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Shiatsu-Behandlung: Ablauf und Techniken erklärt
19.10.2026 (aktualisiert am 19.10.2026)
balancio.at
Lesedauer: 10 min
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Shiatsu-Behandlung: Ablauf und Techniken erklärt
19.10.2026 (aktualisiert am 19.10.2026) | balancio.at
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Du hast einen Shiatsu-Termin vor dir und fragst dich, was auf der Matte passiert und ob der Druck wehtut.
Hier erfährst du, wie eine Shiatsu-Behandlung abläuft und welche Techniken dabei zum Einsatz kommen, vom Daumendruck über Dehnungen bis zur Wärme mit Moxa. Außerdem liest du, was die Forschung sagt, wann du vorher ärztlich abklären solltest und wer in Österreich Shiatsu anbieten darf.
Wie läuft eine Shiatsu-Behandlung ab?
Eine Shiatsu-Behandlung beginnt mit einem Gespräch. Danach liegst du auf einer Matte am Boden, und die Praktikerin oder der Praktiker arbeitet mit Druck, Dehnungen und Bewegungen, meist am ganzen Körper.
Typisch sind diese Schritte:
Vorgespräch: Laut dem Arbeitsmarktservice (AMS) sprechen Shiatsu-Praktiker:innen vor jeder Behandlung mit dir über dein Anliegen.
Einschätzung durch Berührung: Danach tasten sie deinen Körper ab, etwa Bauch und Rücken. Die Massage-Verordnung nennt das „energetische Einschätzung“, dazu gehören eine „Harakontrolle“ am Bauch und eine „Rückenkontrolle“. Eine medizinische Diagnose ist das nicht.
Behandlung am Boden:Shiatsu findet auf einer Matte statt, oft mit Kissen zum Lagern. Laut einer Fachpublikation kann Zen-Shiatsu, einer der verbreiteten Stile, vollständig bekleidet gegeben werden. Behandelt wird meist ein großer Teil des Körpers.
Nachgespräch und Übungen: Am Ende besprechen Praktiker:innen mit dir, was du wahrgenommen hast. Laut dem Shiatsu-Dachverband können sie dir Übungen für zu Hause empfehlen, etwa Makko-Ho- oder Do-In-Übungen.
Hinter dem Vorgehen steht die Vorstellung aus der chinesischen Medizin, dass Lebensenergie, Ki oder Qi genannt, in Bahnen fließt, den Meridianen, und dass Druck und Dehnung diesen Fluss ausgleichen sollen. Das ist das Denkmodell der Methode, keine medizinische Erklärung.
Eine Sitzungsdauer schreibt keine Vorschrift vor, und auch zur Kleidung gibt es keine einheitliche Regel. Frag beides bei der Terminvereinbarung, ebenso den Preis.
Die Techniken: vom Daumendruck bis zur Wärme
Die zentrale Technik im Shiatsu ist ruhender, anhaltender Druck, der Name bedeutet wörtlich „Fingerdruck“. Dazu kommen Dehnungen und Rotationen. Je nach Schule setzen manche Praktiker:innen zusätzlich Wärme oder andere Hilfsmittel ein. Kräuterstempel, warme Kräuterbündel aus der traditionellen Thai-Medizin, gehören nicht zu den hier beschriebenen Shiatsu-Techniken.
Druck mit Daumen und Handflächen:Shiatsu-Praktiker:innen drücken mit Daumen, Fingern und Handflächen. Der Druck bleibt laut einer Fachpublikation an Ort und Stelle und hält eine Weile an. Der Daumen ist dabei gestreckt, nicht gebeugt. Das unterscheidet Shiatsu von der Akupressur, bei der oft kreisend oder pumpend gedrückt wird.
Druck mit Ellbogen, Knien und Füßen: Je nach Stil kommen auch Ellbogen, Knie und Füße zum Einsatz.
Körpergewicht statt Muskelkraft: Der Druck entsteht, indem sich die Praktikerin oder der Praktiker entspannt nach vorne lehnt und das eigene Gewicht verlagert. Der Shiatsu-Dachverband beschreibt den Druck als meist senkrecht und stabil, von sanft bis kräftig.
Dehnungen: Der Körper wird in verschiedenen Lagen gedehnt. Die Massage-Verordnung nennt eigens „Meridiandehnungen“. Eine Fachpublikation zeigt etwa Schulterdehnungen mit dem Fuß als Widerlager und Dehnungen, die mit dem Bewegen von Gelenken verbunden sind.
Rotationen und Schaukeln: Gelenke werden bewegt und gedreht, der Körper wird sanft geschaukelt.
Hara: Arbeit aus der Mitte und am Bauch
Mit Hara ist im Shiatsu der Bauchraum gemeint, und er spielt doppelt eine Rolle. Zum einen geben Praktiker:innen den Druck aus ihrer eigenen Körpermitte. Die Massage-Verordnung führt diese „Arbeit aus dem Hara“ als eigene Behandlungstechnik. Zum anderen tasten und behandeln sie deinen Bauch.
Der Stil Hara-Shiatsu arbeitet nach eigener Darstellung fast immer von der Körpermitte nach außen zu Armen und Beinen. Druck auf den Bauch kann tief gehen. Eine Fachpublikation beschreibt, dass erfahrene Praktiker:innen dabei genau auf Anzeichen achten, wo deine Schmerzgrenze liegt. Sag deshalb sofort, wenn dir der Druck am Bauch unangenehm ist.
Moxibustion: Wärme aus Beifuß
Bei der Moxibustion wird Beifußkraut abgebrannt, um bestimmte Punkte am Körper mit Wärme anzuregen. Manche Shiatsu-Praktiker:innen verbinden ihre Behandlung damit. Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt drei Formen:
Moxa-Zigarre: gepresstes Beifußkraut in Form einer Zigarre, mit der punktuell Hitze an eine Stelle gebracht wird.
Moxa-Kiste: ein Kasten mit glimmendem Moxa, der eine größere Fläche erwärmt, etwa am unteren Rücken oder am Bauch.
Moxa-Lampe: eine Infrarotlampe mit eingebauter Keramikplatte, bei der kein Kraut glimmt.
Nach der Vorstellung der chinesischen Medizin soll die Wärme Feuchtigkeit und Kälte aus dem Körper vertreiben. Verlässliche Wirkungsnachweise gibt es laut dem österreichischen Gesundheitsportal derzeit nicht. Die häufigste berichtete Gefahr sind Verbrennungen. Eine Übersichtsarbeit nennt etwa drei bis vier Zentimeter als vermutlich sicheren Abstand bei der indirekten Moxibustion. Glimmendes Moxa raucht außerdem. Sag vorher Bescheid, wenn du empfindlich auf Rauch reagierst oder an einer Körperstelle Wärme und Schmerz weniger spürst.
Schröpfen, Gua Sha und Ingwerkompressen
Manche Praktiker:innen nutzen weitere Techniken aus der chinesischen Medizin. Ein Shiatsu-Praktiker nennt sie für den Stil Hara-Shiatsu als typisch: Schröpfen, bei dem Gläser die Haut mit Unterdruck ansaugen, Gua Sha, bei dem mit einem Stein über leicht eingeölte Haut geschabt wird, und Ingwerkompressen.
Schröpfen und Gua Sha hinterlassen oft sichtbare Spuren. Laut einer Fachpublikation erzeugen beide absichtlich punktförmige Blutungen und blaue Flecken unter der Haut. Beim Schröpfen wird die Haut rot und kann laut MSD Manual auch verbrannt werden. Frag vorab, welche dieser Techniken geplant sind. Du kannst einzelne davon jederzeit ablehnen. Weil dabei Blut an die Hautoberfläche treten kann, müssen Gläser und Schaber nach jeder Anwendung gereinigt und desinfiziert werden. Frag im Zweifel danach.
Tut Shiatsu weh?
Shiatsu soll nicht wehtun. Praktiker:innen beschreiben die Behandlung als in der Regel schmerzfrei, der Druck kann aber kräftig sein. Der Shiatsu-Dachverband beschreibt ihn als an deine Verfassung angepasst, von sanft bis kräftig.
Ist Shiatsu schmerzhaft? · 1:08 Min.Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt, wie sich eine Behandlung anfühlt und wie er bei Verletzungen vorgeht.
Wie kräftig gearbeitet wird, hängt stark vom Stil ab. Manche arbeiten mit ganz leichtem Daumendruck, andere sehr körperbetont mit Ellbogen und Knien. Bei einer Verletzung behandeln manche Praktiker:innen nach eigener Darstellung nicht die verletzte Stelle selbst, sondern Punkte an anderen Körperstellen oder die andere Körperseite.
Arten von Shiatsu · 0:57 Min.Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt, wie unterschiedlich Shiatsu-Stile arbeiten, von leichtem Daumendruck bis zum Einsatz von Ellbogen und Knien, und rät, vorher nachzufragen.
Unangenehme Reaktionen kommen vor, sind aber meist vorübergehend. In einer europäischen Studie mit Klient:innen aus Österreich, Spanien und Großbritannien berichteten je nach Land 12 bis 22 von 100 Personen über eine unangenehme Reaktion. Die meisten davon waren vorübergehende Reaktionen. Bei 1,4 Prozent stuften die Forschenden die Reaktion als mögliches Sicherheitsrisiko ein.
Sag während der Behandlung, wenn dir der Druck zu stark wird, damit er angepasst werden kann.
Was Studien über Shiatsu sagen: wenig Belastbares
Ob Shiatsu bei bestimmten Beschwerden hilft, ist nicht ausreichend untersucht. Eine systematische Übersicht von 2011 fand nur neun Shiatsu-Studien von ausreichender Qualität, darunter eine einzige randomisierte kontrollierte Studie, also eine Studie mit zufällig eingeteilter Vergleichsgruppe. Die Belege reichten nach Menge und Qualität für keine gesicherte Aussage.
Aussagekräftiger als die meisten anderen Shiatsu-Studien ist laut dieser Übersicht eine Beobachtungsstudie mit 948 Klient:innen in Österreich, Spanien und Großbritannien. Nach sechs Monaten berichteten die Teilnehmenden über weniger Beschwerden, am deutlichsten bei Verspannung und Stress sowie bei Problemen mit Muskeln und Gelenken. Eine Vergleichsgruppe ohne Shiatsu gab es nicht. Ob die Besserung auf Shiatsu zurückgeht, lässt sich daraus also nicht ablesen.
Bei Fibromyalgie, einer Erkrankung mit Schmerzen am ganzen Körper, stuft eine Übersichtsarbeit von 2015 die Belege für Shiatsu als begrenzt ein. Ergebnisse zur Akupressur lassen sich laut einer Fachpublikation nicht auf Shiatsu übertragen, weil die Techniken sich unterscheiden.
Geh also zum Shiatsu, weil du dir Entspannung und Berührung wünschst, nicht um eine Krankheit behandeln zu lassen.
Passt Shiatsu für dich?
Shiatsu passt, wenn du Berührung und Entspannung suchst und keine Heilung erwartest. Bei manchen Vorerkrankungen solltest du vorher ärztlich abklären oder die Praktikerin bzw. den Praktiker unbedingt informieren.
Eher passend: Du suchst Berührung und Entspannung, und etwaige Beschwerden sind ärztlich abgeklärt.
Vorher ärztlich abklären oder unbedingt erwähnen:
Osteoporose oder Krebsabsiedelungen im Knochen: Auf betroffene Knochen darf laut MSD Manual kein direkter Druck ausgeübt werden.
Erhöhte Blutungsneigung, etwa durch eine Gerinnungsstörung: Massagen können Blutergüsse und Blutungen auslösen. Bei Schröpfen und Gua Sha gilt das erst recht.
Gefäßstützen (Stents) in den Beckenarterien: Ein Fallbericht aus Japan beschreibt eingedrückte Stents nach täglichem Shiatsu am Bauch. Die Autor:innen empfehlen Ärzt:innen, Menschen mit solchen Stents von Druck auf die Bauchdecke abzuraten.
Gefäßprobleme im Nacken: Ein weiterer Fallbericht schildert eine Verletzung der Wirbelarterie nach fünf Jahren Shiatsu. Das ist ein Einzelfall. Bei bekannten Gefäßproblemen sprich aber vorher ab, ob am Nacken gearbeitet wird.
Verminderte Empfindung der Haut oder Schwangerschaft: Verzichte hier auf Moxa oder kläre es vorher ab. Verbrennungen betrafen laut einer Übersicht vor allem Neugeborene, Kinder und Menschen mit Störungen des Hautgefühls, außerdem beschreibt sie Komplikationen in der Schwangerschaft.
Neue oder unklare Beschwerden: Schieb den Arztbesuch nicht auf, um zuerst Shiatsu zu probieren. Diesen Rat gibt die US-Gesundheitsbehörde NCCIH für Massagen allgemein.
Wer in Österreich Shiatsu anbieten darf
In Österreich ist Shiatsu ein Gewerbe. Die Wirtschaftskammer Tirol ordnet es der vorbeugenden Arbeit am gesunden Menschen zu, nicht der Therapie wie bei Heilmasseur:innen oder Medizinischen Masseur:innen. Wer es anbietet, braucht eine eigene Ausbildung nach der Massage-Verordnung und eine Gewerbeberechtigung für das auf Shiatsu beschränkte Massagegewerbe.
Die Verordnung schreibt mindestens 650 Ausbildungsstunden über drei Jahre vor, dazu mindestens 150 protokollierte Shiatsu-Sitzungen. Auf dem Lehrplan stehen neben Shiatsu-Theorie und Behandlungstechniken auch Anatomie, Gegenanzeigen, Hygiene und Erste Hilfe. Wer Shiatsu gewerblich ausübt, muss alle fünf Jahre mindestens 40 Stunden Fortbildung besuchen. Eine allgemeine Berechtigung für gewerbliche Massage umfasst Shiatsu laut Wirtschaftskammer Tirol nicht.
Shiatsu-Praktiker:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer Tirol vorbeugend, also nicht zu Heilzwecken. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten, laut Sozialministerium auch mit komplementärmedizinischen Methoden. Auch der Österreichische Dachverband für Shiatsu (ÖDS) betont, dass Shiatsu keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung ersetzt.
So erkennst du ein seriöses Angebot:
Gewerbeberechtigung: Im Gewerbeinformationssystem GISA siehst du kostenlos und rund um die Uhr, ob jemand ein Gewerbe ausüben darf.
Ausbildung: Frag nach der Ausbildung und dem Abschluss. Der Dachverband vergibt nach eigener Darstellung ein Diplom „Qualified Shiatsu Practitioner“ und bietet eine Suche nach Praktiker:innen an.
Stil und Techniken: Frag vorab, welche Art von Shiatsu angeboten wird und ob Moxa, Schröpfen oder Gua Sha dazugehören.
Hygiene: Nach den Ausübungsregeln für das Massagegewerbe, die die Wirtschaftskammer Tirol zusammenfasst, muss die Liegefläche der Shiatsu-Matte nach jeder Benützung gereinigt und desinfiziert oder das Leintuch gewechselt werden.
Keine Heilversprechen: Verspricht jemand, eine Krankheit zu heilen, ist Vorsicht angebracht. Shiatsu arbeitet laut Wirtschaftskammer Tirol vorbeugend, nicht zu Heilzwecken.
Was kostet Shiatsu, und gibt es einen Zuschuss?
Shiatsu ist eine vorbeugende Leistung eines Gewerbes und keine Krankenbehandlung, deshalb zahlst du es in der Regel selbst. Einen Zuschuss gibt es für Versicherte der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) über den SVS-Gesundheitshunderter.
Die SVS nennt Shiatsu ausdrücklich unter den förderbaren Angeboten im Bereich Körperarbeit. Dafür gelten diese Bedingungen:
Wer: Du bist bei der SVS krankenversichert, etwa als Gewerbetreibende:r, Bäuerin oder Bauer oder Neue:r Selbständige:r, oder du bist dort als Angehörige:r mitversichert.
Vorsorgeuntersuchung: Du hast in den letzten drei Jahren eine Vorsorgeuntersuchung gemacht, ab 40 Jahren in den letzten zwei Jahren. Wer am Programm „Selbständig Gesund“ teilnimmt, braucht diesen Nachweis nicht.
Anbieter: Die SVS verweist für Shiatsu auf eine Liste des Dachverbands mit Praktiker:innen, die ihre Fortbildungspflicht erfüllt haben. Daneben nennt sie gewerbliche Masseur:innen mit aufrechter Gewerbeberechtigung, auch wenn diese auf bestimmte Praktiken eingeschränkt ist.
Höhe: Zusammen bis zu 100 Euro pro Kalenderjahr, auch über mehrere Anträge. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
Antrag: nach der Behandlung online, mit Rechnung und Zahlungsbestätigung.
Krankenbehandlungen (kurative Leistungen), ärztlich verordnete Maßnahmen und Angebote mit Schwerpunkt Schmerzbehandlung fördert die SVS damit nicht. Bist du bei der ÖGK, der BVAEB oder einer anderen Kasse versichert, frag dort nach, ob es ähnliche Angebote gibt.
Was jetzt tun?
Hast du neue, starke oder unklare Beschwerden, geh zuerst zu deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.
Prüf vor dem ersten Termin die Gewerbeberechtigung im GISA und frag nach Ausbildung, Stil, Dauer und Preis.
Erwähne im Vorgespräch Osteoporose, Blutungsneigung, Stents, eine Schwangerschaft oder Empfindungsstörungen der Haut.
Sag während der Behandlung, wenn dir Druck, Wärme oder Rauch unangenehm sind, und lehne Techniken ab, die du nicht möchtest.
Bist du bei der SVS versichert, frag vor dem Termin, ob die Praktikerin oder der Praktiker auf der SVS-Liste des Dachverbands steht oder eine aufrechte Gewerbeberechtigung hat.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Du hast einen Shiatsu-Termin vor dir und fragst dich, was auf der Matte passiert und ob der Druck wehtut.
Hier erfährst du, wie eine Shiatsu-Behandlung abläuft und welche Techniken dabei zum Einsatz kommen, vom Daumendruck über Dehnungen bis zur Wärme mit Moxa. Außerdem liest du, was die Forschung sagt, wann du vorher ärztlich abklären solltest und wer in Österreich Shiatsu anbieten darf.
Wie läuft eine Shiatsu-Behandlung ab?
Eine Shiatsu-Behandlung beginnt mit einem Gespräch. Danach liegst du auf einer Matte am Boden, und die Praktikerin oder der Praktiker arbeitet mit Druck, Dehnungen und Bewegungen, meist am ganzen Körper.
Typisch sind diese Schritte:
Vorgespräch: Laut dem Arbeitsmarktservice (AMS) sprechen Shiatsu-Praktiker:innen vor jeder Behandlung mit dir über dein Anliegen.
Einschätzung durch Berührung: Danach tasten sie deinen Körper ab, etwa Bauch und Rücken. Die Massage-Verordnung nennt das „energetische Einschätzung“, dazu gehören eine „Harakontrolle“ am Bauch und eine „Rückenkontrolle“. Eine medizinische Diagnose ist das nicht.
Behandlung am Boden:Shiatsu findet auf einer Matte statt, oft mit Kissen zum Lagern. Laut einer Fachpublikation kann Zen-Shiatsu, einer der verbreiteten Stile, vollständig bekleidet gegeben werden. Behandelt wird meist ein großer Teil des Körpers.
Nachgespräch und Übungen: Am Ende besprechen Praktiker:innen mit dir, was du wahrgenommen hast. Laut dem Shiatsu-Dachverband können sie dir Übungen für zu Hause empfehlen, etwa Makko-Ho- oder Do-In-Übungen.
Hinter dem Vorgehen steht die Vorstellung aus der chinesischen Medizin, dass Lebensenergie, Ki oder Qi genannt, in Bahnen fließt, den Meridianen, und dass Druck und Dehnung diesen Fluss ausgleichen sollen. Das ist das Denkmodell der Methode, keine medizinische Erklärung.
Eine Sitzungsdauer schreibt keine Vorschrift vor, und auch zur Kleidung gibt es keine einheitliche Regel. Frag beides bei der Terminvereinbarung, ebenso den Preis.
Die Techniken: vom Daumendruck bis zur Wärme
Die zentrale Technik im Shiatsu ist ruhender, anhaltender Druck, der Name bedeutet wörtlich „Fingerdruck“. Dazu kommen Dehnungen und Rotationen. Je nach Schule setzen manche Praktiker:innen zusätzlich Wärme oder andere Hilfsmittel ein. Kräuterstempel, warme Kräuterbündel aus der traditionellen Thai-Medizin, gehören nicht zu den hier beschriebenen Shiatsu-Techniken.
Druck mit Daumen und Handflächen:Shiatsu-Praktiker:innen drücken mit Daumen, Fingern und Handflächen. Der Druck bleibt laut einer Fachpublikation an Ort und Stelle und hält eine Weile an. Der Daumen ist dabei gestreckt, nicht gebeugt. Das unterscheidet Shiatsu von der Akupressur, bei der oft kreisend oder pumpend gedrückt wird.
Druck mit Ellbogen, Knien und Füßen: Je nach Stil kommen auch Ellbogen, Knie und Füße zum Einsatz.
Körpergewicht statt Muskelkraft: Der Druck entsteht, indem sich die Praktikerin oder der Praktiker entspannt nach vorne lehnt und das eigene Gewicht verlagert. Der Shiatsu-Dachverband beschreibt den Druck als meist senkrecht und stabil, von sanft bis kräftig.
Dehnungen: Der Körper wird in verschiedenen Lagen gedehnt. Die Massage-Verordnung nennt eigens „Meridiandehnungen“. Eine Fachpublikation zeigt etwa Schulterdehnungen mit dem Fuß als Widerlager und Dehnungen, die mit dem Bewegen von Gelenken verbunden sind.
Rotationen und Schaukeln: Gelenke werden bewegt und gedreht, der Körper wird sanft geschaukelt.
Hara: Arbeit aus der Mitte und am Bauch
Mit Hara ist im Shiatsu der Bauchraum gemeint, und er spielt doppelt eine Rolle. Zum einen geben Praktiker:innen den Druck aus ihrer eigenen Körpermitte. Die Massage-Verordnung führt diese „Arbeit aus dem Hara“ als eigene Behandlungstechnik. Zum anderen tasten und behandeln sie deinen Bauch.
Der Stil Hara-Shiatsu arbeitet nach eigener Darstellung fast immer von der Körpermitte nach außen zu Armen und Beinen. Druck auf den Bauch kann tief gehen. Eine Fachpublikation beschreibt, dass erfahrene Praktiker:innen dabei genau auf Anzeichen achten, wo deine Schmerzgrenze liegt. Sag deshalb sofort, wenn dir der Druck am Bauch unangenehm ist.
Moxibustion: Wärme aus Beifuß
Bei der Moxibustion wird Beifußkraut abgebrannt, um bestimmte Punkte am Körper mit Wärme anzuregen. Manche Shiatsu-Praktiker:innen verbinden ihre Behandlung damit. Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt drei Formen:
Moxa-Zigarre: gepresstes Beifußkraut in Form einer Zigarre, mit der punktuell Hitze an eine Stelle gebracht wird.
Moxa-Kiste: ein Kasten mit glimmendem Moxa, der eine größere Fläche erwärmt, etwa am unteren Rücken oder am Bauch.
Moxa-Lampe: eine Infrarotlampe mit eingebauter Keramikplatte, bei der kein Kraut glimmt.
Nach der Vorstellung der chinesischen Medizin soll die Wärme Feuchtigkeit und Kälte aus dem Körper vertreiben. Verlässliche Wirkungsnachweise gibt es laut dem österreichischen Gesundheitsportal derzeit nicht. Die häufigste berichtete Gefahr sind Verbrennungen. Eine Übersichtsarbeit nennt etwa drei bis vier Zentimeter als vermutlich sicheren Abstand bei der indirekten Moxibustion. Glimmendes Moxa raucht außerdem. Sag vorher Bescheid, wenn du empfindlich auf Rauch reagierst oder an einer Körperstelle Wärme und Schmerz weniger spürst.
Schröpfen, Gua Sha und Ingwerkompressen
Manche Praktiker:innen nutzen weitere Techniken aus der chinesischen Medizin. Ein Shiatsu-Praktiker nennt sie für den Stil Hara-Shiatsu als typisch: Schröpfen, bei dem Gläser die Haut mit Unterdruck ansaugen, Gua Sha, bei dem mit einem Stein über leicht eingeölte Haut geschabt wird, und Ingwerkompressen.
Schröpfen und Gua Sha hinterlassen oft sichtbare Spuren. Laut einer Fachpublikation erzeugen beide absichtlich punktförmige Blutungen und blaue Flecken unter der Haut. Beim Schröpfen wird die Haut rot und kann laut MSD Manual auch verbrannt werden. Frag vorab, welche dieser Techniken geplant sind. Du kannst einzelne davon jederzeit ablehnen. Weil dabei Blut an die Hautoberfläche treten kann, müssen Gläser und Schaber nach jeder Anwendung gereinigt und desinfiziert werden. Frag im Zweifel danach.
Tut Shiatsu weh?
Shiatsu soll nicht wehtun. Praktiker:innen beschreiben die Behandlung als in der Regel schmerzfrei, der Druck kann aber kräftig sein. Der Shiatsu-Dachverband beschreibt ihn als an deine Verfassung angepasst, von sanft bis kräftig.
Ist Shiatsu schmerzhaft? · 1:08 Min.Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt, wie sich eine Behandlung anfühlt und wie er bei Verletzungen vorgeht.
Wie kräftig gearbeitet wird, hängt stark vom Stil ab. Manche arbeiten mit ganz leichtem Daumendruck, andere sehr körperbetont mit Ellbogen und Knien. Bei einer Verletzung behandeln manche Praktiker:innen nach eigener Darstellung nicht die verletzte Stelle selbst, sondern Punkte an anderen Körperstellen oder die andere Körperseite.
Arten von Shiatsu · 0:57 Min.Ein Shiatsu-Praktiker beschreibt, wie unterschiedlich Shiatsu-Stile arbeiten, von leichtem Daumendruck bis zum Einsatz von Ellbogen und Knien, und rät, vorher nachzufragen.
Unangenehme Reaktionen kommen vor, sind aber meist vorübergehend. In einer europäischen Studie mit Klient:innen aus Österreich, Spanien und Großbritannien berichteten je nach Land 12 bis 22 von 100 Personen über eine unangenehme Reaktion. Die meisten davon waren vorübergehende Reaktionen. Bei 1,4 Prozent stuften die Forschenden die Reaktion als mögliches Sicherheitsrisiko ein.
Sag während der Behandlung, wenn dir der Druck zu stark wird, damit er angepasst werden kann.
Was Studien über Shiatsu sagen: wenig Belastbares
Ob Shiatsu bei bestimmten Beschwerden hilft, ist nicht ausreichend untersucht. Eine systematische Übersicht von 2011 fand nur neun Shiatsu-Studien von ausreichender Qualität, darunter eine einzige randomisierte kontrollierte Studie, also eine Studie mit zufällig eingeteilter Vergleichsgruppe. Die Belege reichten nach Menge und Qualität für keine gesicherte Aussage.
Aussagekräftiger als die meisten anderen Shiatsu-Studien ist laut dieser Übersicht eine Beobachtungsstudie mit 948 Klient:innen in Österreich, Spanien und Großbritannien. Nach sechs Monaten berichteten die Teilnehmenden über weniger Beschwerden, am deutlichsten bei Verspannung und Stress sowie bei Problemen mit Muskeln und Gelenken. Eine Vergleichsgruppe ohne Shiatsu gab es nicht. Ob die Besserung auf Shiatsu zurückgeht, lässt sich daraus also nicht ablesen.
Bei Fibromyalgie, einer Erkrankung mit Schmerzen am ganzen Körper, stuft eine Übersichtsarbeit von 2015 die Belege für Shiatsu als begrenzt ein. Ergebnisse zur Akupressur lassen sich laut einer Fachpublikation nicht auf Shiatsu übertragen, weil die Techniken sich unterscheiden.
Geh also zum Shiatsu, weil du dir Entspannung und Berührung wünschst, nicht um eine Krankheit behandeln zu lassen.
Passt Shiatsu für dich?
Shiatsu passt, wenn du Berührung und Entspannung suchst und keine Heilung erwartest. Bei manchen Vorerkrankungen solltest du vorher ärztlich abklären oder die Praktikerin bzw. den Praktiker unbedingt informieren.
Eher passend: Du suchst Berührung und Entspannung, und etwaige Beschwerden sind ärztlich abgeklärt.
Vorher ärztlich abklären oder unbedingt erwähnen:
Osteoporose oder Krebsabsiedelungen im Knochen: Auf betroffene Knochen darf laut MSD Manual kein direkter Druck ausgeübt werden.
Erhöhte Blutungsneigung, etwa durch eine Gerinnungsstörung: Massagen können Blutergüsse und Blutungen auslösen. Bei Schröpfen und Gua Sha gilt das erst recht.
Gefäßstützen (Stents) in den Beckenarterien: Ein Fallbericht aus Japan beschreibt eingedrückte Stents nach täglichem Shiatsu am Bauch. Die Autor:innen empfehlen Ärzt:innen, Menschen mit solchen Stents von Druck auf die Bauchdecke abzuraten.
Gefäßprobleme im Nacken: Ein weiterer Fallbericht schildert eine Verletzung der Wirbelarterie nach fünf Jahren Shiatsu. Das ist ein Einzelfall. Bei bekannten Gefäßproblemen sprich aber vorher ab, ob am Nacken gearbeitet wird.
Verminderte Empfindung der Haut oder Schwangerschaft: Verzichte hier auf Moxa oder kläre es vorher ab. Verbrennungen betrafen laut einer Übersicht vor allem Neugeborene, Kinder und Menschen mit Störungen des Hautgefühls, außerdem beschreibt sie Komplikationen in der Schwangerschaft.
Neue oder unklare Beschwerden: Schieb den Arztbesuch nicht auf, um zuerst Shiatsu zu probieren. Diesen Rat gibt die US-Gesundheitsbehörde NCCIH für Massagen allgemein.
Wer in Österreich Shiatsu anbieten darf
In Österreich ist Shiatsu ein Gewerbe. Die Wirtschaftskammer Tirol ordnet es der vorbeugenden Arbeit am gesunden Menschen zu, nicht der Therapie wie bei Heilmasseur:innen oder Medizinischen Masseur:innen. Wer es anbietet, braucht eine eigene Ausbildung nach der Massage-Verordnung und eine Gewerbeberechtigung für das auf Shiatsu beschränkte Massagegewerbe.
Die Verordnung schreibt mindestens 650 Ausbildungsstunden über drei Jahre vor, dazu mindestens 150 protokollierte Shiatsu-Sitzungen. Auf dem Lehrplan stehen neben Shiatsu-Theorie und Behandlungstechniken auch Anatomie, Gegenanzeigen, Hygiene und Erste Hilfe. Wer Shiatsu gewerblich ausübt, muss alle fünf Jahre mindestens 40 Stunden Fortbildung besuchen. Eine allgemeine Berechtigung für gewerbliche Massage umfasst Shiatsu laut Wirtschaftskammer Tirol nicht.
Shiatsu-Praktiker:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer Tirol vorbeugend, also nicht zu Heilzwecken. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten, laut Sozialministerium auch mit komplementärmedizinischen Methoden. Auch der Österreichische Dachverband für Shiatsu (ÖDS) betont, dass Shiatsu keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung ersetzt.
So erkennst du ein seriöses Angebot:
Gewerbeberechtigung: Im Gewerbeinformationssystem GISA siehst du kostenlos und rund um die Uhr, ob jemand ein Gewerbe ausüben darf.
Ausbildung: Frag nach der Ausbildung und dem Abschluss. Der Dachverband vergibt nach eigener Darstellung ein Diplom „Qualified Shiatsu Practitioner“ und bietet eine Suche nach Praktiker:innen an.
Stil und Techniken: Frag vorab, welche Art von Shiatsu angeboten wird und ob Moxa, Schröpfen oder Gua Sha dazugehören.
Hygiene: Nach den Ausübungsregeln für das Massagegewerbe, die die Wirtschaftskammer Tirol zusammenfasst, muss die Liegefläche der Shiatsu-Matte nach jeder Benützung gereinigt und desinfiziert oder das Leintuch gewechselt werden.
Keine Heilversprechen: Verspricht jemand, eine Krankheit zu heilen, ist Vorsicht angebracht. Shiatsu arbeitet laut Wirtschaftskammer Tirol vorbeugend, nicht zu Heilzwecken.
Was kostet Shiatsu, und gibt es einen Zuschuss?
Shiatsu ist eine vorbeugende Leistung eines Gewerbes und keine Krankenbehandlung, deshalb zahlst du es in der Regel selbst. Einen Zuschuss gibt es für Versicherte der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) über den SVS-Gesundheitshunderter.
Die SVS nennt Shiatsu ausdrücklich unter den förderbaren Angeboten im Bereich Körperarbeit. Dafür gelten diese Bedingungen:
Wer: Du bist bei der SVS krankenversichert, etwa als Gewerbetreibende:r, Bäuerin oder Bauer oder Neue:r Selbständige:r, oder du bist dort als Angehörige:r mitversichert.
Vorsorgeuntersuchung: Du hast in den letzten drei Jahren eine Vorsorgeuntersuchung gemacht, ab 40 Jahren in den letzten zwei Jahren. Wer am Programm „Selbständig Gesund“ teilnimmt, braucht diesen Nachweis nicht.
Anbieter: Die SVS verweist für Shiatsu auf eine Liste des Dachverbands mit Praktiker:innen, die ihre Fortbildungspflicht erfüllt haben. Daneben nennt sie gewerbliche Masseur:innen mit aufrechter Gewerbeberechtigung, auch wenn diese auf bestimmte Praktiken eingeschränkt ist.
Höhe: Zusammen bis zu 100 Euro pro Kalenderjahr, auch über mehrere Anträge. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
Antrag: nach der Behandlung online, mit Rechnung und Zahlungsbestätigung.
Krankenbehandlungen (kurative Leistungen), ärztlich verordnete Maßnahmen und Angebote mit Schwerpunkt Schmerzbehandlung fördert die SVS damit nicht. Bist du bei der ÖGK, der BVAEB oder einer anderen Kasse versichert, frag dort nach, ob es ähnliche Angebote gibt.
Was jetzt tun?
Hast du neue, starke oder unklare Beschwerden, geh zuerst zu deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.
Prüf vor dem ersten Termin die Gewerbeberechtigung im GISA und frag nach Ausbildung, Stil, Dauer und Preis.
Erwähne im Vorgespräch Osteoporose, Blutungsneigung, Stents, eine Schwangerschaft oder Empfindungsstörungen der Haut.
Sag während der Behandlung, wenn dir Druck, Wärme oder Rauch unangenehm sind, und lehne Techniken ab, die du nicht möchtest.
Bist du bei der SVS versichert, frag vor dem Termin, ob die Praktikerin oder der Praktiker auf der SVS-Liste des Dachverbands steht oder eine aufrechte Gewerbeberechtigung hat.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
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