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Intermittierende explosible Störung

05:12

Auf den Punkt gebracht

Die intermittierende explosible Störung ist eine Störung der Impulskontrolle, bei der es immer wieder zu kurzen, heftigen Ausbrüchen von Wut und Aggression kommt. Die Heftigkeit steht in keinem Verhältnis zum Anlass, und die Ausbrüche sind nicht geplant. Studien sprechen für kognitive Verhaltenstherapie und einzelne Medikamente, gute Forschung ist aber noch rar.

Was ist eine intermittierende explosible Störung?

Menschen mit dieser Störung geraten wiederholt in kurze, explosive Ausbrüche. Das können Beschimpfungen, Wutanfälle und Schreien sein, aber auch körperliche Aggression bis zum Zerstören von Gegenständen oder zu Angriffen auf andere. Die Ausbrüche geschehen impulsiv und dienen keinem geplanten Zweck. Manchmal kündigen sie sich durch Zittern, ein Engegefühl in der Brust oder allgemeine Anspannung an. Danach fühlen sich viele niedergeschlagen oder erschöpft oder empfinden Reue, Schuld oder Scham.

Auslöser ist typischerweise eine Bedrohung, die jemand im Umgang mit anderen wahrnimmt, auch wenn gar keine besteht. Auch Frust über Hindernisse im Alltag kann einen Ausbruch auslösen.

Woher kommt der Name und wie ist die Störung eingeordnet?

Der deutsche Name ist eine Übersetzung des englischen „intermittent explosive disorder“, abgekürzt IED. „Intermittierend“ bedeutet mit Unterbrechungen auftretend. Unter dem englischen Namen stand sie schon im US-amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-III. Lange galt sie als selten, bis neuere Bevölkerungsstudien sie deutlich häufiger fanden.

In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie eine eigene Diagnose bei den Störungen der Impulskontrolle, neben Kleptomanie und Pyromanie. In der in Österreich verwendeten ICD-10 hat sie keine eigene Nummer. Dort steht sie als „Störung mit intermittierend auftretender Reizbarkeit“ unter den sonstigen Störungen der Impulskontrolle.

Wann spricht man von einer Störung?

Wutausbrüche, gerade mit Worten, sind häufig, vor allem unter Stress, und für sich genommen kein Zeichen einer Erkrankung. Ein oder zwei einzelne Ausbrüche reichen für die Diagnose nicht, egal wie schwer sie waren. Die Ausbrüche müssen deutlich überzogen sein und über längere Zeit regelmäßig auftreten, etwa über mindestens drei Monate. Bei schweren Ausbrüchen wie körperlichen Angriffen können schon einige im Jahr reichen. Bei Ausbrüchen mit Worten setzt die WHO eine höhere Häufigkeit an, etwa zweimal pro Woche oder öfter. Die Diagnose ist ab einem Alter von sechs Jahren möglich.

Fachleute prüfen, ob andere Ursachen die Ausbrüche besser erklären, etwa ADHS, Autismus, ein Delir, eine Demenz, eine Erkrankung des Gehirns oder Alkohol, Drogen und Medikamente. Laut WHO ist auch zu bedenken, dass Kulturen Ärger unterschiedlich ausdrücken.

Wie häufig ist sie und wie verläuft sie?

Eine Auswertung von 29 Studien aus 17 Ländern kam 2025 auf rund 5 Prozent der Menschen, die einmal im Leben betroffen sind, mit großen Unterschieden zwischen Gruppen. Die Störung beginnt im Durchschnitt zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr und hält oft viele Jahre an, wird aber mit dem Alter seltener. Viele Betroffene haben traumatische Ereignisse oder körperliche Misshandlung in der Kindheit erlebt oder Gewalt miterlebt. Häufig kommen Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Essstörungen hinzu.

Was hilft bei einer intermittierenden explosiblen Störung?

Belege gibt es vor allem für kognitive Verhaltenstherapie und das Medikament Fluoxetin, die Forschung ist aber noch schmal. Eine Übersichtsarbeit von 2025 wertete 12 randomisierte Studien aus und fand für Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie, eine nachweisbare Verringerung von aggressivem Verhalten. Sie fordert aber belastbarere Behandlungsempfehlungen und weitere Forschung. In einer Studie mit 44 Erwachsenen verringerte eine verhaltenstherapeutische Behandlung Aggression stärker als eine stützende Psychotherapie.

Das Antidepressivum Fluoxetin verringerte in einer Studie mit 100 Personen Aggression und Reizbarkeit, führte aber bei weniger als der Hälfte zu einer vollständigen oder teilweisen Besserung.

Erste Ansprechstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein, weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie, Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen. Tipps zum Umgang mit Wut und Anlaufstellen bei Gewalt stehen im Glossarbegriff „Aggression“. Bei akuter Gefahr hilft die Polizei unter 133, im Notfall die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)