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Emotionale Störungen

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Auf den Punkt gebracht

„Emotionale Störungen“ ist kein einheitlich festgelegter Fachbegriff, sondern wird in mehreren Bedeutungen verwendet. In der Klassifikation ICD-10 bezeichnet er Störungen, die im Kindesalter beginnen, etwa eine übermäßige Trennungsangst. In der Forschung und bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dient er außerdem als Sammelbegriff für Angststörungen und Depressionen.

Was sind emotionale Störungen?

Gemeint sind psychische Störungen, bei denen belastende Gefühle wie Angst oder Niedergeschlagenheit im Vordergrund stehen. Wie weit der Begriff reicht, hängt davon ab, wer ihn verwendet. Die ICD-10, nach der in Österreich Diagnosen verschlüsselt werden, nutzt ihn vor allem für Kinder und Jugendliche. Internationale Berichte und psychotherapeutische Forschung fassen darunter dagegen Angststörungen und Depressionen in jedem Alter zusammen.

Was versteht die ICD-10 unter emotionalen Störungen?

Die ICD-10 führt eine eigene Gruppe „Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend“. Darin stehen die „emotionalen Störungen des Kindesalters“. Diese gelten in erster Linie als Verstärkungen normaler Entwicklungsschritte und weniger als eigenständige, grundsätzlich krankhafte Erscheinungen. Dass sie an eine Entwicklungsphase gebunden sind, unterscheidet sie von den Angst- und anderen neurotischen Störungen, die die ICD-10 als erwachsenentypisch beschreibt.

Zu dieser Gruppe gehört die Störung mit Trennungsangst. Festgestellt wird sie nur, wenn die Angst vor der Trennung von Bezugspersonen ungewöhnlich stark ist und über das typische Alter hinaus anhält. Zudem muss sie deutliche Probleme im sozialen Leben verursachen. Weitere Formen sind die phobische Störung und die Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters. Auch eine emotionale Störung mit Geschwisterrivalität zählt dazu. Diagnostiziert wird sie nur, wenn die bei vielen Kindern übliche Reaktion auf ein jüngeres Geschwister nach Ausmaß und Dauer übermäßig ist.

Treten Ängste oder Depression gemeinsam mit anhaltend aggressivem, aufsässigem oder dissozialem Verhalten auf, spricht die ICD-10 von einer kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen.

Was hat sich mit der ICD-11 geändert?

Die neuere ICD-11 der WHO betrachtet psychische Störungen über die ganze Lebensspanne. Deshalb hat sie die eigene Gruppe für Kindheit und Jugend aufgelöst. Die Störungen stehen nun in Gruppen mit ähnlichen Beschwerden. Die Trennungsangst etwa zählt jetzt zu den Angststörungen.

Laut ICD-11 kann sie auch bei Erwachsenen festgestellt werden. Bei Kindern richtet sich die Angst meist auf Eltern oder andere Bezugspersonen, bei Erwachsenen eher auf Partner:in oder die eigenen Kinder. Das kann sich etwa darin zeigen, dass Betroffene nicht in Schule oder Arbeit gehen wollen, bei Trennungen stark leiden oder wiederholt Albträume von Trennung haben.

Wie wird der Begriff in der Forschung verwendet?

In der internationalen Fachsprache steht „emotional disorders“ oft für Angststörungen und Depressionen. Die WHO beschreibt emotionale Störungen als häufig bei Jugendlichen, am häufigsten sind dort Angststörungen. Angst und Depression teilen manche Beschwerden, etwa rasche und unerwartete Stimmungsschwankungen. Beide können Schulbesuch und Schulleistungen stark beeinträchtigen, und sozialer Rückzug kann Einsamkeit verstärken.

Hinter dem Sammelbegriff steht auch eine fachliche Debatte. Ein Aufsatz von Barlow und Kolleg:innen belebte 2004 die Sicht neu, dass Angst- und andere emotionale Störungen einander ähnlicher sein könnten als angenommen. In der Folge entstanden störungsübergreifende Behandlungsansätze, etwa ein einheitliches Psychotherapie-Programm für mehrere emotionale Störungen. Eine Übersichtsarbeit fand 2021 Hinweise, dass es Angst- und Depressionsbeschwerden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verringern kann.

Wer hilft in Österreich?

Bei Kindern und Jugendlichen sind Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin spezialisiert. Diese dürfen junge Menschen bei Bedarf bis zum 25. Lebensjahr weiterbetreuen. Für Erwachsene sind Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin zuständig. Auch Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen unterstützen, eine erste Ansprechstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein.

Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht anonym und rund um die Uhr unter 147. Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, im Notfall die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)