Startseite › Magazin › Depression: Anzeichen erkennen und Hilfe finden
Ratgeber
Psychiatrie
Mentales
Medikamente
Depression: Anzeichen erkennen und Hilfe finden
25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026)
balancio.at
Lesedauer: 22 min
Ratgeber
Psychiatrie
Mentales
Medikamente
Artikel anhören0:00 / 35:26
Depression: Anzeichen erkennen und Hilfe finden
25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026) | balancio.at
Lesedauer: 22 min
Artikel anhören0:00 / 35:26
Seit Wochen ist alles grau, du kommst morgens kaum aus dem Bett, und nichts macht dir mehr Freude.
Hier erfährst du, woran du eine Depression erkennst und wie du in Österreich zu Hilfe kommst. Du liest, was die Leitlinien zu Psychotherapie und Medikamenten sagen, wie du die Zeit bis zu einem Therapieplatz überbrückst und was im Krankenstand gilt. Und du findest Anlaufstellen für dich und deine Angehörigen, auch für den Fall, dass es nicht warten kann.
Ob du eine Depression hast, kann nur eine Fachperson feststellen. Ein deutliches Warnzeichen ist es aber, wenn gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel zwei Wochen oder länger anhalten und deinen Alltag beeinträchtigen. Was eine Depression als Krankheit ausmacht und welche Formen es gibt, erklärt das Glossar unter Depression.
Traurig oder niedergeschlagen zu sein, gehört zum Leben. Nach einem Verlust ist das meist eine normale Reaktion, schreibt das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bei einer Depression dagegen halten die traurigen Gefühle und negativen Gedanken an und überschatten alles Denken und Handeln.
Fachleute unterscheiden laut IQWiG zwischen Haupt- und Nebenzeichen. Die drei Hauptzeichen sind:
Gedrückte Stimmung: Du fühlst dich niedergeschlagen, traurig oder leer.
Freudlosigkeit: Dinge, die dir früher wichtig waren, interessieren dich kaum noch.
Antriebsmangel: Du bist rasch erschöpft, oft schon nach kleinen Anstrengungen.
Dazu kommen häufig weitere Anzeichen: Probleme, dich zu konzentrieren, wenig Selbstvertrauen, Schuldgefühle, innere Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen und wenig Appetit. Auch Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, gehören dazu. Von einer Depression sprechen Fachleute, wenn mehrere Haupt- und Nebenzeichen mindestens zwei Wochen andauern. Je nach Zahl und Stärke der Beschwerden unterscheiden sie leichte, mittelschwere und schwere Depressionen.
Auch der Körper kann Signale senden
Eine Depression zeigt sich nicht immer zuerst in der Stimmung. Das österreichische Gesundheitsportal nennt auch körperliche Beschwerden, etwa Kraftlosigkeit, Druck im Magen, Kopf- oder andere Schmerzen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder fehlendes sexuelles Interesse. Bei älteren Menschen stehen oft weniger eindeutige Zeichen im Vordergrund, zum Beispiel Reizbarkeit, Misstrauen, sozialer Rückzug oder nachlassende geistige Fähigkeiten.
Umgekehrt können körperliche Erkrankungen Beschwerden auslösen, die einer Depression ähneln, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Laut Gesundheitsportal ist es deshalb wesentlich, körperliche Ursachen auszuschließen. Lass dich also auch untersuchen, wenn du dir sicher bist, dass „nur die Seele“ betroffen ist.
Ein seriöser Kurztest: zwei Fragen
Für eine erste Selbsteinschätzung eignet sich ein Test, den eine anerkannte Leitlinie empfiehlt. Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, auf die sich auch das österreichische Gesundheitsportal stützt, nennt in ihrer Patienteninformation einen einfachen Zwei-Fragen-Test:
Fühltest du dich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
Hattest du im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die du sonst gerne tust?
Beantwortest du beide Fragen mit Ja, solltest du dir laut Leitlinie ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe holen. Der Test ersetzt keine Diagnose, er zeigt dir nur, dass ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll ist.
Abgrenzung zu Burnout und bipolarer Störung
Erschöpfung allein reicht laut IQWiG für die Diagnose einer Depression nicht, dafür müssen mehrere Haupt- und Nebenzeichen zusammenkommen. Bei einer Depression kommt es laut Gesundheitsportal im Allgemeinen zu negativen Erwartungen und Bewertungen, die alle wichtigen Lebensbereiche betreffen. Das unterscheidet sie von einer Erschöpfung, die vor allem mit der Arbeit zusammenhängt. Wie du ein Burnout erkennst und was dann hilft, liest du im Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“. Wechseln sich depressive Phasen mit Hochphasen ab, spricht die Fachwelt laut Gesundheitsportal von einer bipolaren Störung. Für sie gelten eigene Behandlungswege, die dieser Ratgeber nicht beschreibt, mehr dazu steht im Glossar unter Bipolare Störung. Erzähl deshalb in der Arztpraxis auch von Zeiten, in denen du ungewöhnlich aufgedreht warst.
Gedanken an den Tod: Hier bekommst du sofort Hilfe
Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, warte nicht auf einen Termin. Sprich noch heute mit jemandem:
Telefonseelsorge 142: bei Suizidgedanken oder wenn du jemanden zum Reden brauchst. Das Telefon ist täglich rund um die Uhr besetzt, kostenlos und vertraulich. Ein Sofortchat ist täglich am Nachmittag und Abend geöffnet, E-Mails werden innerhalb von 48 Stunden bearbeitet.
Rat auf Draht 147: für Kinder und Jugendliche, die Suizidgedanken haben oder reden möchten, anonym und rund um die Uhr.
Rettung 144: bei konkreten Suizidplänen, einem Suizidversuch oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst. Bei akuter Gefahr für die Sicherheit auch die Polizei unter 133.
Auch eine psychiatrische Ambulanz in deiner Nähe ist eine Anlaufstelle. Laut Gesundheitsportal sind die Beratungen der Krisentelefone grundsätzlich kostenlos und anonym, bei den dreistelligen Notrufnummern und 0800-Nummern fallen keine Telefongebühren an.
Suizidgedanken sind laut Gesundheitsportal eine normale Reaktion auf Krisen, die überfordern, und ein Zeichen dafür, dass du Hilfe brauchst. Bei einer Depression ist das Risiko für einen Suizid erhöht. Ein vertrauliches Gespräch verschafft laut Gesundheitsportal nachweislich Erleichterung. Betroffene berichten, dass ihre Suizidgedanken danach abnahmen, sie besser schliefen und wieder Hoffnung schöpften. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Suizidalität.
Krisendienste in den Bundesländern
Zusätzlich zu den österreichweiten Nummern gibt es regionale Krisendienste. Diese nennt das Gesundheitsportal (Liste von August 2023, bei Tirol nach aktuellen Angaben des Landes ergänzt):
Wien: Kriseninterventionszentrum unter 01 406 95 95, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, telefonisch, persönlich oder per E-Mail. Ein Erstgespräch kann laut Gesundheitsportal nach telefonischer Vereinbarung noch für denselben Tag oder einen der zwei folgenden Werktage vergeben werden. Rund um die Uhr hilft der Sozialpsychiatrische Notdienst unter 01 31330.
Niederösterreich: Nach einem plötzlichen Ereignis wird das Psychosoziale Akutteam des Landes über den Notruf 144 angefordert. Eine Übersicht über Krisenhotlines bietet die Website von Notruf NÖ. Du kannst dich auch an die Gesundheitsnummer 1450 wenden.
Oberösterreich: Krisenhilfe Oberösterreich unter 0732 2177, rund um die Uhr, auch mit Einsätzen vor Ort.
Steiermark: Krisentelefon PsyNot unter 0800 44 99 33, rund um die Uhr, auch für Kinder und Jugendliche.
Kärnten: Psychiatrischer Not- und Krisendienst, rund um die Uhr, für den Osten unter 0664 300 70 07, für den Westen unter 0664 300 90 03.
Salzburg: Krisenhotline von pro mente Salzburg unter 0662 433351, rund um die Uhr. Eigene Nummern gibt es für St. Johann (06412 200 33) und Zell am See (06542 726 00).
Tirol: Psychosozialer Krisendienst unter 0800 400 120, laut Land Tirol täglich von 8 bis 20 Uhr, kostenlos, auf Wunsch anonym, bei Bedarf mit Krisengespräch vor Ort oder in der Ambulanz. Außerhalb dieser Zeiten nutze die österreichweiten Nummern oben.
Burgenland und Vorarlberg: Landesweite 24-Stunden-Krisendienste gibt es laut Gesundheitsportal derzeit nicht. Nutze hier die österreichweiten Nummern.
Speichere dir die Nummern ein, die für dich passen. Das Gesundheitsportal rät, eine Liste für den Notfall anzulegen: eine Vertrauensperson, deine professionellen Helfer:innen, eine 24-Stunden-Hotline, ein Kriseninterventionszentrum und die Rettung 144. Meide Online-Foren, in denen zu Suizid oder Selbstverletzung aufgerufen wird. Viele Informationen dort sind laut Gesundheitsportal schlicht falsch.
Wenn eine Aufnahme gegen den eigenen Willen droht
Viele Menschen fürchten, in der Psychiatrie „eingesperrt“ zu werden, wenn sie von Suizidgedanken erzählen. Gegen den eigenen Willen darf in Österreich nur in engen Grenzen in einer psychiatrischen Abteilung untergebracht werden. Laut Unterbringungsgesetz ist das nur erlaubt, wenn jemand psychisch krank ist und dadurch das eigene Leben oder die eigene Gesundheit oder das Leben oder die Gesundheit anderer ernstlich und erheblich gefährdet. Außerdem darf es keine andere ausreichende ärztliche Behandlung oder Betreuung geben, vor allem keine außerhalb einer psychiatrischen Abteilung.
In diesem Fall stehen dir laut Gesundheitsportal kostenlos Patientenanwält:innen zur Seite. Sie sind vom Spital unabhängig, vertreten dich auch vor Gericht und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Lass dich von dieser Sorge nicht davon abhalten, über deine Gedanken zu sprechen.
Der erste Schritt: Wer stellt die Diagnose?
Deine erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt sein. Laut Gesundheitsportal kannst du dich bei Verdacht auf eine Depression aber auch direkt an diese Stellen wenden:
Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin,
Wer was darf und wie du die Berufslisten prüfst, erklärt der Ratgeber „Wer hilft bei psychischen Problemen?“. Für eine erste Orientierung rund um die Uhr gibt es die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Sie stellt laut Sozialministerium keine Diagnosen, hilft dir aber, die passende Stelle zu finden.
So läuft die Abklärung ab
Laut Gesundheitsportal fragt die Ärztin oder der Arzt nach deinen Beschwerden und wie lange sie schon bestehen. Dazu kommen Fragen nach deiner Lebenssituation und danach, wie du deinen Alltag bewältigst. Andere Erkrankungen werden ausgeschlossen, auch körperliche Ursachen. Fragebögen können die Diagnose unterstützen, bei Bedarf auch eine klinisch-psychologische Diagnostik.
Bereite dich auf den Termin vor. Schreib auf, welche Beschwerden du hast, seit wann, wie sie deinen Alltag verändern und welche Medikamente du nimmst. Wenn dir der Weg schwerfällt, nimm eine vertraute Person mit. Das IQWiG beschreibt, dass viele Betroffene so schwer erkrankt sind, dass ihnen die Kraft fehlt, sich selbst Hilfe zu suchen. Dann ist es wichtig, dass nahestehende Menschen etwa beim ersten Arztgespräch dabei sind.
Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt laut Gesundheitsportal deine Krankenversicherung, du brauchst dafür deine e-card. Bei manchen Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Für Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung gelten eigene Wege, siehe „Bis zum Therapieplatz“. Frag im Zweifel bei deinem Sozialversicherungsträger nach.
Psychotherapie, Medikamente oder beides: Was die Leitlinien sagen
Die wichtigsten Behandlungen sind Psychotherapie und Medikamente, meist sogenannte Antidepressiva. Was davon passt, hängt vor allem davon ab, wie schwer die Depression ist. In jedem Fall gehört laut Gesundheitsportal eine Aufklärung über die Erkrankung dazu. Fachleute nennen das Psychoedukation.
So beschreiben das Gesundheitsportal und die Nationale Versorgungsleitlinie die Empfehlungen nach Schweregrad:
Leichte Depression: Ärztliche Gespräche, Psychoedukation oder psychotherapeutische Beratung können ausreichen. Die Leitlinie nennt auch Online-Programme, wenn eine Ärztin oder ein Psychotherapeut sie empfiehlt und begleitet. Psychotherapie ist sinnvoll, wenn diese Schritte nicht reichen, wenn sie früher schon geholfen hat oder eine Verschlechterung droht. Antidepressiva kommen nur nach besonders kritischer Abwägung infrage.
Mittelschwere Depression: Psychotherapie und Antidepressiva gelten als gleichwertige Möglichkeiten. Laut Leitlinie helfen beide sehr wahrscheinlich gleich gut.
Schwere Depression: Fachleute empfehlen eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten. Sie wirkt laut Leitlinie am besten. Lehnst du eines davon ab, ist auch eine alleinige Behandlung möglich.
Auch ohne Behandlung kann eine Depression wieder abklingen. Unbehandelt kann sie laut Gesundheitsportal aber länger dauern oder häufiger wiederkehren. Besonders bei mittelschweren und schweren Depressionen und bei Gedanken an Suizid ist laut IQWiG eine möglichst schnelle Behandlung wichtig.
Entscheide nicht allein. Die Ärztin oder der Arzt muss dich über die Möglichkeiten, ihren Nutzen und ihre Risiken aufklären. Die Leitlinie empfiehlt, die Behandlung gemeinsam festzulegen. Frag nach, welcher Schweregrad bei dir vorliegt und warum ein bestimmter Weg vorgeschlagen wird.
Was Psychotherapie leisten kann
Psychotherapie kann laut IQWiG depressive Beschwerden lindern und das Risiko für Rückfälle senken. Sie hilft zum Beispiel, besser mit negativen Gedanken umzugehen oder belastende Erfahrungen zu verarbeiten. Mehrere Verfahren sind wirksam. Welches in welcher Lage am besten hilft, lässt sich laut IQWiG derzeit nicht sicher sagen. Häufig eingesetzt wird die Kognitive Verhaltenstherapie. In Österreich ordnet das Psychotherapiegesetz 2024 alle Methoden vier Ausrichtungen zu, die das Glossar unter Psychotherapie erklärt.
Entscheidend ist laut IQWiG auch die Beziehung: Deine Therapeutin oder dein Therapeut soll aufmerksam, respektvoll, offen und mitfühlend sein, und die Chemie muss stimmen. Die Wirkung zeigt sich meist nach einigen Wochen oder Monaten. Tritt nach ungefähr acht bis zwölf Wochen keine Besserung ein, bespricht deine Psychotherapeutin oder dein Psychotherapeut laut Gesundheitsportal mit dir, wie es weitergeht.
Neben der Psychotherapie behandeln laut Gesundheitsportal auch Klinische Psycholog:innen Depressionen. Wie du in Österreich einen Platz findest und welche Fragen du im Erstgespräch stellen kannst, steht im Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Was Antidepressiva leisten können
Antidepressiva verschreiben Ärzt:innen. Sie helfen vor allem bei mittelschweren, schweren und chronischen Depressionen. Bei leichten Depressionen helfen sie laut IQWiG kaum oder gar nicht. Wie groß der Unterschied ist, zeigen Studien mit Erwachsenen mit mittelschwerer oder schwerer Depression, die das IQWiG zusammenfasst. Innerhalb von sechs bis acht Wochen besserten sich die Beschwerden:
ohne Wirkstoff (Placebo): bei etwa 30 von 100 Menschen,
mit Antidepressivum: bei etwa 50 von 100 Menschen.
Die Wirkung setzt laut Gesundheitsportal nach ungefähr zwei Wochen ein, mit der vollen Wirkung ist nach drei bis vier Wochen zu rechnen, bei manchen dauert es länger. Wirkt ein Mittel nach etwa vier Wochen nicht, schlägt die Ärztin oder der Arzt eine andere Behandlung vor.
Viele fürchten, abhängig zu werden. Antidepressiva machen laut IQWiG aber nicht körperlich abhängig oder süchtig. Anders ist es bei Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen. Sie verschreiben Ärzt:innen bei Depressionen laut Gesundheitsportal nur in Ausnahmefällen und für kurze Zeit.
Machen Psychopharmaka abhängig? · 1:25 Min.Eine Fachperson erklärt, warum Benzodiazepine abhängig machen können und nur kurz eingesetzt werden sollten und warum Antidepressiva bei einer Depression sehr helfen können.
Bist du jugendlich, gilt laut IQWiG besondere Vorsicht: Studien deuten darauf hin, dass Jugendliche unter bestimmten Antidepressiva (SSRI, SSNRI) häufiger an Suizid denken. Geh deshalb in den ersten Wochen öfter zu Kontrollterminen und sag sofort Bescheid, wenn solche Gedanken auftauchen. Hilfe bekommst du auch sofort bei Rat auf Draht unter 147.
Setz ein Antidepressivum nie auf eigene Faust ab, auch wenn es dir besser geht. Das erhöht laut IQWiG das Risiko, dass die Depression wiederkommt. Nach der Besserung nimmt man das Medikament meist noch mehrere Monate weiter. Welche Fragen du im Arztgespräch stellen kannst, was bei Nebenwirkungen und Wechselwirkungen gilt und wie das Absetzen abläuft, liest du im Magazinartikel „Psychopharmaka einnehmen: Was du wissen solltest“.
Wenn die Behandlung nicht hilft
Nicht jede Behandlung wirkt beim ersten Versuch. Dann ist es laut IQWiG wichtig, gemeinsam nach den Gründen zu suchen, etwa eine falsche Diagnose, andere Erkrankungen, belastende Lebensumstände oder eine Therapie, die nicht passt. Möglich sind dann zum Beispiel ein anderes Medikament, eine zusätzliche Psychotherapie oder ein anderes Verfahren. Bei schweren Depressionen, die auf mehrere Behandlungen nicht ansprechen, kommen laut Gesundheitsportal auch Verfahren wie die repetitive transkranielle Magnetstimulation oder die Elektrokonvulsionstherapie infrage. Sprich offen an, wenn du das Gefühl hast, dass sich nichts bewegt.
Deine Rechte in der Behandlung
Du entscheidest mit, wie du behandelt wirst. Die Patientencharta, eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, hält das Recht auf Selbstbestimmung und Information fest. Für dich bedeutet das laut Gesundheitsportal:
Aufklärung vorab: Du hast das Recht, über mögliche Diagnose- und Behandlungsarten, ihre Risiken und Folgen informiert zu werden. Dazu gehören auch Alternativen und was passiert, wenn du eine Behandlung nicht machst.
Verständliche Antworten: Die Ärztin oder der Arzt muss auf deine Fragen eingehen und verständlich erklären.
Zustimmung: Behandelt werden darfst du grundsätzlich nur, wenn du zustimmst.
Kosten: Über Kosten, die dich voraussichtlich treffen, musst du vorher informiert werden.
Einsicht: Du darfst in deine medizinische Dokumentation Einsicht nehmen und Abschriften verlangen.
Lehnst du eine Behandlung ab, muss man dich auf die Folgen hinweisen. Laut Gesundheitsportal kann das auch Auswirkungen haben, etwa auf das Krankengeld. Hast du Fragen oder eine Beschwerde, wende dich an die Patientenanwaltschaft deines Bundeslandes. Sie arbeitet unabhängig und kostenlos. Welche Rechte du in einer Psychotherapie hast, steht im Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Bis zum Therapieplatz: So überbrückst du die Wartezeit
Musst du auf einen Platz warten, bist du in dieser Zeit nicht allein. In Österreich gibt es mehrere Wege, die rascher Unterstützung bieten können.
Bei der Hausärztin oder beim Hausarzt dranbleiben: Bei leichten oder beginnenden Depressionen rät das IQWiG, regelmäßig mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, wie es dir geht. Bessert sich die Stimmung innerhalb weniger Wochen nicht oder wird sie schlechter, ist therapeutische Unterstützung sinnvoll.
Klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten: Seit 2026 ist sie bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) eine Sachleistung. Die Plätze organisiert die bundesweite Servicestelle psyhelp, erreichbar unter 0800 10 02 03.
Psychotherapie über die Kasse: Bei Vertragspartner:innen der ÖGK übernimmt die Kasse die Kosten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Liste der Vertragspartner:innen mit den Kontakten der Clearingstellen findest du auf der Website der ÖGK. Wählst du eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten frei, die oder der in der Berufsliste steht, bekommst du einen Kostenzuschuss, wenn die Voraussetzungen der ÖGK erfüllt sind: Die Beschwerden gelten als Krankheit, vor der zweiten Sitzung brauchst du eine ärztliche Untersuchung, ab der elften Sitzung eine Bewilligung. Die Schritte erklärt der Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Junge Menschen bis 21: Das Programm „Gesund aus der Krise“ bietet bis zu 15 kostenfreie Behandlungseinheiten. Ab 14 Jahren kannst du dich auch ohne deine Eltern anmelden. Die Finanzierung ist laut Sozialministerium derzeit bis Ende Juni 2027 gesichert.
Krisenintervention: Sie bietet in einer akuten psychosozialen Krise kurzfristig Unterstützung, für einige Wochen bis ein paar Monate. Anlaufstellen sind etwa das Kriseninterventionszentrum in Wien und Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie.
Psychosoziale Dienste: In den Bundesländern gibt es psychosoziale Dienste und Einrichtungen, die das Gesundheitsportal auflistet. Sie unterstützen laut Gesundheitsportal auch dabei, den Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen.
Auch Medikamente können laut IQWiG eine Möglichkeit sein, die Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz zu überbrücken. Besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wird es in der Wartezeit schlimmer oder kommen Gedanken an Suizid dazu, nutze die Krisennummern weiter oben.
Diese Wege gelten für die ÖGK. Bist du bei der BVAEB oder der SVS versichert, frag dort nach den Wegen.
Was du selbst tun kannst und was davon belegt ist
Du kannst selbst einiges dazu beitragen, dass es dir besser geht. Bei einer mittelschweren oder schweren Depression ersetzen solche Schritte laut IQWiG eine fachliche Behandlung aber meist nicht. Das Gesundheitsportal nennt diese Schritte:
Hilfe suchen: Es kann schwerfallen, sich zu überwinden. Professionelle Helfer:innen können dich unterstützen.
Den Tag planen: Ein strukturierter Tagesablauf hilft im Alltag.
Sich bewegen: Setz dir kleine Ziele, zum Beispiel jeden Tag einen Spaziergang.
Auf den Schlaf achten: Feste Schlafroutinen können helfen.
Kleine Dinge, die Freude machen: etwa eine Freundin oder einen Freund treffen oder dir etwas Gutes kochen.
Fang mit einem Punkt an, der dir heute machbar erscheint. Mach dir kein schlechtes Gewissen, wenn etwas nicht klappt. Die Leitlinie betont, dass Bewegung die Behandlung unterstützen und keinen zusätzlichen Stress machen soll.
Bewegung: belegt, aber kein Ersatz für Behandlung
Bewegung und Sport können depressive Beschwerden verringern. Das zeigen laut IQWiG viele Studien, wie stark die Wirkung ist, war aber je nach Studie sehr unterschiedlich. Programme mit persönlicher Anleitung wirkten besser als solche ohne Begleitung. Die besten Belege gibt es laut Leitlinie für Ausdauertraining, Krafttraining oder gemischtes Training in Gruppen. Eine beste Sportart gibt es nicht.
Bei mittelschweren oder schweren Depressionen ersetzt Sport laut IQWiG meist keine Psychotherapie und keine Medikamente, kann sie aber sinnvoll ergänzen. Viele Menschen mit schwerer Depression schaffen kaum Sport. Auch dann können regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft guttun. Lass dich vorher ärztlich beraten, welche Bewegung für dich passt.
Lichttherapie: Bei Depressionen, die mit den Jahreszeiten zusammenhängen, empfehlen Fachleute laut Gesundheitsportal mitunter eine Lichttherapie. Deine Ärztin oder dein Arzt berät dich, wie du zu einem geeigneten Gerät kommst. Mehr dazu steht im Glossar unter Saisonal abhängige Depression.
Ergotherapie und Musiktherapie: Sie können die Behandlung laut Gesundheitsportal unterstützen. Ergotherapie hilft dabei, Fähigkeiten für den Alltag wiederzugewinnen.
Johanniskraut: Mittel aus Johanniskraut können laut IQWiG leichte und mittelschwere Depressionen lindern. Auch sie haben Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Nimm sie deshalb nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Omega-3-Fettsäuren: Sie sind bei einer Depression laut IQWiG unwirksam, das ergaben mehrere Studien.
Selbsthilfegruppen
In einer Selbsthilfegruppe tauschst du dich mit Menschen aus, die Ähnliches erlebt haben. Das kann laut Gesundheitsportal entlasten. Gruppen in deiner Nähe findest du über die Selbsthilfe-Verzeichnisse, auf die das Gesundheitsportal und oesterreich.gv.at verweisen, und über die Selbsthilfe-Unterstützungsstellen deines Bundeslandes. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Selbsthilfegruppe.
Krankenstand bei Depression: Wann er hilft und was gilt
Ob ein Krankenstand dir guttut, hängt von deiner Situation ab. Manchmal kann es laut Leitlinie sogar helfen, weiter zur Arbeit zu gehen. Ob du arbeitsunfähig bist, entscheidet in Österreich deine Ärztin oder dein Arzt, so die Arbeiterkammer.
Die Patienteninformation zur Leitlinie nennt Gründe dafür und dagegen:
Was für einen Krankenstand sprechen kann: Er entlastet dich vorübergehend und verschafft dir eine Verschnaufpause. Belastet dich etwas am Arbeitsplatz stark, etwa Mobbing oder Konflikte, kann es deine Beschwerden dann nicht weiter verschlechtern. Auch starke Beschwerden oder weitere Erkrankungen wie eine Angststörung sprechen dafür.
Was dagegen sprechen kann: Die Arbeit gibt deinem Tag Struktur, und das ist für die Genesung wichtig. Du triffst andere Menschen und erlebst, dass du etwas schaffst. Ohne Arbeit verlassen manche kaum noch das Haus und vereinsamen. Ein langer Krankenstand kann dazu führen, dass Beschwerden schlimmer oder dauerhaft werden.
Ein Krankenstand allein hilft nicht gegen eine Depression. Die Leitlinie rät, gleichzeitig eine Behandlung zu beginnen oder fortzusetzen. Besprich das Für und Wider mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Psychotherapie.
Deine Rechte und Pflichten im Krankenstand
Diese Regeln gelten für Arbeitnehmer:innen. Bist du selbstständig oder verbeamtet, frag bei deinem Versicherungsträger (SVS, BVAEB) nach.
Die Diagnose ist Privatsache: In der Krankenstandsbestätigung steht zwar die Ursache, gemeint ist aber nur, ob du krank bist oder einen Unfall hattest. Woran du leidest, musst du laut Arbeiterkammer nicht offenlegen.
Sofort melden: Informiere deine Arbeitgeberin oder deinen Arbeitgeber unverzüglich, meist reicht ein Anruf zu Arbeitsbeginn. Eine Bestätigung darf sie oder er auch für einen einzigen Tag verlangen. Meldest du dich nicht oder bringst die Bestätigung nicht, verlierst du für diese Zeit deinen Anspruch auf Entgelt.
Wahlarzt-Krankmeldung selbst einreichen: Schreibt dich eine Wahlärztin oder ein Wahlarzt krank, musst du die Bestätigung laut ÖGK selbst an die ÖGK schicken. Sie gilt erst, wenn die ÖGK sie anerkannt hat.
Erlaubt ist, was die Genesung nicht verzögert: Im Krankenstand darfst du nichts tun, was das Gesundwerden verzögert. Bei Depressionen kann Spazierengehen laut Arbeiterkammer aber Teil der Behandlung sein. Im Zweifel entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Frag am besten gleich bei der Krankschreibung nach.
Kein Schutz vor Kündigung: Auch im Krankenstand kannst du gekündigt werden. Eine Kündigung lässt sich aus bestimmten Gründen anfechten, die Fristen sind aber sehr kurz. Das Entgelt für den Krankenstand muss der Betrieb laut Arbeiterkammer auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus weiterzahlen, solange dein Anspruch darauf besteht. Wende dich dann sofort an deine Arbeiterkammer.
Reha und schrittweise Rückkehr
Bist du länger krank, kann eine medizinische Rehabilitation infrage kommen. Die Pensionsversicherung bietet sie laut Sozialministerium auch zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen an. Ziel ist, dich im Berufsleben zu halten oder bei der Rückkehr zu unterstützen. Den Antrag stellst du über deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt.
Nach einem langen Krankenstand kannst du unter bestimmten Bedingungen schrittweise zurückkehren, statt sofort wieder voll zu arbeiten. Das geht mit der Wiedereingliederungsteilzeit, die ÖGK nennt psychische Erkrankungen dabei ausdrücklich als Beispiel. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, du musst sie mit deinem Betrieb vereinbaren. Wie Reha-Antrag, Wiedereingliederungsteilzeit und die kostenlose Beratung von fit2work ablaufen, erklärt der Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“ Schritt für Schritt.
Wenn ein Mensch in deinem Umfeld depressiv ist
Als Angehörige:r oder Freund:in bist du oft eine wichtige Stütze. Du kannst aber nicht alles allein tragen. Eine Depression hat viele Ursachen, betont die Patienteninformation zur Leitlinie, niemand trägt Schuld daran, weder du noch die erkrankte Person. Sie ist auch kein Zeichen von Unvermögen oder Nicht-Wollen.
Diese Schritte nennen das IQWiG und die Leitlinie:
Zuhören und ernst nehmen: Nimm die Person mit ihrer Erkrankung ernst, ohne zu dramatisieren. Vermittle, dass Hilfe möglich ist.
Bei der Hilfe unterstützen: Hilf beim Vereinbaren eines Termins oder begleite sie zum ersten Gespräch.
Kleine gemeinsame Schritte: Ein Spaziergang zu einer fixen Uhrzeit kann helfen. Hol die Person am besten zu Hause ab.
Vorsicht mit Ratschlägen: Spiel die Erkrankung nicht herunter und rede Schuldgefühle nicht aus. Das signalisiert der Person laut Leitlinie, dass du sie nicht akzeptierst, auch wenn du es anders meinst.
Rückzug nicht persönlich nehmen: Weist die Person dich zurück, liegt das an der Krankheit, nicht an dir.
Vor voreiligen Entscheidungen schützen: etwa über die Partnerschaft, solange die Depression akut ist.
Auf dich selbst achten: Geht es dir selbst schlecht, kannst du schwer helfen. Hol dir Unterstützung, wenn du an deine Grenzen kommst.
Beratung und Austausch für Angehörige bietet in Österreich der Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter). Sind Kinder in der Familie, achte auch auf sie. Laut Gesundheitsportal hilft Kindern eines erkrankten Elternteils unter anderem die Unterstützung durch den anderen Elternteil. Informationen für Jugendliche und Familien gibt es unter verrueckte-kindheit.at.
Wenn du dir Sorgen wegen Suizid machst
Sprich die Person offen an. Die Frage nach Suizidgedanken bringt laut Gesundheitsportal niemanden erst auf die Idee. Ein möglicher Einstieg: „Bist du so verzweifelt, dass du schon daran gedacht hast, dir das Leben zu nehmen?“ Hör zu, ohne die Gedanken auszureden, und sag ehrlich, dass du dir Sorgen machst.
Warnzeichen können laut Gesundheitsportal Sätze wie „Ich will nicht mehr“ sein, zunehmender Rückzug, das Verschenken von Dingen oder häufiges Reden über den Tod. Werde auch hellhörig, wenn jemand nach geäußerten Suizidgedanken plötzlich auffallend ruhig wirkt, obwohl sich nichts geändert hat. Frag dann nach. Entferne in Absprache mit der Person Gegenstände, mit denen sie sich schaden könnte. Lass sie bei akuter Gefahr nicht allein. Steht eine suizidale Handlung unmittelbar bevor, ruf sofort die Polizei unter 133 oder die Rettung unter 144.
Depressionen und wertvolle Gespräche · 2:51 Min.Gernot Pachernigg erzählt von einer schweren Phase, in der ihm Gespräche mit Freunden am meisten halfen, und bittet, sich jemandem anzuvertrauen oder Hilfe zu suchen.
Für dich selbst und für die betroffene Person ist die Telefonseelsorge unter 142 rund um die Uhr erreichbar, bei Suizidgedanken ebenso wie zum Reden.
Was jetzt tun?
In der Krise oder bei Suizidgedanken: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an (rund um die Uhr), als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Bei konkreten Suizidplänen oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst, ruf die Rettung unter 144. Speichere dir auch den Krisendienst deines Bundeslandes ein.
Kurz prüfen: Beantworte die zwei Fragen aus der Leitlinie. Sagst du zweimal Ja, vereinbare einen Termin bei deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder direkt in der Psychiatrie, Psychotherapie oder Klinischen Psychologie.
Termin vorbereiten: Notiere deine Beschwerden, seit wann sie bestehen und welche Medikamente du nimmst. Nimm bei Bedarf eine vertraute Person mit.
Behandlung organisieren: Für klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten ruf psyhelp unter 0800 10 02 03 an. Für einen Psychotherapie-Kassenplatz findest du die Clearingstellen auf der Website der ÖGK. Bis 21 Jahre hilft „Gesund aus der Krise“.
Selbst aktiv werden: Plane deinen Tag, geh täglich ein Stück spazieren und frag nach einer Selbsthilfegruppe in deiner Nähe.
Als Angehörige:r: Begleite die Person zum Termin, informiere dich beim Verein HPE und achte auf deine eigenen Grenzen.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Seit Wochen ist alles grau, du kommst morgens kaum aus dem Bett, und nichts macht dir mehr Freude.
Hier erfährst du, woran du eine Depression erkennst und wie du in Österreich zu Hilfe kommst. Du liest, was die Leitlinien zu Psychotherapie und Medikamenten sagen, wie du die Zeit bis zu einem Therapieplatz überbrückst und was im Krankenstand gilt. Und du findest Anlaufstellen für dich und deine Angehörigen, auch für den Fall, dass es nicht warten kann.
Ob du eine Depression hast, kann nur eine Fachperson feststellen. Ein deutliches Warnzeichen ist es aber, wenn gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel zwei Wochen oder länger anhalten und deinen Alltag beeinträchtigen. Was eine Depression als Krankheit ausmacht und welche Formen es gibt, erklärt das Glossar unter Depression.
Traurig oder niedergeschlagen zu sein, gehört zum Leben. Nach einem Verlust ist das meist eine normale Reaktion, schreibt das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bei einer Depression dagegen halten die traurigen Gefühle und negativen Gedanken an und überschatten alles Denken und Handeln.
Fachleute unterscheiden laut IQWiG zwischen Haupt- und Nebenzeichen. Die drei Hauptzeichen sind:
Gedrückte Stimmung: Du fühlst dich niedergeschlagen, traurig oder leer.
Freudlosigkeit: Dinge, die dir früher wichtig waren, interessieren dich kaum noch.
Antriebsmangel: Du bist rasch erschöpft, oft schon nach kleinen Anstrengungen.
Dazu kommen häufig weitere Anzeichen: Probleme, dich zu konzentrieren, wenig Selbstvertrauen, Schuldgefühle, innere Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen und wenig Appetit. Auch Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, gehören dazu. Von einer Depression sprechen Fachleute, wenn mehrere Haupt- und Nebenzeichen mindestens zwei Wochen andauern. Je nach Zahl und Stärke der Beschwerden unterscheiden sie leichte, mittelschwere und schwere Depressionen.
Auch der Körper kann Signale senden
Eine Depression zeigt sich nicht immer zuerst in der Stimmung. Das österreichische Gesundheitsportal nennt auch körperliche Beschwerden, etwa Kraftlosigkeit, Druck im Magen, Kopf- oder andere Schmerzen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder fehlendes sexuelles Interesse. Bei älteren Menschen stehen oft weniger eindeutige Zeichen im Vordergrund, zum Beispiel Reizbarkeit, Misstrauen, sozialer Rückzug oder nachlassende geistige Fähigkeiten.
Umgekehrt können körperliche Erkrankungen Beschwerden auslösen, die einer Depression ähneln, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Laut Gesundheitsportal ist es deshalb wesentlich, körperliche Ursachen auszuschließen. Lass dich also auch untersuchen, wenn du dir sicher bist, dass „nur die Seele“ betroffen ist.
Ein seriöser Kurztest: zwei Fragen
Für eine erste Selbsteinschätzung eignet sich ein Test, den eine anerkannte Leitlinie empfiehlt. Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, auf die sich auch das österreichische Gesundheitsportal stützt, nennt in ihrer Patienteninformation einen einfachen Zwei-Fragen-Test:
Fühltest du dich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
Hattest du im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die du sonst gerne tust?
Beantwortest du beide Fragen mit Ja, solltest du dir laut Leitlinie ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe holen. Der Test ersetzt keine Diagnose, er zeigt dir nur, dass ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll ist.
Abgrenzung zu Burnout und bipolarer Störung
Erschöpfung allein reicht laut IQWiG für die Diagnose einer Depression nicht, dafür müssen mehrere Haupt- und Nebenzeichen zusammenkommen. Bei einer Depression kommt es laut Gesundheitsportal im Allgemeinen zu negativen Erwartungen und Bewertungen, die alle wichtigen Lebensbereiche betreffen. Das unterscheidet sie von einer Erschöpfung, die vor allem mit der Arbeit zusammenhängt. Wie du ein Burnout erkennst und was dann hilft, liest du im Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“. Wechseln sich depressive Phasen mit Hochphasen ab, spricht die Fachwelt laut Gesundheitsportal von einer bipolaren Störung. Für sie gelten eigene Behandlungswege, die dieser Ratgeber nicht beschreibt, mehr dazu steht im Glossar unter Bipolare Störung. Erzähl deshalb in der Arztpraxis auch von Zeiten, in denen du ungewöhnlich aufgedreht warst.
Gedanken an den Tod: Hier bekommst du sofort Hilfe
Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, warte nicht auf einen Termin. Sprich noch heute mit jemandem:
Telefonseelsorge 142: bei Suizidgedanken oder wenn du jemanden zum Reden brauchst. Das Telefon ist täglich rund um die Uhr besetzt, kostenlos und vertraulich. Ein Sofortchat ist täglich am Nachmittag und Abend geöffnet, E-Mails werden innerhalb von 48 Stunden bearbeitet.
Rat auf Draht 147: für Kinder und Jugendliche, die Suizidgedanken haben oder reden möchten, anonym und rund um die Uhr.
Rettung 144: bei konkreten Suizidplänen, einem Suizidversuch oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst. Bei akuter Gefahr für die Sicherheit auch die Polizei unter 133.
Auch eine psychiatrische Ambulanz in deiner Nähe ist eine Anlaufstelle. Laut Gesundheitsportal sind die Beratungen der Krisentelefone grundsätzlich kostenlos und anonym, bei den dreistelligen Notrufnummern und 0800-Nummern fallen keine Telefongebühren an.
Suizidgedanken sind laut Gesundheitsportal eine normale Reaktion auf Krisen, die überfordern, und ein Zeichen dafür, dass du Hilfe brauchst. Bei einer Depression ist das Risiko für einen Suizid erhöht. Ein vertrauliches Gespräch verschafft laut Gesundheitsportal nachweislich Erleichterung. Betroffene berichten, dass ihre Suizidgedanken danach abnahmen, sie besser schliefen und wieder Hoffnung schöpften. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Suizidalität.
Krisendienste in den Bundesländern
Zusätzlich zu den österreichweiten Nummern gibt es regionale Krisendienste. Diese nennt das Gesundheitsportal (Liste von August 2023, bei Tirol nach aktuellen Angaben des Landes ergänzt):
Wien: Kriseninterventionszentrum unter 01 406 95 95, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, telefonisch, persönlich oder per E-Mail. Ein Erstgespräch kann laut Gesundheitsportal nach telefonischer Vereinbarung noch für denselben Tag oder einen der zwei folgenden Werktage vergeben werden. Rund um die Uhr hilft der Sozialpsychiatrische Notdienst unter 01 31330.
Niederösterreich: Nach einem plötzlichen Ereignis wird das Psychosoziale Akutteam des Landes über den Notruf 144 angefordert. Eine Übersicht über Krisenhotlines bietet die Website von Notruf NÖ. Du kannst dich auch an die Gesundheitsnummer 1450 wenden.
Oberösterreich: Krisenhilfe Oberösterreich unter 0732 2177, rund um die Uhr, auch mit Einsätzen vor Ort.
Steiermark: Krisentelefon PsyNot unter 0800 44 99 33, rund um die Uhr, auch für Kinder und Jugendliche.
Kärnten: Psychiatrischer Not- und Krisendienst, rund um die Uhr, für den Osten unter 0664 300 70 07, für den Westen unter 0664 300 90 03.
Salzburg: Krisenhotline von pro mente Salzburg unter 0662 433351, rund um die Uhr. Eigene Nummern gibt es für St. Johann (06412 200 33) und Zell am See (06542 726 00).
Tirol: Psychosozialer Krisendienst unter 0800 400 120, laut Land Tirol täglich von 8 bis 20 Uhr, kostenlos, auf Wunsch anonym, bei Bedarf mit Krisengespräch vor Ort oder in der Ambulanz. Außerhalb dieser Zeiten nutze die österreichweiten Nummern oben.
Burgenland und Vorarlberg: Landesweite 24-Stunden-Krisendienste gibt es laut Gesundheitsportal derzeit nicht. Nutze hier die österreichweiten Nummern.
Speichere dir die Nummern ein, die für dich passen. Das Gesundheitsportal rät, eine Liste für den Notfall anzulegen: eine Vertrauensperson, deine professionellen Helfer:innen, eine 24-Stunden-Hotline, ein Kriseninterventionszentrum und die Rettung 144. Meide Online-Foren, in denen zu Suizid oder Selbstverletzung aufgerufen wird. Viele Informationen dort sind laut Gesundheitsportal schlicht falsch.
Wenn eine Aufnahme gegen den eigenen Willen droht
Viele Menschen fürchten, in der Psychiatrie „eingesperrt“ zu werden, wenn sie von Suizidgedanken erzählen. Gegen den eigenen Willen darf in Österreich nur in engen Grenzen in einer psychiatrischen Abteilung untergebracht werden. Laut Unterbringungsgesetz ist das nur erlaubt, wenn jemand psychisch krank ist und dadurch das eigene Leben oder die eigene Gesundheit oder das Leben oder die Gesundheit anderer ernstlich und erheblich gefährdet. Außerdem darf es keine andere ausreichende ärztliche Behandlung oder Betreuung geben, vor allem keine außerhalb einer psychiatrischen Abteilung.
In diesem Fall stehen dir laut Gesundheitsportal kostenlos Patientenanwält:innen zur Seite. Sie sind vom Spital unabhängig, vertreten dich auch vor Gericht und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Lass dich von dieser Sorge nicht davon abhalten, über deine Gedanken zu sprechen.
Der erste Schritt: Wer stellt die Diagnose?
Deine erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt sein. Laut Gesundheitsportal kannst du dich bei Verdacht auf eine Depression aber auch direkt an diese Stellen wenden:
Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin,
Wer was darf und wie du die Berufslisten prüfst, erklärt der Ratgeber „Wer hilft bei psychischen Problemen?“. Für eine erste Orientierung rund um die Uhr gibt es die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Sie stellt laut Sozialministerium keine Diagnosen, hilft dir aber, die passende Stelle zu finden.
So läuft die Abklärung ab
Laut Gesundheitsportal fragt die Ärztin oder der Arzt nach deinen Beschwerden und wie lange sie schon bestehen. Dazu kommen Fragen nach deiner Lebenssituation und danach, wie du deinen Alltag bewältigst. Andere Erkrankungen werden ausgeschlossen, auch körperliche Ursachen. Fragebögen können die Diagnose unterstützen, bei Bedarf auch eine klinisch-psychologische Diagnostik.
Bereite dich auf den Termin vor. Schreib auf, welche Beschwerden du hast, seit wann, wie sie deinen Alltag verändern und welche Medikamente du nimmst. Wenn dir der Weg schwerfällt, nimm eine vertraute Person mit. Das IQWiG beschreibt, dass viele Betroffene so schwer erkrankt sind, dass ihnen die Kraft fehlt, sich selbst Hilfe zu suchen. Dann ist es wichtig, dass nahestehende Menschen etwa beim ersten Arztgespräch dabei sind.
Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt laut Gesundheitsportal deine Krankenversicherung, du brauchst dafür deine e-card. Bei manchen Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Für Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung gelten eigene Wege, siehe „Bis zum Therapieplatz“. Frag im Zweifel bei deinem Sozialversicherungsträger nach.
Psychotherapie, Medikamente oder beides: Was die Leitlinien sagen
Die wichtigsten Behandlungen sind Psychotherapie und Medikamente, meist sogenannte Antidepressiva. Was davon passt, hängt vor allem davon ab, wie schwer die Depression ist. In jedem Fall gehört laut Gesundheitsportal eine Aufklärung über die Erkrankung dazu. Fachleute nennen das Psychoedukation.
So beschreiben das Gesundheitsportal und die Nationale Versorgungsleitlinie die Empfehlungen nach Schweregrad:
Leichte Depression: Ärztliche Gespräche, Psychoedukation oder psychotherapeutische Beratung können ausreichen. Die Leitlinie nennt auch Online-Programme, wenn eine Ärztin oder ein Psychotherapeut sie empfiehlt und begleitet. Psychotherapie ist sinnvoll, wenn diese Schritte nicht reichen, wenn sie früher schon geholfen hat oder eine Verschlechterung droht. Antidepressiva kommen nur nach besonders kritischer Abwägung infrage.
Mittelschwere Depression: Psychotherapie und Antidepressiva gelten als gleichwertige Möglichkeiten. Laut Leitlinie helfen beide sehr wahrscheinlich gleich gut.
Schwere Depression: Fachleute empfehlen eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten. Sie wirkt laut Leitlinie am besten. Lehnst du eines davon ab, ist auch eine alleinige Behandlung möglich.
Auch ohne Behandlung kann eine Depression wieder abklingen. Unbehandelt kann sie laut Gesundheitsportal aber länger dauern oder häufiger wiederkehren. Besonders bei mittelschweren und schweren Depressionen und bei Gedanken an Suizid ist laut IQWiG eine möglichst schnelle Behandlung wichtig.
Entscheide nicht allein. Die Ärztin oder der Arzt muss dich über die Möglichkeiten, ihren Nutzen und ihre Risiken aufklären. Die Leitlinie empfiehlt, die Behandlung gemeinsam festzulegen. Frag nach, welcher Schweregrad bei dir vorliegt und warum ein bestimmter Weg vorgeschlagen wird.
Was Psychotherapie leisten kann
Psychotherapie kann laut IQWiG depressive Beschwerden lindern und das Risiko für Rückfälle senken. Sie hilft zum Beispiel, besser mit negativen Gedanken umzugehen oder belastende Erfahrungen zu verarbeiten. Mehrere Verfahren sind wirksam. Welches in welcher Lage am besten hilft, lässt sich laut IQWiG derzeit nicht sicher sagen. Häufig eingesetzt wird die Kognitive Verhaltenstherapie. In Österreich ordnet das Psychotherapiegesetz 2024 alle Methoden vier Ausrichtungen zu, die das Glossar unter Psychotherapie erklärt.
Entscheidend ist laut IQWiG auch die Beziehung: Deine Therapeutin oder dein Therapeut soll aufmerksam, respektvoll, offen und mitfühlend sein, und die Chemie muss stimmen. Die Wirkung zeigt sich meist nach einigen Wochen oder Monaten. Tritt nach ungefähr acht bis zwölf Wochen keine Besserung ein, bespricht deine Psychotherapeutin oder dein Psychotherapeut laut Gesundheitsportal mit dir, wie es weitergeht.
Neben der Psychotherapie behandeln laut Gesundheitsportal auch Klinische Psycholog:innen Depressionen. Wie du in Österreich einen Platz findest und welche Fragen du im Erstgespräch stellen kannst, steht im Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Was Antidepressiva leisten können
Antidepressiva verschreiben Ärzt:innen. Sie helfen vor allem bei mittelschweren, schweren und chronischen Depressionen. Bei leichten Depressionen helfen sie laut IQWiG kaum oder gar nicht. Wie groß der Unterschied ist, zeigen Studien mit Erwachsenen mit mittelschwerer oder schwerer Depression, die das IQWiG zusammenfasst. Innerhalb von sechs bis acht Wochen besserten sich die Beschwerden:
ohne Wirkstoff (Placebo): bei etwa 30 von 100 Menschen,
mit Antidepressivum: bei etwa 50 von 100 Menschen.
Die Wirkung setzt laut Gesundheitsportal nach ungefähr zwei Wochen ein, mit der vollen Wirkung ist nach drei bis vier Wochen zu rechnen, bei manchen dauert es länger. Wirkt ein Mittel nach etwa vier Wochen nicht, schlägt die Ärztin oder der Arzt eine andere Behandlung vor.
Viele fürchten, abhängig zu werden. Antidepressiva machen laut IQWiG aber nicht körperlich abhängig oder süchtig. Anders ist es bei Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen. Sie verschreiben Ärzt:innen bei Depressionen laut Gesundheitsportal nur in Ausnahmefällen und für kurze Zeit.
Machen Psychopharmaka abhängig? · 1:25 Min.Eine Fachperson erklärt, warum Benzodiazepine abhängig machen können und nur kurz eingesetzt werden sollten und warum Antidepressiva bei einer Depression sehr helfen können.
Bist du jugendlich, gilt laut IQWiG besondere Vorsicht: Studien deuten darauf hin, dass Jugendliche unter bestimmten Antidepressiva (SSRI, SSNRI) häufiger an Suizid denken. Geh deshalb in den ersten Wochen öfter zu Kontrollterminen und sag sofort Bescheid, wenn solche Gedanken auftauchen. Hilfe bekommst du auch sofort bei Rat auf Draht unter 147.
Setz ein Antidepressivum nie auf eigene Faust ab, auch wenn es dir besser geht. Das erhöht laut IQWiG das Risiko, dass die Depression wiederkommt. Nach der Besserung nimmt man das Medikament meist noch mehrere Monate weiter. Welche Fragen du im Arztgespräch stellen kannst, was bei Nebenwirkungen und Wechselwirkungen gilt und wie das Absetzen abläuft, liest du im Magazinartikel „Psychopharmaka einnehmen: Was du wissen solltest“.
Wenn die Behandlung nicht hilft
Nicht jede Behandlung wirkt beim ersten Versuch. Dann ist es laut IQWiG wichtig, gemeinsam nach den Gründen zu suchen, etwa eine falsche Diagnose, andere Erkrankungen, belastende Lebensumstände oder eine Therapie, die nicht passt. Möglich sind dann zum Beispiel ein anderes Medikament, eine zusätzliche Psychotherapie oder ein anderes Verfahren. Bei schweren Depressionen, die auf mehrere Behandlungen nicht ansprechen, kommen laut Gesundheitsportal auch Verfahren wie die repetitive transkranielle Magnetstimulation oder die Elektrokonvulsionstherapie infrage. Sprich offen an, wenn du das Gefühl hast, dass sich nichts bewegt.
Deine Rechte in der Behandlung
Du entscheidest mit, wie du behandelt wirst. Die Patientencharta, eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, hält das Recht auf Selbstbestimmung und Information fest. Für dich bedeutet das laut Gesundheitsportal:
Aufklärung vorab: Du hast das Recht, über mögliche Diagnose- und Behandlungsarten, ihre Risiken und Folgen informiert zu werden. Dazu gehören auch Alternativen und was passiert, wenn du eine Behandlung nicht machst.
Verständliche Antworten: Die Ärztin oder der Arzt muss auf deine Fragen eingehen und verständlich erklären.
Zustimmung: Behandelt werden darfst du grundsätzlich nur, wenn du zustimmst.
Kosten: Über Kosten, die dich voraussichtlich treffen, musst du vorher informiert werden.
Einsicht: Du darfst in deine medizinische Dokumentation Einsicht nehmen und Abschriften verlangen.
Lehnst du eine Behandlung ab, muss man dich auf die Folgen hinweisen. Laut Gesundheitsportal kann das auch Auswirkungen haben, etwa auf das Krankengeld. Hast du Fragen oder eine Beschwerde, wende dich an die Patientenanwaltschaft deines Bundeslandes. Sie arbeitet unabhängig und kostenlos. Welche Rechte du in einer Psychotherapie hast, steht im Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Bis zum Therapieplatz: So überbrückst du die Wartezeit
Musst du auf einen Platz warten, bist du in dieser Zeit nicht allein. In Österreich gibt es mehrere Wege, die rascher Unterstützung bieten können.
Bei der Hausärztin oder beim Hausarzt dranbleiben: Bei leichten oder beginnenden Depressionen rät das IQWiG, regelmäßig mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, wie es dir geht. Bessert sich die Stimmung innerhalb weniger Wochen nicht oder wird sie schlechter, ist therapeutische Unterstützung sinnvoll.
Klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten: Seit 2026 ist sie bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) eine Sachleistung. Die Plätze organisiert die bundesweite Servicestelle psyhelp, erreichbar unter 0800 10 02 03.
Psychotherapie über die Kasse: Bei Vertragspartner:innen der ÖGK übernimmt die Kasse die Kosten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Liste der Vertragspartner:innen mit den Kontakten der Clearingstellen findest du auf der Website der ÖGK. Wählst du eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten frei, die oder der in der Berufsliste steht, bekommst du einen Kostenzuschuss, wenn die Voraussetzungen der ÖGK erfüllt sind: Die Beschwerden gelten als Krankheit, vor der zweiten Sitzung brauchst du eine ärztliche Untersuchung, ab der elften Sitzung eine Bewilligung. Die Schritte erklärt der Magazinartikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Junge Menschen bis 21: Das Programm „Gesund aus der Krise“ bietet bis zu 15 kostenfreie Behandlungseinheiten. Ab 14 Jahren kannst du dich auch ohne deine Eltern anmelden. Die Finanzierung ist laut Sozialministerium derzeit bis Ende Juni 2027 gesichert.
Krisenintervention: Sie bietet in einer akuten psychosozialen Krise kurzfristig Unterstützung, für einige Wochen bis ein paar Monate. Anlaufstellen sind etwa das Kriseninterventionszentrum in Wien und Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie.
Psychosoziale Dienste: In den Bundesländern gibt es psychosoziale Dienste und Einrichtungen, die das Gesundheitsportal auflistet. Sie unterstützen laut Gesundheitsportal auch dabei, den Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen.
Auch Medikamente können laut IQWiG eine Möglichkeit sein, die Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz zu überbrücken. Besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wird es in der Wartezeit schlimmer oder kommen Gedanken an Suizid dazu, nutze die Krisennummern weiter oben.
Diese Wege gelten für die ÖGK. Bist du bei der BVAEB oder der SVS versichert, frag dort nach den Wegen.
Was du selbst tun kannst und was davon belegt ist
Du kannst selbst einiges dazu beitragen, dass es dir besser geht. Bei einer mittelschweren oder schweren Depression ersetzen solche Schritte laut IQWiG eine fachliche Behandlung aber meist nicht. Das Gesundheitsportal nennt diese Schritte:
Hilfe suchen: Es kann schwerfallen, sich zu überwinden. Professionelle Helfer:innen können dich unterstützen.
Den Tag planen: Ein strukturierter Tagesablauf hilft im Alltag.
Sich bewegen: Setz dir kleine Ziele, zum Beispiel jeden Tag einen Spaziergang.
Auf den Schlaf achten: Feste Schlafroutinen können helfen.
Kleine Dinge, die Freude machen: etwa eine Freundin oder einen Freund treffen oder dir etwas Gutes kochen.
Fang mit einem Punkt an, der dir heute machbar erscheint. Mach dir kein schlechtes Gewissen, wenn etwas nicht klappt. Die Leitlinie betont, dass Bewegung die Behandlung unterstützen und keinen zusätzlichen Stress machen soll.
Bewegung: belegt, aber kein Ersatz für Behandlung
Bewegung und Sport können depressive Beschwerden verringern. Das zeigen laut IQWiG viele Studien, wie stark die Wirkung ist, war aber je nach Studie sehr unterschiedlich. Programme mit persönlicher Anleitung wirkten besser als solche ohne Begleitung. Die besten Belege gibt es laut Leitlinie für Ausdauertraining, Krafttraining oder gemischtes Training in Gruppen. Eine beste Sportart gibt es nicht.
Bei mittelschweren oder schweren Depressionen ersetzt Sport laut IQWiG meist keine Psychotherapie und keine Medikamente, kann sie aber sinnvoll ergänzen. Viele Menschen mit schwerer Depression schaffen kaum Sport. Auch dann können regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft guttun. Lass dich vorher ärztlich beraten, welche Bewegung für dich passt.
Lichttherapie: Bei Depressionen, die mit den Jahreszeiten zusammenhängen, empfehlen Fachleute laut Gesundheitsportal mitunter eine Lichttherapie. Deine Ärztin oder dein Arzt berät dich, wie du zu einem geeigneten Gerät kommst. Mehr dazu steht im Glossar unter Saisonal abhängige Depression.
Ergotherapie und Musiktherapie: Sie können die Behandlung laut Gesundheitsportal unterstützen. Ergotherapie hilft dabei, Fähigkeiten für den Alltag wiederzugewinnen.
Johanniskraut: Mittel aus Johanniskraut können laut IQWiG leichte und mittelschwere Depressionen lindern. Auch sie haben Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Nimm sie deshalb nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Omega-3-Fettsäuren: Sie sind bei einer Depression laut IQWiG unwirksam, das ergaben mehrere Studien.
Selbsthilfegruppen
In einer Selbsthilfegruppe tauschst du dich mit Menschen aus, die Ähnliches erlebt haben. Das kann laut Gesundheitsportal entlasten. Gruppen in deiner Nähe findest du über die Selbsthilfe-Verzeichnisse, auf die das Gesundheitsportal und oesterreich.gv.at verweisen, und über die Selbsthilfe-Unterstützungsstellen deines Bundeslandes. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Selbsthilfegruppe.
Krankenstand bei Depression: Wann er hilft und was gilt
Ob ein Krankenstand dir guttut, hängt von deiner Situation ab. Manchmal kann es laut Leitlinie sogar helfen, weiter zur Arbeit zu gehen. Ob du arbeitsunfähig bist, entscheidet in Österreich deine Ärztin oder dein Arzt, so die Arbeiterkammer.
Die Patienteninformation zur Leitlinie nennt Gründe dafür und dagegen:
Was für einen Krankenstand sprechen kann: Er entlastet dich vorübergehend und verschafft dir eine Verschnaufpause. Belastet dich etwas am Arbeitsplatz stark, etwa Mobbing oder Konflikte, kann es deine Beschwerden dann nicht weiter verschlechtern. Auch starke Beschwerden oder weitere Erkrankungen wie eine Angststörung sprechen dafür.
Was dagegen sprechen kann: Die Arbeit gibt deinem Tag Struktur, und das ist für die Genesung wichtig. Du triffst andere Menschen und erlebst, dass du etwas schaffst. Ohne Arbeit verlassen manche kaum noch das Haus und vereinsamen. Ein langer Krankenstand kann dazu führen, dass Beschwerden schlimmer oder dauerhaft werden.
Ein Krankenstand allein hilft nicht gegen eine Depression. Die Leitlinie rät, gleichzeitig eine Behandlung zu beginnen oder fortzusetzen. Besprich das Für und Wider mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Psychotherapie.
Deine Rechte und Pflichten im Krankenstand
Diese Regeln gelten für Arbeitnehmer:innen. Bist du selbstständig oder verbeamtet, frag bei deinem Versicherungsträger (SVS, BVAEB) nach.
Die Diagnose ist Privatsache: In der Krankenstandsbestätigung steht zwar die Ursache, gemeint ist aber nur, ob du krank bist oder einen Unfall hattest. Woran du leidest, musst du laut Arbeiterkammer nicht offenlegen.
Sofort melden: Informiere deine Arbeitgeberin oder deinen Arbeitgeber unverzüglich, meist reicht ein Anruf zu Arbeitsbeginn. Eine Bestätigung darf sie oder er auch für einen einzigen Tag verlangen. Meldest du dich nicht oder bringst die Bestätigung nicht, verlierst du für diese Zeit deinen Anspruch auf Entgelt.
Wahlarzt-Krankmeldung selbst einreichen: Schreibt dich eine Wahlärztin oder ein Wahlarzt krank, musst du die Bestätigung laut ÖGK selbst an die ÖGK schicken. Sie gilt erst, wenn die ÖGK sie anerkannt hat.
Erlaubt ist, was die Genesung nicht verzögert: Im Krankenstand darfst du nichts tun, was das Gesundwerden verzögert. Bei Depressionen kann Spazierengehen laut Arbeiterkammer aber Teil der Behandlung sein. Im Zweifel entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Frag am besten gleich bei der Krankschreibung nach.
Kein Schutz vor Kündigung: Auch im Krankenstand kannst du gekündigt werden. Eine Kündigung lässt sich aus bestimmten Gründen anfechten, die Fristen sind aber sehr kurz. Das Entgelt für den Krankenstand muss der Betrieb laut Arbeiterkammer auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus weiterzahlen, solange dein Anspruch darauf besteht. Wende dich dann sofort an deine Arbeiterkammer.
Reha und schrittweise Rückkehr
Bist du länger krank, kann eine medizinische Rehabilitation infrage kommen. Die Pensionsversicherung bietet sie laut Sozialministerium auch zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen an. Ziel ist, dich im Berufsleben zu halten oder bei der Rückkehr zu unterstützen. Den Antrag stellst du über deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt.
Nach einem langen Krankenstand kannst du unter bestimmten Bedingungen schrittweise zurückkehren, statt sofort wieder voll zu arbeiten. Das geht mit der Wiedereingliederungsteilzeit, die ÖGK nennt psychische Erkrankungen dabei ausdrücklich als Beispiel. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, du musst sie mit deinem Betrieb vereinbaren. Wie Reha-Antrag, Wiedereingliederungsteilzeit und die kostenlose Beratung von fit2work ablaufen, erklärt der Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“ Schritt für Schritt.
Wenn ein Mensch in deinem Umfeld depressiv ist
Als Angehörige:r oder Freund:in bist du oft eine wichtige Stütze. Du kannst aber nicht alles allein tragen. Eine Depression hat viele Ursachen, betont die Patienteninformation zur Leitlinie, niemand trägt Schuld daran, weder du noch die erkrankte Person. Sie ist auch kein Zeichen von Unvermögen oder Nicht-Wollen.
Diese Schritte nennen das IQWiG und die Leitlinie:
Zuhören und ernst nehmen: Nimm die Person mit ihrer Erkrankung ernst, ohne zu dramatisieren. Vermittle, dass Hilfe möglich ist.
Bei der Hilfe unterstützen: Hilf beim Vereinbaren eines Termins oder begleite sie zum ersten Gespräch.
Kleine gemeinsame Schritte: Ein Spaziergang zu einer fixen Uhrzeit kann helfen. Hol die Person am besten zu Hause ab.
Vorsicht mit Ratschlägen: Spiel die Erkrankung nicht herunter und rede Schuldgefühle nicht aus. Das signalisiert der Person laut Leitlinie, dass du sie nicht akzeptierst, auch wenn du es anders meinst.
Rückzug nicht persönlich nehmen: Weist die Person dich zurück, liegt das an der Krankheit, nicht an dir.
Vor voreiligen Entscheidungen schützen: etwa über die Partnerschaft, solange die Depression akut ist.
Auf dich selbst achten: Geht es dir selbst schlecht, kannst du schwer helfen. Hol dir Unterstützung, wenn du an deine Grenzen kommst.
Beratung und Austausch für Angehörige bietet in Österreich der Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter). Sind Kinder in der Familie, achte auch auf sie. Laut Gesundheitsportal hilft Kindern eines erkrankten Elternteils unter anderem die Unterstützung durch den anderen Elternteil. Informationen für Jugendliche und Familien gibt es unter verrueckte-kindheit.at.
Wenn du dir Sorgen wegen Suizid machst
Sprich die Person offen an. Die Frage nach Suizidgedanken bringt laut Gesundheitsportal niemanden erst auf die Idee. Ein möglicher Einstieg: „Bist du so verzweifelt, dass du schon daran gedacht hast, dir das Leben zu nehmen?“ Hör zu, ohne die Gedanken auszureden, und sag ehrlich, dass du dir Sorgen machst.
Warnzeichen können laut Gesundheitsportal Sätze wie „Ich will nicht mehr“ sein, zunehmender Rückzug, das Verschenken von Dingen oder häufiges Reden über den Tod. Werde auch hellhörig, wenn jemand nach geäußerten Suizidgedanken plötzlich auffallend ruhig wirkt, obwohl sich nichts geändert hat. Frag dann nach. Entferne in Absprache mit der Person Gegenstände, mit denen sie sich schaden könnte. Lass sie bei akuter Gefahr nicht allein. Steht eine suizidale Handlung unmittelbar bevor, ruf sofort die Polizei unter 133 oder die Rettung unter 144.
Depressionen und wertvolle Gespräche · 2:51 Min.Gernot Pachernigg erzählt von einer schweren Phase, in der ihm Gespräche mit Freunden am meisten halfen, und bittet, sich jemandem anzuvertrauen oder Hilfe zu suchen.
Für dich selbst und für die betroffene Person ist die Telefonseelsorge unter 142 rund um die Uhr erreichbar, bei Suizidgedanken ebenso wie zum Reden.
Was jetzt tun?
In der Krise oder bei Suizidgedanken: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an (rund um die Uhr), als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Bei konkreten Suizidplänen oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst, ruf die Rettung unter 144. Speichere dir auch den Krisendienst deines Bundeslandes ein.
Kurz prüfen: Beantworte die zwei Fragen aus der Leitlinie. Sagst du zweimal Ja, vereinbare einen Termin bei deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder direkt in der Psychiatrie, Psychotherapie oder Klinischen Psychologie.
Termin vorbereiten: Notiere deine Beschwerden, seit wann sie bestehen und welche Medikamente du nimmst. Nimm bei Bedarf eine vertraute Person mit.
Behandlung organisieren: Für klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten ruf psyhelp unter 0800 10 02 03 an. Für einen Psychotherapie-Kassenplatz findest du die Clearingstellen auf der Website der ÖGK. Bis 21 Jahre hilft „Gesund aus der Krise“.
Selbst aktiv werden: Plane deinen Tag, geh täglich ein Stück spazieren und frag nach einer Selbsthilfegruppe in deiner Nähe.
Als Angehörige:r: Begleite die Person zum Termin, informiere dich beim Verein HPE und achte auf deine eigenen Grenzen.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 3 (2022), Überblick – Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF) – https://www.leitlinien.de/themen/depression (abgerufen 2026-10-21)