balancio

Organisches Psychosyndrom

05:30

Auf den Punkt gebracht

Ein organisches Psychosyndrom ist eine psychische Störung, die direkt auf eine Erkrankung, Verletzung oder Funktionsstörung des Gehirns zurückgeht. Der ältere Sammelbegriff umfasst sehr unterschiedliche Bilder, von Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen bis zu Veränderungen der Persönlichkeit. Heute ist meist von organischen psychischen Störungen die Rede, die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Was ist ein organisches Psychosyndrom?

Das organische Psychosyndrom ist ein Sammelbegriff für psychische Veränderungen, die eine körperliche Ursache haben. Ein Fachlexikon der Psychologie nennt etwa Störungen von Bewusstsein und Persönlichkeit, Konzentrations- und Antriebsmangel, Reizbarkeit und verminderte Belastbarkeit. Geht das Bild auf eine Hirnschädigung zurück, spricht man auch vom hirnorganischen Psychosyndrom, abgekürzt HOPS, oder vom psychoorganischen Syndrom.

Das österreichische Gesundheitsportal verwendet heute den Oberbegriff „organische psychische Störungen“ (OPS). Früher waren diese Störungen unter anderem als hirnorganisches Psychosyndrom bekannt. Dazu zählen auch psychische Störungen bei körperlichen Erkrankungen, die das Gehirn beeinträchtigen, etwa bei einer Fehlfunktion der Schilddrüse.

Wie ist der Begriff in den Diagnosesystemen eingeordnet?

In der österreichischen Fassung der ICD-10 bilden die organischen, einschließlich symptomatischen psychischen Störungen die Gruppe F00–F09. Dazu gehören Demenz, Delir, das organische amnestische Syndrom und organisch bedingte Störungen von Stimmung, Wahrnehmung oder Persönlichkeit. Die Bezeichnung „Organisches Psychosyndrom“ selbst führt die ICD-10 nur als Einschlussbegriff bei der nicht näher bezeichneten organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung. Daneben gibt es das „Organische Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma“, und das akute „psychoorganische Syndrom“ wird dem Delir zugeordnet.

In der ICD-11 der WHO finden sich diese Bilder im Wesentlichen in zwei Gruppen. Die neurokognitiven Störungen umfassen unter anderem Delir, leichte neurokognitive Störung, amnestische Störung und Demenz. Als sekundäre psychische Syndrome gelten Beschwerden, die direkt durch eine andere Erkrankung entstehen, etwa ein sekundäres Stimmungs- oder Angstsyndrom oder eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung.

Woran erkennt man ein organisches Psychosyndrom?

Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich, auch weil Menschen eine Hirnschädigung verschieden bewältigen. Möglich sind Gedächtnis- und Lernstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen oder Wahnideen, depressive oder ängstliche Zustände und Veränderungen der Persönlichkeit. Dazu zählen etwa Interessenverlust, wenig Gefühlsausdruck oder eine gestörte Impulskontrolle. Eine solche Persönlichkeitsveränderung nehmen Betroffene laut Gesundheitsportal oft selbst nicht wahr.

Am häufigsten sind Demenz und Delir. Die Demenz ist also eine Form dieser Störungen und im eigenen Begriff „Demenz“ beschrieben.

Wie entsteht ein organisches Psychosyndrom?

Ursache ist eine Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns. Sie kann primär sein, etwa durch einen Hirntumor, oder sekundär als Folge anderer körperlicher Erkrankungen. Genannt werden unter anderem Schädel-Hirn-Verletzungen, Durchblutungsstörungen wie ein Hirninfarkt, Infektionen des Zentralnervensystems, Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Stoffwechselstörungen wie eine Unterzuckerung sowie bestimmte Medikamente. Das Gehirn kann eine Schädigung umso besser ausgleichen, je langsamer sie entsteht und je kürzer sie einwirkt.

Wie wird es abgeklärt und behandelt?

Viele Beschwerden gleichen jenen psychischer Erkrankungen ohne organische Ursache. Für die Diagnose muss daher eine körperliche Erkrankung nachgewiesen werden, die Gehirnfunktionen beeinträchtigt. Ärzt:innen denken etwa bei akuter Verwirrtheit oder neu auftretenden Gedächtnisstörungen bisher gesunder älterer Menschen daran. Das gilt auch bei einer Psychose, die erstmals nach dem 40. Lebensjahr auftritt, oder bei zusätzlichen neurologischen Zeichen wie Lähmungen oder epileptischen Anfällen.

Zur Abklärung gehören eine psychiatrische und neurologische Untersuchung, neuropsychologische Tests, EEG, Bildgebung wie CT oder MRT des Gehirns, EKG und Laboruntersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Beschwerden. Je nach Grunderkrankung kommen Medikamente, Operationen, Physiotherapie, Psychotherapie oder Rehabilitation infrage, oft in Zusammenarbeit von Neurologie, Psychiatrie und Innerer Medizin. Die Prognose ist von Fall zu Fall verschieden.

Wann ist rasch ärztliche Hilfe nötig?

Ein Delir ist eine akute Erkrankung, die sofortiger medizinischer Hilfe bedarf. Bei plötzlicher Orientierungslosigkeit, Bewusstseinstrübung oder akuten Wahnvorstellungen ist die Rettung unter 144 zu rufen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Organisches Psychosyndrom explizit als Schwerpunkt in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (6)