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Tanztherapie

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Auf den Punkt gebracht

Tanztherapie nutzt Tanz und Bewegung gemeinsam mit dem therapeutischen Gespräch, um Gefühle auszudrücken und seelische Vorgänge zu bearbeiten. Sie zählt zu den künstlerischen und körperorientierten Therapien und wird auch Tanz- und Bewegungstherapie genannt. In Österreich ist sie keine anerkannte Psychotherapiemethode.

Was ist Tanztherapie?

Der US-amerikanische Fachverband beschreibt Tanztherapie als psychotherapeutische Nutzung von Bewegung. Sie soll das emotionale, soziale, geistige und körperliche Zusammenspiel eines Menschen fördern und so zu Gesundheit und Wohlbefinden beitragen. Bewegung gilt dabei als Sprache, die ebenso wichtig ist wie das gesprochene Wort.

Der deutsche Berufsverband versteht Tanztherapie als künstlerische und körperorientierte Psychotherapie. Sie geht davon aus, dass körperliche, emotionale, geistige und soziale Vorgänge eine Einheit bilden und aufeinander wirken. Tanztherapie wird laut dem Verband in verschiedenen Therapierichtungen angewendet, etwa in tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen oder systemischen.

Woher kommt die Tanztherapie?

Als eigenes Fachgebiet entstand die Tanztherapie in den 1940er-Jahren in den USA. Viele der frühen Wegbereiter:innen waren erfahrene Tänzer:innen. Als prägende Figur gilt die Tänzerin Marian Chace, die in ihrem Unterricht zunehmend den tanzenden Menschen statt der Tanztechnik in den Mittelpunkt stellte.

Ab 1942 arbeitete Chace in einem psychiatrischen Krankenhaus in Washington, 1947 wurde sie dort die erste hauptamtliche Tanztherapeutin. 1966 wurde der US-amerikanische Fachverband gegründet, Chace war seine erste Präsidentin.

Wie läuft eine Tanztherapie ab?

In der Tanztherapie dienen Alltagsbewegungen und Tanz als Ausdruck eigener Gefühle und als Weg, mit anderen in Kontakt zu treten. Die Therapeutin oder der Therapeut beobachtet etwa Muskelspannung, Atmung, Haltung und die Dynamik der Bewegungen. Bewegung ist dabei zugleich Mittel der Einschätzung und der Behandlung.

Der deutsche Berufsverband beschreibt, dass die Arbeit bei den gesunden Anteilen der Persönlichkeit beginnt. Im weiteren Verlauf werden neue Bewegungsmöglichkeiten und Handlungsweisen erprobt. Das Gespräch hilft, das Erlebte bewusst zu machen und einzuordnen. Tanztherapie findet einzeln, als Paar, mit der Familie oder in der Gruppe statt.

Was unterscheidet Tanztherapie von der Konzentrativen Bewegungstherapie?

Beide arbeiten mit dem Körper, haben aber einen anderen Schwerpunkt und rechtlichen Status. Die Konzentrative Bewegungstherapie setzt bei der bewussten Körperwahrnehmung im Hier und Jetzt an und ist in Österreich eine anerkannte Psychotherapiemethode. In der Tanztherapie stehen Tanz und Bewegung als Ausdrucksmittel im Vordergrund. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Konzentrative Bewegungstherapie“.

Wer bietet Tanztherapie in Österreich an?

Tanztherapie steht nicht auf der Liste der in Österreich anerkannten Psychotherapiemethoden. Der österreichische Berufsverband für Tanz- und Ausdruckstherapie legt eigene Ausbildungsstandards fest. Er setzt sich nach eigener Angabe für eine gesetzliche Grundlage und den Schutz der Berufsbezeichnung ein. Laut AMS-Berufslexikon ist Tanz- und Ausdruckstherapie eine mögliche Weiterbildung, etwa für Bewegungstherapeut:innen.

Die Behandlung krankheitswertiger psychischer Störungen ist laut Sozialministerium Psychotherapeut:innen, Klinischen Psycholog:innen und Fachärzt:innen für Psychiatrie vorbehalten.

Wie gut ist Tanztherapie untersucht?

Die Studienlage ist dünn und je nach Einsatzbereich unterschiedlich. Cochrane-Übersichten fanden bei Depression nur drei kleine Studien, die keine sicheren Schlüsse zulassen. Bei Schizophrenie lag nur eine Studie vor, bei Demenz ebenfalls. Bei Krebs fand sich in drei kleinen Studien kein Beleg für eine Wirkung auf Depression, Angst, Stress oder Erschöpfung, einzelne Studien deuten auf eine bessere Lebensqualität hin.

Eine Metaanalyse von 2019 fand für Tanztherapie kleine, aber einheitliche Effekte, etwa auf Depression, Angst und Lebensqualität. Die Fachleute weisen jedoch auf methodische Schwächen vieler Studien hin.

Wo liegen die Grenzen?

Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung können körperorientierte und kreative Therapien laut IQWiG die Annäherung an das Trauma unterstützen. Bei schweren Traumatisierungen sind sie aber nicht zur alleinigen Behandlung geeignet, die Verarbeitung findet dann in der Psychotherapie statt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (16)