Der Umgang mit Erwartungshaltungen beim Filme machen ist kein leichter. Da muss man ziemlich viele Irrationalitäten, unlogische Dinge, beeinflussbare Dinge, die sind sehr wenig, aber sehr viele unbeeinflussbare Dinge hinnehmen. MA2412 wurde damals erdacht als Sitcom. Das war gerade die Zeit, die späten neunziger Jahre, wo man sagte, ja Sitcom, Sitcom, Sitcom, wir brauchen eine tolle Sitcom. Es ist dem ORF in den späten neunziger Jahren trotz einiger Versuche sehr selten gelungen, um ähnliches hinzustellen, was wirklich funktioniert hat, dieses problematische Wort zu verwenden.
Bei MA2412 haben wir uns hingearbeitet und haben gesagt, okay, was ist denn die klassische Sitcom? Die waren damals ja noch üblich. Da war es auch noch üblich, dass die Menschen sich versammelt haben vor irgendwelchen Fernsehgeräten um das anzuschauen und die Amerikaner frühzeitig herausfanden, dass wenn man alleine vor einem Fernsehgerät sitzt, nicht wirklich lacht. ist bei den Menschen in der Mehrzahl so.
Man schmunzelt vielleicht, aber Lachen funktioniert so dann nicht. Und dann kam man auf die Cackle Tracks, also auf die Lachspuren bei den Sitcoms, um den Menschen einen Stimmungsboost zu geben. Wir hatten das damals auch, aber nicht aus der Konserve, sondern bei MA2412 war es so dass die fertigen Folgen vorgespielt wurden in einem Saal des Funkhauses und dort Menschen eingeladen waren das anzuschauen und die haben dann eben gelacht oder nicht gelacht.
Das ist eine echte Lachspur. Man braucht das heute nicht mehr. Das hat sich überlebt, weil sich auch die Konsummöglichkeiten verändert haben, im Gegensatz zu damals. Das war dann irgendwann mal bald erfolgreich, weil ich vermute mal, die Menschen nicht nur in Ostösterreich entweder sich selbst wiedererkannt haben, ohne es zuzugeben oder zumindest den Nachbarn oder den Bürokolleginnen. Und das war vom Dorfer und vom Düringer Düringer super recherchiert.
Die hatten auch Informanten, die ihnen alles erzählt haben. Und sehr vieles von dem was da drinnen vorkommt, ist so oder so ähnlich passiert und wir haben es nur überspitzt. Es waren gar nicht so viele Folgen, gedreht wurden. Es waren 34 Stück und glaube ich zwei Spezialfolgen. Der Eindruck entsteht beim Publikum, wogegen ich gar nichts habe, deshalb dass das ganz lange gedreht wurde, weil die Teile oft wiederholt werden und sich offenbar ungebrochener Popularität erfreuen.
Ich erinnere auch noch, dass wie wir die letzte Folge gedreht haben, Roland Düringer Tränen in den Augen hatte, als der Ingenieur Breitfuß abgedreht war. Das ist eine Figur, die er sehr liebt. Und mit ziemlich viel Abstand von 2001, 2002 bis fast 20 Jahre später kamen dann die beiden auf den Gedanken, dass sie als Pensionisten auch ein Leben haben, der Herr Weber und der Herr Ingenieur, und haben es dann dem ORF vorgetragen, ob das nicht eine Möglichkeit wäre, das in regelmäßigen, aber langen Abständen wieder mal zu machen.
Und da das mit Sitcom in dem Sinn nichts zu tun hatte, zwei mal 45 Minuten pro Jahr hätten gedreht werden sollen, habe ich dann relativ sinnfällig die Aufgabe bekommen, die ersten beiden zu machen. Die Idee war dann, dass sich dann ganz andere Regiepersönlichkeiten daran versuchen sollen, sodass, Roland sagte, irgendwann einmal die 20 fähigsten Damen und Herren sagen können, ich habe zwei Folgen MA 2412 auch gemacht. Meine beiden wurden bald mal gesendet und hatten Quoten, die sensationell waren für die Gegenwart.
Das war, glaube ich, Ende 21 und wir hatten dann mit allen Nachauswertungen rund um den Zeitpunkt der Ausstrahlung 1,2 1,3 Millionen Zuschauer. Das passiert sonst gerade einmal wenn wir ins EM-Finale kommen. Also, was die Reaktion darauf betrifft, ist es klar, wir waren am Anfang dabei. Erwartungshaltungen sind etwas Irrationales. Man soll auch nicht versuchen, sie verstehen zu können.
Das kann man nicht verstehen. Man kann nur lernen, damit umzugehen. Da gibt es Menschen, haben geglaubt, es geht jetzt so weiter, wie es damals war, obwohl das laut gesagt und viel geschrieben wurde, dass es etwas anderes ist. Und die machten das dann nicht so. Das ist so. Oder ist dieses Projekt für mich noch immer ein sehr gutes obwohl ich nicht mehr direkt involviert bin, weil da sind halt zwei ikonische Figuren geschaffen worden, die die Österreicher ja noch nachhaltig in ihren Frontallappen haben.
Das ist einfach so. kennt die MA2412 und man kennt die MA 2412, die würde ich nicht vergessen. Und das dann irgendwie nicht noch mal aufleben zu lassen, nämlich ohne großen Kunstgriff, sondern zu sagen, sind nur zwei Pensionisten, die miteinander eigentlich nichts zu tun haben, zufällig aufeinandertreffen, finde ich, ein sehr gutes Rezept. Und ich wünsche, dass der ORF wieder mal so in die Gänge kommt, dass er das regelmäßig weitermacht