Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung mit einem tiefgreifenden Muster aus Überlegenheitsgefühl, starkem Bedürfnis nach Bewunderung und wenig Mitgefühl für andere. Hinter dem selbstbewussten Auftreten steht oft ein brüchiges Selbstwertgefühl, das stark von der Meinung anderer abhängt. Behandelt wird sie vor allem mit Psychotherapie.
Was ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung überschätzen ihre Fähigkeiten und Leistungen und spielen die anderer eher herunter. Nach außen wirken sie oft sehr selbstsicher. Gleichzeitig reagieren sie besonders empfindlich auf Kritik und können sich nur schwer in andere einfühlen.
Ihr Selbstwertgefühl hängt davon ab, dass andere gut von ihnen denken, und ist deshalb meist sehr instabil. Kritik erleben sie schnell als Kränkung und Ablehnung. Manche reagieren mit Wut, Verachtung oder einem Gegenangriff, andere ziehen sich zurück oder meiden Situationen, in denen sie scheitern könnten.
Wie häufig die Störung ist, schätzen Studien unterschiedlich ein. Das MSD Manual nennt etwa 2 Prozent der Menschen, Männer sind häufiger betroffen.
Woher kommt der Begriff?
Der Name geht auf Narziss aus der griechischen Sage zurück, einen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte und daran zugrunde ging. Den Fachbegriff Narzissmus prägte 1899 Paul Näcke, ein Jahr nachdem Havelock Ellis ein ähnliches Verhalten als „narzissusartig“ beschrieben hatte. Sigmund Freud erweiterte das Konzept 1914 in einem eigenen Aufsatz deutlich. Als eigene Diagnose fand die narzisstische Persönlichkeitsstörung 1980 Eingang in das US-amerikanische Diagnosehandbuch DSM-III.
Woran erkennt man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?
Fachleute stellen die Diagnose anhand festgelegter Kriterien des US-amerikanischen Diagnosehandbuchs DSM-5, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen dauerhaft vorliegen. Dazu zählen ein übertriebenes Gefühl der eigenen Wichtigkeit und Fantasien von grenzenlosem Erfolg, Macht oder Schönheit. Weitere Merkmale sind der Glaube, etwas Besonderes zu sein, ein starkes Verlangen nach Bewunderung und eine Anspruchshaltung. Auch das Ausnutzen anderer, fehlendes Mitgefühl, Neid und überhebliches Verhalten gehören dazu. Die Muster müssen spätestens im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.
In der ICD-10, nach der in Österreich derzeit diagnostiziert wird, zählt die narzisstische Form zu den „sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen“. Die neue ICD-11 der WHO führt sie nicht mehr als eigene Form. Dort wird eine Persönlichkeitsstörung nach Schweregrad eingestuft, und auffällige Züge wie Anspruchsdenken, Erwartung von Bewunderung oder fehlende Empathie werden zusätzlich beschrieben.
Häufig bestehen weitere Erkrankungen, etwa Depressionen, Magersucht, eine Substanzgebrauchsstörung oder eine andere Persönlichkeitsstörung.
Wie entsteht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?
Vermutlich tragen Gene und Umweltfaktoren gemeinsam dazu bei. Eine Theorie geht davon aus, dass Bezugspersonen mit dem Kind so umgegangen sind, dass es kein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln konnte. Sie waren etwa zu kritisch oder zu lobend, zu bewundernd oder zu nachlässig.
Was hilft bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?
Für die Behandlung gelten dieselben Grundsätze wie bei anderen Persönlichkeitsstörungen, im Mittelpunkt steht Psychotherapie. Eine psychodynamische Psychotherapie, die an den zugrunde liegenden Konflikten ansetzt, kann laut MSD Manual wirksam sein. Auch Verfahren, die für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt wurden, lassen sich anpassen, etwa die mentalisierungsbasierte Therapie. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kommt laut MSD Manual infrage. Allerdings ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung deutlich weniger erforscht als etwa die Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Ansprechpersonen in Österreich sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Angehörige finden Information und Unterstützung etwa bei HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter). Mehr zu Persönlichkeitsstörungen allgemein steht im Glossarbegriff „Persönlichkeitsstörung“.
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Wer an Suizid denkt, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.