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Dissoziativer Subtyp der PTBS

04:51

Auf den Punkt gebracht

Beim dissoziativen Subtyp der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kommen zu den typischen PTBS-Beschwerden Gefühle der Entfremdung von sich selbst oder von der Umgebung hinzu. Diese Unterform beschreibt das in den USA gebräuchliche Diagnosehandbuch DSM-5. Eine eigene Diagnose namens „posttraumatische Dissoziationsstörung“ gibt es in der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation nicht.

Gibt es eine „posttraumatische Dissoziationsstörung“?

In der ICD-11 bilden Störungen, die speziell mit Belastungen zusammenhängen, eine eigene Gruppe. Dazu gehören etwa die PTBS, die komplexe PTBS und die Anpassungsstörung. Dissoziative Störungen bilden eine getrennte Gruppe, die im Glossareintrag „Dissoziative Störungen“ beschrieben ist. Eine Diagnose, die beide Begriffe zu „posttraumatischer Dissoziationsstörung“ verbindet, findet sich in keiner der beiden Gruppen. In Österreich wird die PTBS zudem nach der älteren ICD-10 diagnostiziert.

Was ist der dissoziative Subtyp?

Menschen mit dieser Unterform haben alle Beschwerden einer PTBS, also etwa ungewolltes Wiedererleben, Vermeiden von Erinnerungen und übermäßige Wachsamkeit. Zusätzlich erleben sie Depersonalisation, also das Gefühl, sich selbst und dem eigenen Körper fremd zu sein. Oder sie erleben Derealisation, bei der die Welt unwirklich oder traumartig wirkt. Beides kann auch gemeinsam auftreten.

Vorgeschlagen wurde der Subtyp von Forschenden, die in Studien mit Veteran:innen und mit Zivilpersonen eine eigene Untergruppe mit solchen Beschwerden fanden. In einer Studie mit 134 Zivilpersonen mit PTBS, meist nach Missbrauch in der Kindheit, gehörte etwa ein Viertel dazu. Diese Gruppe hatte mehr zusätzliche psychische Erkrankungen und häufiger Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit erlebt.

Wie sieht die ICD-11 das?

Die ICD-11 kennt keinen solchen Subtyp. Sie nennt dissoziative Beschwerden als häufige Begleiterscheinung einer PTBS, besonders während des Wiedererlebens wie bei Flashbacks. Treten deutliche dissoziative Beschwerden auch außerhalb dieser Momente auf und sind alle Kriterien erfüllt, kann zusätzlich eine dissoziative Störung festgestellt werden. Bei der komplexen PTBS zählt die ICD-11 dissoziative Beschwerden unter Stress zu den Problemen, Gefühle zu regulieren.

Das DSM-5 kennt umgekehrt keine komplexe PTBS. Laut der deutschen S3-Leitlinie zur PTBS können schwer beeinträchtigte Patient:innen dort als dissoziativer Subtyp eingeordnet werden. Systematische Vergleiche der beiden Konzepte stehen noch aus.

Wie wird behandelt?

Die S3-Leitlinie empfiehlt bei PTBS allgemein eine traumafokussierte Psychotherapie. Ob dissoziative Beschwerden den Erfolg einer Psychotherapie schmälern, galt als ungeklärt. Eine frühe Übersichtsarbeit zum Subtyp berichtete von einem anderen Ansprechen auf kognitive Verhaltenstherapie. Eine Auswertung von 21 Studien mit 1.714 Patient:innen fand dagegen keinen Zusammenhang zwischen Dissoziation vor Behandlungsbeginn und dem Therapieerfolg. Die Qualität mancher dieser Studien war allerdings gering.

Eine vorbereitende Phase vor der Traumabearbeitung sieht die S3-Leitlinie nur in besonderen Fällen vor, etwa bei schwerer Dissoziation, die den Fortschritt der Therapie behindert. Ob Medikamente dissoziative Beschwerden bei PTBS lindern, wurde nur in sehr wenigen Studien untersucht. Eine Empfehlung dazu konnte die Leitlinie nicht geben.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Auch Kriseninterventionseinrichtungen und Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie helfen weiter. Das Gesundheitsportal rät, auf eine traumaspezifische Zusatzqualifikation zu achten.

Bei einer PTBS können auch Gedanken an Suizid auftreten. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)