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Adipositas

08:54

Auf den Punkt gebracht

Adipositas bezeichnet starkes Übergewicht mit einem übermäßig hohen Fettanteil im Körper, bei Erwachsenen ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Das österreichische Gesundheitsportal und die Weltgesundheitsorganisation WHO sehen darin eine chronische Krankheit. Behandelt wird sie vor allem mit Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung, bei Bedarf auch mit Medikamenten oder einer Operation.

Was ist Adipositas?

Menschen mit Adipositas haben im Verhältnis zu ihrer Körpergröße deutlich zu viel Körpergewicht, vor allem in Form von Fettgewebe. Das Wort ist eine neulateinische Bildung der Medizinsprache, im Alltag ist auch von Fettleibigkeit die Rede. Das Gesundheitsportal und die WHO stufen Adipositas als chronische Krankheit ein.

Ganz einheitlich ist diese Sicht allerdings nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin etwa betrachtet Adipositas laut IQWiG eher als Risikofaktor, der zusammen mit anderen Risiken beurteilt werden sollte. Tatsächlich gibt es Menschen mit Adipositas, die körperlich fit sind und einen gesunden Stoffwechsel haben.

Häufig ist Übergewicht in jedem Fall. In Österreich haben rund 5 von 10 Menschen Übergewicht oder Adipositas, Männer häufiger als Frauen. Weltweit lebte laut WHO im Jahr 2024 etwa jeder siebte Mensch mit Adipositas.

Wie wird Adipositas festgestellt?

Grundlage ist der BMI, also das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Fachleute unterscheiden drei Grade: Grad 1 reicht bis unter 35, Grad 2 bis unter 40, Grad 3 beginnt bei 40. Für Kinder und Jugendliche gelten eigene, altersabhängige Grenzwerte.

Der BMI hat Grenzen, weil er nicht zeigt, wie viel Muskeln und wie viel Fett jemand hat und wo das Fett sitzt. Fett am Bauch ist vor allem für Herz und Kreislauf riskanter als Fett an Gesäß und Beinen.

Deshalb wird oft auch der Bauchumfang gemessen. Über 88 Zentimeter bei Frauen und über 102 Zentimeter bei Männern gelten als bauchbetonte Adipositas. Der Anteil von Fett und Muskeln lässt sich zudem etwa mit einer bioelektrischen Impedanzanalyse abschätzen.

Zur ärztlichen Abklärung gehören auch Blutdruck und Blutwerte wie Blutzucker und Blutfette. Außerdem prüfen Ärzt:innen, ob eine andere Erkrankung hinter dem Gewicht steckt, etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Wie entsteht Adipositas?

Adipositas entsteht, wenn der Körper über lange Zeit mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, und den Überschuss als Fett speichert. Meist wirken dabei mehrere Ursachen zusammen. Die Gene beeinflussen das Körpergewicht nach heutigem Wissen zu 40 bis 70 Prozent.

Hinzu kommen Faktoren wie Bewegungsmangel, Stress, Schlafmangel, ein Rauchstopp oder die Wechseljahre. Auch hormonelle Erkrankungen und bestimmte Medikamente, etwa Kortison oder manche Psychopharmaka, können das Gewicht erhöhen. Die WHO betont außerdem die Rolle des Umfelds, das ungesunde Gewichtszunahme begünstigen und Vorbeugung wie Behandlung erschweren kann.

Welche Folgen kann Adipositas haben?

Adipositas erhöht das Risiko für viele Erkrankungen, etwa Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe, Arthrose, Fettleber und bestimmte Krebsarten. Je ausgeprägter die Adipositas ist und je länger sie besteht, desto höher ist dieses Risiko. Ab welchem Gewicht genau die Gesundheit leidet, lässt sich laut Gesundheitsportal nicht sicher sagen.

Belastend sind oft auch Vorurteile und abwertende Bemerkungen. Sie können Selbstwert und Körperbild beeinträchtigen und Depressionen oder Angststörungen begünstigen. Fachleute empfehlen deshalb eine respektvolle Sprache, die die Gesundheit in den Mittelpunkt stellt und nicht das Gewicht.

Wie gelingt eine Gewichtsreduktion?

Im Mittelpunkt der Behandlung steht eine langfristige Gewichtsreduktion, die zum eigenen Leben passt. Fachleute empfehlen, innerhalb von 6 bis 12 Monaten 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts abzunehmen. Schon ab 5 Prozent verbessern sich häufig Blutdruck, Blutfette und ein Typ-2-Diabetes. Zu schnelles Abnehmen kann dagegen zu Gallensteinen oder einer geringeren Knochendichte führen, als Orientierung gilt etwa ein halbes Kilogramm pro Woche.

Bei der Ernährung ist keine Diät einer anderen überlegen. Ob Intervallfasten, Low-Carb, Low-Fat oder eiweißreiche Kost, entscheidend ist, dass weniger Kalorien aufgenommen als verbraucht werden. Fachleute raten deshalb eher zu einer dauerhaften Umstellung als zu einseitigen Diäten. Für Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen fehlt ein Wirkungsnachweis.

Bewegung allein reicht bei starkem Übergewicht meist nicht aus, sie ist aber eine wichtige Ergänzung. Empfohlen werden gelenkschonende Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Radfahren, ergänzt durch Krafttraining. Verhaltenstherapeutische Ansätze helfen, Gewohnheiten zu hinterfragen und mit Rückschlägen umzugehen. Das erreichte Gewicht zu halten, ist oft schwieriger als das Abnehmen selbst, weil sich der Körper auf Gleichgewicht einstellt.

Welche Rolle spielen Abnehmspritzen und Operationen?

Medikamente kommen infrage, wenn eine Änderung des Lebensstils nicht genug bewirkt, und zwar ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit zusätzlichen Risikofaktoren. Sie ergänzen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung, ersetzen sie aber nicht. Die als Abnehmspritze bekannten Wirkstoffe Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid ahmen Darmhormone nach und dämpfen den Hunger. Für einen anhaltenden Erfolg ist eine langfristige Anwendung nötig.

Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall. Wer zugleich Diabetesmedikamente nimmt, hat ein höheres Risiko für Unterzuckerung. Seltener werden eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse und ein mögliches Risiko für bestimmte Schilddrüsentumoren beschrieben. Wer selbst oder in der Familie ein medulläres Schilddrüsenkarzinom oder eine multiple endokrine Neoplasie Typ 2 hatte, sollte diese Mittel laut MSD Manual nicht anwenden.

Die WHO hat 2025 erstmals eine Leitlinie zu diesen Medikamenten veröffentlicht. Sie empfiehlt sie für Erwachsene, ausgenommen Schwangere, allerdings nur bedingt, unter anderem weil Daten zur Langzeitwirkung und -sicherheit noch begrenzt sind. Zugleich warnt die WHO vor gefälschten Präparaten, die gar keinen oder einen anderen Wirkstoff wie Insulin enthalten können. Sie rät, solche Medikamente nur mit ärztlichem Rezept und nicht aus unbekannten Quellen im Internet zu beziehen.

Eine Operation kommt ab einem BMI von 35 infrage oder ab 30 mit Typ-2-Diabetes oder anderen Risikofaktoren, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Üblich sind der Schlauchmagen, der nicht rückgängig gemacht werden kann, und der Magenbypass. Danach sind meist lebenslang Vitamine und Mineralstoffe sowie regelmäßige Nachsorge nötig, und Frauen sollten mit einer Schwangerschaft ein bis zwei Jahre warten. Eine Fettabsaugung ist keine Behandlung der Adipositas.

Wer hilft in Österreich?

Erste Anlaufstelle ist eine Ärztin oder ein Arzt für Allgemeinmedizin oder eine Primärversorgungseinheit, auch die Vorsorgeuntersuchung gibt erste Hinweise. Für Behandlung und Beratung kommen Ärzt:innen mit Spezialdiplom Ernährungsmedizin, Adipositas-Ambulanzen, Diätolog:innen und Physiotherapeut:innen infrage.

Psychotherapeut:innen oder Klinische Psycholog:innen können ebenfalls eingebunden sein, etwa bei einer Essstörung. Die Österreichische Gesundheitskasse bietet zudem Programme wie „Leichter Leben“ an, und viele Betroffene erleben den Austausch in einer Selbsthilfegruppe als hilfreich. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fällt ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag an.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (12)