Ehrlich gesagt geht mir das ziemlich auf die Nerven oder das trifft es nicht ganz. Es geht mir richtig am A***h, dass man permanent sich rechtfertigen muss in meinem Job, wie man denn Familie und den Job vereinbaren kann, weil den Stress hat man sowieso selber, den brauche ich von außen nicht. Also diesen Stress, die Familie zu organisieren mit meinem Mann zusammen, muss man dazu sagen, es gibt ja auch einen Mann.
Also Gott sei Dank habe ich einen Mann, weil es gibt ja auch ganz viele Alleinerziehende, wo das schrecklich ist, wenn die kein Netz haben. Ich hatte das Glück, dass ich ein Netz habe und ich merke, wenn das Netz nicht funktioniert, weil eben Oma und Opa krank sind oder mal auf Urlaub sind, was sie ja auch dürfen und der Mann arbeitet und ich eben auch und da niemand ist, diese Panik, die da aufkommt, nämlich nicht, dass das Kind jetzt stirbt, weil es niemand abholt, sondern die Panik, dass man selbst eine schlechte Mutter ist, wenn man nicht gleich alles stehen und liegen lässt, nur um sein Kind abzuholen, die kommt automatisch und das zipft mich eigentlich an, weil es gibt dieses wunderbare Sprichwort: Ein Dorf erzieht ein Kind. Das ist in anderen Ländern gang und gäbe und hier hat man oft das Gefühl, dass nur die Mutter für alles zuständig ist.
Das ist so ein B******t, der endlich aus unseren Köpfen herausgehen muss. Und ich habe es geschafft, man muss sagen, das klingt jetzt so super, als ob ich sage, ich habe es geschafft, diese Angst abzulegen beziehungsweise diese Bürde einfach loszuwerden. Es hat aber Ewigkeiten gedauert, weil am Anfang meiner Karriere, wo ich noch alles selber gemacht habe, also bei den Kernölamazonen auch, wo wir wirklich alles selbst eingeladen haben, selbst ausgeladen haben, den Soundtrack gemacht haben, alles, also wirklich jeden Schritt selbst getan haben, habe ich natürlich viel weniger Zeit mit meinem Kind verbracht, mit meinem Erstgeborenen, als ich jetzt mit meinem Zweitgeborenen verbringe, wo wir schon eine Assistentin haben, die mitfährt und so weiter.
Ich habe sozusagen es mir geleistet, Geld für jemanden zu zahlen, damit ich mehr Zeit mit der Familie habe, merke aber, es zahlt sich aus, weil es mich psychisch auch entlastet. Also ich habe einfach viel weniger schlechtes Gewissen, wenn ich weiß, ich muss erst um 18 Uhr von zu Hause wegfahren, als wenn ich schon um 14 Uhr von zu Hause wegfahren muss, weil ich alles aufbauen muss. Es hat aber Ewigkeiten gedauert.
Natürlich ist ein gewisser Stress immer noch da, wenn dann mein Mann und ich dann dasitzen mit den Kalendern und dann merkst du, okay, das geht sich nicht aus und da ist der nicht da und da und wie mache ich das? Und da ist aber noch Tennis und dann musst du dahin fahren und dann ... Es ist ein Wahnsinn, der nie aufhört, glaube ich.
Es ist auch, bis die Kinder ausziehen und dann kommen die Enkel, glaube ich. Also dann wird es wieder von vorne losgehen. Aber man darf sich nicht fertig machen lassen und es ist auch nicht schlimm. Das habe ich lernen müssen, dass wenn man so viel arbeitet und auch nicht zu Hause ist, sich trotzdem Zeit mit dem Partner nimmt. Das ist ganz wichtig.
Das hat meine erste Beziehung komplett zerstört und den Fehler wollte ich das zweite Mal nicht machen. Also trotz Stress und trotz Familienkoordinationswahnsinn fand ich es wichtig und finde ich es immer noch wichtig und wir praktizieren das auch sehr, dass wir uns die Zeit nehmen zu zweit, weil nur wenn man zu zweit auch als Paar funktioniert, kann die ganze Familie funktionieren, kann man selbst funktionieren, dann geht es einem gut und es ist so wichtig, weil wenn es einem nicht gut geht, dann ist das wie so ein Dominoeffekt, dann geht es allen anderen schlecht und das darf man gar nicht erst aufkommen lassen. Deshalb Zeit für sich selbst nehmen, Zeit für den Partner nehmen, Zeit für die Familie nehmen.
Dann ist es zwar stressig, aber es ist auszuhalten.