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Identitätsstörung

05:22

Auf den Punkt gebracht

Der Begriff Identitätsstörung wird in mehreren Bedeutungen verwendet. Meist ist entweder ein deutlich und anhaltend schwankendes Selbstbild gemeint, wie es etwa bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung vorkommt, oder die seltene dissoziative Identitätsstörung, bei der sich zwei oder mehr Persönlichkeitszustände abwechseln. Von der Geschlechtsidentität ist der Begriff zu unterscheiden.

Was bedeutet Identitätsstörung?

Eine Identitätsstörung betrifft das Gefühl, wer man ist. Fachleute achten bei der Einschätzung einer Persönlichkeitsstörung unter anderem darauf, wie stabil und stimmig dieses Identitätsgefühl ist. Auffällig ist es, wenn es sehr wechselhaft und widersprüchlich oder im Gegenteil übermäßig starr ist.

In den Diagnoseklassifikationen taucht das Wort an mehreren Stellen auf. Es beschreibt ein Merkmal von Persönlichkeitsstörungen und steckt im Namen der dissoziativen Identitätsstörung. In der in Österreich verwendeten Klassifikation ICD-10 steht „Identitätsstörung“ außerdem als Beispiel unter den sonstigen emotionalen Störungen des Kindesalters.

Welche Rolle spielt sie bei Persönlichkeitsstörungen?

Probleme mit dem eigenen Selbst oder in Beziehungen gehören zu den Grundmerkmalen einer Persönlichkeitsstörung. Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt dabei die Identität, den Selbstwert, ein zutreffendes Bild von sich selbst und die Fähigkeit, eigene Ziele zu verfolgen. Wie stabil das Identitätsgefühl ist, fließt in die Einschätzung des Schweregrads ein.

Besonders bekannt ist die Identitätsstörung als Merkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die ICD-11 beschreibt sie beim Borderline-Muster als deutlich und anhaltend instabiles Selbstbild oder Selbstgefühl. Die ICD-10 spricht beim Borderline-Typ von Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Vorlieben. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Borderline-Persönlichkeitsstörung“.

Abzugrenzen ist die gewöhnliche Entwicklung. Schwierigkeiten, im Jugendalter eine eigenständige Identität zu finden, gelten laut ICD-11 nicht als Persönlichkeitsstörung, wenn sie dem Entwicklungsalter entsprechen.

Was ist die dissoziative Identitätsstörung?

Bei der dissoziativen Identitätsstörung, früher multiple Persönlichkeitsstörung genannt, gibt es zwei oder mehr unterscheidbare Persönlichkeitszustände. Jeder hat eine eigene Art, sich selbst, den Körper und die Umwelt zu erleben. Mindestens zwei übernehmen wiederholt die Kontrolle über Bewusstsein und Handeln, etwa bei bestimmten Alltagsaufgaben oder in Situationen, die als bedrohlich erlebt werden.

Typisch sind Erinnerungslücken, die über gewöhnliches Vergessen hinausgehen. Betroffene finden zum Beispiel Notizen oder Gegenstände, die sie sich nicht erklären können, oder hören von anderen, was sie gesagt oder getan haben, ohne sich daran zu erinnern. Häufig versuchen sie, ihre Beschwerden zu verbergen.

Die Störung ist selten und hängt meist mit überwältigender Belastung in der Kindheit zusammen, etwa körperlicher, sexueller oder emotionaler Misshandlung oder Vernachlässigung. In der ICD-10 steht sie als „multiple Persönlichkeit(sstörung)“ unter den sonstigen dissoziativen Störungen. Die ICD-11 führt sie als eigene Diagnose und kennt zusätzlich eine teilweise Form. Mehr zum Hintergrund steht im Glossarbegriff „Dissoziative Störungen“.

Die wichtigste Behandlung ist eine Psychotherapie, die oft lange dauert und emotional belastend sein kann. Ziel ist, die Persönlichkeitszustände zusammenzuführen oder zumindest ein gutes Zusammenspiel zu erreichen. Medikamente können Begleitbeschwerden wie Angst oder Depression lindern, wirken aber nicht auf die Störung selbst.

Hat Identitätsstörung mit dem Geschlecht zu tun?

Nur dem Namen nach, denn ältere Bezeichnungen klingen ähnlich. Die in Österreich noch verwendete ICD-10 fasst etwa Transsexualismus unter „Störungen der Geschlechtsidentität“ zusammen. Die ICD-11 hat diese Gruppe neu gefasst und umbenannt. Sie führt die Geschlechtsinkongruenz nicht mehr als psychische Störung, sondern im Kapitel zur sexuellen Gesundheit. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Geschlechtsinkongruenz“.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Ansprechstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie, Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen.

Sowohl bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch bei der dissoziativen Identitätsstörung kommen Selbstverletzungen und Suizidversuche häufig vor. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)