Was ist kognitives Training?
Beim kognitiven Training werden strukturierte Aufgaben unter Anleitung immer wieder geübt, um bestimmte geistige Fähigkeiten zu verbessern oder zu erhalten. Typische Bereiche sind Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Problemlösen. Ein Training kann einen einzelnen Bereich oder mehrere zugleich ansprechen. Die Bezeichnungen Gedächtnistraining und Konzentrationstraining nennen den Bereich, der jeweils im Vordergrund steht.
Geübt wird einzeln oder in Gruppen, mit Therapeut:innen oder mit geschulten Angehörigen. Daneben gibt es computergestützte Programme, etwa am Computer, auf Tablets und Smartphones oder als Spiel. Das Wort „kognitiv“ geht auf das lateinische „cōgnōscere“ zurück, das „erkennen, wahrnehmen“ bedeutet.
Wo wird kognitives Training eingesetzt?
In Österreich ist kognitives Training eine der Weiterbildungen, mit denen sich Ergotherapeut:innen spezialisieren können. Zur Ergotherapie gehören gezielte Übungen für Konzentration, Wahrnehmung und Gedächtnis. Auch Gesellschafts- und Bewegungsspiele werden eingesetzt, etwa um Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit zu fördern. Für eine Kostenübernahme der Ergotherapie durch die Sozialversicherung ist in der Regel eine ärztliche Verordnung nötig, ohne sie ist die Behandlung eine Privatleistung.
Bei Demenz zählt das Gesundheitsportal kognitive Übungen zu den nicht-medikamentösen Behandlungen. Sie sollen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung aktivieren. Bei Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Schwächen in Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Denken kommen verhaltenstherapeutische und computergestützte Trainingsprogramme zum Einsatz.
Was sagt die Forschung?
Die Ergebnisse hängen stark davon ab, für wen und womit das Training verglichen wird. Bei leichter bis mittelschwerer Demenz sieht das Gesundheitsportal für kognitive Übungen einen leichten Nutzen für die geistige Leistung und für Alltagstätigkeiten. Für Konzentrationsübungen, Gehirnjogging und Merkspiele ist eine Wirkung bei Demenz laut Gesundheitsportal dagegen nicht ausreichend belegt.
Eine Cochrane-Übersicht aus 2019 wertete 33 Studien mit rund 2.000 Teilnehmenden mit leichter bis mittelschwerer Demenz aus. Verglichen mit üblicher Versorgung oder unspezifischen Beschäftigungen zeigte das Training kleine bis mittlere Vorteile für die allgemeine geistige Leistung und den Sprachfluss. Diese Vorteile blieben wahrscheinlich einige Monate erhalten. Dass es besser wirkt als andere aktive Behandlungen, zeigte sich nicht. Bei der Bewältigung alltäglicher Aktivitäten fanden die Fachleute, anders als das Gesundheitsportal, keine Verbesserung.
Bei geistig gesunden älteren Menschen fand eine weitere Cochrane-Übersicht für computergestütztes Training von mindestens zwölf Wochen nur kleine Vorteile direkt nach dem Training. Ihre praktische Bedeutung ist unklar, und nach zwölf Monaten war kein anhaltender Effekt belegt. Bei Kindern und Jugendlichen waren die spezifischen Effekte auf Aufmerksamkeit und planendes Denken laut einer Metaanalyse aus 2013 durchwegs schwach. Ein Nutzen ist dort nur für einzelne Programme bei bestimmten Problemen belegt.
Wo liegen die Grenzen?
Wer bemerkt, dass Gedächtnis oder Konzentration nachlassen, sollte die Ursache genau abklären lassen. Eine leichte kognitive Störung kann viele Ursachen haben und sich zu einer Demenz weiterentwickeln, andere Grunderkrankungen lassen sich mitunter behandeln. Kognitives Training ersetzt diese Abklärung nicht.
Ein aktiver Alltag könnte laut Gesundheitsportal helfen, den natürlichen Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit besser zu bewältigen. Dazu zählen geistig fordernde Tätigkeiten wie Lesen oder eine Fremdsprache, Musizieren und Singen sowie regelmäßige Bewegung.