Ja, ich bin aufgewachsen in einem kleinen Kaff in Oberösterreich, Pichlwang, wo die Chemiefaser Lenzing mehr oder weniger in den Ort hineinwächst. Meine Bestimmung war, dass ich, wie meine ganze Verwandtschaft, auch in diesem Chemiefaserwerk zu arbeiten beginne. Hab mich aber dann doch relativ früh dafür oder angezogen gefühlt von der Kunst. Hab dann vielleicht mit 16 oder so beschlossen, Maler zu werden.
Das haben meine Eltern nicht unbedingt goutiert. Das hat es einfach in der Zeit auch als Berufsmöglichkeit überhaupt nicht gegeben. Man hat natürlich schon gekannt, es gibt dann Dali, es gibt dann Picasso und es gibt so Klimt und Schiele. Aber dass der eigene Bub aus dem eigenen Kaff so was werden könnte, war irgendwie jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Es hat da irgendwie doch geheißen, auf dich haben wir gerade gewartet … was bildest du dir denn ein?
Und das war keine Sache, wo ich irgendwie Unterstützung erfahren hätte. Meine Verwandtschaft hat zwar die Bilder gemocht, hat gesagt, du hast ein gewisses Talent da, aber schlägt dir das gleich wieder aus dem Kopf, du musst was Gescheites machen, damit du irgendwie überleben kannst. Gleichzeitig hat man als Jugendlicher oder ich hat einfach so unglaublich viel Selbstbewusstsein, dass ich irgendwie gesagt habe, ich mach das, ganz egal ob ich jetzt meine Vorstellung war, ich werde einmal eine reiche alte Frau heiraten müssen, die mir irgendwie durchbringt und dann kann ich Kunst machen.
Also das Wichtigste war für mich Kunst zu machen. Wie das irgendwie sich da geht, das habe ich überhaupt nicht gedacht. Also längerfristige Perspektiven haben mir sowieso immer gefehlt, aber es gab überhaupt keinen finanziellen Background oder so, der mich da gehalten hätte. Ich bin dann nach Wien gegangen, wie andere große Oberösterreicher habe ich versucht, auf der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen zu werden, bin wie eben der Braunauer abgewiesen worden.
Und aber dann Gott sei Dank nicht in ein dubioses politisches System hineingeraten, sondern habe versucht weiterzumalen. Die Erfolglosigkeit ist geblieben und irgendwann hat sich das so gedreht, dass ich einerseits gemerkt habe, mir fehlen in der Malerei die Kategorien. Ich wusste einfach nicht mehr, was ist gut, was ist schlecht. Mir ist die Orientierung abhanden gekommen. Man hat da auch nicht mehr gemalt zu Beginn der 90er Jahre, sondern Konzeptkunst gemacht.
Und ich habe dann zu schreiben begonnen und dieses Schreiben, der Übergang war eigentlich, dass ich meine Konzeptkunst, die ich entwickelt habe, nur mehr beschrieben habe. Und dann habe ich gemerkt, es reicht, wenn ich nur schreibe. Und in der Literatur ist dann sehr schnell ein Erfolg gekommen. Und das war auch die Zeit, wo dieser Name entstanden ist. Als Maler habe ich noch meinen bürgerlichen Namen abgelegt, wie viele spanische Maler, den Mädchenname der Mutter angenommen, der ist Zobel, und habe dann mit den Vornamen experimentiert.
Wieland Zobel, Tilman Zobel, dann war am Schluss Franz Zobel, das ist der Vorname von meinem Vater und auch mein zweiter Vorname. Und dann hat sich bei diesem Übergang ins Schreiben im Zuge einer studentischen Performance ergeben, dass aus diesem Franz Zobel Franzobel geworden ist und das habe ich dann so schön gefunden. Und das ist so ein Tradename, der so ähnlich wie Persil ist vielleicht und irgendwie funktioniert, dass ich ihn beibehalten habe.