Was ist Gua Sha?
Gua Sha ist eine Technik, bei der die Haut mit einem Werkzeug in eine Richtung ausgestrichen wird. Vorher wird die Stelle mit Öl oder Wasser gleitfähig gemacht. Als Werkzeug dienen traditionell etwa ein chinesischer Suppenlöffel, eine abgegriffene Münze, ein Stück Büffelhorn oder geschliffene Jade.
Durch das Ausstreichen entstehen kleine Blutungen unter der Haut, punktförmig oder flächig. Diese Flecken heißen „Sha“ und sind bei der Methode beabsichtigt. Laut einer Fachbeschreibung verblassen sie nach drei bis vier Tagen. Im Englischen wird die Methode auch „Scraping“ (Schaben), „Coining“ oder „Spooning“ genannt, im Vietnamesischen „Cao gio“.
Daneben gibt es eine Form für das Gesicht, die in der Kosmetik genutzt wird. Eine kleine Studie mit 34 Frauen verglich sie über acht Wochen mit einem Gesichtsroller. In beiden Gruppen veränderten sich Messwerte der Gesichtskontur, eine Gruppe ganz ohne Anwendung gab es nicht.
Woher kommt Gua Sha?
Gua Sha wird seit alter Zeit angewendet und ist in China und Südostasien bis heute verbreitet. In der chinesischen Medizin soll es eine „Stauung des Blutes“ an der Körperoberfläche lösen. Traditionell wird es bei Schmerzen eingesetzt, aber auch bei Fieber, Erkältungen und Atemwegsbeschwerden.
Weil die Flecken wie Verletzungen aussehen, wurden sie mitunter missverstanden. Ärzt:innen, die mit ostasiatischen Heilbräuchen nicht vertraut waren, hielten sie für Zeichen von Kindesmisshandlung, und manche Familien wurden deshalb zu Unrecht beschuldigt.
Was sagt die Forschung?
Ob Gua Sha Schmerzen zuverlässig lindert, ist nicht ausreichend belegt. Eine Übersichtsarbeit von 2010 fand sieben kontrollierte Studien zu Muskel- und Gelenkschmerzen. Alle hatten ein hohes Risiko für verzerrte Ergebnisse, und die Autor:innen hielten die Belege für unzureichend.
Seither kamen einige kleine Studien hinzu. In Essen linderte bei 48 Menschen mit chronischen Nackenschmerzen eine einzige Gua-Sha-Behandlung die Schmerzen nach einer Woche stärker als ein Wärmekissen. Bei 50 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen berichtete die Gua-Sha-Gruppe über weniger Schmerzen als eine Wartegruppe. Eine Pilotstudie aus Hongkong fand dagegen keinen deutlichen Unterschied zu einer Wärmepackung. Wie lange eine mögliche Wirkung anhält, ist offen.
Eine Pilotstudie mit elf gesunden Personen maß nach der Behandlung eine stärkere Durchblutung an der behandelten Hautstelle. Wie Gua Sha Schmerzen beeinflussen könnte, ist damit aber nicht geklärt.
Welche Risiken gibt es?
Bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen und bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten raten Fachautor:innen von Gua Sha ab. Für Massagen allgemein gilt laut MSD Manual, dass sie bei erhöhter Blutungsneigung Blutergüsse und Blutungen verursachen können.
Beim Ausstreichen können Blut und Gewebsflüssigkeit durch die Haut austreten und das Werkzeug verunreinigen. Fachleute empfehlen deshalb, wiederverwendete Werkzeuge gründlich zu desinfizieren. Aus Korea ist der Fall einer ausgedehnten Hautinfektion mit Mykobakterien nach einer Gua-Sha-Behandlung beschrieben.
In der Fachliteratur werden Gua Sha manchmal Verbrennungen zugeschrieben. Ein oft zitierter Fall ging laut einer neueren Analyse aber auf Feuerschröpfen zurück, bei Gua Sha selbst kommen weder Feuer noch Alkohol zum Einsatz.
Wer bietet Gua Sha in Österreich an?
In den österreichischen Vorschriften zur Massage ist Gua Sha nicht eigens genannt. Gewerbliche Masseur:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer ausschließlich vorbeugend an gesunden Menschen. Weitere Massagetechniken können sie nach einer Fortbildung zusätzlich anbieten.
Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten, auch wenn dabei komplementäre Methoden eingesetzt werden.