, aber keine vollständige Diagnose. Bei Verdacht auf eine Demenz gelten Hausärzt:innen als erste Anlaufstelle, die an Fachärzt:innen für Neurologie oder Psychiatrie oder an Gedächtnisambulanzen überweisen. Zur Diagnose gehören neben psychologischen Tests auch Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)