Dann im Laufe der Zeit kommt man halt drauf, dass Erfolg schon ein bisschen süchtig macht, dass man irgendwie dieses Gefühl eigentlich gern wieder erleben würde. Wobei man jetzt in der Zeit, in der der Erfolg stattfindet, ja überhaupt nicht glücklich ist. Das ist mir dann in den Folgejahren oder in den nächsten Jahrzehnten immer wieder passiert, dass hin und wieder mal ein Projekt durch die Decke gegangen ist, dass ein Stück ausverkauft und dass sich ein Roman einfach sehr gut verkauft hat, dass da irgendwie 7-8 Auflagen gekommen sind, dass einfach die Kritiken begeistert waren oder die Leute.
Aber wenn das passiert, also man will das immer haben, wenn es aber passiert, sehnt man sich eigentlich nur danach, dass das wieder vorbei ist, weil man eigentlich merkt, man kann das überhaupt nicht genießen. Es ist nicht so, dass man jetzt glücklich wäre, sondern man weiß, man muss funktionieren. Es gibt diese ganzen Anfragen wie Interviews irgendwie, also es ist so ein komischer abgetauchter Dämmerzustand, der mit Glück überhaupt nichts zu tun hat.
Glück ist für mich eher, wenn die Zeit wieder vorbei ist, wo ich wieder im Schreiben bin, wenn ich so ein Einsein erlebe mit mir und meiner Arbeit und der Welt, so eine Wahrhaftigkeit und etwas Authentisches und da wirklich drinnen bin, sich etwas fügt vielleicht beim Schreiben oder beim Arbeiten, das ist dann Glück. Aber diese Erfolgszeit, das ist eigentlich überhaupt kein Glück, sondern es ist eher so ein ständiges Überlegen, also ich bin überhaupt nicht in mir, sondern spüre ständig den Körper, versagt da irgendwas, kriege ich jetzt Zahnschmerzen oder werde ich dann durchfallen, kann ich keine Interviews mehr geben oder muss Termine absagen oder keine Ahnung, was da alles im Schädel umeinander vorwärkt. Insofern ist das mit dem Erfolg eine ziemlich eigenartige Sache eigentlich, weil man will ihn, klarerweise, wenn er aber dann da ist, will man eigentlich, dass er wieder vorbei ist, weil man irgendwie merkt, das ist im Prinzip das, wo man nicht mehr in sich ist, also ich bin nicht mehr in mir, ich habe keine Zeit mehr zu denken, es ist irgendwie keine Authentizität mehr da.