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Körperorientierter Ansatz

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Auf den Punkt gebracht

Ein körperorientierter Ansatz bezieht in Psychotherapie oder Beratung neben dem Gespräch bewusst den Körper ein, etwa Wahrnehmung, Haltung, Atmung und Bewegung. Es handelt sich um einen Sammelbegriff und nicht um eine einzelne Methode. In Österreich ist die Konzentrative Bewegungstherapie eine anerkannte psychotherapeutische Methode, die ausdrücklich beim Körper ansetzt.

Was ist ein körperorientierter Ansatz?

Körperorientiert arbeiten Fachleute, wenn sie seelische Vorgänge auch über den Körper zugänglich machen. Eine gemeinsame Definition gibt es nicht, weil solche Ansätze in sehr unterschiedlichen Therapierichtungen vorkommen. Nach einer Definition von Ulrich Geuter setzt Körperpsychotherapie psychologische und körperliche Mittel gleichwertig und fortlaufend verbunden ein.

Fachleute unterscheiden außerdem zwischen Körpertherapie und Körperpsychotherapie. Körpertherapie richtet sich auf das Körpererleben, um das körperliche und seelische Wohlbefinden zu steigern. Körperpsychotherapie erfüllt darüber hinaus die Anforderungen einer Psychotherapie, also einen geplanten Prozess mit theoretischer Grundlage, klaren Behandlungszielen und einer tragfähigen Beziehung.

Woher kommt der Ansatz?

Die Wurzeln reichen zu den Anfängen der Psychotherapie zurück. Schon die Begründer der Psychoanalyse sahen körperliche Spannungen als Ausdruck seelischer Konflikte. Als Ausgangspunkt der Körperpsychotherapie gilt die psychoanalytische Arbeit von Wilhelm Reich. Er wurde 1897 im damals österreichischen Galizien geboren, studierte in Wien Medizin und wurde 1920 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

Eine zweite Wurzel liegt in der Gymnastikbewegung der 1920er-Jahre. Elsa Gindler ließ ihre Schüler:innen Bewegungen wahrnehmen und spüren, statt sie mechanisch auszuführen. Ihre Schülerin Gertrud Heller setzte diese Arbeit bei psychisch Kranken ein. Der Arzt Helmuth Stolze führte sie 1958 als „Konzentrative Bewegungstherapie“ ein.

Welche Methoden arbeiten körperorientiert?

In Österreich gehört die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) zu den anerkannten Psychotherapiemethoden der psychoanalytisch-psychodynamischen Ausrichtung. Sie geht den Weg der bewussten Körperwahrnehmung im Hier und Jetzt, vor dem Hintergrund der eigenen Lebensgeschichte, und arbeitet mit Handeln, Interaktion und Gespräch, oft auch mit Gegenständen. Erinnerungen, die sich in Haltung, Bewegung und Verhalten zeigen, sollen so erlebbar und besprechbar werden. Heute wird die KBT vor allem als Einzeltherapie angeboten.

Auch andere anerkannte Methoden beziehen den Körper ein. Die Integrative Gestalttherapie kann neben dem Gespräch Körper- und Bewegungsarbeit nutzen. Die Autogene Psychotherapie beginnt mit einer Technik, sich auf das eigene Körpererleben einzustellen.

Außerhalb der Psychotherapie können Lebens- und Sozialberater:innen körper-, bewegungs-, atmungs- und entspannungsorientierte Verfahren einsetzen. Psychotherapie gehört aber nicht zu ihrem Gewerbe. Krankheiten und psychische Störungen festzustellen und zu behandeln, ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten, bei psychischen Leidenszuständen auch Psychotherapeut:innen sowie Klinischen und Gesundheitspsycholog:innen.

Was sagt die Forschung?

Die Studienlage ist noch dünn. Eine Meta-Analyse von 2021 fasste 18 randomisierte Studien zur Körperpsychotherapie zusammen und fand mittlere Effekte auf seelische Beschwerden und Belastung. Gegenüber aktiven Vergleichsgruppen, etwa Pilates oder Massage, fielen die Unterschiede kleiner aus. Die Autor:innen fordern größere, hochwertige Studien und mahnen, mögliche Nebenwirkungen, zum Beispiel bei Traumafolgen, nicht zu vernachlässigen.

Einzelne Studien zeigen auch keinen Nutzen. In einer großen Studie mit 275 Menschen mit Schizophrenie brachte Körperpsychotherapie in der Gruppe gegenüber Pilates keine klinisch relevante Besserung der sogenannten Negativsymptome. Zur KBT selbst lagen einer älteren Übersicht zufolge nur wenige Studien vor.

Worauf ist bei der Wahl zu achten?

Weil seelische Beschwerden auch körperliche Ursachen haben können, ist eine medizinische Abklärung nötig. Zuschüsse der Krankenversicherung gibt es in der Regel nur für Psychotherapie bei einer krankheitswertigen psychischen Störung mit ärztlicher Bestätigung. Für reine Beratung oder Persönlichkeitsentwicklung zahlt die Kasse nicht. Wer in Österreich Psychotherapie ausüben darf, steht in der öffentlichen Psychotherapeutenliste des Ministeriums.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (11)