Kreativtherapie ist ein Sammelbegriff für Therapien, die mit künstlerischen Mitteln arbeiten, etwa mit Malen, Musik, Tanz, Theaterspiel oder Poesie. Sie sollen Menschen helfen, Gefühle und innere Vorgänge auszudrücken und zu bearbeiten. Eine einheitlich geregelte Methode ist sie nicht. In Österreich ist zum Beispiel die Musiktherapie ein eigener gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf, die Kunsttherapie dagegen nicht.
Was ist Kreativtherapie?
Unter dem Begriff werden Verfahren zusammengefasst, die die Künste therapeutisch nutzen, darunter Mal-, Musik-, Tanz-, Theater- und Poesietherapie. Für dieses Feld sind mehrere Oberbegriffe im Umlauf, etwa Gestaltungstherapie, Kreative Therapie, Künstlerische Therapien und Kunsttherapie. Laut einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt führten Streitigkeiten zwischen den Schulen seit den 1980er-Jahren dazu, dass diese Bezeichnungen unterschiedlich gebraucht werden. Viele Berufsverbände sprechen heute von Künstlerischen Therapien. Kunsttherapie wiederum wird häufig nur auf die bildende Kunst bezogen.
Eine frühe Haltung zum Ergebnis formulierte der Psychiater Günter Clauser. Er forderte 1960 für seine Gestaltungstherapie, das Gestaltete solle weder nützen noch richtig, schön oder künstlerisch wertvoll sein.
Woher kommt der Begriff?
Der Ausdruck Kreative Therapie ist eng mit Hilarion Petzold verbunden. Er bezog ab 1965 gezielt Elemente aus Schauspiel, Tanz, Musik und Malerei in die Therapie ein und nannte sie kreative Medien. Geprägt wurde er dabei unter anderem von Jakob Levy Moreno, dem Begründer des Psychodramas. Sein Konzept einer Kreativen Therapie schloss ausdrücklich alle Künste ein.
Petzold entwickelte mit anderen die Integrative Therapie und nannte seinen Ansatz seit den 1990er-Jahren Integrative Kunst- und Kreativitätstherapie. In der Öffentlichkeit setzte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren allerdings der Begriff Kunsttherapie stärker durch.
Wer bietet Kreativtherapie in Österreich an?
Wer welche kreative Therapie anbieten darf, hängt in Österreich von der jeweiligen Form ab. Die Musiktherapie ist durch ein eigenes Bundesgesetz, das Musiktherapiegesetz, geregelt. Nach einem Bachelorstudium arbeiten Musiktherapeut:innen angestellt und mitverantwortlich nach Anordnung, nach einem darauf aufbauenden Masterstudium auch eigenverantwortlich. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung laut Gesundheitsportal nicht.
Kunsttherapie ist laut Arbeitsmarktservice kein anerkannter Gesundheitsberuf. Kunsttherapeut:innen ohne zusätzliche Qualifikation dürfen deshalb nur begleitend und ergänzend tätig sein. Auch die Tanztherapie steht nicht auf der Liste der anerkannten Psychotherapiemethoden.
Innerhalb der Psychotherapie ist die Integrative Therapie eine anerkannte Methode. Psychotherapeut:innen dieser Richtung setzen neben dem Gespräch auch kreative Medien, Techniken und Verfahren ein.
Was zeigen Studien?
Die Studienlage ist je nach Form und Einsatzbereich unterschiedlich. Eine Übersichtsarbeit von 2018 suchte kontrollierte Studien zu kreativen Therapien bei posttraumatischer Belastungsstörung und fand nur sieben. Die Belege für Musik-, Kunst- und Theatertherapie stufte sie als gering bis sehr gering ein, zur Tanztherapie fand sie keine Studie.
Das deutsche Gesundheitsinstitut IQWiG beschreibt kreative Therapien bei einer posttraumatischen Belastungsstörung als mögliche Unterstützung. Sie sollen aktivieren und positive Erfahrungen bieten und können die Annäherung an das Trauma unterstützen. Bei schweren Traumatisierungen sind sie aber nicht zur alleinigen Behandlung geeignet, verarbeitet wird das Erlebte dann in der Psychotherapie. Mehr zu einzelnen Formen steht in den Glossarbegriffen „Kunsttherapie“ und „Tanztherapie“.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.