Die Diskrepanz zwischen privater Person und öffentlicher Person ist irgendwie für einen selber schwer zu steuern und irgendwie auch unkontrollierbar. Ich habe irgendwie gemerkt, dass Menschen, die mich kennenlernen oder treffen, oft sagen, du bist ja gar nicht so arrogant, wie du rüberkommst in den Medien, oder du bist ja gar nicht so abgehoben, oder du bist ja gar nicht so intellektuell, du bist ja eigentlich ganz normal, oder irgendwie du bist ja gar nicht unfreundlich. Also die sind oft sehr überrascht, weil in den Medien eine Weile lang ein völlig anderes Bild entstanden ist, aus Gründen, die ich selber überhaupt nicht beeinflussen konnte und wahrscheinlich immer noch nicht beeinflussen kann.
Und ähnlich ist es natürlich auch mit Äußerungen. Man ist irgendwie ein öffentliches Bild, das mit mir als Mensch oft gar nichts zu tun hat und wird dafür halt dann geliebt oder gehasst und ich versuche das immer möglichst zu ignorieren. Ich versuche diese Außenwelt eigentlich der kein zu großes Gewicht zu geben und eigentlich mir diesen kindlichen Zugang zu bewahren, diesen naiven Zugang, kommt dann natürlich auch manchmal dazu, dass ich politische Äußerungen mache, die hin und wieder mal ein bisschen übers Ziel hinausschießen, vielleicht ein bisschen zu polemisch sein.
Und leider leben wir momentan in einer Zeit, in der sehr schnell Shitstorms entstehen. Also durch diese sozialen Medien ist man überhaupt nicht mehr in einer Atmosphäre, wo Dinge ausdiskutiert werden. Leute müssen sich nicht mehr hinsitzen und einen Leserbrief schreiben, sondern sie kriegen irgendein Codewort und weil sie wissen, der Mensch ist einem sowieso ein bisschen unsympathisch vielleicht oder irgendwie man steht auf einer anderen Seite und kann sofort irgendwie hinpecken und man wird nicht mehr wegen einer Äußerung kritisiert, das ist irgendwie das Interessante, sondern es wird gleich nicht die Äußerung, sondern gleich der ganze Mensch und mit dem Menschen auch gleich das ganze Werk abgelehnt.