Was ist biodynamische Körpertherapie?
Die biodynamische Körpertherapie geht von einer engen Verbindung zwischen Seele und Körper aus. Der Name setzt sich aus „bio“ für Leben und „dynamisch“ für Bewegung zusammen. Gemeint ist die Vorstellung einer Lebensenergie, die sich im Körper bewegt und durch Anspannung blockiert werden kann.
Zwei Begriffe sind zentral. Die „primäre Persönlichkeit“ steht für die eigenen, ursprünglichen Möglichkeiten eines Menschen. Die „sekundäre Persönlichkeit“ umfasst die Muster, die jemand entwickelt hat, um in seinem Umfeld zurechtzukommen, darunter auch körperliche Verspannungen, die Reich als „Panzer“ bezeichnete. Die Therapie will vor allem die primäre Persönlichkeit stärken.
Woher kommt die biodynamische Körpertherapie?
Die biodynamische Körpertherapie geht auf Gerda Boyesen zurück, die als Psychologin und Physiotherapeutin arbeitete. Sie übernahm Konzepte des Psychoanalytikers Wilhelm Reich, der als einer der ersten Körpertherapeuten gilt und Muskelverspannungen mit seelischen Konflikten in Verbindung brachte. Hinzu kamen eigene Beobachtungen und Elemente aktiver Körperarbeit.
Bei ihren Massagen fielen Boyesen Darmgeräusche ihrer Klient:innen auf, die sie mit einem Stethoskop genauer verfolgte. Sie deutete diese Geräusche als Zeichen dafür, dass der Körper emotionale Spannungen „verdaut“, und nannte das Psychoperistaltik. Diese Annahme ist eine Hypothese der Methode. Ein Ausbildungsort war das Boyesen-Institut in London.
Wie läuft eine Sitzung ab?
Eine Sitzung kann Gespräch, Bewegung, Berührung, meditative Elemente und Übungen zur Sinneswahrnehmung verbinden. Im Therapieraum finden sich dafür etwa Sessel, eine Massageliege und eine Matratze am Boden. Die Therapeut:innen achten auf Haltung, Atmung und Ausdruck und tasten das Gewebe mit den Händen ab.
Dazu gehört die biodynamische Massage, die der Massage ebenso wie der Körperpsychotherapie zugeordnet wird. Dabei legen Therapeut:innen mitunter ein Stethoskop auf den Bauch, um die Darmgeräusche als Rückmeldung zu nutzen. Klient:innen können dabei Ruhe und Entspannung erleben, manche schlafen sogar ein.
Für wen ist sie nicht geeignet?
Nicht geeignet ist die Methode laut dem Berufsverband Biodynamik Schweiz bei akuten Psychosen, Depressionen, bipolaren Störungen sowie Manien und Hypomanien. Auch bei organischen Erkrankungen des Gehirns, Psychosyndromen, Verhaltens- und kognitiven Störungen, schweren Persönlichkeitsstörungen und schwerer Magersucht rät der Verband ab. Diese Erkrankungen brauchen demnach ärztliche oder psychiatrische Behandlung.
Wer bietet sie in Österreich an?
Biodynamische Körpertherapie bieten in Österreich Psychotherapeut:innen, aber auch Lebens- und Sozialberater:innen an. In der Methodenliste der Berufsliste Psychotherapie scheint sie nicht auf, und Psychotherapie dürfen nur eingetragene Psychotherapeut:innen ausüben. Krankheiten feststellen und behandeln dürfen vor allem Ärzt:innen, psychische Störungen auch Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Gesundheitspsycholog:innen.
In der Lebens- und Sozialberatung können körper-, bewegungs- und entspannungsorientierte Verfahren laut Wirtschaftskammer Teil der Beratung sein, Psychotherapie ist davon aber ausgenommen.
Wie gut ist sie untersucht?
Belastbare Studien zur biodynamischen Körpertherapie gibt es kaum. Eine Metaanalyse aus 2021 fasste 18 randomisierte Studien zur Körperpsychotherapie zusammen und fand mittlere Effekte auf psychische Beschwerden. Unter den untersuchten Ansätzen war die biodynamische Methode aber nicht vertreten, und die Autor:innen fordern größere, hochwertige Studien.