Psychologisches Coaching ist ein Coaching, das ausdrücklich auf psychologischen Theorien und Methoden aufbaut. Es begleitet Menschen zeitlich begrenzt dabei, berufliche oder private Ziele zu erreichen, und ist keine Behandlung psychischer Erkrankungen. Geschützt ist in Österreich die Bezeichnung „Psycholog:in“, der Name einer Leistung allein sagt aber wenig über die Ausbildung dahinter.
Was ist psychologisches Coaching?
Psychologisches Coaching unterscheidet sich von anderem Coaching dadurch, dass es psychologische Theorie gezielt anwendet. So beschreibt es ein Beitrag in der Zeitschrift der britischen Psychologengesellschaft BPS. Ziel ist, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Beruf und im Privatleben zu fördern, mit Methoden aus Lerntheorien und psychologischen Ansätzen.
Wie jedes Coaching versteht es sich als Hilfe zur Selbsthilfe. Laut Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) entwickelt der Coach Lösungen mit den Kund:innen und nicht für sie. Als Themen nennt der BÖP etwa Führung, Karriere, schwierige Entscheidungen, Stress und Konflikte, aber auch Partnerschaft oder Trennung.
Woher kommt psychologisches Coaching?
Der Begriff Coaching kommt laut BÖP aus dem Englischen. Er bezeichnet dort die Betreuung von Sportler:innen vor und während eines Wettkampfs durch einen erfahrenen Trainer. Schon 1918 untersuchte der US-Psychologe Coleman R. Griffith psychologische Fragen im Basketball und Football, 1926 erschien sein Buch „Psychology of Coaching“.
Fachleute sehen die Wurzeln der modernen Coachingpsychologie in der humanistischen Psychologie der 1960er-Jahre, so der BPS-Beitrag. Später gründeten Psychologenverbände in Australien und Großbritannien eigene Fachgruppen dafür, die britische trat 2004 erstmals zusammen.
Wie läuft ein psychologisches Coaching ab?
Coaching findet allein, im Team oder in der Gruppe statt. Im Erstgespräch vereinbaren Coach und Kund:in laut BÖP Ziele, Honorar, Dauer und voraussichtliche Zahl der Sitzungen. Weil Coaching auf Ergebnisse zielt, gehört eine Kontrolle der Ziele dazu.
In der britischen Fachgruppe waren laut dem BPS-Beitrag von 2008 neben einem begleitenden Ansatz vor allem lösungsorientierte und kognitiv-verhaltensorientierte Methoden verbreitet. Die meisten der damals genannten Ansätze stammen ursprünglich aus der Therapie. Ein Beispiel ist ein verhaltensorientiertes Kurzcoaching aus einer deutschen Studie. Es umfasste drei einstündige Sitzungen mit Verhaltensanalyse, einem gemeinsamen Ziel und Übungen am Arbeitsplatz.
Was bedeutet „psychologisch“ rechtlich in Österreich?
Das Psychologengesetz schützt die Bezeichnung „Psychologin“ oder „Psychologe“. Sie dürfen nur Personen mit abgeschlossenem Psychologiestudium führen, in der Regel im Umfang von mindestens 300 ECTS. Unbefugtes Führen kann als Verwaltungsübertretung bis zu 15.000 Euro kosten. Gesundheitspsychologie und Klinische Psychologie sind eigene Gesundheitsberufe mit öffentlichen Berufslisten. Für Psycholog:innen ist Coaching laut Arbeitsmarktservice eine mögliche Weiterbildung.
Psychologisch beraten dürfen aber nicht nur Psycholog:innen. Die Gewerbeordnung zählt die psychologische Beratung, mit Ausnahme der Psychotherapie, zur Lebens- und Sozialberatung. Gesundheitspsychologische und klinisch-psychologische Leistungen bleiben dagegen den dafür eingetragenen Berufsangehörigen vorbehalten. Die Bezeichnung „Coach“ ist nicht geschützt. Der BÖP nennt neben Psycholog:innen auch Betriebswirt:innen, Berater:innen und Trainer:innen als Herkunftsberufe von Coaches. Wer Klarheit möchte, kann deshalb nach der Berufsbezeichnung fragen.
Was weiß man über die Wirkung?
Eine Metaanalyse von 2022 fasste 20 Studien mit knapp 1.000 Teilnehmenden zu kognitiv-verhaltensorientiertem und positiv-psychologischem Coaching am Arbeitsplatz zusammen. Die deutlichsten Effekte zeigten sich beim Erreichen von Zielen und beim Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Einen bedeutsamen Unterschied zwischen den gängigen Ansätzen fand sie nicht.
Eine weitere Metaanalyse von 2023 berichtet für Coaching am Arbeitsplatz einen moderaten positiven Effekt. Sie bemängelt aber, dass kontrollierte Studien fehlen.
Wo liegen die Grenzen?
Coaching ist keine Psychotherapie, die krankheitswertige psychische Störungen behandelt. Laut BÖP sind Menschen im Coaching in der Regel körperlich und psychisch gesund. Diagnosen und Behandlungen im psychologischen oder psychotherapeutischen Sinn finden laut Wirtschaftskammer im Coaching nicht statt, laufende Behandlungen sollen nicht abgebrochen werden.
Manche Menschen mit psychischen Erkrankungen suchen ein Coaching, weil die Wartezeit kürzer ist als bei einer Psychotherapie. In einer Studie berichteten sie häufiger von Abhängigkeit vom Coach als Teilnehmende ohne Erkrankung. Bei psychischen Beschwerden ist die Hausärztin oder der Hausarzt eine erste Anlaufstelle.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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