Ich habe dann sehr schnell den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen, 1995, bin dahin gefahren als völlig unbekannter Autor, der ein, zwei Bücher in Kleinstverlagen gemacht hat. Verkaufszahl war damals bei 40, 60 Stück, also unter jeglicher Wahrnehmungsschwelle. War wahnsinnig nervös, hat man gedacht, wenn ich dahin fahre, vielleicht bekomme ich den fünften Preis. Wenn man keinen großen Verlag hinter sich hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man den ersten Preis gewinnt.
Das war völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft. Hab den dann aber gewonnen, weil irgendwie etwas bei der Lesung und bei dem Auftritt, also ich war eigentlich nur wegen dem Auftritt nervös, da ist etwas passiert, weil ich nicht weiß, was Leute getroffen hat. Nach fast 30 Jahren werde ich immer noch angesprochen von Leuten, ich bin damals heimgekommen, hab den Fernseher aufgedreht, da war diese Bachmann-Preis übertragen und dann bist du drangekommen und da ist etwas passiert.
Also die Leute, die das erlebt haben, entweder live oder am Fernseher, die haben gespürt, da passiert etwas. Und auch, ich wusste, es gab dann Jurydiskussionen und da gab es auch viele Leute, also Juroren, die gesagt haben, das ist ein experimenteller Text, das kann man den Verlagen nicht zumuten, das verkauft sich nicht, so jemand kann den Preis nicht bekommen und ich habe ihn aber dann trotzdem bekommen. War natürlich auf so einer Welle, war ich auch ziemlich irgendwie erfolgsberauscht, das kann man schon sagen, hab natürlich den Scheck, das waren damals 200.000 Schilling, viel Geld, also ich hab mir gedacht, mit diesem Preisgeld kann ich jetzt zwei Jahre unbeschwert schreiben, leben, bin dann in Wien angekommen, also hab bereits zuerst einmal gemerkt, dass man überall erkannt wird, also das kannte ich natürlich bis dahin überhaupt nicht, dass man Leute ansehen, im Zug bereits, am Weg mit der Straßenbahn in meine Wohnung und dann hab ich mir gedacht, jetzt mach ich die Tür zu, hab meine Ruhe und genieße das Geld und den Erfolg und dann bin ich aber glaube ich drei Tage lang vom Telefon nicht weggekommen.
Also das Telefon hat ununterbrochen geläutet, ich hab Berge an Post bekommen von allmöglichen Menschen, Fans, irgendeine Frau hat mir Bilder geschickt, es hat so was wie Stalker gegeben, also es ist wahnsinnig zugegangen, jeder der mich in meinem Leben bis dahin gekannt hat, hat sich bemüßigt gefühlt mir zu schreiben, also ehemalige Schulkollegen haben sich wieder gemeldet, das war irgendwie schon eine ziemlich absurde Zeit und ich hab mir natürlich gedacht, in dem Moment das passiert alles, weil die mich so lieben, weil ich so großartig bin und dann kommt man natürlich im Laufe der nächsten Monate irgendwann schon drauf, naja, die Lesungen, all diese Dinge, die stattfinden, passieren halt, weil ich Preisträger bin, also nicht wegen meiner Literatur, nicht wegen mir, sondern weil man einfach eine Funktion erfüllt und ich hab das Glück gehabt, dass relativ viel in Folge passiert ist, ich bin in kein Loch gefallen, ich hab irgendwie auch kleine Texte gemacht, ich hab jetzt keine Schreibblockade oder so gehabt, weil ich einfach mir gedacht hab, die Gegenstrategie zur Schreibblockade ist, möglichst viel zu produzieren, hab ich auch gemacht, ich hab irgendwie kaum irgendeine Sache abgesagt, auch weil es vorher so schwierig war, überhaupt irgendwas zu publizieren oder irgendeinen Auftrag zu bekommen und auf einmal haben sich halt Theater gemeldet und es gab ganz viele Anfragen und das hab ich eigentlich alles gemacht, das war sicher ein Fehler, weil ich zu viel gemacht hab und dann im Laufe der Zeit kommt man halt drauf, dass Erfolg schon ein bisserl süchtig macht.