Warum auch immer meine Mutter hat beschlossen, mich im Alter von sechs Jahren in ein Internat zu geben? Ein Teil davon war sicher auch, weil mein Vater polnische Jude ist und wirklich sehr sehr viele jüdische Familien, wenn sie mit nicht jüdischen Frauen verheiratet waren, auch Panik gekriegt haben. Und wenn sie nicht allzu gläubig waren, haben sie dann die Kinder sehr gerne in so katholische Schulen geschickt, damit nichts mehr passieren kann.
Das war vielleicht das einzige Positive, was ich jetzt einmal sagen kann, warum man mich ansonsten verstehe ich es ja nicht, warum man so ein kleines Kind ins Internat steckt. Das Internat selber kann ich jetzt nicht nur verurteilen, denn was ich dort gelernt habe, sagen wir mal, das Positive daran war, ich habe gelernt, vielen Leuten auszukommen. Das heißt, mich kann man wohinstecken und ich finde mich zurecht.
Schüchternheit war sofort weg. Also ich habe mich immer zurechtgefunden, das hat mir später sehr geholfen. Auch, dass ich sehr sozial veranlagt bin, das muss man in so einer Gruppe sein, weil sonst ist man sehr allein da drinnen. Vier Jahre als Kind da drin war es schon so, dass ich nur 36 Stunden in der Woche zu Hause war, und das war schon sehr wenig.
Und in diesen 36 Stunden, wo meine Mutter auch noch in Scheidung war, ich also eigentlich, Großmutter gebracht, dann hat mich die Mutter geholt und am nächsten Tag hat sie mich wieder ins Internat geführt. Also ich war sehr umtriebig am Wochenende und war irgendwie nie irgendwo wirklich zu Hause. Die Auswirkungen, es gehabt hat, ist, dass ich zum Beispiel, wenn man sich meine Männer oder besser gesagt mittlerweile nur bei einem Mann der hat am Anfang sehr darunter gelitten, dass ich immer wissen wollte, wenn er ausgegangen ist allein, was kein Problem für mich war, wann er heimkommt.
Und er hat gesagt, na, wann es ihn nicht mehr freut. Sag ich, nein, du musst mir eine Uhrzeit sagen. Sagt er, ich weiß es doch noch nicht. Dann sag von mir aus, du kommst um 4 Uhr in der Früh oder um 5 Uhr in der Früh. Das ist mir egal, ich muss nur eine Zeit haben. Das ist so ein Schuss, den ich vom Internat noch weg habe.
Weil ich wurde reingesteckt und wusste nie, wann ich geholt werde, weil mit sechs Jahren kapiert man nicht, wann Samstag ist. Das geht sich noch nicht aus. Man kann die Uhr das lernt man alles erst. Das heißt, ich war weg und habe immer das Gefühl gehabt, ich werde nie wieder geholt. Mit zehn Jahren habe ich dann schon kapiert.
Aber vorher gar nicht. Und dasselbe war dann im Privatleben. Also wenn jemand sich etwas mit mir ausmacht, dann muss er sich dran halten. Und das hat immer funktioniert. Also zum Beispiel, wenn mein Mann gesagt hat, er kommt um 2 Uhr. Und er war früher da, da mir das vollkommen wurscht. Aber wenn ich um 2 Uhr aufgewacht bin und er war noch nicht da, bin ich komplett panisch geworden.
Aber nicht, dass er jetzt irgendwas Böses tun könnte, sondern einfach das sind Verlustängste. Die kriegt man, wenn man Internatskind ist. ist der Nachteil dort. Ansonsten kann ich nur sagen, Vorteile war, dass ich mich sonst im Leben dafür sehr gut zurechtgefunden habe. bin dann später mit zehneinhalb meine Mutter noch einmal geheiratet. Ich kam dann in die Steiermark. Das heißt ich habe ganz neue Freundinnen wieder gehabt, musste mich wieder in einer Klasse komplett zurechtfinden.
Ins Internat bin ich übrigens auch um 3 Wochen zu spät gekommen. Ich habe Mumps gehabt, alle haben sich schon gekannt, ich noch niemanden. Nach 4 Jahren Steiermark wieder zurück nach Mödling. In Mödling wieder neue Schule, wieder alles neu, neue Freundinnen kennengelernt. Und so hat sich das eigentlich durchgezogen bei mir. Aber ich habe es immer geschafft, der Klasse war ich immer bei den oberen 5 dabei.
Ich habe immer geschaut, dass ich in der Hierarchie oben bin. Es ist gelungen. glaube, dieses Durchsetzen und mich überall zurechtfinden, das hat sicher das Internat bewirkt, dass das möglich ist. Bei mir, bei anderen vielleicht nicht. Empfehlen würde ich es trotzdem nicht, jemanden in dem Alter in ein Internat zu stecken. finde, 6 Jahre ist schon bisschen zu klein.
Das ist nicht so günstig