Das schlimmste Jahr in meiner Karriere oder in meinem Leben war eigentlich das Jahr 2000. Hat eigentlich gut begonnen mit meinem 30. Geburtstag. Ich habe viele Freunde eingeladen, habe ein super Fest gehabt, alles war top, alles war toll und gefühlt eine Woche später ist es losgegangen. Zuerst waren meine Aktien, ich glaube, da war irgendein Dow Jones heruntergefallen und somit auch mein halbes Erspartes.
Sehr viel Geld verloren. Dann hat in diesem Frühling meine damalige Freundin nach sieben Jahren gesagt: „Ich glaube, es ist irgendwie jetzt beendet unsere Liebschaft.“ Meine Großmutter hat in dem Sommer, bei der ich aufgewachsen bin, dann einen Schlaganfall gehabt. In weiterer Folge ist sie gestorben und bei Ö3 hat es wirkliche Probleme gegeben zu diesem Zeitpunkt. In weiterer Folge war es dann auch vorbei.
Zwei Jahre später war ich dann auch von Ö3 aus der Redaktion draußen. Das hat damals im Jahr 2000 angefangen und der Höhepunkt war noch, dass ich rund um Ostern auf einmal mit Nierenkoliken in Krankenhaus gelegen bin. Ich, der normal nie krank ist, nie krank war, nie mit den Nieren Probleme gehabt hat. Gott sei Dank ist es nach einer Woche eh wieder gut gewesen, aber es waren die schlimmsten Schmerzen meines Lebens und ich glaube, den Begriff Burnout hat es damals noch nicht gegeben, aber ich glaube, es war damals so etwas Ähnliches wie ein Burnout.
Es war, wenn ich so zurückdenke, kein tolles Jahr und dem kiefle ich teilweise bis heute noch. Wobei, mir geht es eigentlich super und ich habe natürlich nachgedacht im Vorfeld für dieses Interview, wie ich mit Krisen umgehe. Und ich bin eher so der Mensch, ich gehe dann in mich. Ich öffne mich dann ungern. Ich bin jetzt nicht derjenige, der dann zum Therapeuten läuft oder es mit 17 Freunden ausspricht oder dann Kontakt zu dem, zu dem, zu dem sucht, sondern ich versuche dann eher mit mir selbst Kontakt aufzunehmen und dann rattert es 1, 2, 3, 4, 5 Tage in meinem Hirn.
Und wenn ich dann irgendwie für mich einen Ausweg sehe, dann kann ich diesen Weg auch bestreiten und meistens funktioniert das auch ganz gut. Wahrscheinlich wird jetzt ein Profi sagen: „Uiuiui, da passiert irgendetwas ganz Schlimmes in seinem Kopf.“ Aber ich kann damit ganz gut leben. Und wie man sieht, dieses Jahr 2000 habe ich auch überlebt und es hat sich alles zum Guten gewandt. Also meine Nieren sind gesund wie eh und je.
Ich habe eine wundervolle Frau gefunden. Wir haben eine wundervolle Beziehung, sind seit fast 15 Jahren verheiratet, haben ein Kind. Mir geht es finanziell super. Meine Oma kann ich nicht mehr zurückholen, aber im Herzen ist sie immer noch drinnen und wahrscheinlich war das eine Krise, die ich irgendwann einmal gebraucht habe. Weil wäre das damals so weitergelaufen, dann würde ich nicht da stehen, wo ich heute stehe.
Und ich glaube, dass ich jetzt wirklich ein zufriedener, glücklicher Mensch bin. Damals bin ich irgendetwas nachgelaufen. Ich wollte damals immer irgendwie noch mehr, noch mehr, noch mehr, vor allem beruflich. Ich meine, ich war in den späten 20er und frühen 30er Jahren, da ist es mit Ö3 so richtig rundgegangen. Ich war Moderator, ich war Musikredakteur. Ich war jedes Wochenende mit der Ö3-Disco irgendwie unterwegs.
Ich war zwei, drei Mal in der Woche im Ausland, habe irgendwelche Popstars getroffen. Wann immer ich einen Tag frei gehabt habe, habe ich mir irgendwelche Konzerte angeschaut. Ich bin schnell nach Las Vegas geflogen, habe mir U2 angeschaut. Am nächsten Tag war ich in New York, die Backstreet Boys getroffen und dann habe ich wieder eine Sendung moderiert. Also das war eigentlich eh viel zu viel.
Aber mir hat das damals halt getaugt und mein Körper hat mir aber damals gezeigt, bis hierhin und nicht weiter. Wahrscheinlich habe ich das, wie gesagt, gebraucht und ich mute meinem Körper jetzt weniger zu und mir geht es auch besser.