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Depersonalisation

04:52

Auf den Punkt gebracht

Depersonalisation ist das Erleben, sich selbst fremd oder unwirklich zu sein, als würde man die eigenen Gedanken, Gefühle oder den eigenen Körper von außen beobachten. Kurze Momente davon kennen viele Menschen, etwa bei großer Erschöpfung oder Stress. Halten solche Zustände an oder kehren sie immer wieder und belasten stark, sprechen Fachleute von einer Depersonalisations-Derealisationsstörung.

Wie fühlt sich Depersonalisation an?

Betroffene beschreiben sich als Beobachter:innen ihres eigenen Lebens oder fühlen sich wie ein Automat. Gefühle und Körperempfindungen können wie betäubt sein, auch das Zeitgefühl verändert sich häufig. Dazu kann Derealisation kommen. Dann wirkt die Umgebung wie im Traum oder im Nebel, leblos, farblos oder wie hinter einer Glasscheibe.

Typisch ist, dass Betroffene dabei wissen, dass ihr Erleben nicht der Wirklichkeit entspricht. Das unterscheidet Depersonalisation von einer Psychose. Trotzdem fürchten viele, verrückt zu werden oder einen Hirnschaden zu haben.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort bedeutet so viel wie Verlust des Persönlichkeitsgefühls und ist mit der Vorsilbe „de-“ gebildet. Als Fachbegriff verwendete es 1898 zuerst Ludovic Dugas, angeregt durch eine Formulierung im Tagebuch „Journal intime“ von Amiel. Ähnliche Beschwerden beschrieben schon vorher etwa Esquirol und Griesinger, allerdings unter anderen Namen. In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation zählt die Depersonalisations-Derealisationsstörung heute zu den dissoziativen Störungen.

Wann ist Depersonalisation eine Störung?

Vorübergehend ist Depersonalisation häufig. Etwa die Hälfte aller Menschen hat Depersonalisation oder Derealisation schon einmal erlebt. Auslöser sind etwa Lebensgefahr, große Müdigkeit, Schlafmangel oder Drogen wie Cannabis, Halluzinogene, Ketamin oder Ecstasy. Solche Zustände vergehen meist wieder, wenn sich die Lage ändert. Depersonalisation kann außerdem Teil anderer Erkrankungen sein, etwa von Panikattacken, Depressionen, einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Anfallskrankheit.

Von einer Störung sprechen Fachleute erst, wenn die Erlebnisse anhalten oder wiederkehren und keine andere Ursache sie besser erklärt. Außerdem müssen sie stark belasten oder den Alltag beeinträchtigen. Das betrifft etwa 1 bis 2 Prozent der Menschen, Männer und Frauen gleich häufig. Laut WHO beginnt die Störung meist in der mittleren Jugend, nach dem 25. Lebensjahr nur sehr selten.

Oft gingen schwere Belastungen voraus, etwa emotionaler Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit. Dieser Zusammenhang ist laut WHO aber schwächer als bei anderen dissoziativen Störungen, und manchmal ist kein Auslöser zu erkennen. Stress, Angst, Reizüberflutung und Schlafmangel können die Beschwerden verstärken.

Wie wird Depersonalisation behandelt?

Zuerst schließen Ärzt:innen andere Ursachen aus, etwa eine Anfallskrankheit oder Drogenkonsum. Dazu dienen eine körperliche Untersuchung und manchmal Bildgebung des Gehirns, eine Messung der Hirnströme oder Blut- und Urintests.

Behandelt wird vor allem mit Psychotherapie, wobei verschiedene Methoden manchen Betroffenen geholfen haben. Kognitive Methoden sollen das ständige Grübeln über das Unwirklichkeitsgefühl unterbrechen. Sogenannte Erdungsübungen nutzen starke Sinnesreize, etwa laute Musik oder ein Stück Eis in der Hand, um den Moment wieder deutlicher wahrzunehmen. Psychodynamische Ansätze arbeiten mit belastenden Gefühlen und Erfahrungen, die das Bedürfnis nach innerem Abstand auslösen.

Kein Medikament hat sich bisher als wirksam gegen die Störung erwiesen. Angstlösende Mittel und Antidepressiva können begleitende Angst oder Depressionen lindern. Angstlösende Mittel können die Depersonalisation aber auch verstärken, deshalb kontrollieren Ärzt:innen ihre Einnahme engmaschig. Eine Übersichtsarbeit fand nur 41 Studien mit zusammen 300 Teilnehmenden, ihre Qualität war meist gering.

Der Verlauf ist unterschiedlich. Die WHO beschreibt ihn meist als langwierig, laut MSD Manual bessert sich die Störung aber häufig auch ohne Behandlung. Erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie, Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)