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Postpartale Depression

05:15

Auf den Punkt gebracht

Eine postpartale Depression, auch Wochenbettdepression genannt, ist eine Depression, die nach der Geburt eines Kindes auftritt. Anders als der häufige, kurze Babyblues hält sie mindestens zwei Wochen an und kann Wohlbefinden und Beziehung zum Kind stark belasten. Sie lässt sich behandeln, etwa mit Unterstützung im Alltag, Psychotherapie und bei Bedarf Medikamenten.

Was ist eine postpartale Depression?

Nach einer Geburt erwarten viele Menschen vor allem Freude und Glück. Bei einer postpartalen Depression fühlen sich Mütter dagegen über Wochen niedergeschlagen, ängstlich und oft schuldig. „Postpartal“ bedeutet „nach der Geburt“.

Davon zu unterscheiden ist der Babyblues, den laut Gesundheitsportal etwa 75 Prozent der Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung erleben. Dieses Stimmungstief vergeht meist nach wenigen Tagen von selbst. Hält die Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen an, kann eine Wochenbettdepression dahinterstecken.

Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erkranken bis zu 15 von 100 Frauen daran. Gemeint sind die ersten drei Monate nach der Geburt. Das Gesundheitsportal nennt einen Zeitraum von bis zu einem Jahr nach der Geburt. Die Diagnoseklassifikationen ICD-10 und ICD-11 sprechen vom Wochenbett, also etwa den ersten sechs Wochen.

Seit wann ist die Erkrankung bekannt?

Schon 1858 veröffentlichte der Pariser Arzt Louis-Victor Marcé ein umfassendes Werk über psychische Erkrankungen bei Schwangeren, Wöchnerinnen und stillenden Frauen.

Woran erkennt man eine postpartale Depression?

Typisch sind eine anhaltend gedrückte Stimmung mit häufigem Weinen, Ängste, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsprobleme, Grübeln und Selbstzweifel.

Im Unterschied zu Depressionen in anderen Lebensphasen haben Mütter oft starke Schuldgefühle gegenüber dem Baby. Es fällt ihnen schwer, sich um das Kind zu kümmern und einfühlsam zu reagieren. Manche haben Gedanken, sich selbst oder dem Baby zu schaden. Solche Gedanken sind meist zwanghaft, und laut IQWiG setzen die allermeisten Mütter sie nie in die Tat um. Trotzdem sollten sie rasch ärztlich besprochen werden.

Auch körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Zittern oder Schwindel sind möglich und gehören ärztlich abgeklärt. Väter können nach der Geburt ebenfalls in ein seelisches Tief geraten.

Wie entsteht eine postpartale Depression?

Häufiger erkranken Frauen, die schon einmal eine Depression oder Angststörung hatten. Weitere Risiken sind Stress und belastende Erlebnisse rund um Schwangerschaft und Geburt, Geldsorgen, Schwierigkeiten in der Partnerschaft, Gewalterfahrungen und wenig soziale Unterstützung. Welchen Einfluss die hormonellen Veränderungen haben, ist noch unklar.

Was hilft bei einer postpartalen Depression?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Bei einer leichten Depression können unterstützende Gespräche und praktische Hilfe im Alltag reichen, auch Hebammen beraten. Bei mittleren und schweren Formen sind Psychotherapie und Medikamente die wichtigsten Säulen. Als wirksam gelten etwa die kognitive Verhaltenstherapie und die interpersonelle Psychotherapie.

Antidepressiva kommen meist infrage, wenn Unterstützung und Psychotherapie allein nicht ausreichen. Die meisten gelten für das Kind als ungefährlich und werden vorsichtshalber möglichst niedrig dosiert. Kleine Mengen gelangen aber in die Muttermilch und können beim Kind vereinzelt Unruhe oder Benommenheit auslösen. Deshalb ist die Einnahme in der Stillzeit ärztlich zu besprechen. Johanniskraut ist in der Stillzeit kaum untersucht und kann die Wirkung der Pille und anderer hormoneller Verhütungsmittel abschwächen.

In schweren Fällen ist eine Aufnahme ins Krankenhaus nötig, teils auf Mutter-Kind-Stationen. Ohne Behandlung dauert eine Wochenbettdepression meist vier bis sechs Monate.

Vorbeugen lässt sich nicht immer. Unterstützung, etwa regelmäßige Hausbesuche von Hebammen oder die Frühen Hilfen, kann das Risiko aber senken.

Wer hilft in Österreich?

Erste Ansprechstelle sind Fachärzt:innen für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin), auch die Hausärztin oder der Hausarzt kann überweisen. Anlaufstellen in ganz Österreich listet die Broschüre „Eigentlich sollte ich glücklich sein…“ des Gesundheitsministeriums. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an.

Selten tritt nach einer Geburt eine Wochenbettpsychose mit Wahnvorstellungen auf. Sie ist ein psychiatrischer Notfall, dann ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)