Ich glaube, prinzipiell funktioniere ich so, dass ich gerade dann, wenn es ziemlich eng wird, relativ gut funktioniere. Vor zwei Tagen ist zum Beispiel unser Erdgeschoss geflutet gewesen und wir wissen jetzt, wir müssen aus dem Haus heraus. Das gehe ich total strukturiert an. Das heißt: Okay, was ist jetzt Priorität eins, Priorität zwei? Und ich trauere nicht nach: „Das Haus, da haben wir so viel Zeit verbracht drinnen, die schöne Gegend, die lieben Nachbarn.“ Nein, egal.
Jetzt muss gehandelt werden. Sobald du handeln musst und wirklich etwas leisten musst, um ein gewisses Problem, das da ist, oder ein Ereignis irgendwie aufzuarbeiten oder damit umzugehen, da funktioniere ich eigentlich prinzipiell recht gut. Was ich erst lernen musste... Nur ein Beispiel: Ich habe mit 20 das erste Mal ein Messer in der Brust gehabt. Ich weiß auch, wie das ist. Man fährt auf der Straße Rad, hat auf einmal einen Feitl drinnen und kommt ins Spital und die sagen: zwölf Zentimeter tief.
Aber da sagt man: „Aha, ist halt so.“ Du spürst ja eh selber, ob es arg ist oder nicht. Ich glaube, ich bin eher der Arzt, der zu dir sagt: „Nein, mir geht es gut.“ Egal, egal. Ich kann mit solchen Sachen umgehen. Ich habe jetzt auch oft schon vom Motorrad hinuntergeschmissen, wo man sich denken hätte können: „Okay, das hätte jetzt ins Auge gehen können auch.“ Aber bis jetzt habe ich immer die Maßen gehabt, dass eigentlich, bis auf etwas Gebrochenes oder so, nicht irgendetwas Arges passiert ist.
Was ich aber schon gehabt habe, dass ich einfach es nicht im Griff gehabt habe, dass ich nicht auf gewisse Leute zornig wäre. Wie zum Beispiel, als sie mir erzählt haben, dass man gute Filme macht und dann gibt es irgendwelche, die sagen: „Nein, wir wollen nicht, dass gute Filme gemacht werden für die Leute.“ Dann denke ich mir: „Alter, seid ihr jetzt angegriffen?“ Aber irgendwie habe ich das dann auch abgestellt, weil an mir geht das. Da sage ich: „Es ist ja vollkommen egal.“ Dann ist es halt nicht.
Es ist egal. Und darum bin ich, glaube ich, auch durch diese Corona-Jahre extrem gut durchgekommen, weil es an mir vorbeigegangen ist. Ich habe mir gedacht: „Die sollen doch machen, was sie wollen.“ Dass mich die bei der Pressekonferenz anlügen, das weiß ich sowieso, weil wenn ich etwas weiß, dann weiß ich, was eine Inszenierung ist, weil ich selber inszeniere.
Ich weiß, was du machen musst, um Menschen zu emotionalisieren, weil das ist das Wesen einer Inszenierung. Genau bei dem Punkt müssen sie sich schrecken, da müssen sie lachen, da müssen sie weinen. Das kann ich alles steuern. Und wenn ein Bundeskanzler vor die Kamera tritt und sagt, wir werden 100.000 Tote haben und jeder wird den kennen, weiß ich, der erzählt jetzt einen S****ß.
Das ist Inszenierung. Der Absicht ist Angst machen. Und da weiß ich, mit mir nicht. Das geht schnell, aber nicht mit mir. Darum waren für mich diese drei Jahre Corona, wo viele Menschen natürlich gelitten haben, zu Recht, zu Unrecht, ganz egal, ziemlich tolle Jahre. Wirklich. Weil es war alles anders auf einmal. Es hat nichts mehr gegolten, was vorher gegolten hat und ich war in der glücklichen Lage, ich war nur Beobachter.
Ich habe mir das nur angeschaut, was sie jetzt machen, wie sie reagieren, wie auf einmal der N**i herausgehört wird bei manchen Menschen, so richtig. Da habe ich gedacht: „Aha, gut.“ Nur, das Schöne für mich war, ich wurde endlich bestätigt. All das, was ich früher auf der Bühne bei meinen Vorträgen gesagt habe, wo sie gedacht haben: „Der oder die anderen.
Wieder, nicht?“ Nein, ich habe gewusst, dass die so sind. Für mich war es: Gott sei Dank, ich habe mich nicht geirrt. Sie funktionieren so und sie würden auch wieder funktionieren, auch wenn es ein anderes Thema ist. Das kannst du aber nur machen, wenn du dich mental auf das, was ist Leben eigentlich, einstellst. Was ist eine Lebensgeschichte? Was ist Leben? Da ist ein großer Unterschied zwischen Leben und Lebensgeschichte. Die meisten Menschen, wenn sie sagen „mein Leben“, meinen sie ihre Lebensgeschichte. Und das ist aber nicht das Leben.
Das Leben ist, es atmet. Es hat Sinne, es nimmt auf. Darum meditiere ich in der Früh eine halbe, Dreiviertelstunde. Hole mich einfach in mich hinein und mache meine Atemübungen. Abends mache ich immer Qi Gong und so. Ich kann mich relativ gut selber wahrnehmen, spüren, den Körper spüren, wo gibt es Probleme, was sollte ich machen, das sollte ich weglassen vielleicht.
Ich arbeite immer an mir, wie vielleicht auch ein Musiker an seinem Instrument arbeitet. Ich pflege mein Instrument. Und wenn du das kannst und nicht immer nur die Maschine rennt und: „Was könnte das sein?“ Oder: „Was war damals? Auf wem bin ich böse?“ Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Mentale Stärke ist für mich, wenn du im Jetzt lebst. Ganz einfach. Weil das, was jetzt ist, ist jetzt und alles andere ist nur im Kopf.