Ein großer schon verstorbener Berufskollege von mir, der Elia Kazan, hat gesagt, Regie führen ist Psychologie in Verhalten zu übersetzen. Das mag ich weil es kurz ist und weil es was zum Nachdenken hergibt und es scheint mir absolut so zu sein, hat überhaupt in mehrfacher Dimension als regieführender Mensch die Aufgabe. Zu ordnen und ein Klima zu schaffen, wo alle ihr Bestes tatsächlich geben können.
Das ist zumindest meine Interpretation davon. weiß nicht ob alle großen Monomaninnen und Monomanen die Regie führen, das genauso sehen wie ich, aber bei mir war es immer so. Dann gibt es den auch wunderbaren Satz, nur die Dummheit braucht Lärm. Ich habe auch noch für sich jetzt schon kein geschultes, getragendes Organ. Und warum zu schreien wie es in meiner Kindheit und Jugend nicht zuhause erleben durfte, fand ich, hat immer so etwas leicht Lächerliches gehabt.
Und auch noch den Kollateralschaden ausgelöst, dass es immer wieder Leute gibt, wenn du von zehn Leuten einen anschreist, gibts mindestens zwei, die es auch wissen wollen. Das hört nicht auf. Und das habe ich schon aus meiner Kindheit und Jugend mitgenommen. Zum Regie führen was ich noch mitgenommen habe, war die Erkenntnis, dass man niemals stärker ist als die Schwächste oder der Schwächste.
Das ist eine Grundgesetzung im Showbusiness. Ich bin sehr oft mit meiner Rockband auf die Bühne gegangen, wir waren irgendwas zwischen fünf und zehn. Und wenn wir dort oben musizierten, vollkommen klar, da steht und fällt das Niveau mit den Schwächsten. Das heißt, man hat sie alle zu halten. Auf die Gefahr hin, so zu klingen wie Ralf Rangnick mittlerweile, der das ja offensichtlich erfolgreich durchsetzt, dass alle Menschen das Gefühl haben, gleich viel wert zu sein, was sie auch sehen.
So habe ich das versucht, das Filmset mitzunehmen und es ist mir bislang gelungen. Was für die Arbeit mit anderen, weil um das geht es ja auf einem Filmset, das ist eine sehr soziale Funktion, Regie führen. dass man auf der einen Seite Kenntnis verstrahlt und dass man den Leuten das Gefühl gibt, dass man weiß was man tut. Das gelingt mir meistens und das macht die Gruppe ruhig.
Was macht die Gruppe ruhig wenn da ein Mensch ist, der sagt, okay, wir machen jetzt das oder leise, was ich auch früh gelernt habe, leise mit irgendeinem Department spricht oder mit einer Schauspielerin oder einem Schauspieler, leise, zu zweit, weil die anderen wissen nicht, was ich gesagt habe. Daher ist es schon wesentlich spannender für sie, weil sie müssen dann auf die Person die sie angeht, reagieren. Das ist ein simpler Kniff, aber es gibt viele so Dinge, abgesehen davon, dass man den Menschen Peinlichkeit nicht spürt, dass sich nicht kein Publikum irgendwie bloßstellt.
Das ist ja nicht arbeitsfördernd nach meinem Dafürhalten, sondern wenn ich was zu sagen habe, denke, ich habe das Gefühl, das solltest du vielleicht und das wird dann was, wenn ja sonst niemand mitkriegt, was ich mir gewünscht habe. Also so ist der Umgang mit anderen Menschen. Filme drehen in der komprimierten Zeit, die es auf der ganzen Welt hat, da gibt es ganz wenige Ausnahmen, ist eine sehr komprimierte, konzentrierte, manchmal stressige Angelegenheit.
Wenn man es einmal geschafft hat, dort zu sitzen, wo ich zumeist war, schon seit 30 Jahren als Regisseur, man sich aus dem Meisten raushalten. Man kann den Leuten das Gefühl geben, dass sie deshalb angeheuert sind, weil ich glaube, dass sie das sehr gut können, was sie zu tun haben. Und es erhöht die Eigenverantwortung und auf der anderen Seite ist es ja so, dass sie bemühen nach ihren eigenen Kriterien.
Ich sage dann schon, ob es mir gefällt oder nicht oder ob es mir recht ist, aber dass ich immer wieder vermittle, dass wir ja nur deshalb gemeinsam wo sind, weil ich mir das wünschen durfte. Das gibt es für Schauspieler auch. Das gewichtigste Wort beim Casten sollte ja auch die Regie haben. Das ich eigentlich immer gehabt. Das kann ich mir nicht beschweren.
All das was ich jetzt aufgezählt habe, ist ein persönlicher Stressvermeider. Ich muss mich so vorbereiten, das ist aber konzentriert, das ist nicht stressig. Ich muss mir genau überlegen, was ich morgen tun möchte. Ich muss damit umgehen, dass das was ich mir gewünscht habe, so nicht ganz funktionieren wird. Da muss es eine Alternative geben. Und man hat viel zu tun.
Man sitzt dann noch lange, nachdem die letzte Klappe gefallen ist und überlegt sich, wie der morgige Tag anzugehen ist. wenn man dann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat denen man wirklich vertraut, dann ist es hilfreich, wenn man noch sitzt. Meine Regieassistentin zum Beispiel ist noch um einiges älter als ich und macht mir aber immer noch die Freude, dahin zu stellen.
Ich verstehe, sie ist die Doyenne ihres Berufszweigs und sie hat halt schon alles gesehen, man sehen kann. Und das verstrahlt auch Ruhe. Und was mir Stress machen würde und auch manchmal macht, ist, wenn andere Leute sich schlecht benehmen. Zum Beispiel irgendwelche Absperrhilfen oder Aufnahmeleiterinnen, die dann mit den Leuten am Rande schlecht umgehen und die herumschubsen oder sie blöd anreden, was bei den Komparsen auch manchmal passiert.
Das mag ich gar nicht. Das spricht dem, was ich vorher gesagt habe, die Menschen sich ernst genommen fühlen, ist es mit der Gruppe um gut die Hälfte weniger Aufwand.