Dancing Stars war natürlich ein großer Einschnitt in mein Leben. Erst mal, als ich gefragt wurde, habe ich mich gefragt: „Wieso fragen die mich? Ist ja Wahnsinn." Ich meine, ich war auf den ganzen Bühnen dieses Landes unterwegs und eigentlich nur im Livegeschäft bekannt, aber im Fernsehen kaum. Ich war so der typische Promi, wo man sagt: „Aha, das ist ein Promi."
Das war ich. Das hat mich schon ein bisschen gestresst am Anfang. Mir war es aber ehrlich gesagt wurscht, weil ich mich auf das Tanzen gefreut habe und auf das habe ich mich auch konzentriert. Und ich glaube jetzt im Nachhinein war das auch mein Geheimnis oder so etwas, wie ich mich da durchgekämpft habe durch diese Zeit, weil ich mich eben nur auf das Tanzen konzentriert habe.
Und es war mir komplett wurscht, ob irgendjemand mich kennt oder nicht kennt, mich lustig findet oder nicht lustig findet, findet, dass ich zu dick bin, zu klein bin, nicht ausschaue wie eine Tänzerin, ob ich die Tanzschritte richtig gemacht habe. Und es war mir ehrlich gesagt egal. Ich habe so viel Spaß gehabt und ich hatte Spaß am Lernen und darauf habe ich mich konzentriert. Und deshalb war die Zeit für mich sehr g**l, muss ich sagen, weil ich in so einem Mikrokosmos gelebt habe und ich mich auch von Woche zu Woche fokussiert habe. Ganz viele haben den Fehler gemacht zu denken: „Wie ist denn das im Finale? Und was mache ich denn im Finale?
Und wie ist denn das?" Und dann sind sie gar nicht ins Finale gekommen. Wo ich mir denke: „Ich habe jeden Tag so getanzt, als wäre es mein letzter Tag." Und deshalb wäre ich auch nicht enttäuscht gewesen, wenn es aus gewesen wäre schon früher. Das kann ich wirklich mit vollster Überzeugung sagen. Ich tanze ja auch immer noch mit dem Danilo.
Das heißt, das war wirklich für mich ein Beginn einer Reise sozusagen. Was für mich nicht so schön war, erstens mal, es war Pandemie. Das war echt zach, weil wir zuschauermäßig sehr begrenzt waren und wir durften auch miteinander keine Zeit verbringen. Wir sind auch die einzige Gruppe gewesen, die nie gemeinsam etwas unternehmen konnte, weil wir einfach immer isoliert voneinander waren.
Das war wirklich schade, weil das Schönste an so Produktionen ist, dass man eben miteinander wächst. Ich habe jetzt trotzdem noch Freundschaften, zum Beispiel mit der Jasmin Ouschan und mit dem Bernhard Kohl und so. Mit denen verstehe ich mich extrem gut, immer noch. Und mit dem Niko Niko, mit dem Modedesigner, der als erstes rausgeflogen ist, aber mit dem verstehe ich mich trotzdem noch gut. Also Freundschaften sind entstanden.
Was aber auch schlimm war, ist, dass meine Mutter nicht kommen konnte, weil die zu diesem Zeitpunkt schon krank war und auch aufgrund dieser Pandemie massiv Schwierigkeiten bekommen hat, was die Behandlung angeht, weil einfach die Intensivstationen voll waren. Also ich war auch eine Betroffene. Deshalb hat es mich auch ein bisschen wahnsinnig gemacht, dass da Leute sagen, wir gehen da alle leichtfertig damit um und wir tanzen da trotzdem und so weiter. Ich finde es trotzdem wichtig, dass Dinge stattfinden.
Und auch ich finde, dass Musikerinnen, Künstlerinnen, so etwas auch systemrelevante Jobs sind, weil wir unsere Psyche reinigen. Wir machen Psychohygiene. Wir bringen Menschen dazu, an andere Dinge zu denken, weil wenn man permanent immer nur an das Leid auf dieser Welt denkt, dann stirbt man auch irgendwann vor lauter Kummer. Das geht nicht. Also psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche. Und für mich war es ein bisschen schwierig, oder es war traurig, sagen wir mal so, dass meine Mutter nicht dabei sein konnte, live, weil sie immer meine größte Unterstützerin war und sie hätte sich so gefreut, einfach dabei zu sein und mich anzufeuern.
Und das war eigentlich das Schwierigste für mich während Dancing Stars. Und zwei Wochen später ist sie ja verstorben. Also sie hat dann noch mitbekommen, dass ich das gewonnen habe, dadurch, dass sie schwer dement dann war. Also eine ganz spezielle, sehr schnelle Demenzkrankheit. Nicht wie die normalen, wo das langsamer geht. Bei ihr war das viel schneller. Weiß ich jetzt nicht, ob sie es wirklich mitbekommen hat, aber ich hatte schon so das Gefühl, dass sie mich da durch diese Zeit doch noch begleitet und sie so quasi ausgehalten hat, bis ich fertig bin. Also dadurch, dass meine Mutter immer für mich da war und mich immer gestützt hat und immer eigentlich in der Familie auch die Erste war und die Einzige, die immer kompromisslos hinter mir gestanden ist, egal was ich getan habe, glaube ich schon, dass es für sie so ein schöner Abschluss war.
Und für mich war es dann auch natürlich traurig. Ich habe mich extrem gefreut, dass ich das gewonnen habe und es war dieser ganze Hype nachher, aber natürlich war ich dann traurig, dass meine Mutter gestorben ist. Aber ich weiß einfach, dass sie viel Freude damit gehabt hat und das hat mir dann wieder Freude gegeben und mir wieder Kraft gegeben und ich habe halt auch viel darüber geredet.
Das ist auch wichtig. Es bringt ja nichts. Es gibt sicher auch Menschen, die jetzt sagen: „Wieso redet sie jetzt darüber? Und darüber redet man nicht über Krankheiten." Nein, nein, weil genau das ist das, was man braucht. Man muss darüber reden. Und wenn jemand stirbt, dann stirbt er und man kann auch darüber reden und man kann auch sagen: „Es tut mir leid, dass jemand bei dir gestorben ist.
Möchtest du reden oder möchtest du nicht reden?" Dann kann man auch still daneben sitzen. Das ist auch in Ordnung. Aber ich glaube, dass wenn man mehr darüber redet, dass der Tod dann auch nicht mehr so unheimlich ist und dass er dann zum Leben dazugehören wird, was er ohnehin tut, weil der Tod gehört zum Leben dazu, ob wir das wollen oder nicht.
Der Tod ist der hundertprozentige Demokrat. Von 100 Menschen sterben 100. Das ist so. Und ich finde, diese Enttabuisierung ist sehr, sehr wichtig, weil viele Menschen leiden auch darunter, weil man eben nicht darüber reden kann, weil es halt nicht salonfähig ist. Aber ich denke, Reden bringt Leute zusammen. Deshalb spreche ich es auch aus. Es ist kein Tabuthema, über Krankheiten zu sprechen, weil man sie, glaube ich, besser verarbeiten kann und weil man dann auch merkt, man ist nicht alleine.
Ich bin ja nicht die Einzige, die eine Mutter verloren hat oder die einen lieben Menschen verloren hat, in vielleicht einer Zeit, wo man Party machen sollte und sich freuen sollte, weil was Tolles passiert. Deshalb darüber reden, oft schon erspart es einem da den Psychotherapeuten, wenn man jemanden hat, mit dem man schön reden kann.