balancio

Therapeutisches Klettern

04:36

Auf den Punkt gebracht

Beim therapeutischen Klettern wird Klettern oder Bouldern gezielt als Teil einer Behandlung eingesetzt, etwa in der Ergotherapie, Physiotherapie oder Psychotherapie. Es soll körperliche Fähigkeiten wie Kraft und Koordination ebenso ansprechen wie Selbstvertrauen und den Umgang mit Angst. Die meisten Studien sind klein, am deutlichsten sind die Ergebnisse beim Bouldern gegen Depression.

Was ist therapeutisches Klettern?

Therapeutisches Klettern nutzt Klettern und Bouldern als Übungsform in Rehabilitation und Therapie. Es verbindet Kraft- und Ausdauertraining für den ganzen Körper mit besonderen psychischen und sozialen Erfahrungen. Wer klettert, erlebt oft starke Gefühle wie Angst, Freude und Stolz und übernimmt Verantwortung für die Partnerin oder den Partner.

Es gibt verschiedene Formen, etwa das Bouldern in geringer Höhe ohne Seil oder das Klettern mit Seil und Sicherung durch eine Partnerin oder einen Partner. Fachleute passen das Programm nach einer Voruntersuchung an die einzelne Person an. In der Psychotherapie dient das Klettern als Erfahrungsraum für Themen wie Kontrolle und Loslassen, Selbstwert, Grenzerfahrungen und den Umgang mit anderen.

Woher kommt therapeutisches Klettern?

Die ersten Studien stammen aus der Orthopädie, wo Klettern Teil der Rehabilitation war. In den 1980er-Jahren wurde es erstmals in der Psychiatrie erprobt, gegen Ende des 20. Jahrhunderts auch bei Kindern mit geistiger Behinderung und bei Menschen mit Suchterkrankungen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts, mit dem Aufschwung des Klettersports, wird es zunehmend in Ergo- und Physiotherapie, Erlebnispädagogik und Psychotherapie eingesetzt. Eine deutsche Übersicht beschrieb es 2011 als „kaum erforscht, aber weit verbreitet“.

Wer bietet therapeutisches Klettern in Österreich an?

Eingesetzt wird therapeutisches Klettern von verschiedenen Berufsgruppen, etwa in Ergotherapie, Physiotherapie und Psychotherapie. Die Universität für Weiterbildung Krems hat 2026 das zweisemestrige Weiterbildungsprogramm „Grundlagen Psychotherapeutischen Kletterns“ eingerichtet. Es richtet sich an Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und andere psychosoziale oder pädagogische Berufe. Voraussetzung ist unter anderem eigene Kletter- oder Bouldererfahrung. Auch eine Übersichtsarbeit betont, dass Therapeut:innen neben therapeutischem Wissen viel Klettererfahrung brauchen.

Was sagt die Forschung?

Die Studienlage ist dünn, besser untersucht ist vor allem die Depression. Eine Übersicht von 2011 fand nur vier kleine randomisierte Studien mit großen methodischen Schwächen und hielt die Wirkung für unklar. Eine Metaanalyse von 2023 mit 18 Studien sah eine Verbesserung körperlicher Fähigkeiten, bei psychischen und sozialen Zielen aber keine gesicherten Unterschiede. Auch eine Innsbrucker Übersicht von 2019 bezeichnete die psychischen Effekte als unklar.

Bei Depression kommt eine Übersichtsarbeit von 2025 zu einem deutlicheren Ergebnis. Sie wertete sieben Studien aus Deutschland und Österreich aus. Bouldern in Kombination mit Achtsamkeitsübungen verringerte mittelschwere depressive Beschwerden im Vergleich zu keiner Behandlung spürbar. Für länger anhaltende Effekte waren Programme von acht bis zehn Wochen nötig. In einer randomisierten Studie wirkte Boulder-Psychotherapie in der Gruppe ähnlich gut wie eine kognitive Verhaltenstherapie in der Gruppe.

Bei Kindern gibt es bisher nur kleine Studien, etwa bei Kindern mit Behinderungen und motorischen Schwierigkeiten.

Wo liegen die Grenzen?

Klettern im therapeutischen Rahmen gilt laut Studien als sicher, in den Depressionsstudien wurden keine Nebenwirkungen berichtet. Nicht geeignet ist es laut einer Übersichtsarbeit etwa bei fortgeschrittener Osteoporose, starkem Übergewicht, nicht verheilten Knochenbrüchen, akuten Erkrankungen oder akuten Schmerzen. Mögliche Nachteile wie Überforderung, Schmerzen oder Verletzungen wurden in vielen Studien kaum erfasst.

Bei Depression gilt Bouldern als ergänzende Behandlung. Vergleiche mit bewährten Behandlungen wie Medikamenten oder Ausdauertraining fehlen noch.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Therapeutisches Klettern explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (9)