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Trennungsangststörung

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Auf den Punkt gebracht

Bei einer Trennungsangststörung ist die Angst, von wichtigen Bezugspersonen getrennt zu werden, viel stärker und anhaltender, als es Alter und Entwicklung entspricht. Sie beginnt meist in der Kindheit, kann laut der WHO-Klassifikation ICD-11 aber auch Erwachsene betreffen. Behandelt wird sie vor allem mit kognitiver Verhaltenstherapie, in die Eltern und Familie einbezogen werden.

Was ist eine Trennungsangststörung?

Trennungsangst gehört zur normalen Entwicklung. Praktisch alle Kinder kennen sie, besonders zwischen etwa 8 und 24 Monaten. Die Angst klingt meist ab, sobald ein Kind versteht, dass die Mutter, der Vater oder eine andere Bezugsperson wiederkommt.

Bei einer Trennungsangststörung ist die Angst dagegen viel intensiver und passt nicht mehr zum Alter. Sie zählt zu den Angststörungen und laut ICD-11 zu den häufigsten bei jungen Kindern. Beginnt sie erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter, ist das seltener.

Woran erkennt man eine Trennungsangststörung?

Abschiede werden oft zu dramatischen Szenen, weil das Kind weint und fleht, die Bezugsperson möge bleiben. Ist sie fort, denkt es nur an ihre Rückkehr. Es fürchtet, ihr oder ihm selbst könnte etwas zustoßen, etwa durch einen Unfall, eine Krankheit oder eine Entführung. Viele Kinder wollen nicht allein einschlafen oder lehnen Übernachtungen und Ferienlager ab. Dazu können Albträume über Trennungen kommen, Bauch- oder Kopfschmerzen sind häufig.

Oft zeigt sich die Störung als Weigerung, in den Kindergarten oder in die Schule zu gehen. Steht dabei die Trennung von Mutter oder Vater im Mittelpunkt, spricht das Gesundheitsportal auch von Schulphobie. Solange ein Elternteil da ist, wirkt das Kind meist unauffällig, weshalb das Problem leicht unterschätzt wird.

Festgestellt wird die Störung erst, wenn die Beschwerden längere Zeit anhalten und deutlich belasten oder den Alltag einschränken. Das MSD Manual nennt dafür mindestens einen Monat, die ICD-11 mindestens mehrere Monate.

Wie entsteht eine Trennungsangststörung?

Auslöser können belastende Ereignisse sein, etwa der Tod eines Angehörigen, eines Freundes oder eines Haustiers, ein Umzug oder ein Schulwechsel. Auch eine erbliche Neigung zu Angst kann mitspielen. Laut ICD-11 hängt die Störung bei Kindern häufig mit einem Erziehungsstil zusammen, der wenig Selbstständigkeit zulässt. Sind die Eltern selbst sehr angespannt, kann das die Angst des Kindes verstärken und einen Teufelskreis auslösen.

Gibt es sie auch bei Erwachsenen?

Ja, die neue ICD-11 beschreibt sie ausdrücklich auch bei Erwachsenen. Die ältere ICD-10 führt dagegen als eigene Diagnose nur die „emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters“, die erstmals in der frühen Kindheit auftreten muss.

Bei Erwachsenen richtet sich die Angst laut ICD-11 meist auf die Partnerin oder den Partner oder auf die eigenen Kinder. Sie kann sich etwa als Widerwille zeigen, zur Arbeit zu gehen. Eine enge Bindung an geliebte Menschen ist dagegen normal und gesund, und vorübergehende Traurigkeit beim Abschied gehört dazu.

Was hilft bei einer Trennungsangststörung?

Meist wird eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt, die regelmäßige Trennungen gezielt einübt. Eltern lernen, Abschiede kurz zu halten und auf Proteste ruhig und nüchtern zu reagieren. Oft hilft auch eine Psychotherapie mit der ganzen Familie.

Ein vorrangiges Ziel ist der Schulbesuch, wofür Eltern, Schule und Fachleute zusammenarbeiten. Fernbleiben verstärkt dagegen die Vermeidung. Bei schweren Verläufen oder wenn die Therapie nicht reicht, kommen angstlösende Medikamente wie Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI infrage. Bei sehr kleinen Kindern ist dabei besondere Vorsicht geboten, weil die Erfahrung damit begrenzt ist. Nach Ferien oder langen Wochenenden neigen manche Kinder zu Rückfällen, deshalb sollten auch dann regelmäßige Trennungen eingeplant werden.

Wer hilft in Österreich?

Erste Ansprechpersonen sind Kinderärzt:innen, Schulärzt:innen und die Schulpsychologie. Weiter helfen Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche sowie Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Erwachsene finden Hilfe bei Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und Klinischen Psycholog:innen.

Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (8)