Kunsttherapie nutzt Malen, Zeichnen, Modellieren und andere gestalterische Mittel, damit Menschen Gefühle und innere Vorgänge ausdrücken können. Das Gestaltete wird anschließend gemeinsam besprochen. Künstlerische Vorkenntnisse braucht es dafür nicht. In Österreich ist Kunsttherapie keine gesetzlich anerkannte Therapieform und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Was ist Kunsttherapie?
Kunsttherapie ist eine Begleitung, in der sich Menschen über kreatives Gestalten ausdrücken. Laut Berufslexikon des Arbeitsmarktservice (AMS) sollen sie dabei innere Prozesse erkennen und persönliche Ressourcen stärken. Gearbeitet wird einzeln oder in Gruppen, zum Beispiel mit Malen, Zeichnen, Tonmodellieren oder Basteln. Kunsttherapeut:innen begleiten den Gestaltungsprozess, regen zum Nachdenken über Gefühle und Gedanken an und besprechen die entstandenen Werke gemeinsam mit den Klient:innen.
Wer in die Kunsttherapie kommt, muss weder Erfahrung noch besondere Fähigkeiten in Kunst mitbringen. So beschreibt es der britische Berufsverband der Kunsttherapeut:innen. Es geht auch nicht in erster Linie darum, das Bild ästhetisch oder diagnostisch zu bewerten.
Was ist Maltherapie?
Maltherapie ist die ältere und engere Bezeichnung für die therapeutische Arbeit mit dem Malen. In psychiatrischen Kliniken gab es sie bereits im Rahmen der Beschäftigungstherapie, bevor sich der Begriff Kunsttherapie durchsetzte. Heute gehört das Malen zu den gestalterischen Ausdrucksformen der Kunsttherapie. In Veröffentlichungen und in der Praxis meint Kunsttherapie ohnehin überwiegend die bildende Kunst, während Musik, Tanz oder Theater eigene Therapienamen haben.
Woher kommt die Kunsttherapie?
Am Anfang der Kunsttherapie stand kein einzelner Gründungsakt. Sie entwickelte sich allmählich aus der Beschäftigungstherapie in psychiatrischen Kliniken. Den englischen Begriff „art therapy“ verwendete nach allgemeiner Auffassung zuerst der Maler Adrian Hill im Jahr 1942. Er hatte 1938 während seiner Erholung von einer Tuberkulose selbst erlebt, wie ihm das Malen guttat. Seine Gedanken schrieb er 1945 im Buch „Art versus Illness“ nieder.
Mit dem Malen in der Therapie arbeitete schon früher der Psychiater C. G. Jung. Er entdeckte es 1914 in einer schweren persönlichen Krise für sich und regte bald auch seine Patient:innen dazu an. Im deutschen Sprachraum überholte der Begriff Kunsttherapie in den 1970er- und 1980er-Jahren ältere Bezeichnungen wie Gestaltungstherapie oder Künstlerische Therapie.
Wo wird Kunsttherapie eingesetzt?
Kunsttherapie wird laut AMS etwa in Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen, Rehabilitations- und Palliativzentren, Pflegeheimen und Schulen angeboten. Anlässe sind zum Beispiel persönliche Krisen, Veränderungsphasen, Suchtprobleme oder belastende Erlebnisse. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung zählt das deutsche Gesundheitsinstitut IQWiG die Kunsttherapie zu den ergänzenden Behandlungen, vor allem während eines Klinikaufenthalts.
Wer bietet Kunsttherapie in Österreich an?
Kunsttherapie ist in Österreich laut AMS kein anerkannter Gesundheitsberuf. Kunsttherapeut:innen ohne zusätzliche Qualifikation dürfen deshalb nur begleitend und ergänzend tätig sein. Oft arbeiten sie mit Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen zusammen. Selbstständig arbeiten können sie mit der jeweils nötigen Qualifikation etwa im reglementierten Gewerbe der Lebens- und Sozialberatung oder in den freien Berufen Psychologie und Psychotherapie. Ausbildungen gibt es als Universitätslehrgang und an Einrichtungen der Erwachsenenbildung, wobei Voraussetzungen und Dauer je nach Anbieter unterschiedlich sind.
Was zeigen Studien?
Die Studienlage ist uneinheitlich und meist von geringer Qualität. Eine Übersichtsarbeit von 2024 wertete 69 Studien mit rund 4.200 Teilnehmenden aus. Kunsttherapie war dort bei einem Teil der gemessenen Werte mit Verbesserungen verbunden, bei den meisten aber nicht.
Für einzelne Erkrankungen fanden Cochrane-Übersichten kaum Studien. Bei Demenz lagen 2018 nur zwei kleine Studien vor, die keine klaren Unterschiede zeigten. Bei Schizophrenie blieben Nutzen und Schaden 2005 unklar. Das britische Institut NICE rät dennoch, bei Menschen mit Psychose oder Schizophrenie künstlerische Therapien in Betracht zu ziehen, besonders zur Linderung sogenannter Negativsymptome. Gemeint sind damit etwa nachlassender Antrieb, weniger Interesse und ein verminderter Ausdruck von Gefühlen. NICE verlangt dafür registrierte Therapeut:innen mit Erfahrung.
Wo liegen die Grenzen?
Kunsttherapie ergänzt eine Behandlung, ersetzt sie aber nicht. Bei schweren Traumatisierungen sind kreative Therapien laut IQWiG nicht zur alleinigen Behandlung geeignet. Sie können die Annäherung an das Erlebte unterstützen, verarbeitet werden die belastenden Erinnerungen in der Regel in der Psychotherapie.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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