19.10.2026 (aktualisiert am 19.10.2026) | balancio.at
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Dein Bauch grummelt öfter als früher, und überall liest du, dass du deine Darmflora stärken sollst.
Hier erfährst du, was Ernährung, Probiotika und Mikrobiom-Tests für deine Darmflora nachweislich leisten. Außerdem liest du, warum du Antibiotika trotzdem genau wie verordnet nimmst, wann Bauchbeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt gehören und wer dich in Österreich bei der Ernährung begleitet.
Darmflora stärken: Was du selbst tun kannst
Am wichtigsten für deine Darmflora ist nach heutigem Wissen eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung mit möglichst vielen verschiedenen Lebensmitteln. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gelingt das eher über langfristige Essgewohnheiten als über kurzfristige „Darmkuren“.
Im Dickdarm leben Billionen Bakterien. Sie bilden deine persönliche Darmflora, die Fachleute zum Darmmikrobiom zählen. Laut Gesundheitsportal bauen diese Bakterien unter anderem lösliche Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren ab und bilden Vitamin K. Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des deutschen Instituts IQWiG, erschwert die Darmflora außerdem, dass sich schädliche Bakterien ansiedeln.
Die Ernährung gilt laut DGE als einer der stärksten Einflüsse auf das Darmmikrobiom. Menschen, die viel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Nüsse essen, haben in Studien meist eine vielfältigere Darmflora. Die DGE betont aber, dass das zunächst Zusammenhänge sind und noch kein Beweis für Ursache und Wirkung. Ob mehr Ballaststoffe allein die Vielfalt erhöhen, ist damit offen: Eine Auswertung von 64 Studien mit gesunden Erwachsenen fand, dass zusätzliche Ballaststoffe vor allem zwei Bakteriengruppen vermehrten, Bifidobakterien und Laktobazillen. Auf die Vielfalt der Darmflora hatten sie in diesen Studien keinen nachweisbaren Einfluss.
Ballaststoffe lohnen sich trotzdem. Laut Gesundheitsportal regulieren sie die Verdauung, beugen Verstopfung vor und sind mit einem geringeren Risiko etwa für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Dickdarmkrebs verbunden. Das Gesundheitsportal empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm am Tag.
So kommen 30 Gramm Ballaststoffe zusammen
Das Gesundheitsportal zeigt nach den Referenzwerten der deutschen und österreichischen Ernährungsgesellschaften (DGE/ÖGE), wie ein Tag mit genug Ballaststoffen aussehen kann:
60 g Haferflocken (5,8 g) und 15 g Leinsamen (3,4 g)
eine Birne (3,9 g) und 125 g Rhabarber (4 g)
125 g gegarte Linsen (5,8 g) und 150 g gegarte Karotten (4,7 g)
250 g gegarte Erdäpfel (2,8 g) und 25 g Mandeln (2,9 g)
Zusammen sind das gut 33 Gramm. Die österreichischen Ernährungsempfehlungen geben dafür einen einfachen Rahmen: täglich fünf Portionen Gemüse und Obst, „je bunter und vielfältiger, desto besser“. Dazu mindestens drei Portionen Hülsenfrüchte pro Woche (ohne Fisch und Fleisch mindestens vier) und bei Brot, Nudeln oder Reis bevorzugt die Vollkornvariante. Trink dazu mindestens 1,5 Liter am Tag, etwa Wasser oder ungesüßten Tee, damit die Ballaststoffe quellen und wirken können. Bist du viele Ballaststoffe nicht gewohnt, steigere die Menge laut DGE langsam. Sonst drohen anfangs Blähungen und Bauchschmerzen.
Einen eigenen Speiseplan für die Darmflora brauchst du also nicht. Die DGE empfiehlt dafür dieselbe pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung mit möglichst vielen verschiedenen Lebensmitteln wie für die Gesundheit allgemein.
Darmflora und Krankheiten: viele Zusammenhänge, wenig Gewissheit
Forschende finden immer mehr Zusammenhänge zwischen Darmflora und Krankheiten. Ob die Darmflora diese Krankheiten mitverursacht, ist damit aber nicht gesagt. Laut DGE zeigen Studien bei Adipositas, Darmerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Stress und psychischen Erkrankungen eine veränderte Darmflora. Die US-Gesundheitsbehörde NCCIH beschreibt die Erforschung dieser Verbindungen als noch im Gang.
Der Zusammenhang kann auch in die andere Richtung laufen: Eine Krankheit oder ihre Behandlung verändert die Darmflora. Bei einem Fachkongress der DGE 2026 hieß es, dass neben der Ernährung auch Krankheiten und Medikamente wie Säureblocker, das Diabetes-Mittel Metformin oder Antibiotika die Darmflora verändern. Außerdem gibt es laut DGE keine Definition für eine optimale Darmflora. Aus der Zusammensetzung der Bakterien lässt sich nach heutigem Stand nicht zuverlässig ablesen, wie gut sie arbeitet.
Sei deshalb vorsichtig bei Angeboten, die versprechen, über die Darmflora Krankheiten zu heilen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sind solche Aussagen laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ohnehin verboten.
Was bringen Probiotika?
Probiotika helfen nach heutigem Stand nur bei wenigen Anwendungen nachweislich. Am ehesten belegt ist der Schutz vor Durchfall während einer Antibiotika-Einnahme.
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien oder Bifidobakterien, manchmal Hefen. Es gibt sie in Joghurt und anderen fermentierten Lebensmitteln, als Nahrungsergänzungsmittel und als Arzneimittel. Verschiedene Stämme können unterschiedlich wirken. Hilft ein bestimmter Stamm, heißt das laut NCCIH nicht, dass ein verwandter dasselbe kann. Bei den meisten Anwendungen ist laut NCCIH noch unklar, welche Probiotika helfen, in welcher Menge und für wen.
Akuter Durchfall: Probiotika verkürzen ihn laut Gesundheitsportal wahrscheinlich nicht. Das Gesundheitsportal rät deshalb von ihnen zur Behandlung ab.
Durchfall durch Antibiotika bei Kindern: Eine Cochrane-Übersicht, also eine Studienzusammenfassung des Forschungsnetzwerks Cochrane, wertete 2019 33 Studien mit über 6.300 Kindern aus. Mit Probiotika bekamen 8 von 100 Kindern Durchfall, ohne 19 von 100, bei mittlerer Verlässlichkeit.
Durchfall durch Antibiotika bei Erwachsenen: Hier ist der Nutzen laut Gesundheitsportal weniger gut abgesichert als bei Kindern.
Darminfektion mit Clostridioides difficile: Dieser Keim kann sich nach Antibiotika im Darm ausbreiten. Laut einer Cochrane-Übersicht von 2025 erkrankten mit Probiotika 1,6 von 100 Menschen daran, ohne 3,2 von 100. Laut den Autor:innen müssen 65 Menschen Probiotika nehmen, damit einer weniger erkrankt. Die Belege sind wenig verlässlich, und bei 28 der 47 Studien hatten Autor:innen Verbindungen zu Herstellern oder bekamen Geld von ihnen.
Abwehrkräfte: Dass Probiotika das Immunsystem „boostern“, ist laut DGE nicht ausreichend belegt.
Beim Reizdarmsyndrom können Probiotika laut NCCIH die Beschwerden möglicherweise lindern. Ob sie wirklich wirken und welche Stämme sich eignen, ist aber offen.
Probiotika: Passt das für dich?
Kann sinnvoll sein, nach Rücksprache:
Du bekommst ein Antibiotikum und möchtest Durchfall vorbeugen. Frag in der Arztpraxis oder in der Apotheke, ob ein Probiotikum für dich infrage kommt. Das gilt besonders für Kinder.
als Grund, einen Arztbesuch aufzuschieben. Davor warnt das NCCIH ausdrücklich.
Bei sonst gesunden Kindern waren Nebenwirkungen in den Studien selten und mild, etwa Blähungen, Übelkeit oder Hautausschlag. Wie sicher Probiotika sind, ist laut NCCIH aber wenig genau untersucht.
Nur nach ärztlicher Rücksprache:
Schwere Erkrankung oder geschwächtes Immunsystem: Hier ist das Risiko für Infektionen durch die Bakterien selbst laut NCCIH höher.
Frühgeborene: Bei ihnen sind schwere und tödliche Infektionen durch Probiotika bekannt.
Chronische Krankheiten allgemein: Die AGES rät kranken Menschen, jedes Nahrungsergänzungsmittel vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Kaufst du ein Probiotikum als Nahrungsergänzungsmittel, gilt es laut AGES als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel. In Österreich müssen solche Produkte seit 2006 vor dem Verkauf weder gemeldet noch registriert werden. Manche Produkte enthielten laut NCCIH sogar andere Keime als angegeben. Die AGES rät zur Vorsicht beim Kauf im Internet, vor allem bei Werbung als „Wundermittel“ oder ohne deutsche Kennzeichnung.
Antibiotika: genau so lange wie verordnet
Antibiotika bringen die Darmflora durcheinander. Trotzdem nimmst du sie genau so ein, wie deine Ärztin oder dein Arzt es verordnet hat. Bei schweren bakteriellen Infektionen können sie laut Gesundheitsportal die Heilung beschleunigen und sogar Leben retten, etwa bei einer Lungenentzündung.
Antibiotika treffen nicht nur Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien. Das kann Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auslösen. Manchmal breitet sich danach der Keim Clostridioides difficile aus.
Brich die Einnahme trotzdem nicht von dir aus ab. Wenn die Beschwerden nachlassen, heißt das laut Gesundheitsportal nicht, dass alle Erreger abgetötet sind, und übrig gebliebene Keime können die Krankheit erneut auslösen. Eine zu kurze oder zu niedrig dosierte Einnahme fördert außerdem Antibiotikaresistenzen, also Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.
So gehst du mit Antibiotika sorgsam um:
Vor der Einnahme fragen: wie viele Tage, wie oft am Tag, was bei einer vergessenen Dosis zu tun ist und ob sich das Mittel mit deinen anderen Medikamenten verträgt.
Bei Durchfall melden: Bekommst du während oder nach der Einnahme Durchfall, ist das laut Gesundheitsportal ein Grund, ärztlich nachzufragen. Setz das Antibiotikum nicht eigenmächtig ab, sondern ruf in der Praxis an.
Reste zurückgeben: Übrige Tabletten hebst du nicht für später auf und gibst sie nicht weiter, sondern bringst sie in die Apotheke.
Nicht drängen: Gegen Viren wirken Antibiotika nicht, bei einer einfachen Erkältung sind sie nicht sinnvoll. Auch Wünsche von Patient:innen nach einem Antibiotikum tragen laut Gesundheitsportal zu Resistenzen bei, wenn sie zu einer unnötigen Einnahme führen.
Mikrobiom-Selbsttests: kein belegter Nutzen
Stuhltests, die deine Darmflora analysieren und daraus Ernährungstipps ableiten, haben derzeit keinen belegten Nutzen. Eine internationale Fachgruppe von über 60 Expert:innen hielt 2025 fest, dass solche direkt an Verbraucher:innen verkauften Tests in der medizinischen Praxis keinen nachgewiesenen Wert haben. Sie warnte vor verschwendetem Geld und möglichen Nachteilen für die Behandlung.
Die DGE rät von Stuhltests zur Untersuchung des Mikrobioms ab, weil sie weder für das Verständnis noch für die Behandlung einen Mehrwert bringen. Viele Tests teilen Bakterien in „gute“ und „schlechte“ ein, obwohl es laut DGE keinen Konsens gibt, welche Zusammensetzung bei gesunden Erwachsenen optimal ist. Laut dem Nachbericht der DGE zu ihrem Kongress 2026 berichtete der niederländische Mikrobiomforscher Rinse Weersma von einer Studie, in der verschiedene Anbieter dieselbe Stuhlprobe untersuchten und zu unterschiedlichen Ergebnissen und Empfehlungen kamen.
Davon zu unterscheiden sind Stuhluntersuchungen, die Ärzt:innen veranlassen, etwa auf Krankheitserreger, auf nicht sichtbares Blut oder auf Entzündungszeichen. Diese lassen sich laut DGE zuverlässig bestimmen.
Spar dir also das Geld für einen Mikrobiom-Test. Ab 45 Jahren kannst du in Österreich stattdessen die Darmkrebsvorsorge gratis nutzen: alle zwei Jahre einen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung. Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt.
Wann gehören Bauchbeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt?
Anhaltende oder auffällige Verdauungsbeschwerden lässt du ärztlich abklären, statt sie mit Probiotika oder einem Test selbst zu behandeln. Meist stecken harmlose Ursachen dahinter. Manche Zeichen brauchen aber rasch eine Untersuchung. Das Gesundheitsportal nennt unter anderem:
Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl
anhaltend veränderte Stuhlgewohnheiten, etwa plötzlich Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
Durchfall, der nach 48 Stunden nicht besser wird, sehr stark und wässrig ist oder mit Fieber über 38,5 Grad einhergeht
Durchfall während oder nach einer Antibiotika-Einnahme oder nach einer Fernreise
ungewollter Gewichtsverlust
Schmerzen oder Krämpfe im Unterbauch, die länger als eine Woche dauern, oder starke Bauchschmerzen
starker Schwindel oder Schwäche
Babys, Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gehören bei Durchfall immer zur Ärztin oder zum Arzt. Hält Durchfall länger an, ohne dass sich eine Infektion findet, kann laut Gesundheitsportal auch ein Reizdarmsyndrom dahinterstecken. Bist du unsicher, hilft die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Verschlechtert sich dein Zustand rasch, wähl den Notruf 144.
Diätolog:innen: Wer dich bei der Ernährung begleitet und was die Kasse zahlt
Brauchst du bei Verdauungsbeschwerden Hilfe beim Essen, sind in Österreich Diätolog:innen die dafür ausgebildete Berufsgruppe. Sie gehören zu den gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen und beraten laut Gesundheitsportal gesunde und kranke Menschen, unter anderem bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Grundlage sind Gespräch, Ernährungsprotokoll und ärztliche Befunde. Daraus entsteht ein Plan für deinen Alltag, etwa mit Einkaufsleitfäden oder einfachen Menüplänen. Mehr zum Unterschied der Berufe findest du unter Ernährungsberatung.
Für Beratung zur Vorbeugung kannst du Diätolog:innen direkt aufsuchen. Eine Ernährungstherapie bei einer Erkrankung, etwa bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden, setzt nach dem MTD-Gesetz eine ärztliche Anordnung voraus. Die brauchst du in der Regel auch, damit die Sozialversicherung die Kosten ganz oder teilweise übernimmt.
Niedergelassene Diätolog:innen bieten ihre Leistungen laut Gesundheitsportal häufig als Wahlleistung an. Mit ärztlicher Verordnung ist dann eine teilweise Rückerstattung durch die Sozialversicherung möglich, manchmal auch durch eine private Krankenversicherung.
Frag vor dem ersten Termin bei deiner Krankenkasse nach, welche Kosten sie übernimmt. Diätolog:innen dürfen ihren Beruf nur ausüben, wenn sie im Gesundheitsberuferegister eingetragen sind. Ob jemand eingetragen ist, kannst du laut Gesundheitsportal im öffentlich zugänglichen Teil des Registers selbst nachsehen.
Was jetzt tun?
Iss mehr Ballaststoffe: fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, mehrmals pro Woche Hülsenfrüchte und bei Brot, Nudeln und Reis öfter die Vollkornvariante. Trink dazu mindestens 1,5 Liter.
Nimm verordnete Antibiotika so lange und so oft, wie es dir verordnet wurde. Bei Durchfall oder anderen Nebenwirkungen ruf in der Praxis an, statt selbst abzusetzen.
Besprich ein Probiotikum vorher ärztlich oder in der Apotheke, vor allem bei einer schweren Erkrankung, einem geschwächten Immunsystem oder für ein Kind.
Verzichte auf Mikrobiom-Selbsttests. Nutze ab 45 Jahren lieber die kostenlose Darmkrebsvorsorge über deine Hausärztin oder deinen Hausarzt.
Lass Warnzeichen wie Blut im Stuhl, anhaltend veränderten Stuhlgang oder ungewollten Gewichtsverlust ärztlich abklären. Für eine Ernährungstherapie bei Diätolog:innen hol dir vorher eine ärztliche Verordnung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Dein Bauch grummelt öfter als früher, und überall liest du, dass du deine Darmflora stärken sollst.
Hier erfährst du, was Ernährung, Probiotika und Mikrobiom-Tests für deine Darmflora nachweislich leisten. Außerdem liest du, warum du Antibiotika trotzdem genau wie verordnet nimmst, wann Bauchbeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt gehören und wer dich in Österreich bei der Ernährung begleitet.
Darmflora stärken: Was du selbst tun kannst
Am wichtigsten für deine Darmflora ist nach heutigem Wissen eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung mit möglichst vielen verschiedenen Lebensmitteln. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gelingt das eher über langfristige Essgewohnheiten als über kurzfristige „Darmkuren“.
Im Dickdarm leben Billionen Bakterien. Sie bilden deine persönliche Darmflora, die Fachleute zum Darmmikrobiom zählen. Laut Gesundheitsportal bauen diese Bakterien unter anderem lösliche Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren ab und bilden Vitamin K. Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des deutschen Instituts IQWiG, erschwert die Darmflora außerdem, dass sich schädliche Bakterien ansiedeln.
Die Ernährung gilt laut DGE als einer der stärksten Einflüsse auf das Darmmikrobiom. Menschen, die viel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Nüsse essen, haben in Studien meist eine vielfältigere Darmflora. Die DGE betont aber, dass das zunächst Zusammenhänge sind und noch kein Beweis für Ursache und Wirkung. Ob mehr Ballaststoffe allein die Vielfalt erhöhen, ist damit offen: Eine Auswertung von 64 Studien mit gesunden Erwachsenen fand, dass zusätzliche Ballaststoffe vor allem zwei Bakteriengruppen vermehrten, Bifidobakterien und Laktobazillen. Auf die Vielfalt der Darmflora hatten sie in diesen Studien keinen nachweisbaren Einfluss.
Ballaststoffe lohnen sich trotzdem. Laut Gesundheitsportal regulieren sie die Verdauung, beugen Verstopfung vor und sind mit einem geringeren Risiko etwa für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Dickdarmkrebs verbunden. Das Gesundheitsportal empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm am Tag.
So kommen 30 Gramm Ballaststoffe zusammen
Das Gesundheitsportal zeigt nach den Referenzwerten der deutschen und österreichischen Ernährungsgesellschaften (DGE/ÖGE), wie ein Tag mit genug Ballaststoffen aussehen kann:
60 g Haferflocken (5,8 g) und 15 g Leinsamen (3,4 g)
eine Birne (3,9 g) und 125 g Rhabarber (4 g)
125 g gegarte Linsen (5,8 g) und 150 g gegarte Karotten (4,7 g)
250 g gegarte Erdäpfel (2,8 g) und 25 g Mandeln (2,9 g)
Zusammen sind das gut 33 Gramm. Die österreichischen Ernährungsempfehlungen geben dafür einen einfachen Rahmen: täglich fünf Portionen Gemüse und Obst, „je bunter und vielfältiger, desto besser“. Dazu mindestens drei Portionen Hülsenfrüchte pro Woche (ohne Fisch und Fleisch mindestens vier) und bei Brot, Nudeln oder Reis bevorzugt die Vollkornvariante. Trink dazu mindestens 1,5 Liter am Tag, etwa Wasser oder ungesüßten Tee, damit die Ballaststoffe quellen und wirken können. Bist du viele Ballaststoffe nicht gewohnt, steigere die Menge laut DGE langsam. Sonst drohen anfangs Blähungen und Bauchschmerzen.
Einen eigenen Speiseplan für die Darmflora brauchst du also nicht. Die DGE empfiehlt dafür dieselbe pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung mit möglichst vielen verschiedenen Lebensmitteln wie für die Gesundheit allgemein.
Darmflora und Krankheiten: viele Zusammenhänge, wenig Gewissheit
Forschende finden immer mehr Zusammenhänge zwischen Darmflora und Krankheiten. Ob die Darmflora diese Krankheiten mitverursacht, ist damit aber nicht gesagt. Laut DGE zeigen Studien bei Adipositas, Darmerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Stress und psychischen Erkrankungen eine veränderte Darmflora. Die US-Gesundheitsbehörde NCCIH beschreibt die Erforschung dieser Verbindungen als noch im Gang.
Der Zusammenhang kann auch in die andere Richtung laufen: Eine Krankheit oder ihre Behandlung verändert die Darmflora. Bei einem Fachkongress der DGE 2026 hieß es, dass neben der Ernährung auch Krankheiten und Medikamente wie Säureblocker, das Diabetes-Mittel Metformin oder Antibiotika die Darmflora verändern. Außerdem gibt es laut DGE keine Definition für eine optimale Darmflora. Aus der Zusammensetzung der Bakterien lässt sich nach heutigem Stand nicht zuverlässig ablesen, wie gut sie arbeitet.
Sei deshalb vorsichtig bei Angeboten, die versprechen, über die Darmflora Krankheiten zu heilen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sind solche Aussagen laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ohnehin verboten.
Was bringen Probiotika?
Probiotika helfen nach heutigem Stand nur bei wenigen Anwendungen nachweislich. Am ehesten belegt ist der Schutz vor Durchfall während einer Antibiotika-Einnahme.
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien oder Bifidobakterien, manchmal Hefen. Es gibt sie in Joghurt und anderen fermentierten Lebensmitteln, als Nahrungsergänzungsmittel und als Arzneimittel. Verschiedene Stämme können unterschiedlich wirken. Hilft ein bestimmter Stamm, heißt das laut NCCIH nicht, dass ein verwandter dasselbe kann. Bei den meisten Anwendungen ist laut NCCIH noch unklar, welche Probiotika helfen, in welcher Menge und für wen.
Akuter Durchfall: Probiotika verkürzen ihn laut Gesundheitsportal wahrscheinlich nicht. Das Gesundheitsportal rät deshalb von ihnen zur Behandlung ab.
Durchfall durch Antibiotika bei Kindern: Eine Cochrane-Übersicht, also eine Studienzusammenfassung des Forschungsnetzwerks Cochrane, wertete 2019 33 Studien mit über 6.300 Kindern aus. Mit Probiotika bekamen 8 von 100 Kindern Durchfall, ohne 19 von 100, bei mittlerer Verlässlichkeit.
Durchfall durch Antibiotika bei Erwachsenen: Hier ist der Nutzen laut Gesundheitsportal weniger gut abgesichert als bei Kindern.
Darminfektion mit Clostridioides difficile: Dieser Keim kann sich nach Antibiotika im Darm ausbreiten. Laut einer Cochrane-Übersicht von 2025 erkrankten mit Probiotika 1,6 von 100 Menschen daran, ohne 3,2 von 100. Laut den Autor:innen müssen 65 Menschen Probiotika nehmen, damit einer weniger erkrankt. Die Belege sind wenig verlässlich, und bei 28 der 47 Studien hatten Autor:innen Verbindungen zu Herstellern oder bekamen Geld von ihnen.
Abwehrkräfte: Dass Probiotika das Immunsystem „boostern“, ist laut DGE nicht ausreichend belegt.
Beim Reizdarmsyndrom können Probiotika laut NCCIH die Beschwerden möglicherweise lindern. Ob sie wirklich wirken und welche Stämme sich eignen, ist aber offen.
Probiotika: Passt das für dich?
Kann sinnvoll sein, nach Rücksprache:
Du bekommst ein Antibiotikum und möchtest Durchfall vorbeugen. Frag in der Arztpraxis oder in der Apotheke, ob ein Probiotikum für dich infrage kommt. Das gilt besonders für Kinder.
als Grund, einen Arztbesuch aufzuschieben. Davor warnt das NCCIH ausdrücklich.
Bei sonst gesunden Kindern waren Nebenwirkungen in den Studien selten und mild, etwa Blähungen, Übelkeit oder Hautausschlag. Wie sicher Probiotika sind, ist laut NCCIH aber wenig genau untersucht.
Nur nach ärztlicher Rücksprache:
Schwere Erkrankung oder geschwächtes Immunsystem: Hier ist das Risiko für Infektionen durch die Bakterien selbst laut NCCIH höher.
Frühgeborene: Bei ihnen sind schwere und tödliche Infektionen durch Probiotika bekannt.
Chronische Krankheiten allgemein: Die AGES rät kranken Menschen, jedes Nahrungsergänzungsmittel vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Kaufst du ein Probiotikum als Nahrungsergänzungsmittel, gilt es laut AGES als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel. In Österreich müssen solche Produkte seit 2006 vor dem Verkauf weder gemeldet noch registriert werden. Manche Produkte enthielten laut NCCIH sogar andere Keime als angegeben. Die AGES rät zur Vorsicht beim Kauf im Internet, vor allem bei Werbung als „Wundermittel“ oder ohne deutsche Kennzeichnung.
Antibiotika: genau so lange wie verordnet
Antibiotika bringen die Darmflora durcheinander. Trotzdem nimmst du sie genau so ein, wie deine Ärztin oder dein Arzt es verordnet hat. Bei schweren bakteriellen Infektionen können sie laut Gesundheitsportal die Heilung beschleunigen und sogar Leben retten, etwa bei einer Lungenentzündung.
Antibiotika treffen nicht nur Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien. Das kann Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auslösen. Manchmal breitet sich danach der Keim Clostridioides difficile aus.
Brich die Einnahme trotzdem nicht von dir aus ab. Wenn die Beschwerden nachlassen, heißt das laut Gesundheitsportal nicht, dass alle Erreger abgetötet sind, und übrig gebliebene Keime können die Krankheit erneut auslösen. Eine zu kurze oder zu niedrig dosierte Einnahme fördert außerdem Antibiotikaresistenzen, also Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.
So gehst du mit Antibiotika sorgsam um:
Vor der Einnahme fragen: wie viele Tage, wie oft am Tag, was bei einer vergessenen Dosis zu tun ist und ob sich das Mittel mit deinen anderen Medikamenten verträgt.
Bei Durchfall melden: Bekommst du während oder nach der Einnahme Durchfall, ist das laut Gesundheitsportal ein Grund, ärztlich nachzufragen. Setz das Antibiotikum nicht eigenmächtig ab, sondern ruf in der Praxis an.
Reste zurückgeben: Übrige Tabletten hebst du nicht für später auf und gibst sie nicht weiter, sondern bringst sie in die Apotheke.
Nicht drängen: Gegen Viren wirken Antibiotika nicht, bei einer einfachen Erkältung sind sie nicht sinnvoll. Auch Wünsche von Patient:innen nach einem Antibiotikum tragen laut Gesundheitsportal zu Resistenzen bei, wenn sie zu einer unnötigen Einnahme führen.
Mikrobiom-Selbsttests: kein belegter Nutzen
Stuhltests, die deine Darmflora analysieren und daraus Ernährungstipps ableiten, haben derzeit keinen belegten Nutzen. Eine internationale Fachgruppe von über 60 Expert:innen hielt 2025 fest, dass solche direkt an Verbraucher:innen verkauften Tests in der medizinischen Praxis keinen nachgewiesenen Wert haben. Sie warnte vor verschwendetem Geld und möglichen Nachteilen für die Behandlung.
Die DGE rät von Stuhltests zur Untersuchung des Mikrobioms ab, weil sie weder für das Verständnis noch für die Behandlung einen Mehrwert bringen. Viele Tests teilen Bakterien in „gute“ und „schlechte“ ein, obwohl es laut DGE keinen Konsens gibt, welche Zusammensetzung bei gesunden Erwachsenen optimal ist. Laut dem Nachbericht der DGE zu ihrem Kongress 2026 berichtete der niederländische Mikrobiomforscher Rinse Weersma von einer Studie, in der verschiedene Anbieter dieselbe Stuhlprobe untersuchten und zu unterschiedlichen Ergebnissen und Empfehlungen kamen.
Davon zu unterscheiden sind Stuhluntersuchungen, die Ärzt:innen veranlassen, etwa auf Krankheitserreger, auf nicht sichtbares Blut oder auf Entzündungszeichen. Diese lassen sich laut DGE zuverlässig bestimmen.
Spar dir also das Geld für einen Mikrobiom-Test. Ab 45 Jahren kannst du in Österreich stattdessen die Darmkrebsvorsorge gratis nutzen: alle zwei Jahre einen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung. Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt.
Wann gehören Bauchbeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt?
Anhaltende oder auffällige Verdauungsbeschwerden lässt du ärztlich abklären, statt sie mit Probiotika oder einem Test selbst zu behandeln. Meist stecken harmlose Ursachen dahinter. Manche Zeichen brauchen aber rasch eine Untersuchung. Das Gesundheitsportal nennt unter anderem:
Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl
anhaltend ver änderte Stuhlgewohnheiten, etwa plötzlich Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
Durchfall, der nach 48 Stunden nicht besser wird, sehr stark und wässrig ist oder mit Fieber über 38,5 Grad einhergeht
Durchfall während oder nach einer Antibiotika-Einnahme oder nach einer Fernreise
ungewollter Gewichtsverlust
Schmerzen oder Krämpfe im Unterbauch, die länger als eine Woche dauern, oder starke Bauchschmerzen
starker Schwindel oder Schwäche
Babys, Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gehören bei Durchfall immer zur Ärztin oder zum Arzt. Hält Durchfall länger an, ohne dass sich eine Infektion findet, kann laut Gesundheitsportal auch ein Reizdarmsyndrom dahinterstecken. Bist du unsicher, hilft die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Verschlechtert sich dein Zustand rasch, wähl den Notruf 144.
Diätolog:innen: Wer dich bei der Ernährung begleitet und was die Kasse zahlt
Brauchst du bei Verdauungsbeschwerden Hilfe beim Essen, sind in Österreich Diätolog:innen die dafür ausgebildete Berufsgruppe. Sie gehören zu den gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen und beraten laut Gesundheitsportal gesunde und kranke Menschen, unter anderem bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Grundlage sind Gespräch, Ernährungsprotokoll und ärztliche Befunde. Daraus entsteht ein Plan für deinen Alltag, etwa mit Einkaufsleitfäden oder einfachen Menüplänen. Mehr zum Unterschied der Berufe findest du unter Ernährungsberatung.
Für Beratung zur Vorbeugung kannst du Diätolog:innen direkt aufsuchen. Eine Ernährungstherapie bei einer Erkrankung, etwa bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden, setzt nach dem MTD-Gesetz eine ärztliche Anordnung voraus. Die brauchst du in der Regel auch, damit die Sozialversicherung die Kosten ganz oder teilweise übernimmt.
Niedergelassene Diätolog:innen bieten ihre Leistungen laut Gesundheitsportal häufig als Wahlleistung an. Mit ärztlicher Verordnung ist dann eine teilweise Rückerstattung durch die Sozialversicherung möglich, manchmal auch durch eine private Krankenversicherung.
Frag vor dem ersten Termin bei deiner Krankenkasse nach, welche Kosten sie übernimmt. Diätolog:innen dürfen ihren Beruf nur ausüben, wenn sie im Gesundheitsberuferegister eingetragen sind. Ob jemand eingetragen ist, kannst du laut Gesundheitsportal im öffentlich zugänglichen Teil des Registers selbst nachsehen.
Was jetzt tun?
Iss mehr Ballaststoffe: fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, mehrmals pro Woche Hülsenfrüchte und bei Brot, Nudeln und Reis öfter die Vollkornvariante. Trink dazu mindestens 1,5 Liter.
Nimm verordnete Antibiotika so lange und so oft, wie es dir verordnet wurde. Bei Durchfall oder anderen Nebenwirkungen ruf in der Praxis an, statt selbst abzusetzen.
Besprich ein Probiotikum vorher ärztlich oder in der Apotheke, vor allem bei einer schweren Erkrankung, einem geschwächten Immunsystem oder für ein Kind.
Verzichte auf Mikrobiom-Selbsttests. Nutze ab 45 Jahren lieber die kostenlose Darmkrebsvorsorge über deine Hausärztin oder deinen Hausarzt.
Lass Warnzeichen wie Blut im Stuhl, anhaltend veränderten Stuhlgang oder ungewollten Gewichtsverlust ärztlich abklären. Für eine Ernährungstherapie bei Diätolog:innen hol dir vorher eine ärztliche Verordnung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
So D u. a.: Dietary fiber intervention on gut microbiota composition in healthy adults: a systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr 2018, 107(6), 965–983 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29757343/ (abgerufen 2026-10-19)
Guo Q u. a.: Probiotics for the prevention of pediatric antibiotic-associated diarrhea. Cochrane Database Syst Rev 2019, 4(4), CD004827 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31039287/ (abgerufen 2026-10-19)
Esmaeilinezhad Z u. a.: Probiotics for the prevention of Clostridioides difficile-associated diarrhea in adults and children. Cochrane Database Syst Rev 2025, 9(9), CD006095 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40931979/ (abgerufen 2026-10-19)
Porcari S u. a.: International consensus statement on microbiome testing in clinical practice. Lancet Gastroenterol Hepatol 2025, 10(2), 154–167 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39647502/ (abgerufen 2026-10-19)