Im privaten Bereich war es sicherlich meine schwerste Zeit vor mehr als zwei Jahrzehnten, als meine Tochter im Alter von acht Jahren Leukämie diagnostiziert bekommen hat. Da hast du den Eindruck von einer Sekunde auf die andere bist du in einem völlig anderen Leben. Du bist völlig am Boden zerstört und als uns der Arzt diese Diagnose bekannt gegeben hat, habe ich dort in dem Zimmer das Gefühl gehabt, ich stürze in ein tiefes schwarzes Loch.
So lange bis meine Tochter, die eher immer bei der Mutter war, dann ausgerechnet in dieser bedrohlichen Situation zu mir gekommen ist und sich bei mir angeklammert hat, dann war die eigene Befindlichkeit sofort weg und dann funktionierst du nur mehr fürs Kind. Das war enorm wichtig, wir haben uns dann komplett ausgerichtet jetzt alle Kraft hineinzusetzen, alles zu tun, was wir als Eltern halt tun können, um ihr zu helfen. Und ich glaube, es war eine Woche später, also man fokussiert sich völlig auf das Kind, und scheinbar vergisst man dann ein bisschen auf sich selber.
Eine Woche später habe ich plötzlich zum ersten Mal in meinem Leben eine Panikattacke bekommen. Ich habe geglaubt, ich kriege jetzt gleich einen Herzinfarkt, konnte aber nicht die Rettung rufen, weil ich wollte meine Tochter nicht beunruhigen, habe mich dann mit dem mutmaßlichen Herzinfarkt oder nahe dem Herzinfarkt ins Auto gesetzt, bin ins Spital gefahren, dann haben mich untersuchen lassen und da hat gerade zu meinem Glück ein Freund dort Dienst gehabt als Arzt. Der hat mich untersucht und gesagt, das ist alles in Ordnung, du hast nur deinen Motor schlicht und einfach überdreht, leg dich her ein paar Stunden, schlaf dich aus und dann gehst du wieder heim.
Da merkt man dann, dass man schon auch in schwierigen Situationen, wo man für jemand anderen da sein will, dort doch auch auf sich selber achten muss.