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Interpersonelle Psychotherapie (IPT)

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Auf den Punkt gebracht

Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine zeitlich begrenzte Psychotherapie, die ursprünglich für Depressionen entwickelt wurde. Sie verbindet die Beschwerden mit dem, was gerade im Leben und in wichtigen Beziehungen geschieht, etwa einem Verlust, einem Konflikt oder einem Umbruch. Die IPT gehört zu den gut untersuchten Psychotherapien bei Depression.

Was ist Interpersonelle Psychotherapie?

„Interpersonell“ bedeutet zwischenmenschlich. Die IPT geht davon aus, dass Stimmung und Lebenssituation eng zusammenhängen. Eine Depression folgt oft auf einschneidende Veränderungen im Umfeld, und umgekehrt belastet die Depression die Beziehungen zu anderen. Die Therapie behauptet dabei nicht, die Ursache der Depression zu kennen. Sie nutzt den Zusammenhang praktisch: Gelingt es, das belastende Lebensproblem zu lösen, sollen auch die depressiven Beschwerden nachlassen.

Ein zweiter Grundsatz lautet, dass Depression eine behandelbare Erkrankung ist und nicht die Schuld der Betroffenen. Das soll von Selbstvorwürfen entlasten. Laut deutscher Behandlungsleitlinie verbindet die IPT bewährte Konzepte aus der Verhaltenstherapie und der psychodynamischen Therapie.

Woher kommt die IPT?

Die IPT entstand in einer Forschungsstudie, die 1969 in Neuengland geplant wurde. Der Psychiater Gerald Klerman und die damals frisch ausgebildete Sozialarbeiterin Myrna Weissman fügten einer Medikamentenstudie zur Depression eine Gesprächsbehandlung hinzu. Diese hieß zunächst „high contact“ und wurde später in IPT umbenannt. Theoretisch stützt sie sich auf Harry Stack Sullivan und Adolf Meyer, die die Bedeutung des sozialen Umfelds betonten, und auf die Bindungsforschung von John Bowlby. Das Behandlungshandbuch erschien 1984, erst nachdem andere Forschungsgruppen die Ergebnisse bestätigt hatten.

Wie läuft eine IPT ab?

Die IPT umfasst meist 12 bis 20 wöchentliche Einzelsitzungen in drei Phasen. Am Anfang stehen die Diagnose und ein Überblick über die wichtigen Beziehungen. Daraus ergibt sich ein Schwerpunkt aus einem von vier Problembereichen:

  • Trauer: ein Verlust, der nicht verarbeitet ist
  • Rollenkonflikt: ein anhaltender Streit mit einer wichtigen Person
  • Rollenwechsel: ein Umbruch wie Trennung, Umzug, neue Arbeit oder Krankheit
  • Soziale Isolation: wenn keines der drei anderen Ereignisse vorliegt und es an Beziehungen fehlt

In der mittleren Phase wird an diesem Bereich gearbeitet. Es geht etwa darum, eigene Wünsche auszusprechen, Ärger als verständliches Signal zu sehen und neue Schritte im Umgang mit anderen zu wagen. Schwierige Gespräche können vorab im Rollenspiel geübt werden. Formale Hausaufgaben gibt es nicht. Am Ende wird zurückgeschaut, was erreicht wurde. Bei wiederkehrenden Depressionen kann die IPT danach seltener, etwa monatlich, weitergeführt werden.

Wofür wird die IPT eingesetzt?

Die Weltgesundheitsorganisation zählt die IPT zu den wirksamen psychologischen Behandlungen bei Depression. In einer großen US-Studie schnitt sie bei mehreren Messgrößen ähnlich ab wie ein Antidepressivum. Angepasste Formen gibt es für Jugendliche, ältere Menschen und für Depressionen rund um die Geburt. Bei Bulimie gilt sie als Alternative, wenn keine kognitive Verhaltenstherapie verfügbar ist. Auch als Gruppen-, Paar- und Telefontherapie wurde sie erprobt.

Wo liegen die Grenzen?

Die IPT wurde nie als Behandlung für alle Beschwerden gedacht. Bei Suchterkrankungen zeigte sie in mehreren Studien keinen Nutzen, bei Magersucht kaum. Für andere Einsatzgebiete wie soziale Angst oder Posttraumatische Belastungsstörung gab es schon vor Jahren vielversprechende, aber noch weniger gesicherte Ergebnisse.

In Österreich ist die IPT keine eigene anerkannte Psychotherapiemethode. Psychotherapie dürfen hier nur Personen ausüben, die in die Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Weil depressive Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)