Es hat eine Zeit in meinem Leben gegeben, das war eben so Ende der 90er Jahre, wo man an mir nicht vorbeigekommen ist. Das war wurscht, wenn man den Fernseher aufgehabt hat, bin ich entweder im Kaisermühlenblues oder in MA 2412 oder im Kino zu sehen gewesen und auf der Bühne habe ich riesige Hallen gefüllt. Da hat es eine Phase gegeben, wo einfach die Häuser in Wien zu klein waren. Also die waren nicht zu klein, sondern einfach der Druck des Publikums war so groß, dass die Leute irrsinnig verärgert waren, dass sie keine Karten kriegen für mich.
Da sind einige gekommen am Tag des Vorverkaufsbeginns, sind sie gegangen ins Orpheum oder was und haben sechs Karten gekauft. Weil sie gewusst haben, die können sie weiterverkaufen. Und das haben wir irgendwie beklagt, dass es in Wien nicht irgendetwas gibt, was so ein Format hat, was es jetzt gibt, das Globe oder so, so tausend Leute oder so. Das wäre ideal gewesen. Hat es damals nicht gegeben.
Und im Stadtsaal hat es damals auch noch nicht gegeben. Und dann sagt einer am Tisch, da sind wir in der Kulisse beieinander gesessen: „Na, spielt das gleich in der Stadthalle.“ Alle haben gelacht und bei mir ist es still geworden. Und der Erich, der Schindlecker, mein Manager, hat gesagt: „Man kann dort anrufen." Sage ich: „Ja, bitte ruf dort einmal an." Dann hat er angerufen und gesagt: „Grüß Gott, mein Name ist Schindlecker, ich bin Veranstalter, also Vertreter von Roland Düringer und der würde gerne in der großen Stadthalle spielen." Und da ist still geworden am anderen Ende und die Dame hat gesagt: „Ich gebe Ihnen einen Rat: Tun Sie das nicht.
Mehr als tausend Leute kommen zu so etwas nicht." Und haben wir gesagt: „Na, jetzt hast du recht." Dann haben wir einen Tag gebucht und haben gesagt: „Schau mal, ist ja wurscht. Wenn es geht, geht es." Und ich glaube, innerhalb von zehn Tagen war der erste Gig ausverkauft. Haben wir gesagt, nehmen wir einen zweiten, machen wir einen zweiten auf.
Vierzehn Tage später auch ausverkauft. Haben wir gesagt, nehmen wir einen dritten. Hat sie gesagt: „Das geht nicht. Da ist schon verbucht." Und dann bin ich in die Stadthalle hinein. Da ist so ein A4 Zettel am schwarzen Brett, wenn du hinten beim Portier hineingehst, wo steht, wer spielt. Da ist gestanden, Dylan, Düringer, Düringer, Springsteen. Da habe ich gesagt, okay, das hätte ich auch nicht gedacht irgendwann, aber trotzdem, das war ein Gag, dass wir das machen.
Und zum Spielen ist es nicht super dort. Also da stehst du irgendwie, das ist vollkommen anonym, eine riesige Halle. Da verliert sich alles. Das ist nicht so, dass du sagst, das war ein toller Auftritt. Also das weiß ich überhaupt nicht. War normal. Also eher schlecht, als wenn ich woanders spiele, weil ich brauche das, dass die Leute da sind. Das brauche ich für das, was ich mache.
Aber es ist dann nicht so gewesen, na ja gut, jetzt müssen wir ins Weststadion als Nächstes. Nein, überhaupt nicht. Weil da war ich schon, dass ich mir gedacht habe, wozu eigentlich? Wozu? Damit ich irgendjemandem erzählen kann, ich habe in der Stadthalle schon einmal gespielt? Also brauche ich nicht. Und dasselbe ist passiert eigentlich auch damals mit Hinterholz 8. Wo auch keiner damit gerechnet, dass das so einschlägt, der Kinofilm.
Und wir dann nicht sofort gewusst haben, was da jetzt los ist im Kino, ist der Produzent gekommen und „Was machen wir als Nächstes?" Und ich habe gesagt: „Na, gar nichts. Weil was willst du denn jetzt noch machen? Ab jetzt können wir nur mehr verlieren." „Nein, wir müssen was machen." Und so, dann haben wir halt Poppitz gemacht. Und da war so der Hintergrund, vielleicht kommen wir auch in Deutschland damit.
Vergiss es. Interessiert keinen Menschen. Einen Herrn Düringer interessiert kein Mensch in Deutschland, kennt keinen Herrn Düringer, außer ein paar in München vielleicht. Das ist wurscht. War auch viel Publikum, fünfhundert oder vierhundertfünfzigtausend. War auch viel, aber trotzdem. Es ist wurscht und um das geht es im Leben nicht. Das ist vollkommen bedeutungslos. Das war mir auch immer wurscht. Man lässt sich halt nur anstecken, dass die anderen g**l darauf sind, jetzt tust du halt auch mit. Aber es bringt nichts. Es macht nur mehr Arbeit, mehr Stress und du hast viele Feinde.
Das ist wahrscheinlich nicht nur in Österreich, also wenn du Erfolg hast, kann es sicher sein, dass die viele hassen. Vor allem, wenn du mit etwas, was ganz simpel ist, Erfolg hast. Wenn du irgendetwas ganz, ganz gut kannst, dann denken die natürlich schon. Aber wenn du jetzt mit ein bisschen Schmäh, sind andere, die glauben sie machen die hohe Kunst natürlich verbittert.
Das ist auch klar. Aber weil sie immer eines ausblenden, das sind die, die kommen. Und wie ticken die? Und dafür musst du auch spielen. Ich bin halt aus dem zehnten Bezirk. Ich bin mit ganz normalen Leuten aufgewachsen. Meine Haberer, wie gesagt, sind Automechaniker, Motorradrennfahrer, Bauern, also ganz normale Leute. Ich weiß, wie die funktionieren und darum kann ich auch für die was machen, wenn ich will. Ich kann was anderes auch machen, dann sind sie aber verärgert. Das habe ich ausprobiert und das hat funktioniert.
Aber ich weiß, wie die funktionieren. Und das Schlimmste, was man machen kann, irgendwas auf der Bühne machen und dann sagen, die sind zu blöd dafür, die verstehen das nicht, diese Proleten da. Da weiß ich noch, nach Muttertag, wo es darum gegangen ist, dass ich Hinterholz eingereicht gehabt habe damals, wo es irgendwie das Thema, ob man wieder Geld kriegt und wir haben geglaubt, natürlich. Nein, Hinterholz 8 ist nicht gefördert worden von der österreichischen Filmförderung.
Und da weiß ich noch, da hat dann einer gesagt, weil das Argument war in einem Moment bei Indien und bei Muttertag, da waren fast 100.000 Leute im Kino. Das war für damals irre, eine irre Zahl. Also eigentlich wäre es gerechtfertigt, dass man die weiter Filme machen lässt. Dann ist eine Aussage gefallen, die hat man mir zugetragen, weil die Leute kennen die, die da drin gesessen sind, dass einer gesagt hat: „Nur weil sich 100.000 Proleten einen Film anschauen, heißt das nicht, dass der Film gut ist."
Und das geht halt nicht. Wenn ich steuerfinanziert bin, die Proleten finanzieren mein Leben eigentlich. Und dann sage ich, die Proleten, für die, nein, das geht nicht. Das geht nicht. Und da ist der freie Markt. Die zahlen Eintritt. Ist ganz einfach. Und wenn es ihnen gefällt, kommen sie, wenn nicht, nicht. Punkt.