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Schicksalsschlag: Wie du durch die Krise kommst
25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026)
balancio.at
Lesedauer: 20 min
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Schicksalsschlag: Wie du durch die Krise kommst
25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026) | balancio.at
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Ein Anruf, eine Diagnose, ein Unfall: Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, und du weißt nicht, wie es weitergehen soll.
Hier erfährst du, welche Reaktionen nach einem Schicksalsschlag normal sind und an welchen Zeichen du erkennst, dass du mehr Unterstützung brauchst. Du liest, was nach heutigem Wissen durch eine schwere Zeit hilft, welche Anlaufstellen es in Österreich gibt und wie du als Angehörige:r oder Freund:in beistehen kannst.
Nach einem Schicksalsschlag: Diese Reaktionen sind normal
Schock, Gefühlstaubheit, heftige Gefühle und Erschöpfung sind nach einem schweren Verlust oder einem schlimmen Erlebnis normale Reaktionen. Sie sind kein Zeichen von Schwäche. Fachleute sprechen von einer Krise, wenn Ereignisse so einschneidend sind, dass sie die eigenen Kräfte und gewohnten Lösungswege übersteigen. Eine Krise ist laut oesterreich.gv.at keine Krankheit.
Auslöser sind oft Verluste: der Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit. Laut Gesundheitsportal können dabei unter anderem diese Gefühle auftreten:
ein Schockgefühl, „wie benebelt“ zu sein,
Gefühlstaubheit,
starke Müdigkeit und Erschöpfung,
überwältigende Traurigkeit und häufiges Weinen,
Schuldgefühle,
Wut und Ärger.
Nicht alle diese Gefühle müssen da sein, und sie können plötzlich und sehr heftig auftauchen. Es gibt kein richtiges oder falsches Trauern, und es ist auch in Ordnung, nicht zu trauern. Meist verlieren die Gefühle nach und nach an Stärke.
Nach einem bedrohlichen Erlebnis wie einem schweren Unfall oder einer Gewalttat kommen oft andere Reaktionen dazu. Das Erlebte drängt sich immer wieder auf, du hast Albträume, bist ständig in Alarmbereitschaft oder fühlst dich wie betäubt. Auch das ist laut Gesundheitsportal zunächst eine normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Ereignis. Eine akute Belastungsreaktion beginnt meist innerhalb von Minuten nach dem Ereignis und dauert Stunden bis Tage. Mit passender Unterstützung ist sie danach weitgehend abgeklungen.
Die meisten Menschen kommen mit der Zeit durch eine solche Phase. Eine Übersichtsarbeit über 54 Studien hat untersucht, wie es Menschen nach schweren, möglicherweise traumatischen Ereignissen weiter erging. Am häufigsten blieben sie seelisch stabil, im Schnitt rund zwei Drittel. Etwa jede:r Fünfte erholte sich nach einer Zeit starker Belastung. Bei etwa jeder oder jedem Zehnten hielten die Beschwerden lange an, bei manchen begannen sie erst später.
Phasenmodelle, etwa von der Psychologin Verena Kast, beschreiben einen Weg vom Schock über heftige Gefühle bis zur Neuorientierung. Sie geben aber nur eine grobe Orientierung, denn die Phasen überschneiden sich und können sich wiederholen. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Krise. Der Alltag stellt oft trotzdem hohe Ansprüche an dich. Das Gesundheitsportal rät, auch dann verständnisvoll mit dir selbst umzugehen, weil die Bewältigung Zeit braucht.
Wie lange ein plötzlicher Verlust nachwirken kann, erzählt diese Erfahrung.
Der Verlust von zwei Brüdern · 2:14 Min.Andreas Ogris erzählt vom Tod seiner beiden jüngeren Brüder innerhalb von acht Monaten und davon, dass ihm Tochter und Enkelkinder Halt gaben.
Wenn es nicht warten kann: Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen, oder siehst du keinen Ausweg mehr, bleib nicht allein. Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147, anonym und rund um die Uhr. Im Notfall ruf die Rettung unter 144.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Hilfe von außen brauchst du, wenn die Belastung nicht nachlässt, deinen Alltag lahmlegt oder du keinen Ausweg mehr siehst. Warten musst du damit aber nicht. Laut Gesundheitsportal gilt: Je eher du Unterstützung suchst, desto besser. Ob du Hilfe brauchst, ist manchmal schwer zu beurteilen. Auch dabei helfen dir Fachleute.
Diese Zeichen sprechen dafür, dass du dir Unterstützung holen solltest:
Nach einem schlimmen Erlebnis: Bilder, Albträume und Alarmbereitschaft halten länger als etwa vier Wochen an. Erst dann stellen Fachleute laut IQWiG eine posttraumatische Belastungsstörung fest. Woran du sie erkennst und was in der Behandlung hilft, liest du im Artikel „PTBS: Wann Hilfe nötig ist und wo du sie findest“. Dort stehen auch Nummern für Menschen, die Gewalt erlebt haben. Über eine der gut untersuchten Behandlungen informiert „EMDR-Behandlung: Ablauf, Nachwirkungen und Grenzen“.
Nach einem Todesfall: Die Trauer bleibt auch nach mehr als etwa sechs Monaten unverändert stark, du sehnst dich fast ständig nach der verstorbenen Person und bist im Alltag oder Beruf stark eingeschränkt. Dann kann laut dem deutschen Gesundheitsportal gesund.bund.de eine anhaltende Trauerstörung vorliegen. Häufiger ist sie nach einem unerwarteten Tod, etwa durch einen Unfall oder Suizid. Was als übliche Trauerzeit gilt, hängt aber auch von Kultur und Religion ab.
Die Trauer geht in eine Depression über: Laut Gesundheitsportal braucht es professionelle Hilfe, wenn die Trauer nicht mehr aufzuhören scheint oder in eine Depression übergeht.
Nach einer belastenden Veränderung: Auch eine Trennung oder eine Kündigung kann länger dauernde Beschwerden wie gedrückte Stimmung oder Angst auslösen. Fachleute sprechen dann etwa von einer Anpassungsstörung.
Du siehst keinen Ausweg mehr: Gedanken an Suizid brauchen immer sofort Hilfe.
In einer Krise mit Suizidgedanken kann eine Art Tunnelblick entstehen. Positives wird ausgeblendet, Negatives rückt in den Vordergrund. Laut Gesundheitsportal berichten Betroffene, dass ihnen ein Gespräch Erleichterung verschafft hat. Werden die Gedanken stärker oder machst du dir Sorgen um deine Sicherheit, hol sofort Hilfe, über ein Krisentelefon, die Rettung unter 144 oder eine psychiatrische Ambulanz in deiner Nähe.
Krise oder Notfall? Eine psychosoziale Krise ist sehr belastend, aber meist besteht keine unmittelbare Gefahr. Ein psychiatrischer Notfall ist etwas anderes. Dazu zählen laut Gesundheitsportal etwa konkrete Suizidpläne oder ein Suizidversuch, starke Verwirrtheit, Wahnvorstellungen oder eine schwere Vergiftung mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Auch Suizidgedanken ohne konkreten Plan können eine Notfallbehandlung nötig machen. Ruf dann die Rettung unter 144, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133.
Eine Krise kann auch den Körper in Aufruhr versetzen. Bei Brustschmerz oder dem Verdacht auf einen Herzinfarkt ruf die Rettung unter 144 und fahr nicht selbst ins Spital. Ein Beispiel dafür, wie schnell man dabei auf sich selbst vergessen kann, erzählt diese Erfahrung.
Schicksalsschlag und Panikattacke · 2:20 Min.Paul Tesarek erzählt, wie er nach der Leukämie-Diagnose seiner Tochter eine Panikattacke erlebte und lernte, in der Sorge um andere auf sich selbst zu achten.
Leg dir am besten schon jetzt eine Liste mit Nummern für den Ernstfall an. Das Gesundheitsportal empfiehlt dafür eine Vertrauensperson, deine professionellen Helfer:innen, eine 24-Stunden-Hotline, ein Kriseninterventionszentrum und die Rettung (144). Speichere die Nummern im Handy.
Die ersten Tage: Sicherheit, Zuwendung und praktische Hilfe
Unmittelbar nach einem schweren Ereignis brauchst du vor allem Sicherheit, Menschen an deiner Seite und Hilfe bei praktischen Dingen, noch keine Therapie. Laut IQWiG sind kurz nach einem Trauma Zuwendung und Anteilnahme, verständliche Informationen über das Geschehene und die Organisation praktischer Hilfen am wichtigsten. Das gilt auch für Angehörige und Augenzeug:innen.
Niemand muss sofort über alles reden. Psychische Betreuung soll laut IQWiG niemandem aufgedrängt werden, und Betroffene sollen Zeit bekommen, mit dem Erlebten umzugehen. Ein früh angeleitetes Durchsprechen des Erlebten, das sogenannte Debriefing, beugt einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vor und wird von vielen Fachleuten abgelehnt. Ob du eine Psychotherapie brauchst, zeigt sich meist erst nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten.
Was dir in diesen Tagen helfen kann:
Vertraute Menschen holen: Bitte jemanden, bei dir zu bleiben oder regelmäßig nach dir zu sehen.
Praktisches abgeben: Lass dir bei Essen, Behördenwegen oder Terminen helfen.
Fragen stellen: Informationen darüber, was passiert ist und wie es weitergeht, geben Halt. Frag bei Ärzt:innen, Polizei oder Behörden nach, wenn dir etwas unklar ist.
Pausen erlauben: Du musst nicht funktionieren. Schweigen und Rückzug sind in Ordnung.
Nach einem plötzlichen Todesfall, etwa durch einen Unfall oder Suizid, gibt es Unterstützung für die ersten Stunden. In allen Bundesländern begleiten Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes Betroffene und Angehörige durch die ersten Stunden, bis das eigene Umfeld übernehmen kann. Sie erklären, was passiert, und stabilisieren. Eine Therapie ist das nicht. Die Teams werden rund um die Uhr über die Rettungsleitstellen alarmiert, auf Anforderung von Polizei, Rettung, Feuerwehr oder Notarzt. Frag deshalb die Einsatzkräfte vor Ort danach.
Rechne damit, dass die Trauer später stärker werden kann. Nach einem Todesfall ist die Zeit bis zum Begräbnis laut Dachverband Hospiz Österreich oft mit Organisatorischem gefüllt. Die Trauer zeigt sich danach häufig besonders stark. Sorge dafür, dass in den Wochen nach dem Begräbnis Menschen für dich da sind.
Was durch eine schwere Zeit hilft und wie gut es belegt ist
Gut belegt ist, wie wichtig andere Menschen sind. Laut WHO kann es das Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung senken, sich nach einem schlimmen Ereignis von Familie, Freund:innen oder anderen Menschen unterstützt zu fühlen. Eine große Auswertung von Studien zu Risikofaktoren fand, dass fehlende soziale Unterstützung zu den Umständen gehört, die eine posttraumatische Belastungsstörung wahrscheinlicher machen. Faktoren nach dem Ereignis, etwa fehlender Rückhalt und zusätzlicher Stress, wogen dabei etwas schwerer als Faktoren aus der Zeit davor. Die einzelnen Effekte waren aber mäßig. Auch das Gesundheitsportal nennt gute Bindungen und sozialen Rückhalt als Schutz.
Die folgenden Schritte empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Gesundheitsportal. Die WHO nennt sie für Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, begleitend zur Behandlung, das Gesundheitsportal für Trauer und Krisen allgemein.
Was du selbst tun kannst
Reden, wenn du bereit bist: Sprich mit vertrauten Menschen über das Erlebte, aber erst, wenn du dich dazu bereit fühlst. Auch ein Anruf bei der Telefonseelsorge unter 142 zählt.
Tagesablauf beibehalten: Bleib bei deinen gewohnten Abläufen, so gut es geht.
Bewegen: Bewege dich regelmäßig, auch ein kurzer Spaziergang zählt.
Schlaf schützen: Achte auf regelmäßigen Schlaf.
Alkohol und Drogen meiden: Laut WHO können sie die Beschwerden verschlimmern, auch das Gesundheitsportal rät davon ab.
Kleine Ziele setzen: Geh Schritt für Schritt vor. Teilziele helfen, immer wieder kleine Erfolge zu erleben.
Auf Veränderbares schauen: Frag dich, was du selbst tun kannst, damit eine Situation leichter wird, und wo du Hilfe findest.
An Bewältigtes erinnern: Überleg, was du schon alles geschafft hast und was dir früher in schweren Zeiten geholfen hat. Schreib es auf, damit du dich später daran erinnerst.
Fang mit einem einzigen Punkt an, der dir heute machbar erscheint. Diese Schritte ersetzen keine fachliche Hilfe, wenn es dir trotzdem nicht besser geht.
Auch allgemeine Krisen wie eine Pandemie, Katastrophen oder Krieg wirken sich laut Gesundheitsportal massiv auf das persönliche Leben aus. Wie man mit dieser Überforderung umgehen kann, erzählt diese Erfahrung.
Krisen meistern - so könnte es gehen · 4:24 Min.Monica Weinzettl erzählt, wie sie mit der Überforderung durch viele Krisen umgeht: sich auf das eigene Umfeld konzentrieren, mit den Händen etwas entstehen lassen und anderen Komplimente machen.
In der Trauer: zwischen Abschied und Alltag wechseln
Hilfreich ist es, sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen und sich dann auch wieder dem Alltag zuzuwenden. So beschreibt es das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de. Zu trauern, aber nicht ausschließlich. Gefühle zuzulassen, sich aber auch abzulenken und schöne Dinge zu tun.
Zwei Dinge erschweren die Verarbeitung: Gedanken an den Verlust ganz zu vermeiden und ständig darüber zu grübeln. Auch wer Orte meidet, die an den verstorbenen Menschen erinnern, tut sich damit offenbar schwerer. Schuldgefühle, etwa weil du im entscheidenden Moment nicht da warst, sind verständlich. Es kann helfen, sie mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu besprechen und neu einzuordnen.
Rituale am Todestag oder zu Allerheiligen, etwa ein Friedhofsbesuch oder ein Treffen der Familie, können das Andenken pflegen. Sie lösen laut Gesundheitsportal manchmal aber auch erneut Trauer aus. Auch an Jahrestagen, in den Ferien oder zu Weihnachten kommen die Gefühle oft wieder stärker. Plane solche Tage bewusst, zum Beispiel gemeinsam mit anderen.
Anlaufstellen in Österreich: Wer hilft wobei?
In Österreich gibt es Krisentelefone rund um die Uhr, Krisendienste in den Bundesländern, Fachleute für Krisenintervention und Psychotherapie sowie Trauerbegleitung und Selbsthilfegruppen. Die Beratungsangebote auf der Liste des Gesundheitsportals sind grundsätzlich kostenlos und anonym. Bei den dreistelligen Notrufnummern und den 0800-Nummern fallen keine Telefongebühren an, bei den übrigen Nummern der normale Tarif deines Anbieters.
Welche Hilfe passt gerade zu dir?
Du bist in Gefahr, hast konkrete Suizidpläne oder machst dir Sorgen um deine Sicherheit: Ruf die Rettung unter 144.
Du hast Suizidgedanken oder brauchst jetzt jemanden zum Reden, auch mitten in der Nacht: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147.
Die Krise ist akut, und du kommst allein nicht weiter: Wende dich an einen Krisendienst deines Bundeslands oder ein Kriseninterventionszentrum.
Die Beschwerden halten seit Wochen an: Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, oder wende dich an Psychotherapeut:innen oder Klinische Psycholog:innen.
Du willst dich mit Menschen austauschen, denen Ähnliches passiert ist: Such eine Trauergruppe oder eine Selbsthilfegruppe.
Österreichweit am Telefon
Telefonseelsorge 142: täglich rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich. Laut Telefonseelsorge ist der Anruf nicht auf der Telefonrechnung sichtbar. Ein Sofortchat ist täglich am Nachmittag und Abend geöffnet, E-Mails werden innerhalb von 48 Stunden bearbeitet.
Rat auf Draht 147: für Kinder und Jugendliche, anonym, kostenlos und rund um die Uhr am Telefon, zu bestimmten Abendzeiten auch per Chat.
Kindernotruf 0800 567 567: Telefonberatung rund um die Uhr bei akuten Krisen und Konflikten.
Ö3-Kummernummer 116 123: anonyme Erstanlaufstelle in persönlichen Notlagen, täglich von 16 bis 24 Uhr.
Rettung 144 und Polizei 133: im Notfall und bei Gefahr für dich oder andere.
Krisendienste in den Bundesländern
Krisenintervention ist eine kurze, zeitlich begrenzte Hilfe in einer akuten Krise: Geschulte Fachleute führen entlastende Gespräche, klären mit dir die Lage und suchen gemeinsam Wege aus der Krise, bei Bedarf auch vor Ort und mit ärztlicher Hilfe. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Krisenintervention. Über die Kosten informieren die jeweilige Einrichtung und deine Krankenversicherung.
Diese Krisendienste nennt das Gesundheitsportal (Liste von August 2023, bei Tirol nach aktuellen Angaben des Landes ergänzt):
Wien: Kriseninterventionszentrum unter 01 406 95 95, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, telefonisch, persönlich oder per E-Mail. Ein Erstgespräch kann laut Gesundheitsportal nach telefonischer Vereinbarung noch für denselben Tag oder einen der zwei folgenden Werktage vergeben werden. Rund um die Uhr hilft der Sozialpsychiatrische Notdienst unter 01 31330.
Niederösterreich: Nach einem plötzlichen Ereignis wird das Psychosoziale Akutteam des Landes über den Notruf 144 angefordert. Eine Übersicht über Krisenhotlines bietet die Website von Notruf NÖ. Du kannst dich auch an die Gesundheitsnummer 1450 wenden.
Oberösterreich: Krisenhilfe Oberösterreich unter 0732 2177, rund um die Uhr, auch mit Einsätzen vor Ort.
Steiermark: Krisentelefon PsyNot unter 0800 44 99 33, rund um die Uhr, auch für Kinder und Jugendliche.
Kärnten: Psychiatrischer Not- und Krisendienst, rund um die Uhr, für den Osten unter 0664 300 70 07, für den Westen unter 0664 300 90 03.
Salzburg: Krisenhotline von pro mente Salzburg unter 0662 433351, rund um die Uhr. Eigene Nummern gibt es für St. Johann und Zell am See.
Tirol: Psychosozialer Krisendienst unter 0800 400 120, laut Land Tirol täglich von 8 bis 20 Uhr, kostenlos, auf Wunsch anonym, bei Bedarf mit Krisengespräch vor Ort oder in der Ambulanz.
Burgenland und Vorarlberg: Landesweite 24-Stunden-Krisendienste gibt es laut Gesundheitsportal derzeit nicht. Nutze hier die österreichweiten Nummern.
Zusätzlich gibt es in allen Bundesländern psychosoziale Dienste. Das Gesundheitsportal listet sie unter „Psychosoziale Dienste“ auf.
Psychotherapie und psychologische Behandlung
Hält die Belastung an, kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt die erste Ansprechstelle sein und bei Bedarf weiterüberweisen. Weiter helfen Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychiatrische Ambulanzen. Welche Berufsgruppe was darf, erklärt der Ratgeber „Wer hilft bei psychischen Problemen?“.
Klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten: Seit 2026 ist sie bei der ÖGK eine Sachleistung. Organisiert wird das über die bundesweite Servicestelle psyhelp unter 0800 10 02 03.
Psychotherapie: Wie du einen Kassenplatz oder einen Kostenzuschuss bekommst, erklärt der Artikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Junge Menschen bis 21: Das Programm „Gesund aus der Krise“ bietet eine begrenzte Zahl kostenfreier Behandlungseinheiten bei Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen. Ab 14 Jahren ist die Anmeldung auch ohne die Eltern möglich. Das Programm wird abschnittsweise finanziert, die aktuelle Laufzeit und die Anmeldung findest du auf gesundausderkrise.at.
Psychologische Beratung am Telefon: Die Helpline des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen erreichst du unter 01 504 80 00, Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr.
Trauerbegleitung und Selbsthilfe
Nicht alle Trauernden brauchen eine Begleitung, vielen hilft ihr eigenes Umfeld. Wer mehr Unterstützung möchte, findet in Österreich Einzel- und Familiengespräche, Trauergruppen und Trauercafés. Viele Hospizteams sowie Hospiz- und Palliativeinrichtungen bieten laut Dachverband Hospiz Österreich Trauerbegleitung an. Erkundige dich bei einer Einrichtung in deiner Nähe, auch wenn die verstorbene Person dort nicht betreut wurde. Eine Übersicht über Angebote in ganz Österreich hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung. Auch Seelsorger:innen stehen Trauernden zur Seite. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Trauerbegleitung.
In einer Selbsthilfegruppe triffst du Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Gruppen in deiner Nähe findest du über die Gesundheitssuche „Selbsthilfegruppen“ auf gesundheit.gv.at. Hast du einen Menschen durch Suizid verloren, rät das Gesundheitsportal, in den Verzeichnissen der Selbsthilfe-Dachverbände der Bundesländer nach „Suizid“ oder „Trauer“ zu suchen.
Nach einer schweren Diagnose
Eine schwere Erkrankung kann eine Krise auslösen, für dich und für deine Familie. Bei Krebs beraten die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe in allen Bundesländern kostenlos und auf Wunsch anonym. Laut Krebshilfe gehören psychoonkologische Beratung, Krisenintervention sowie sozial- und arbeitsrechtliche Beratung dazu, auch für Angehörige. Frag außerdem dein Behandlungsteam im Spital nach psychologischer Unterstützung.
Wie wertvoll der Austausch mit anderen Betroffenen sein kann, erzählt diese Erfahrung.
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Wie er die Erkrankung rückblickend bewertet, ist seine persönliche Sicht. Niemand muss eine schwere Diagnose so erleben (siehe „Resilienz: Du musst nicht gestärkt aus der Krise kommen“).
Arbeit und Alltag: Welche Freistellungen es gibt
Stirbt ein naher Angehöriger, hast du als Arbeitnehmer:in Anspruch auf eine kurze bezahlte Freistellung. Für die Begleitung sterbender Angehöriger gibt es zusätzlich die Familienhospizkarenz. Beide Regeln gelten für Arbeitnehmer:innen. Bist du selbstständig oder verbeamtet, frag bei deinem Versicherungsträger oder deiner Dienstbehörde nach.
Wie schwer es sein kann, im Betrieb zu funktionieren, während ein naher Mensch stirbt, erzählt diese Erfahrung.
Der Verlust meiner Mutter · 3:44 Min.Christian Pircher erzählt, wie er nach dem Krebstod seiner Mutter den Familienbetrieb weiterführen musste und mit ihr eine seiner wichtigsten Vertrauenspersonen verlor.
Freistellung bei einem Todesfall: Ein Todesfall naher Angehöriger zählt laut Unternehmensserviceportal des Bundes zu den wichtigen persönlichen Gründen, für die du bei vollem Entgelt freigestellt bist. Pro Anlass ist das eine verhältnismäßig kurze Zeit, in der Regel höchstens eine Woche. Die genauen Gründe und Tage stehen meist in deinem Kollektivvertrag. Schau dort nach oder frag deinen Betriebsrat oder die Arbeiterkammer, und informiere deine Arbeitgeberin oder deinen Arbeitgeber so früh wie möglich.
Familienhospizkarenz: Du kannst einen sterbenden Angehörigen oder ein schwersterkranktes Kind begleiten und dafür deine Arbeitszeit verringern, sie anders legen oder dich ohne Entgelt ganz freistellen lassen. Infrage kommen unter anderem Partner:in, Eltern, Großeltern, Kinder, Enkelkinder, Geschwister und Schwiegereltern. So läuft es laut Unternehmensserviceportal ab:
Schriftlich bekannt geben: Teile deinem Betrieb die Maßnahme schriftlich mit und mach den Grund glaubhaft.
Dauer festlegen: Die Sterbebegleitung ist zunächst für höchstens drei Monate möglich, bei Bedarf verlängerbar auf insgesamt sechs Monate pro Anlass. Für schwersterkrankte Kinder gelten längere Zeiträume.
Pflegekarenzgeld beantragen: Für die Zeit der Karenz oder Teilzeit kannst du laut oesterreich.gv.at Pflegekarenzgeld beantragen, bei Teilzeit anteilig. Voraussetzung ist unter anderem, dass du davor mindestens drei Monate durchgehend vollversichert gearbeitet hast. Stell den Antrag innerhalb von zwei Monaten ab Beginn. In Härtefällen ist zusätzlich ein Zuschuss aus einem eigenen Fonds möglich.
Ab der Bekanntgabe bist du bis vier Wochen nach dem Ende der Begleitung vor Kündigung und Entlassung geschützt. Urlaub und Sonderzahlungen werden laut Unternehmensserviceportal für diese Zeit anteilig gekürzt. Lass dich vorher bei der Arbeiterkammer beraten, damit du die Fristen und Anträge richtig erledigst.
Wenn du nicht arbeiten kannst: Bist du nach einem Schicksalsschlag nicht arbeitsfähig, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt über einen Krankenstand. Was dabei gilt und wie ein schrittweiser Wiedereinstieg gelingt, erklärt der Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“.
Resilienz: Du musst nicht gestärkt aus der Krise kommen
Resilienz heißt nicht, dass dir ein Schicksalsschlag nichts anhaben kann, und niemand muss aus einer Krise stärker hervorgehen. Gemeint ist die seelische Widerstandskraft, also die Fähigkeit, seelisch gesund zu bleiben oder es nach schweren Belastungen rasch wieder zu werden. Laut Gesundheitsportal bedeutet Resilienz ausdrücklich nicht, dass man sich nie schlecht fühlt oder nie gestresst ist.
Resilienz ist keine feste Eigenschaft. Sie kann sich im Lauf des Lebens verändern, und nach schweren Krisen muss sie manchmal neu erarbeitet werden. Vieles, was sie stärkt oder schwächt, liegt nicht allein in deiner Hand. Als Risiken nennt das Gesundheitsportal etwa fehlende soziale Unterstützung, Gewalt, Armut, Diskriminierung und besonders einschneidende Lebensereignisse. Wenn dich ein Schlag umwirft, hat das laut Gesundheitsportal nichts mit fehlender Stärke zu tun.
Posttraumatisches Wachstum: kein Muss
Manche Menschen berichten nach einer Krise, dass sie sich ihrer Stärken bewusster wurden, neue Möglichkeiten entdeckten oder das Leben mehr schätzen. Fachleute sprechen von posttraumatischem Wachstum. Das Gesundheitsportal stellt aber klar, dass das keinesfalls heißt, jede:r solle oder müsse gestärkt aus einem Trauma hervorgehen. Schreckliche Erfahrungen bleiben schrecklich.
Eine Studie stellt zudem infrage, wie verlässlich solche Berichte sind: Bei 122 Studierenden passte das selbst berichtete Wachstum nach einem belastenden Ereignis meist nicht zu den tatsächlich gemessenen Veränderungen. Wer mehr Wachstum berichtete, war danach eher stärker belastet als zuvor. Lass dir deshalb von niemandem einreden, dass eine Krise einen Sinn haben muss. Findest du für dich etwas, das dir weiterhilft, ist das gut. Wenn nicht, ist das genauso in Ordnung.
Resilienz lässt sich bis zu einem gewissen Grad üben. Laut Gesundheitsportal gibt es fundierte Trainingsprogramme, etwa mit Werkzeugen gegen Stress und Übungen zur Problemlösung. Bewährt haben dürften sich Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie, kombiniert mit Achtsamkeit und Mitgefühl mit sich selbst. Mehr dazu erklären die Glossarbegriffe Resilienz und Resilienztraining. Mitten in einer akuten Krise ist ein Training aber nicht der erste Schritt. Dann geht es zuerst um Halt und Unterstützung.
Wie du als Angehörige:r oder Freund:in beistehen kannst
Du hilfst am meisten, wenn du da bist, zuhörst und den Weg zu weiterer Hilfe ebnest, ohne zu drängen oder alles lösen zu wollen. Für diese Erste Hilfe bei psychosozialen Krisen nennt das Gesundheitsportal drei Schritte:
Hinschauen: Schätz die Lage ein. Besteht Gefahr für die Person oder für andere, ruf die Rettung oder die Polizei. Sprich die Person an und biete Hilfe an, etwa mit „Ich würde dir gerne helfen.“
Zuhören: Sorge für eine ruhige Umgebung. Zeig, dass du da bist, hab Geduld und sprich aus deiner Sicht, zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen um dich.“ Respektiere, wie die Person ihre Lage sieht.
Vernetzen: Frag, wer aus Familie oder Freundeskreis noch helfen kann. Weise auf professionelle Anlaufstellen hin. Will die Person keine Hilfe, frag nach dem Grund, damit sich Hindernisse vielleicht ausräumen lassen.
Praktische Hilfe gehört laut IQWiG zum Wichtigsten, etwa Essen vorbeibringen, Wege übernehmen oder zum Termin begleiten. Frag, ob Berührungen oder eine Umarmung gerade guttun, und mach keine unrealistischen Versprechen.
Das hilft laut Gesundheitsportal nicht:
Vorwürfe machen,
die Lage verharmlosen, etwa mit „Lächle doch einmal“,
gut gemeinte Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“ oder „Du musst darüber hinwegkommen“,
Gefühle nicht ernst nehmen,
versuchen, alle Probleme der Person selbst zu lösen.
Will die Person nicht reden, ist das meist nicht gegen dich gerichtet. Sag ihr, dass du da bist, wenn sie reden möchte. Melde dich auch nach Wochen und Monaten noch, wenn das Umfeld oft schon zum Alltag zurückgekehrt ist. Gerade an Jahrestagen, Geburtstagen oder zu Weihnachten kommen Erinnerungen oft mit Wucht zurück.
Wie man Trauernde ansprechen kann, ohne auszuweichen, schildert diese Erfahrung.
Dancing Stars und der Verlust einer Mutter · 6:07 Min.Caroline Athanasiadis erz ählt vom Tod ihrer Mutter kurz nach Dancing Stars, warum ihr Reden half und wie man Trauernden beistehen kann.
Wenn Kinder trauern: Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie wechseln öfter ihre Stimmung, und ihre Trauer ist nicht immer offensichtlich. Laut Gesundheitsportal brauchen sie ehrliche, kindgerechte Antworten und Trost. Ist die Trauer für ein Kind oder die ganze Familie sehr belastend, kann Psychotherapie für Kinder oder eine Familientherapie helfen. Kinder und Jugendliche können sich selbst jederzeit an Rat auf Draht unter 147 wenden.
Achte auf dich selbst: Eine Krise im nahen Umfeld kann auch dich an deine Grenzen bringen. Laut IQWiG ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und bei Bedarf selbst Unterstützung zu suchen. Krisendienste und das Kriseninterventionszentrum beraten auch Angehörige. Ist ein Angehöriger oder eine Angehörige psychisch erkrankt, bietet der Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) Beratung und Gruppen.
Spricht die Person von Suizidgedanken, nimm das ernst, bleib bei ihr und hilf ihr, die Telefonseelsorge unter 142 anzurufen, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Hat sie konkrete Suizidpläne, ist sie in akuter Gefahr oder machst du dir Sorgen um ihre Sicherheit, ruf die Rettung unter 144, bei Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133. Bleib möglichst bei ihr, bis Hilfe eintrifft. Hol die Hilfe auch dann, wenn die Person sie ablehnt.
Was jetzt tun?
In der Krise oder bei Suizidgedanken: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an (rund um die Uhr), als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Bei konkreten Suizidplänen oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst, ruf die Rettung unter 144.
Nummern bereitlegen: Speichere im Handy eine Vertrauensperson, den Krisendienst deines Bundeslands und die 142. Die Liste aller Krisendienste findest du auf gesundheit.gv.at unter „Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr“.
Nicht allein bleiben: Bitte vertraute Menschen, bei dir zu sein und dir bei praktischen Dingen zu helfen.
Abklären lassen: Hält die Belastung nach einem schlimmen Erlebnis länger als etwa vier Wochen an oder die Trauer nach Monaten unverändert stark, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Für einen Kassenplatz in klinisch-psychologischer Behandlung ruf psyhelp unter 0800 10 02 03 an.
Begleitung suchen:Trauerbegleitung findest du bei Hospizteams und über die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung, nach einer Krebsdiagnose bei der Krebshilfe in deinem Bundesland.
Freistellung klären: Schau nach einem Todesfall in deinen Kollektivvertrag und frag bei der Arbeiterkammer nach, wenn du einen sterbenden Angehörigen begleiten willst.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Ein Anruf, eine Diagnose, ein Unfall: Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, und du weißt nicht, wie es weitergehen soll.
Hier erfährst du, welche Reaktionen nach einem Schicksalsschlag normal sind und an welchen Zeichen du erkennst, dass du mehr Unterstützung brauchst. Du liest, was nach heutigem Wissen durch eine schwere Zeit hilft, welche Anlaufstellen es in Österreich gibt und wie du als Angehörige:r oder Freund:in beistehen kannst.
Nach einem Schicksalsschlag: Diese Reaktionen sind normal
Schock, Gefühlstaubheit, heftige Gefühle und Erschöpfung sind nach einem schweren Verlust oder einem schlimmen Erlebnis normale Reaktionen. Sie sind kein Zeichen von Schwäche. Fachleute sprechen von einer Krise, wenn Ereignisse so einschneidend sind, dass sie die eigenen Kräfte und gewohnten Lösungswege übersteigen. Eine Krise ist laut oesterreich.gv.at keine Krankheit.
Auslöser sind oft Verluste: der Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit. Laut Gesundheitsportal können dabei unter anderem diese Gefühle auftreten:
ein Schockgefühl, „wie benebelt“ zu sein,
Gefühlstaubheit,
starke Müdigkeit und Erschöpfung,
überwältigende Traurigkeit und häufiges Weinen,
Schuldgefühle,
Wut und Ärger.
Nicht alle diese Gefühle müssen da sein, und sie können plötzlich und sehr heftig auftauchen. Es gibt kein richtiges oder falsches Trauern, und es ist auch in Ordnung, nicht zu trauern. Meist verlieren die Gefühle nach und nach an Stärke.
Nach einem bedrohlichen Erlebnis wie einem schweren Unfall oder einer Gewalttat kommen oft andere Reaktionen dazu. Das Erlebte drängt sich immer wieder auf, du hast Albträume, bist ständig in Alarmbereitschaft oder fühlst dich wie betäubt. Auch das ist laut Gesundheitsportal zunächst eine normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Ereignis. Eine akute Belastungsreaktion beginnt meist innerhalb von Minuten nach dem Ereignis und dauert Stunden bis Tage. Mit passender Unterstützung ist sie danach weitgehend abgeklungen.
Die meisten Menschen kommen mit der Zeit durch eine solche Phase. Eine Übersichtsarbeit über 54 Studien hat untersucht, wie es Menschen nach schweren, möglicherweise traumatischen Ereignissen weiter erging. Am häufigsten blieben sie seelisch stabil, im Schnitt rund zwei Drittel. Etwa jede:r Fünfte erholte sich nach einer Zeit starker Belastung. Bei etwa jeder oder jedem Zehnten hielten die Beschwerden lange an, bei manchen begannen sie erst später.
Phasenmodelle, etwa von der Psychologin Verena Kast, beschreiben einen Weg vom Schock über heftige Gefühle bis zur Neuorientierung. Sie geben aber nur eine grobe Orientierung, denn die Phasen überschneiden sich und können sich wiederholen. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Krise. Der Alltag stellt oft trotzdem hohe Ansprüche an dich. Das Gesundheitsportal rät, auch dann verständnisvoll mit dir selbst umzugehen, weil die Bewältigung Zeit braucht.
Wie lange ein plötzlicher Verlust nachwirken kann, erzählt diese Erfahrung.
Der Verlust von zwei Brüdern · 2:14 Min.Andreas Ogris erzählt vom Tod seiner beiden jüngeren Brüder innerhalb von acht Monaten und davon, dass ihm Tochter und Enkelkinder Halt gaben.
Wenn es nicht warten kann: Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen, oder siehst du keinen Ausweg mehr, bleib nicht allein. Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147, anonym und rund um die Uhr. Im Notfall ruf die Rettung unter 144.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Hilfe von außen brauchst du, wenn die Belastung nicht nachlässt, deinen Alltag lahmlegt oder du keinen Ausweg mehr siehst. Warten musst du damit aber nicht. Laut Gesundheitsportal gilt: Je eher du Unterstützung suchst, desto besser. Ob du Hilfe brauchst, ist manchmal schwer zu beurteilen. Auch dabei helfen dir Fachleute.
Diese Zeichen sprechen dafür, dass du dir Unterstützung holen solltest:
Nach einem schlimmen Erlebnis: Bilder, Albträume und Alarmbereitschaft halten länger als etwa vier Wochen an. Erst dann stellen Fachleute laut IQWiG eine posttraumatische Belastungsstörung fest. Woran du sie erkennst und was in der Behandlung hilft, liest du im Artikel „PTBS: Wann Hilfe nötig ist und wo du sie findest“. Dort stehen auch Nummern für Menschen, die Gewalt erlebt haben. Über eine der gut untersuchten Behandlungen informiert „EMDR-Behandlung: Ablauf, Nachwirkungen und Grenzen“.
Nach einem Todesfall: Die Trauer bleibt auch nach mehr als etwa sechs Monaten unverändert stark, du sehnst dich fast ständig nach der verstorbenen Person und bist im Alltag oder Beruf stark eingeschränkt. Dann kann laut dem deutschen Gesundheitsportal gesund.bund.de eine anhaltende Trauerstörung vorliegen. Häufiger ist sie nach einem unerwarteten Tod, etwa durch einen Unfall oder Suizid. Was als übliche Trauerzeit gilt, hängt aber auch von Kultur und Religion ab.
Die Trauer geht in eine Depression über: Laut Gesundheitsportal braucht es professionelle Hilfe, wenn die Trauer nicht mehr aufzuhören scheint oder in eine Depression übergeht.
Nach einer belastenden Veränderung: Auch eine Trennung oder eine Kündigung kann länger dauernde Beschwerden wie gedrückte Stimmung oder Angst auslösen. Fachleute sprechen dann etwa von einer Anpassungsstörung.
Du siehst keinen Ausweg mehr: Gedanken an Suizid brauchen immer sofort Hilfe.
In einer Krise mit Suizidgedanken kann eine Art Tunnelblick entstehen. Positives wird ausgeblendet, Negatives rückt in den Vordergrund. Laut Gesundheitsportal berichten Betroffene, dass ihnen ein Gespräch Erleichterung verschafft hat. Werden die Gedanken stärker oder machst du dir Sorgen um deine Sicherheit, hol sofort Hilfe, über ein Krisentelefon, die Rettung unter 144 oder eine psychiatrische Ambulanz in deiner Nähe.
Krise oder Notfall? Eine psychosoziale Krise ist sehr belastend, aber meist besteht keine unmittelbare Gefahr. Ein psychiatrischer Notfall ist etwas anderes. Dazu zählen laut Gesundheitsportal etwa konkrete Suizidpläne oder ein Suizidversuch, starke Verwirrtheit, Wahnvorstellungen oder eine schwere Vergiftung mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Auch Suizidgedanken ohne konkreten Plan können eine Notfallbehandlung nötig machen. Ruf dann die Rettung unter 144, bei akuter Gefahr f ür die Sicherheit die Polizei unter 133.
Eine Krise kann auch den Körper in Aufruhr versetzen. Bei Brustschmerz oder dem Verdacht auf einen Herzinfarkt ruf die Rettung unter 144 und fahr nicht selbst ins Spital. Ein Beispiel dafür, wie schnell man dabei auf sich selbst vergessen kann, erzählt diese Erfahrung.
Schicksalsschlag und Panikattacke · 2:20 Min.Paul Tesarek erzählt, wie er nach der Leukämie-Diagnose seiner Tochter eine Panikattacke erlebte und lernte, in der Sorge um andere auf sich selbst zu achten.
Leg dir am besten schon jetzt eine Liste mit Nummern für den Ernstfall an. Das Gesundheitsportal empfiehlt dafür eine Vertrauensperson, deine professionellen Helfer:innen, eine 24-Stunden-Hotline, ein Kriseninterventionszentrum und die Rettung (144). Speichere die Nummern im Handy.
Die ersten Tage: Sicherheit, Zuwendung und praktische Hilfe
Unmittelbar nach einem schweren Ereignis brauchst du vor allem Sicherheit, Menschen an deiner Seite und Hilfe bei praktischen Dingen, noch keine Therapie. Laut IQWiG sind kurz nach einem Trauma Zuwendung und Anteilnahme, verständliche Informationen über das Geschehene und die Organisation praktischer Hilfen am wichtigsten. Das gilt auch für Angehörige und Augenzeug:innen.
Niemand muss sofort über alles reden. Psychische Betreuung soll laut IQWiG niemandem aufgedrängt werden, und Betroffene sollen Zeit bekommen, mit dem Erlebten umzugehen. Ein früh angeleitetes Durchsprechen des Erlebten, das sogenannte Debriefing, beugt einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vor und wird von vielen Fachleuten abgelehnt. Ob du eine Psychotherapie brauchst, zeigt sich meist erst nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten.
Was dir in diesen Tagen helfen kann:
Vertraute Menschen holen: Bitte jemanden, bei dir zu bleiben oder regelmäßig nach dir zu sehen.
Praktisches abgeben: Lass dir bei Essen, Behördenwegen oder Terminen helfen.
Fragen stellen: Informationen darüber, was passiert ist und wie es weitergeht, geben Halt. Frag bei Ärzt:innen, Polizei oder Behörden nach, wenn dir etwas unklar ist.
Pausen erlauben: Du musst nicht funktionieren. Schweigen und Rückzug sind in Ordnung.
Nach einem plötzlichen Todesfall, etwa durch einen Unfall oder Suizid, gibt es Unterstützung für die ersten Stunden. In allen Bundesländern begleiten Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes Betroffene und Angehörige durch die ersten Stunden, bis das eigene Umfeld übernehmen kann. Sie erklären, was passiert, und stabilisieren. Eine Therapie ist das nicht. Die Teams werden rund um die Uhr über die Rettungsleitstellen alarmiert, auf Anforderung von Polizei, Rettung, Feuerwehr oder Notarzt. Frag deshalb die Einsatzkräfte vor Ort danach.
Rechne damit, dass die Trauer später stärker werden kann. Nach einem Todesfall ist die Zeit bis zum Begräbnis laut Dachverband Hospiz Österreich oft mit Organisatorischem gefüllt. Die Trauer zeigt sich danach häufig besonders stark. Sorge dafür, dass in den Wochen nach dem Begräbnis Menschen für dich da sind.
Was durch eine schwere Zeit hilft und wie gut es belegt ist
Gut belegt ist, wie wichtig andere Menschen sind. Laut WHO kann es das Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung senken, sich nach einem schlimmen Ereignis von Familie, Freund:innen oder anderen Menschen unterstützt zu fühlen. Eine große Auswertung von Studien zu Risikofaktoren fand, dass fehlende soziale Unterstützung zu den Umständen gehört, die eine posttraumatische Belastungsstörung wahrscheinlicher machen. Faktoren nach dem Ereignis, etwa fehlender Rückhalt und zusätzlicher Stress, wogen dabei etwas schwerer als Faktoren aus der Zeit davor. Die einzelnen Effekte waren aber mäßig. Auch das Gesundheitsportal nennt gute Bindungen und sozialen Rückhalt als Schutz.
Die folgenden Schritte empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Gesundheitsportal. Die WHO nennt sie für Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, begleitend zur Behandlung, das Gesundheitsportal für Trauer und Krisen allgemein.
Was du selbst tun kannst
Reden, wenn du bereit bist: Sprich mit vertrauten Menschen über das Erlebte, aber erst, wenn du dich dazu bereit fühlst. Auch ein Anruf bei der Telefonseelsorge unter 142 zählt.
Tagesablauf beibehalten: Bleib bei deinen gewohnten Abläufen, so gut es geht.
Bewegen: Bewege dich regelmäßig, auch ein kurzer Spaziergang zählt.
Schlaf schützen: Achte auf regelmäßigen Schlaf.
Alkohol und Drogen meiden: Laut WHO können sie die Beschwerden verschlimmern, auch das Gesundheitsportal rät davon ab.
Kleine Ziele setzen: Geh Schritt für Schritt vor. Teilziele helfen, immer wieder kleine Erfolge zu erleben.
Auf Veränderbares schauen: Frag dich, was du selbst tun kannst, damit eine Situation leichter wird, und wo du Hilfe findest.
An Bewältigtes erinnern: Überleg, was du schon alles geschafft hast und was dir früher in schweren Zeiten geholfen hat. Schreib es auf, damit du dich später daran erinnerst.
Fang mit einem einzigen Punkt an, der dir heute machbar erscheint. Diese Schritte ersetzen keine fachliche Hilfe, wenn es dir trotzdem nicht besser geht.
Auch allgemeine Krisen wie eine Pandemie, Katastrophen oder Krieg wirken sich laut Gesundheitsportal massiv auf das persönliche Leben aus. Wie man mit dieser Überforderung umgehen kann, erzählt diese Erfahrung.
Krisen meistern - so könnte es gehen · 4:24 Min.Monica Weinzettl erzählt, wie sie mit der Überforderung durch viele Krisen umgeht: sich auf das eigene Umfeld konzentrieren, mit den Händen etwas entstehen lassen und anderen Komplimente machen.
In der Trauer: zwischen Abschied und Alltag wechseln
Hilfreich ist es, sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen und sich dann auch wieder dem Alltag zuzuwenden. So beschreibt es das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de. Zu trauern, aber nicht ausschließlich. Gefühle zuzulassen, sich aber auch abzulenken und schöne Dinge zu tun.
Zwei Dinge erschweren die Verarbeitung: Gedanken an den Verlust ganz zu vermeiden und ständig darüber zu grübeln. Auch wer Orte meidet, die an den verstorbenen Menschen erinnern, tut sich damit offenbar schwerer. Schuldgefühle, etwa weil du im entscheidenden Moment nicht da warst, sind verständlich. Es kann helfen, sie mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu besprechen und neu einzuordnen.
Rituale am Todestag oder zu Allerheiligen, etwa ein Friedhofsbesuch oder ein Treffen der Familie, können das Andenken pflegen. Sie lösen laut Gesundheitsportal manchmal aber auch erneut Trauer aus. Auch an Jahrestagen, in den Ferien oder zu Weihnachten kommen die Gefühle oft wieder stärker. Plane solche Tage bewusst, zum Beispiel gemeinsam mit anderen.
Anlaufstellen in Österreich: Wer hilft wobei?
In Österreich gibt es Krisentelefone rund um die Uhr, Krisendienste in den Bundesländern, Fachleute für Krisenintervention und Psychotherapie sowie Trauerbegleitung und Selbsthilfegruppen. Die Beratungsangebote auf der Liste des Gesundheitsportals sind grundsätzlich kostenlos und anonym. Bei den dreistelligen Notrufnummern und den 0800-Nummern fallen keine Telefongebühren an, bei den übrigen Nummern der normale Tarif deines Anbieters.
Welche Hilfe passt gerade zu dir?
Du bist in Gefahr, hast konkrete Suizidpläne oder machst dir Sorgen um deine Sicherheit: Ruf die Rettung unter 144.
Du hast Suizidgedanken oder brauchst jetzt jemanden zum Reden, auch mitten in der Nacht: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147.
Die Krise ist akut, und du kommst allein nicht weiter: Wende dich an einen Krisendienst deines Bundeslands oder ein Kriseninterventionszentrum.
Die Beschwerden halten seit Wochen an: Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, oder wende dich an Psychotherapeut:innen oder Klinische Psycholog:innen.
Du willst dich mit Menschen austauschen, denen Ähnliches passiert ist: Such eine Trauergruppe oder eine Selbsthilfegruppe.
Österreichweit am Telefon
Telefonseelsorge 142: täglich rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich. Laut Telefonseelsorge ist der Anruf nicht auf der Telefonrechnung sichtbar. Ein Sofortchat ist täglich am Nachmittag und Abend geöffnet, E-Mails werden innerhalb von 48 Stunden bearbeitet.
Rat auf Draht 147: für Kinder und Jugendliche, anonym, kostenlos und rund um die Uhr am Telefon, zu bestimmten Abendzeiten auch per Chat.
Kindernotruf 0800 567 567: Telefonberatung rund um die Uhr bei akuten Krisen und Konflikten.
Ö3-Kummernummer 116 123: anonyme Erstanlaufstelle in persönlichen Notlagen, täglich von 16 bis 24 Uhr.
Rettung 144 und Polizei 133: im Notfall und bei Gefahr für dich oder andere.
Krisendienste in den Bundesländern
Krisenintervention ist eine kurze, zeitlich begrenzte Hilfe in einer akuten Krise: Geschulte Fachleute führen entlastende Gespräche, klären mit dir die Lage und suchen gemeinsam Wege aus der Krise, bei Bedarf auch vor Ort und mit ärztlicher Hilfe. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Krisenintervention. Über die Kosten informieren die jeweilige Einrichtung und deine Krankenversicherung.
Diese Krisendienste nennt das Gesundheitsportal (Liste von August 2023, bei Tirol nach aktuellen Angaben des Landes ergänzt):
Wien: Kriseninterventionszentrum unter 01 406 95 95, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, telefonisch, persönlich oder per E-Mail. Ein Erstgespräch kann laut Gesundheitsportal nach telefonischer Vereinbarung noch für denselben Tag oder einen der zwei folgenden Werktage vergeben werden. Rund um die Uhr hilft der Sozialpsychiatrische Notdienst unter 01 31330.
Niederösterreich: Nach einem plötzlichen Ereignis wird das Psychosoziale Akutteam des Landes über den Notruf 144 angefordert. Eine Übersicht über Krisenhotlines bietet die Website von Notruf NÖ. Du kannst dich auch an die Gesundheitsnummer 1450 wenden.
Oberösterreich: Krisenhilfe Oberösterreich unter 0732 2177, rund um die Uhr, auch mit Einsätzen vor Ort.
Steiermark: Krisentelefon PsyNot unter 0800 44 99 33, rund um die Uhr, auch für Kinder und Jugendliche.
Kärnten: Psychiatrischer Not- und Krisendienst, rund um die Uhr, für den Osten unter 0664 300 70 07, für den Westen unter 0664 300 90 03.
Salzburg: Krisenhotline von pro mente Salzburg unter 0662 433351, rund um die Uhr. Eigene Nummern gibt es für St. Johann und Zell am See.
Tirol: Psychosozialer Krisendienst unter 0800 400 120, laut Land Tirol täglich von 8 bis 20 Uhr, kostenlos, auf Wunsch anonym, bei Bedarf mit Krisengespräch vor Ort oder in der Ambulanz.
Burgenland und Vorarlberg: Landesweite 24-Stunden-Krisendienste gibt es laut Gesundheitsportal derzeit nicht. Nutze hier die österreichweiten Nummern.
Zusätzlich gibt es in allen Bundesländern psychosoziale Dienste. Das Gesundheitsportal listet sie unter „Psychosoziale Dienste“ auf.
Psychotherapie und psychologische Behandlung
Hält die Belastung an, kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt die erste Ansprechstelle sein und bei Bedarf weiterüberweisen. Weiter helfen Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychiatrische Ambulanzen. Welche Berufsgruppe was darf, erklärt der Ratgeber „Wer hilft bei psychischen Problemen?“.
Klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten: Seit 2026 ist sie bei der ÖGK eine Sachleistung. Organisiert wird das über die bundesweite Servicestelle psyhelp unter 0800 10 02 03.
Psychotherapie: Wie du einen Kassenplatz oder einen Kostenzuschuss bekommst, erklärt der Artikel „Psychotherapie beginnen: So findest du einen Platz“.
Junge Menschen bis 21: Das Programm „Gesund aus der Krise“ bietet eine begrenzte Zahl kostenfreier Behandlungseinheiten bei Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen. Ab 14 Jahren ist die Anmeldung auch ohne die Eltern möglich. Das Programm wird abschnittsweise finanziert, die aktuelle Laufzeit und die Anmeldung findest du auf gesundausderkrise.at.
Psychologische Beratung am Telefon: Die Helpline des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen erreichst du unter 01 504 80 00, Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr.
Trauerbegleitung und Selbsthilfe
Nicht alle Trauernden brauchen eine Begleitung, vielen hilft ihr eigenes Umfeld. Wer mehr Unterstützung möchte, findet in Österreich Einzel- und Familiengespräche, Trauergruppen und Trauercafés. Viele Hospizteams sowie Hospiz- und Palliativeinrichtungen bieten laut Dachverband Hospiz Österreich Trauerbegleitung an. Erkundige dich bei einer Einrichtung in deiner Nähe, auch wenn die verstorbene Person dort nicht betreut wurde. Eine Übersicht über Angebote in ganz Österreich hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung. Auch Seelsorger:innen stehen Trauernden zur Seite. Mehr dazu erklärt das Glossar unter Trauerbegleitung.
In einer Selbsthilfegruppe triffst du Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Gruppen in deiner Nähe findest du über die Gesundheitssuche „Selbsthilfegruppen“ auf gesundheit.gv.at. Hast du einen Menschen durch Suizid verloren, rät das Gesundheitsportal, in den Verzeichnissen der Selbsthilfe-Dachverbände der Bundesländer nach „Suizid“ oder „Trauer“ zu suchen.
Nach einer schweren Diagnose
Eine schwere Erkrankung kann eine Krise auslösen, für dich und für deine Familie. Bei Krebs beraten die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe in allen Bundesländern kostenlos und auf Wunsch anonym. Laut Krebshilfe gehören psychoonkologische Beratung, Krisenintervention sowie sozial- und arbeitsrechtliche Beratung dazu, auch für Angehörige. Frag außerdem dein Behandlungsteam im Spital nach psychologischer Unterstützung.
Wie wertvoll der Austausch mit anderen Betroffenen sein kann, erzählt diese Erfahrung.
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Wie er die Erkrankung rückblickend bewertet, ist seine persönliche Sicht. Niemand muss eine schwere Diagnose so erleben (siehe „Resilienz: Du musst nicht gestärkt aus der Krise kommen“).
Arbeit und Alltag: Welche Freistellungen es gibt
Stirbt ein naher Angehöriger, hast du als Arbeitnehmer:in Anspruch auf eine kurze bezahlte Freistellung. Für die Begleitung sterbender Angehöriger gibt es zusätzlich die Familienhospizkarenz. Beide Regeln gelten für Arbeitnehmer:innen. Bist du selbstständig oder verbeamtet, frag bei deinem Versicherungsträger oder deiner Dienstbehörde nach.
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Freistellung bei einem Todesfall: Ein Todesfall naher Angehöriger zählt laut Unternehmensserviceportal des Bundes zu den wichtigen persönlichen Gründen, für die du bei vollem Entgelt freigestellt bist. Pro Anlass ist das eine verhältnismäßig kurze Zeit, in der Regel höchstens eine Woche. Die genauen Gründe und Tage stehen meist in deinem Kollektivvertrag. Schau dort nach oder frag deinen Betriebsrat oder die Arbeiterkammer, und informiere deine Arbeitgeberin oder deinen Arbeitgeber so früh wie möglich.
Familienhospizkarenz: Du kannst einen sterbenden Angehörigen oder ein schwersterkranktes Kind begleiten und dafür deine Arbeitszeit verringern, sie anders legen oder dich ohne Entgelt ganz freistellen lassen. Infrage kommen unter anderem Partner:in, Eltern, Großeltern, Kinder, Enkelkinder, Geschwister und Schwiegereltern. So läuft es laut Unternehmensserviceportal ab:
Schriftlich bekannt geben: Teile deinem Betrieb die Maßnahme schriftlich mit und mach den Grund glaubhaft.
Dauer festlegen: Die Sterbebegleitung ist zunächst für höchstens drei Monate möglich, bei Bedarf verlängerbar auf insgesamt sechs Monate pro Anlass. Für schwersterkrankte Kinder gelten längere Zeiträume.
Pflegekarenzgeld beantragen: Für die Zeit der Karenz oder Teilzeit kannst du laut oesterreich.gv.at Pflegekarenzgeld beantragen, bei Teilzeit anteilig. Voraussetzung ist unter anderem, dass du davor mindestens drei Monate durchgehend vollversichert gearbeitet hast. Stell den Antrag innerhalb von zwei Monaten ab Beginn. In Härtefällen ist zusätzlich ein Zuschuss aus einem eigenen Fonds möglich.
Ab der Bekanntgabe bist du bis vier Wochen nach dem Ende der Begleitung vor Kündigung und Entlassung geschützt. Urlaub und Sonderzahlungen werden laut Unternehmensserviceportal für diese Zeit anteilig gekürzt. Lass dich vorher bei der Arbeiterkammer beraten, damit du die Fristen und Anträge richtig erledigst.
Wenn du nicht arbeiten kannst: Bist du nach einem Schicksalsschlag nicht arbeitsfähig, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt über einen Krankenstand. Was dabei gilt und wie ein schrittweiser Wiedereinstieg gelingt, erklärt der Ratgeber „Burnout: Anzeichen erkennen und wieder zu Kräften kommen“.
Resilienz: Du musst nicht gestärkt aus der Krise kommen
Resilienz heißt nicht, dass dir ein Schicksalsschlag nichts anhaben kann, und niemand muss aus einer Krise stärker hervorgehen. Gemeint ist die seelische Widerstandskraft, also die Fähigkeit, seelisch gesund zu bleiben oder es nach schweren Belastungen rasch wieder zu werden. Laut Gesundheitsportal bedeutet Resilienz ausdrücklich nicht, dass man sich nie schlecht fühlt oder nie gestresst ist.
Resilienz ist keine feste Eigenschaft. Sie kann sich im Lauf des Lebens verändern, und nach schweren Krisen muss sie manchmal neu erarbeitet werden. Vieles, was sie stärkt oder schwächt, liegt nicht allein in deiner Hand. Als Risiken nennt das Gesundheitsportal etwa fehlende soziale Unterstützung, Gewalt, Armut, Diskriminierung und besonders einschneidende Lebensereignisse. Wenn dich ein Schlag umwirft, hat das laut Gesundheitsportal nichts mit fehlender Stärke zu tun.
Posttraumatisches Wachstum: kein Muss
Manche Menschen berichten nach einer Krise, dass sie sich ihrer Stärken bewusster wurden, neue Möglichkeiten entdeckten oder das Leben mehr schätzen. Fachleute sprechen von posttraumatischem Wachstum. Das Gesundheitsportal stellt aber klar, dass das keinesfalls heißt, jede:r solle oder müsse gestärkt aus einem Trauma hervorgehen. Schreckliche Erfahrungen bleiben schrecklich.
Eine Studie stellt zudem infrage, wie verlässlich solche Berichte sind: Bei 122 Studierenden passte das selbst berichtete Wachstum nach einem belastenden Ereignis meist nicht zu den tatsächlich gemessenen Veränderungen. Wer mehr Wachstum berichtete, war danach eher stärker belastet als zuvor. Lass dir deshalb von niemandem einreden, dass eine Krise einen Sinn haben muss. Findest du für dich etwas, das dir weiterhilft, ist das gut. Wenn nicht, ist das genauso in Ordnung.
Resilienz lässt sich bis zu einem gewissen Grad üben. Laut Gesundheitsportal gibt es fundierte Trainingsprogramme, etwa mit Werkzeugen gegen Stress und Übungen zur Problemlösung. Bewährt haben dürften sich Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie, kombiniert mit Achtsamkeit und Mitgefühl mit sich selbst. Mehr dazu erklären die Glossarbegriffe Resilienz und Resilienztraining. Mitten in einer akuten Krise ist ein Training aber nicht der erste Schritt. Dann geht es zuerst um Halt und Unterstützung.
Wie du als Angehörige:r oder Freund:in beistehen kannst
Du hilfst am meisten, wenn du da bist, zuhörst und den Weg zu weiterer Hilfe ebnest, ohne zu drängen oder alles lösen zu wollen. Für diese Erste Hilfe bei psychosozialen Krisen nennt das Gesundheitsportal drei Schritte:
Hinschauen: Schätz die Lage ein. Besteht Gefahr für die Person oder für andere, ruf die Rettung oder die Polizei. Sprich die Person an und biete Hilfe an, etwa mit „Ich würde dir gerne helfen.“
Zuhören: Sorge für eine ruhige Umgebung. Zeig, dass du da bist, hab Geduld und sprich aus deiner Sicht, zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen um dich.“ Respektiere, wie die Person ihre Lage sieht.
Vernetzen: Frag, wer aus Familie oder Freundeskreis noch helfen kann. Weise auf professionelle Anlaufstellen hin. Will die Person keine Hilfe, frag nach dem Grund, damit sich Hindernisse vielleicht ausräumen lassen.
Praktische Hilfe gehört laut IQWiG zum Wichtigsten, etwa Essen vorbeibringen, Wege übernehmen oder zum Termin begleiten. Frag, ob Berührungen oder eine Umarmung gerade guttun, und mach keine unrealistischen Versprechen.
Das hilft laut Gesundheitsportal nicht:
Vorwürfe machen,
die Lage verharmlosen, etwa mit „Lächle doch einmal“,
gut gemeinte Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“ oder „Du musst darüber hinwegkommen“,
Gefühle nicht ernst nehmen,
versuchen, alle Probleme der Person selbst zu lösen.
Will die Person nicht reden, ist das meist nicht gegen dich gerichtet. Sag ihr, dass du da bist, wenn sie reden möchte. Melde dich auch nach Wochen und Monaten noch, wenn das Umfeld oft schon zum Alltag zurückgekehrt ist. Gerade an Jahrestagen, Geburtstagen oder zu Weihnachten kommen Erinnerungen oft mit Wucht zurück.
Wie man Trauernde ansprechen kann, ohne auszuweichen, schildert diese Erfahrung.
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Wenn Kinder trauern: Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie wechseln öfter ihre Stimmung, und ihre Trauer ist nicht immer offensichtlich. Laut Gesundheitsportal brauchen sie ehrliche, kindgerechte Antworten und Trost. Ist die Trauer für ein Kind oder die ganze Familie sehr belastend, kann Psychotherapie für Kinder oder eine Familientherapie helfen. Kinder und Jugendliche können sich selbst jederzeit an Rat auf Draht unter 147 wenden.
Achte auf dich selbst: Eine Krise im nahen Umfeld kann auch dich an deine Grenzen bringen. Laut IQWiG ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und bei Bedarf selbst Unterstützung zu suchen. Krisendienste und das Kriseninterventionszentrum beraten auch Angehörige. Ist ein Angehöriger oder eine Angehörige psychisch erkrankt, bietet der Verein HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) Beratung und Gruppen.
Spricht die Person von Suizidgedanken, nimm das ernst, bleib bei ihr und hilf ihr, die Telefonseelsorge unter 142 anzurufen, als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Hat sie konkrete Suizidpläne, ist sie in akuter Gefahr oder machst du dir Sorgen um ihre Sicherheit, ruf die Rettung unter 144, bei Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133. Bleib möglichst bei ihr, bis Hilfe eintrifft. Hol die Hilfe auch dann, wenn die Person sie ablehnt.
Was jetzt tun?
In der Krise oder bei Suizidgedanken: Ruf die Telefonseelsorge unter 142 an (rund um die Uhr), als Kind oder Jugendliche:r Rat auf Draht unter 147. Bei konkreten Suizidplänen oder wenn du dir Sorgen um deine Sicherheit machst, ruf die Rettung unter 144.
Nummern bereitlegen: Speichere im Handy eine Vertrauensperson, den Krisendienst deines Bundeslands und die 142. Die Liste aller Krisendienste findest du auf gesundheit.gv.at unter „Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr“.
Nicht allein bleiben: Bitte vertraute Menschen, bei dir zu sein und dir bei praktischen Dingen zu helfen.
Abklären lassen: Hält die Belastung nach einem schlimmen Erlebnis länger als etwa vier Wochen an oder die Trauer nach Monaten unverändert stark, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Für einen Kassenplatz in klinisch-psychologischer Behandlung ruf psyhelp unter 0800 10 02 03 an.
Begleitung suchen:Trauerbegleitung findest du bei Hospizteams und über die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung, nach einer Krebsdiagnose bei der Krebshilfe in deinem Bundesland.
Freistellung klären: Schau nach einem Todesfall in deinen Kollektivvertrag und frag bei der Arbeiterkammer nach, wenn du einen sterbenden Angehörigen begleiten willst.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Galatzer-Levy IR, Huang SH, Bonanno GA: Trajectories of resilience and dysfunction following potential trauma: A review and statistical evaluation. Clin Psychol Rev 2018;63:41–55 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29902711/ (abgerufen 2026-10-21)
Brewin CR, Andrews B, Valentine JD: Meta-analysis of risk factors for posttraumatic stress disorder in trauma-exposed adults. J Consult Clin Psychol 2000;68(5):748–766 – PubMed – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11068961/ (abgerufen 2026-10-21)
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