Bei meiner Tätigkeit, egal ob es Bühne ist oder Film, weißt du genau, das Projekt, bei dem du jetzt dabei bist, bei dem du investierst – Zeit, Herzblut, was auch immer – das hat ein Ablaufdatum. Weil irgendwann einmal ist die letzte Vorstellung oder ist der letzte Drehtag. Das ist so. Dann heißt es loslassen können. Kann ich gut eigentlich.
Und gerade beim Film ist es so, dass Filmdreharbeiten eine eigene Welt sind. Ich kenne nichts, was vergleichbar ist. Es hat so etwas wie eine Kommandoaktion vom Militär. Da gibt es einzelne Departments, da gibt es Kostüm, da gibt es Maske, da gibt es Licht, da gibt es Kamera, Aufnahmeleitung. Und diese Departments arbeiten alle selbstständig. Das ist wie beim Militär, du hast die Pioniere, du hast die motorisierten Truppen, du hast die Infanterie, die Sanitäter. Die wissen genau in ihrem Bereich, was sie zu tun haben.
Und es würde niemals im Leben einer von der Panzerkompanie auf die Idee kommen, der Air Force zu erklären, wie sie fliegen sollen. Weil das geht sie einen S*********k an und das kennen sie auch nicht. Und das ist beim Film genauso. Also die Maske erklärt nicht dem Kostüm, wie das geht und umgekehrt auch nicht. Das heißt, es treffen sich an einem Ort bei Sonnenaufgang um vier in der Früh im Sommer oder um fünf, wo nichts ist, eine Wiese oder etwas.
Auf einmal kommen die ersten LKWs, bauen sich dort auf, bauen ihr Lager auf, packen ihr Equipment aus. Jede Einheit hat ihre Sachen beieinander. Dann leben die dort einen Tag oder zwei oder drei Tage. Da ist Verpflegung dort, Essen gibt es. Also das ist wirklich wie beim Militär. Und wenn dort abgedreht ist, innerhalb von zwei Stunden sind die weg, als wären sie nie da gewesen.
Und das hat ein ganz eigenes Flair, Film. Und darum ist es so, wenn irgendwann einmal ein Film vorbei ist, der letzte Drehtag, sind alle ein bisschen gerührt. Ganz einfach deswegen, weil du weißt, genau diese Zusammensetzung, diese 80 Leute, die jetzt mitgeholfen haben, die werden nie wieder beieinander sein. Einzelne triffst du wieder bei einem anderen Projekt und so.
Aber genau diese Zusammensetzung, das ist jetzt zu Ende. Das ist so, wie wenn du mit Leuten wahrscheinlich einen Segeltörn machst oder auf Urlaub bist. Du weißt, da haben wir uns kennengelernt, da haben wir uns gesehen und das war's. Ende. Und darum hat man immer bei Dreharbeiten ein bisschen etwas Gerührtes. Und vielleicht ist es das, was der Harald Sicheritz damals gemeint hat.
Aber es ist nicht so, nehmen wir das Beispiel den Herrn Breitfuß, letzter Drehtag von der MA 2412 damals, dass ich dem Herrn Breitfuß eine Träne nachweine, weil der ist ja da, der ist ja nicht weg. Also wenn du mir jetzt sagst, morgen ist Breitfuß, was heißt morgen, in drei Minuten bin ich der Breitfuß. Das ist kein Thema, der ist ja in mir. Das ist ja in mir drinnen.
Was aber interessant ist, weil wir jetzt gerade über den Herrn Breitfuß gesprochen haben, wir haben das ja sein lassen, der Fredi und ich, ganz einfach deswegen, weil es gab nichts mehr zu erzählen im Amt. Was hätten wir noch erfinden sollen? Und es war super. Man muss dann aufhören, wenn es am besten läuft. Dass man sagt: „Okay, weil jetzt kann es nur schlechter werden."
Und jetzt durch die Ereignisse der letzten Jahre, wo der Fredi und ich beide nichts zu tun gehabt haben, weil wir daheim gesessen sind und uns beklagt haben über den kollektiven Wahnsinn rundherum, haben wir gesagt: „Das war schon irgendwie lustig, Weber und Breitfuß. Könnte man nicht wieder, sollte man nicht?" Sagen wir: „Ja, aber nicht Amt." Das haben wir gesagt, deswegen machen wir es nicht. Dann schicken wir sie in Pension.
Und dann haben wir angefangen, das wieder zu entwickeln. Was ist, wenn die zwei sich an Orten treffen in unterschiedlichen Szenarien, was aber nichts mit dem Amt zu tun hat, sondern einfach nur diese zwei Charaktere. Das funktioniert ja auch. Das gibt es in der Filmgeschichte auch, nicht? Laurel und Hardy oder Terence Hill und Bud Spencer. Ist egal, ob das Polizisten sind oder im Wilden Westen, es ist vollkommen egal.
Die zwei Figuren funktionieren. Der Weber und der Breitfuß funktionieren einigermaßen als Figur. Man muss noch dazu sagen, dass im Gesamten für so etwas kein Platz mehr ist. Die Zeit ist vorbei, weil sich einfach viele Sachen geändert haben. Ich glaube, dass so etwas wie jetzt „Muttertag", dieses Drehbuch, das würde heute nicht mehr realisiert werden, weil das so politisch belegt ist, die Entscheidung, ob etwas finanziert wird oder nicht und so wie momentan die Reise unserer Gesellschaft ist, ist für so etwas kein Platz mehr.
Weil es könnte ja jemand beleidigt sein und das ist vorbei. Ich finde es komisch, dass die, die dann solche Entscheidungen treffen, die brauchen nur schauen, jedes Mal, wenn „Muttertag" gespielt wird, seit 20 Jahren oder was, jeden Muttertag schauen die Leute wieder. Und das ist das, was die Leute wollen. Aber okay, geht mich nichts mehr an, interessiert mich auch nicht mehr.
Ich mache meine Sachen, bin auf der Bühne, da kann ich machen, was ich will und bin damit total zufrieden.