Schreibtherapie nutzt das Schreiben eigener Texte, um belastende Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zu ordnen und zu verarbeiten. Sie kommt als eigenes Programm vor oder als Baustein einer Psychotherapie. Viele Studien gibt es zu Schreibbehandlungen bei Traumafolgen.
Was ist Schreibtherapie?
Schreibtherapie ist ein Sammelbegriff für Behandlungsformen, in denen Menschen selbst schreiben. Im deutschsprachigen Raum ist dafür auch der Name Poesietherapie gebräuchlich. Laut Deutschem Ärzteblatt meint sie die Arbeit mit selbst geschriebenen Texten, die verwandte Bibliotherapie dagegen das Lesen fertiger Texte. Ziel beider ist eine positive Veränderung im Denken und Fühlen.
In der Forschung reicht die Spannweite vom freien, sogenannten expressiven Schreiben über ein belastendes Erlebnis bis zu aufwendigeren Programmen. Diese bieten zusätzlichen therapeutischen Kontakt oder persönlich zugeschnittene Schreibaufgaben. Auch innerhalb einer Psychotherapie wird geschrieben. Bei der Imagery-Rehearsal-Therapie gegen Albträume etwa wird der Albtraum laut Gesundheitsportal zuerst erzählt, gemalt oder aufgeschrieben. Danach wird er so umgeschrieben, dass er sich zum Positiven wendet.
Woher kommt die Schreibtherapie?
Die Idee, Texte therapeutisch zu nutzen, ist alt. Laut Ärzteblatt nutzten schon die alten Griechen das Lesen zu therapeutischen Zwecken, in den USA wird ausgewählte Literatur seit dem 19. Jahrhundert bei psychisch Kranken eingesetzt. Dass das Schreiben über belastende Erlebnisse auf die Gesundheit wirken könnte, machte die Forschungsgruppe um J. W. Pennebaker zum Gegenstand systematischer Forschung. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Achtsames Schreiben“.
Wie läuft eine Schreibtherapie ab?
Der Ablauf hängt stark vom Verfahren ab. Ein genau festgelegtes Beispiel ist die Written Exposure Therapy, eine Schreibbehandlung bei posttraumatischer Belastungsstörung. In einer Studie von 2018 umfasste sie fünf Sitzungen, die erste dauerte 60 Minuten, die übrigen je 40 Minuten. In einer späteren Studie schrieben die Teilnehmenden in jeder Sitzung rund 30 Minuten über das traumatische Erlebnis. Schreibbehandlungen lassen sich auch über das Internet anbieten.
Was zeigen Studien?
Zu Traumafolgen liegen viele Studien vor. Eine Metaanalyse von 2013 mit sechs Studien fand, dass Schreibtherapie Trauma- und depressive Beschwerden kurzfristig deutlich stärker linderte als bloßes Abwarten auf einer Warteliste. Gegenüber traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie zeigte sich kein Unterschied, dafür gab es aber nur zwei direkte Vergleiche.
Eine größere Netzwerk-Metaanalyse von 2022 mit 44 Studien kam zu dem Schluss, dass Schreibbehandlungen dazu beitragen können, Traumafolgebeschwerden mittel- bis langfristig zu lindern. Selbst Schreiben über neutrale Themen schnitt besser ab als die Warteliste. Wegen methodischer Schwächen der Studien ließ sich aber nicht sicher sagen, welche Form am besten wirkt.
Die Written Exposure Therapy war in zwei Vergleichsstudien von 2018 und 2023 nicht schlechter als längere, etablierte Traumatherapien. Deutlich weniger Teilnehmende brachen sie vorzeitig ab. Bei Depression fand eine Übersichtsarbeit von 2024 Hinweise, dass erzählendes Schreiben depressive Beschwerden stärker senkt als neutrales Schreiben oder die übliche Behandlung.
Wo liegen die Grenzen?
Wer nach einem schweren Trauma schreibt, setzt sich bewusst mit dem Erlebten auseinander. Laut IQWiG kann eine zu frühe Konfrontation die Beschwerden auch verstärken. Bei schweren Traumatisierungen ist sie deshalb manchmal erst nach einiger Vorbereitung sinnvoll.
Fortbildungen in Poesie- und Bibliotherapie richten sich laut Ärzteblatt an viele Berufe, etwa an Pädagog:innen, Seelsorger:innen, Bibliothekar:innen und Psychotherapeut:innen. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.