Nach der Matura, als ich 18 war, haben meine Eltern natürlich gesagt, ich muss auf die Uni, das Kind muss was Gescheites lernen, das Kind ist ja nicht deppert, das Kind wollte aber eigentlich was ganz anderes machen. Aber meine Eltern hätten mir diesen künstlerischen Beruf nicht gestattet, also Schauspiel oder Kabarett, das war fernab jeglicher Überlegung. Dann habe überlegt, was interessiert mich, was könnte ich studieren?
Ernährungswissenschaften ist mir eingefallen. Ich habe in diesen Fächern maturiert und Ernährung ist einfach ein Thema, das einen immer betrifft. Also mein Lieblingskapitel, was den menschlichen Körper betrifft, ist die Verdauung. Und da war es dann irgendwie naheliegend, dass ich Ernährungswissenschaften mache und das interessiert mir bis heute. Ich habe es nicht ganz fertig studiert, weil ich in der Zwischenzeit dann schon beschlossen hatte, ich möchte doch die Kurve kratzen und in Richtung Schauspiel und Kabarett gehen.
Nichtsdestotrotz ist das ein Thema Ernährung, das mich interessiert. Das betrifft jeden von uns tagtäglich und das möchte ich auch immer im Bewusstsein haben und das beschäftigt mich jeden Tag. Aber ich muss nicht beruflich ausüben, das war mir immer klar. Und darum habe ich dann mit 21 diese Kurve gekratzt in Richtung künstlerisches Dasein und habe mich einfach heimlich, ohne dem Wissen meiner Eltern, bei einer Schauspielschule angemeldet.
Da gab es auch keinen Plan B mehr zu dem Zeitpunkt, da habe ich gewusst, ich bin auf Kurs, ich will das machen, es gibt nichts anderes mehr. Weil mich alle meine Freunde damals so gefragt haben was ist, wenn sie das nicht nehmen, da brauchst du ja einen Plan B. Da habe gesagt, nein, jetzt bin ich gerade den Plan B gefahren ein paar Jahre lang, aber jetzt komme ich zu Plan A. Und die haben mich dann damals auch genommen.
Ich wurde aufgenommen in der Schauspielschule Krauss, habe die mit Begeisterung absolviert und während der Schauspielschule hat sich schon eine Kabarett-Formation mit drei Burschen aus meinem Jahrgang, ich muss sagen Burschen, damals waren wir noch so jung. Wir haben einen Sketch geschrieben, sind mit dem zum Grazer Kleinkunstpreis damals gefahren, ist jetzt über 20 Jahre her, haben den gewonnen und somit auch einen einstündigen Auftritt. Wir haben aber nur zehn Minuten Sketch gehabt und dann haben wir ein ganzes Programm geschrieben und sind schon mal so durch die Lande getingelt und da muss ich sagen, war die Schauspielschule Krauss sehr offen dafür, weil wenn du in diesem Beruf Fuß fassen willst, musst du praktizieren.
In der Theorie ist alles schön, du kannst in dem Saal umadum hupfen mit 19 anderen, du kannst deine Monologe auswendig lernen und du Sprechtechnik lernen und singen, aber du musst den Beruf einfach ausüben, das ist für mich das Allerwichtigste gewesen und da waren sie sehr kulant und haben uns wirklich auf Tournee fahren lassen, auch während dem Unterricht und uns trotzdem die Abschlussprüfung abgenommen und somit habe ich schon einen Fuß in einer offenen Türe drinnen gehabt. Das reichte nicht natürlich, weil ich wollte natürlich weiterkommen ist eh klar, und habe dann eines Tages einfach beim Alfred Dorfer, der war so bisschen mein, würde ich mal sagen, damals fast Idol. Von dem habe ich jedes Programm auswendig können, nicht, dass ich so sein wollte wie er, aber der hat mich fasziniert, der war intellektuell und gschert zugleich, der war für mich so die Kombination eines intellektuellen Proleten. Hoffentlich nimmt er mir das nicht übel, wenn er das jemals hört, aber das hat mich beeindruckt diese Kombination, ich habe gedacht, ein bisschen bin ich auch so, ein bisschen.
Habe an seine Garderobentür geklopft, habe einfach frech gesagt, ich bin die Geli Niedetzky, ich möchte auch gerne Solo-Cabaret machen, was kann ich da tun, ich möchte ein Schauspiel probieren und er hat mir damals eine Agentur gesagt, wo man ein bisschen Statisterie ausprobieren konnte, beim Film, das habe ich dann sofort gemacht. Ansonsten hat er gesagt, ich soll Texte schreiben und ich kann ihm die gerne bringen, er würde sich die durchlesen und mir Feedback geben. Gesagt, getan, das Studium war eh schon längst unter ferner liefen, die Schauspielschule hat begonnen, meine Eltern haben es erfahren, waren wenig begeistert, meine Mutter hat dreimal am Tag angerufen und gefragt, wie geht es jetzt weiter, habe ich gesagt, lass dir einmal Zeit.
Und ich habe Texte geschrieben und dem Alfred Dorfer dann, im Orpheum, im 22. in Wien, eine alteingesessene Cabaret-Location, wo ich mittlerweile auch selber oft gespielt habe, oft genug, dort habe ich meine Texte gebracht dorthin und mit den Worten rüber mit dem Silber hat er die genommen und hat gesagt, in 14 Tagen spiele ich in der Kulisse im 17. und da bekommst du dann von mir ein ehrliches Feedback.
Diese 14 Tage, wo ich da warten musste auf das Feedback von dem Alfred Dorfer, waren ärger wie vor der Matura damals das Gefühl, weil ich mir gedacht habe wenn der jetzt sagt, das ist ein "Schaß", kann ich den Beruf vergessen. Das war die Instanz für mich, die entscheidet, ob das was wird oder nicht. Der Alfred hat mir damals die Texte zurückgegeben in der Kulisse mit den Worten Outstanding, dass eine Frau sowas sich traut, du musst unbedingt dranbleiben.
Wir reden von 1997. Da hat es noch nicht viele Frauen im Cabaret gegeben. Und das war der Grundstein, der mir einfach das Selbstbewusstsein gegeben hat, ich bin am richtigen Pfad, ich ziehe das durch. Es hat ja noch paar Jahre gedauert, bis ich meinem ersten Solo Cabaret rausgekommen bin, ich habe gewusst, wenn der Fredi sagt, das pfeift, dann gibt es kein Zurück mehr.