Heuer im Jänner, am 18. Jänner, ist meine Mutter leider an Krebs verstorben. Und weil wir ja beim Thema mentale Stärke sind, ist es auch so, dass das ein sehr, sehr einschneidendes Erlebnis in meinem Leben war. Und jeder, der seine Mutter verloren hat, wird mir recht geben können, dass ein Teil von sich selber auch mitstirbt, wenn so etwas passiert.
Weil meine Mutter war auch natürlich im Geschäft, hat das mit aufgebaut 1996, wie wir es übernommen haben. Sie hat viele Tage auch verbracht in der Küche, unter nicht so guten Bedingungen damals noch. Und wie gesagt, es war ein Teil der Leopoldauer, der von uns gegangen ist, der nicht zu ersetzen ist, leider. Und das war natürlich auch mental ein schwerer Einschnitt, weil du musst schauen, dass die 42, 43 Mitarbeiter bei Laune gehalten werden.
Ständig kommt irgendeiner anderer, hat irgendein kleines Problem und du weißt aber genau, deiner Mutter geht es nicht gut, die liegt daheim, die liegt im Sterben und da kommt einer und sagt: „Chef, kann ich bitte 50 Euro mehr Lohn haben?" Oder: „Mir geht es nicht gut, ich habe einen Schnupfen, ich gehe heim." Da muss man dann natürlich auch drüberstehen und da muss man mental so stark sein, dass man sagt, okay, man bringt das alles unter einen Hut, weil das ist nicht einfach. Weil die Leute wissen ja nicht, wie es dir geht in diesem Moment und du denkst eigentlich permanent nur an deine Mutter und wie es ihr geht und hast aber diesen Druck. Das Lokal ist voll, die Leute wollen reservieren.
Du musst freundlich sein, du musst nett sein, zuvorkommend sein. Und dann steht zum Beispiel ein Gast vor dir und sagt: „Wo ist mein Tisch? Ich habe reserviert, ich will sofort meinen Tisch haben. Der passt mir nicht, da zieht es mir zu viel herunter. Oder da scheint die Sonne hinein, das geht gar nicht." Solche Dinge halt. Und da musst du drüberstehen, weil sonst explodierst du.
Weil du hast solche Kabeln und irgendwann einmal reicht es dir. Meine Mutter war eine meiner letzten Vertrauenspersonen, wenn nicht die letzte Vertrauensperson, außer meine Frau. Und es ist halt so, ich kann niemanden mehr anrufen und fragen: „Wie geht es dir? Soll ich dir etwas mitnehmen?" Ratschläge holen: „Was kann ich besser machen?" Und so weiter. Also ich bin jetzt auf mich komplett allein gestellt sozusagen und das fehlt natürlich sehr. Und meine Mutter hat eine Riesenlücke hinterlassen, auch bei meiner Frau und mir.
Die ist nicht zu füllen und natürlich denken wir oft an sie. Und ich bin ja eigentlich wegen meiner Mutter nach Niederösterreich hinausgezogen. Das ist ja auch noch die arge Geschichte dabei. Ich bin ja ein Stadtmensch. Ich bin ja Wiener durch und durch. Ich bin ja geboren in Ottakring, aufgewachsen in Meidling, die meiste Zeit in Floridsdorf dann verbracht mit der Leopoldauer Alm.
Und wir sind bei Corona, bei der Pandemie, nach den ersten Lockdowns habe ich gesagt: „Ich muss da raus, ich muss da weg." Und dann haben wir in Niederösterreich geschaut, ob wir ein Haus kriegen und genau bei meiner Mutter war ein Haus frei. Und es war dann auch noch so, dass das für uns halbwegs gepasst hat, weil ich bin kein Handwerker, ich kann keine Nageln reinhauen, ich kann dir ein Schnitzel machen, aber einen Bild aufhängen, das ist schon schief. Und da haben wir gesagt: „Okay, wir fahren raus, damit wir eben noch mit meiner Mutter Zeit verbringen können." Und da ist sie noch gut gegangen.
Und es waren vier, fünf schöne Jahre noch, die wir verlebt haben und natürlich dann aber die Krankheit war halt dann wieder das Gegenteil, weil du weißt, der Mutter geht es schlecht, du willst sie besuchen gehen, du weißt wirklich, es geht ihr nicht gut und das war halt psychisch ein sehr einschneidendes Erlebnis. Weil ich war nicht zu 100% bei der Leopoldauer, muss ich ganz ehrlich sagen. Geht auch gar nicht, weil ich immer dieses Bild meiner Mutter von mir gehabt habe, wie es ihr geht. Und das ist natürlich, wenn du einen Betrieb führen musst, nicht leicht in dieser Situation.
Und bis zu ihrem Tod war alles sehr schlimm. Der Tod selber auch, wir haben mit ihr noch Silvester verbracht, gefeiert sozusagen, angestoßen und 18 Tage später war sie tot. Und das war natürlich dann für uns niederschmetternd.