Im Jahr 2004 habe ich einen ziemlich heftigen Schub bekommen, wusste aber nicht was ich habe. Also ich wollte nicht mehr aufstehen, ich wollte nicht rausgehen, obwohl es war Juni, die Sonne hat gescheint, es war draußen traumhaftes Wetter, aber ich habe beschlossen, ich sperre mich zu Hause ein, wollte mit niemandem mehr reden und wusste nicht was mit mir los war. Habe aber das Glück gehabt, dass einer meiner besten Freunde diplomierter psychiatrischer Krankenpfleger ist und der hat mir eigentlich ziemlich auf den Kopf hingsagt, er glaubte ich habe Depressionen und hat mich zu einem Psychiater geschickt.
Da bin ich dann hingegangen, mit der Folge, dass der Psychiater mich sofort auf Medikamente einstellen wollte und ich in Panik weggelaufen bin. Es war aber dann doch so schlimm, dass ich vier Wochen später sehr dankbar war, dass ich nochmal einen Termin gekriegt habe und dann darum gebeten habe eingestellt zu werden, weil das Gefühl, das ich da gehabt habe, das war schon ziemlich schlimm. Ich kann es heute ganz normal erzählen, aber ich sage es ganz genau wie war.
Ich wohne im letzten Stock und habe mir ständig überlegt, wie ich da runterspringen kann. Das war der einzige Gedanke, den ich gehabt habe, dass ich gerne nicht mehr leben, ich weiß aber nicht wie ich es anstellen kann. Am liebsten hätte ich einen Auftragskiller gehabt, der mich einfach irgendwann erschießt, damit ich es nicht mitkriege. Der Grund dass ich es nicht gemacht habe, war interessanterweise, weil ich dachte, ich darf nicht vor meinen Eltern sterben.
Mein Mann war nicht der Grund. Ich habe mir gedacht, der wird damit fertig. Eine Mutter kann nicht damit fertig werden, wenn die Tochter vorher stirbt und vor allem wenn sie sich das Leben nimmt. Dann war ich beim Psychiater, der hat mich dann eingestellt und ich muss sagen, das war eine sehr, gute Entscheidung, obwohl die Medikamente damals, wie gesagt, das war 2004, die haben meine Libido schon sehr eingeschränkt.
Das war das erste, aber ich konnte zum Beispiel wieder zum Billard gehen. Das konnte ich nämlich vorher nicht. Ich habe das Haus nicht verlassen können. Arbeiten war wahnsinnig anstrengend. Wenn es Kabarett, musste ich ja trotzdem fahren. Das war ein Höllenritt. Das war wirklich so ein möglichst durch, interessanterweise die Bühne Das hat funktioniert, die zwei Stunden, weil ich nicht ich war, sondern jemand anderer auf der Bühne.
Aber kaum war die Bühne beendet, war ich wieder ich und mir ist es nicht gut gegangen. Ich nach Hause und der nächste Tag wenn der frei war, den habe ich wieder komplett stoisch auf der Couch verbracht. Interessant ist ich konnte das Kaffeehäferl nicht einmal wegräumen in der Früh. Also mein Mann ist heimgekommen und hat dann alles was ich so über den Tag angesammelt habe, wegräumt.
Ich war froh dass er sich so verhalten hat, instinktiv, dass es richtig war. Er hat nämlich nicht diesen saublöden Satz gesagt, reiß dich zusammen. Das ist der Satz, kein Depressiver braucht. Da gehen wir davon aus, der Depressiver ist ja kein dummer Mensch und er ist intelligent. Er würde es ja tun, wenn er es könnte. Da braucht man keinen, einem das auch noch sagt.
Es geht eben nicht. Ist sehr unverständlich für jemanden der diesen Zustand nicht kennt. Mit den Medikamenten ist es dann so drei, vier Wochen später besser geworden. Also schön langsam hat es sich eingependelt, konnte wieder rausgehen. Und so nach zwei, drei Monaten war ich relativ gut auf Stand. Ich allerdings ein Jahr später die Medikamente wieder ausschleichen lassen. Weil sie haben schon ein bisschen meine Laune.
Also ich war okay drauf, aber ich war nicht so quirlig wie sonst. Dann habe ich den nächsten Schub 2009 bekommen. Der Auslöser war definitiv weil ich aufgehört habe zu rauchen, interessanterweise. Und da habe ich einen ganz ganz schlimmen Schub gekriegt. Da war ich dann mit meinem Mann in Indien und da wollte ich gern im Meer verschwinden. Also es war wirklich das selbe Thema wieder.
Und es gibt Gott sei Dank keine Fotos von dem Urlaub. Allerdings eine Videoaufnahme wo ich ganz kurz nur zu sehen bin. Und wenn ich mich sehe, das ist wie wenn ein seelenloses Wesen schaut. man sieht das. Man sieht, dass da was nicht stimmt. Dann bin ich wieder zum Psychiater gegangen, der auch geschimpft hat mit mir und erklärt hat, wenn ich solche Schritte mache als Kettenraucherin, von heute auf morgen aufhören.
Und ein Schmerzmittel habe ich auch noch abrupt abgesetzt, dass ich für meine Schulter genommen habe. Also das war ein Schub, da hat es nur mehr geknallt. Da wurde ich wieder eingestellt. Da musste ich dann glaube ich am Anfang sieben verschiedene Medikamente nehmen und über den Tag verteilt. Dann ging es mir auch besser. Und bei einem Medikament bin ich kann man sagen, kleben geblieben.
Und das nehme ich bis heute. Und habe auch eins, zwei, drei auf Holz geklopft. Ich habe seither nie wieder einen depressiven Schub gekriegt. Ich habe schon gute und schlechte Tage so wie jeder andere Mensch auch. Aber weit entfernt von Depressionen wie sich das anfühlt, weiß ich. Wenn jemand so einen Schub kriegt oder das Gefühl hat, stimmt was nicht mit ihm, dann kann ich nur sagen, das Wichtigste ist.
Klar, wenn man einen guten Hausarzt hat, soll einem der aber auch nur einen Psychiater empfehlen. Also man soll unbedingt zu einem absoluten Facharzt gehen und nicht zu irgendwem. Man soll sich nicht von irgendwem was verschreiben lassen. Man soll einen Arzt finden, zu dem man wirklich Vertrauen hat und wo man das Gefühl hat, dass es ein guter Diagnostiker ist, damit man auch richtig eingestellt wird.
Man braucht auch nicht die Panik haben, dass man dann eine Therapie macht. Das hat mit Gesprächen nicht viel zu tun, sondern da geht es wirklich um Adrenalin, nur Adrenalin und dass da oben diese Synapsen wieder zusammenkommen und nicht darum, dass man dem sein Leben schildert. Das ist wieder ganz was anderes, das kann man extra machen. Aber wenn man gut eingestellt ist, dann kann man damit absolut gut leben und hat überhaupt kein Problem.
Und wichtig ist auch, wenn jemand sagt, ja der ist ja verrückt, ja natürlich ist man verrückt, weil man ist rausgerückt aus der Norm und mit dem Medikament wird man wieder bisschen zurechtgerückt. Und dann funktioniert es besser. Und allen die das nicht kennen, denen kann ich nur sagen, lasst die Depressiven in Ruhe und seid froh, dass ihr das nicht habt und zündet jeden Tag fünf Kerzen im Steffel an.
Denn das Gefühl einer Depression ist ungefähr so, wie wenn man sich vorstellt, man fährt durch einen ganz ganz langen Tunnel der ist schwarz und es gibt nie wieder einen Ausweg, außer der Tod. Und wenn man, so wie ich, zu dem Zeitpunkt 40 war, weiß man, dass man da jetzt minimum 45 Jahre noch vor sich hat. Und das in dem Zustand will man nicht haben, da möchte man lieber tot sein.
Also, nicht spotten über depressive Leute, sie nicht glauben, dass das eine Ausrede ist, sie irgendwas nicht machen wollen. Wer das hat, ist wirklich ein armer Hund, aber man kann was dagegen tun. Man sollte unbedingt zum Fachmann gehen.