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Atypische Depression

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Auf den Punkt gebracht

Die atypische Depression ist eine Form der Depression, bei der sich die Stimmung durch erfreuliche Ereignisse zumindest vorübergehend aufhellt. Dazu kommen typischerweise vermehrter Schlaf, gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme, ein bleiernes Schweregefühl in Armen oder Beinen und eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung. Das US-amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5-TR führt sie als Zusatzmerkmal einer Depression.

Was ist eine atypische Depression?

„Atypisch“ heißt diese Form, weil sie in wichtigen Punkten vom klassischen Bild abweicht. Bei einer typischen depressiven Episode verändert sich die gedrückte Stimmung laut der Diagnoseklassifikation ICD-10 von Tag zu Tag wenig und reagiert nicht auf die Lebensumstände. Dazu können frühes Erwachen sowie Appetit- und Gewichtsverlust kommen. Bei der atypischen Form lassen sich Betroffene durch Angenehmes zumindest kurz aufheitern, und statt Schlaflosigkeit und Appetitverlust stehen eher viel Schlaf und vermehrtes Essen im Vordergrund.

Selten ist sie trotz ihres Namens nicht. Je nach untersuchter Gruppe zeigen 15 bis 40 Prozent der Menschen mit einer Depression atypische Merkmale. Häufiger betroffen sind Frauen, die Erkrankung beginnt oft früher und verläuft eher chronisch. Angststörungen, vor allem die soziale Angststörung, treten häufig zusätzlich auf.

Woran erkennt man eine atypische Depression?

Nach dem DSM-5-TR muss sich die Stimmung bei erfreulichen Ereignissen aufhellen. Zusätzlich müssen mindestens zwei von vier Merkmalen vorliegen: deutlich vermehrter Schlaf, gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme, ein bleiernes Schweregefühl in Armen oder Beinen und eine lang anhaltende Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung durch andere, die zu sozialen oder beruflichen Problemen führt. Treffen zugleich die Merkmale einer melancholischen Depression zu, wird das Zusatzmerkmal nicht vergeben. Die deutschen Bezeichnungen sind sinngemäße Übersetzungen der englischen Kriterien.

Viele Fachleute beschreiben Verbindungen zwischen atypischer Depression und bipolaren Störungen. Die Autor:innen einer Übersichtsarbeit schlagen deshalb vor, bei atypischer Depression gezielt nach Hinweisen auf eine bipolare Störung zu suchen.

Woher kommt der Begriff?

Den Begriff prägten Ende der 1950er-Jahre die Londoner Psychiater E. D. West und P. J. Dally. Sie beschrieben Patient:innen, denen Imipramin und die Elektrokrampftherapie nicht halfen, die bei „typischen“ Depressionen üblicherweise wirkten, die aber deutlich auf Iproniazid ansprachen, den ersten Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer). In den 1980er-Jahren entwickelte eine Forschungsgruppe der Columbia University Diagnosekriterien, die 1994 in das DSM-IV aufgenommen wurden und bis heute gelten.

In der in Österreich verwendeten ICD-10 ist die „atypische Depression“ unter „Sonstige depressive Episoden“ eingeordnet. In der neueren ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation findet sich unter den Zusatzmerkmalen für depressive Episoden kein eigenes Merkmal „atypisch“, wohl aber eines für Melancholie. Vermehrter Schlaf und gesteigerter Appetit zählen dort zu den möglichen Beschwerden jeder depressiven Episode.

Wie wird eine atypische Depression behandelt?

Eigene Behandlungsleitlinien für die atypische Depression gibt es nicht. In Studien wirkten verschiedene Antidepressiva, darunter auch häufig verwendete Wirkstoffe aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2025 fand Hinweise, dass der MAO-Hemmer Phenelzin besser abschneiden könnte als andere Mittel, die Aussagekraft der Studien war aber gering. Für Psychotherapie ist die Datenlage schmaler. Kognitive Therapie zeigte in einzelnen Studien gute Ergebnisse, in einer davon vergleichbar mit Phenelzin.

MAO-Hemmer werden heute selten verschrieben, meist erst, wenn andere Antidepressiva nicht wirken. Wer sie einnimmt, muss auf tyraminreiche Lebensmittel wie gereiften Käse, Salami, Rotwein oder Sojasoße verzichten, weil sonst ein gefährlicher Blutdruckanstieg bis hin zum Schlaganfall droht. Mit anderen Antidepressiva sollen sie nicht kombiniert werden, weil sonst lebensbedrohliche Reaktionen wie hohes Fieber und Krampfanfälle drohen. Auch manche rezeptfreie Husten- und Erkältungsmittel sind unter MAO-Hemmern tabu, deshalb gehört jedes zusätzliche Mittel in ärztliche Absprache.

Anlaufstellen in Österreich sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)